Vielfach ist der Zellsaft gefärbt, besonders durch #Anthozyane#,

eine Gruppe stickstoffreier Glykoside. Sie sind rot in sauren,

blau in schwach alkalischen Zellsäften; unter Umständen sind sie

auch dunkelrot, violett (so in neutralem Zellsaft), dunkelblau,

selbst schwarzblau gefärbt. Alkalien wandeln die Farbe oft in grün

um. Bei einer sehr großen Anzahl intensiv gefärbter Pflanzen sind

die Anthozyane auch kristallinisch oder amorph ausgeschieden.

Seltener findet man, im Zellsaft gelöst, auch gelbe Farbstoffe, die

#Anthochlore#[30], z. B. in den Zellen der gelben Blütenblätter der

Primeln, des gelben Fingerhutes, der Löwenmäulchen, der Königskerze;

oder auch ein braunes Pigment, das #Anthophaein#, z. B. in den Zellen

der schwarzbraunen Flecken in den Saubohnenblüten.

Einsicht in die chemische Konstitution der Anthozyane verdankt

man vor allem den Untersuchungen von WILLSTÄTTER und seinen

Schülern[31]. Danach sind es meist Glykoside, in denen an Zucker

aromatische Farbstoffkomponenten, die #Zyanidine#, gebunden sind,

z. B. bei der Kornblumenblüte das Zyanidin (C_{15}H_{10}O_{6}), bei

der Blüte des Rittersporns das Delphinidin (C_{15}H_{10}O_{7}).

Die Zyanidine, die auch frei in Zellsäften vorkommen können, sind

Hydroxylverbindungen eines Phenylbenzopyryliums; sie sind den

Flavonen verwandt, die in Pflanzen sehr weit verbreitet sind. In

roten Blüten sind die Zyanidine an Säuren gebunden, in blauen

an Alkalien; in violetten sind es neutrale Farbstoffe. Auch die

Anthochlore sind Glykoside mit aromatischen Farbstoffkomponenten,

die zu den Flavonen gehören, oder solche freien Flavone[30].

„#Blutfarbige#“, d. h. braune #Laubblätter#, z. B. die der Blutbuchen,

Bluthaselnüsse u. a., verdanken ihre eigenartige Färbung dem

Zusammenwirken von rotem Anthozyan und grünen Chlorophyllkörnern. Auch

die Rötung der Laubblätter im Herbste beruht auf Anthozyanbildung.

Bei den #Blüten und Früchten# kommen die verschiedenen #Farben#, die im

allgemeinen der Anlockung von Tieren dienen und deshalb als Lockfarben

bezeichnet werden, durch die Farben der Zellsäfte, die Verteilung der

farbstoffhaltigen Zellen, durch Chromoplasten, endlich auch oft durch

die Kombination der gelösten Farbstoffe mit gelben, gelbroten oder

roten Chromoplasten und grünen Chloroplasten zustande.

+b) Fettvakuolen.+ Als Reservestoffe sind die Fette (fetten Öle)

im Pflanzenreiche so verbreitet, daß ungefähr neun Zehntel aller

Phanerogamen sie im Plasma ihrer Samen und zwar als feinste, optisch

nicht nachweisbare Emulsion speichern. In besonders fettreichen Samen

macht das Öl bis zu 70% der Trockensubstanz aus. Fette können aber

auch als stark lichtbrechende Tröpfchen (Fettvakuolen) im Plasma

auftreten, so z. B. in den keimenden Samen. Die Fette sind Gemische

vieler Glyzerinester von Fettsäuren, besonders der Palmitinsäure

(C_{16}H_{32}O_{2}), der Stearinsäure (C_{18}H_{36}O_{2}), der Ölsäure

(C_{18}H_{34}O_{2}) u. a. Mit diesen Reservestoffen wird der Raum der

Speicherorgane am besten ausgenutzt, da das Fett einen besonders großen

Energievorrat gegenüber anderen Speicherstoffen hat.

+c) Vakuolen mit ätherischen Ölen und Harzen+[32]. Auch sie bilden

stark lichtbrechende #Tröpfchen#; z. B. im Zellinhalt zahlreicher

Blumenblätter, in Rhizomen verschiedener Pflanzen (Acorus calamus,

Zingiber officinale), in Rinden (Cinnamomum), in Blättern (Laurus

nobilis), endlich in Fruchtschalen und Samen (Piper nigrum,

Illicium anisatum). Die Wände solcher Zellen sind nicht selten

verkorkt. Die ätherischen Öle sind vor allem Gemische von Terpenen

(C_{10}H_{16})_{1 bis n} und Terpenderivaten nebst gewissen Estern,

Phenolen, Phenolderivaten und höheren Alkoholen; die Harze sind

Gemische von Terpenen und Harzsäuren, die durch Oxydation aus den

Terpenen entstehen. Ätherische Öle und Harze haben fäulniswidrige

Eigenschaften. Die ätherischen Öle der Blüten locken durch ihren

Duft die bestäubenden Insekten an. Unter Umständen nimmt das Öl

auch Kristallform an, z. B. in den Blumenblättern der Rose.

+2. Feste Einschlüsse des Plasmas.+ +a) Kristalle von Kalziumoxalat+,

Ca(CO_{2})_{2} mit zwei oder sechs Mol. Kristallwasser, kommen in sehr

vielen Pflanzen vor. Sie werden, als Endprodukte des Stoffwechsels,

wohl meist im Zytoplasma (oder seltener im Zellsafte kleinerer

oder größerer Vakuolen) angelegt, liegen später aber sehr oft im

Zellsaftraum und nehmen unter Umständen schließlich fast die ganze

Zelle ein. In letzterem Falle sind die übrigen Bestandteile der Zelle

sehr reduziert, die Zellwände nicht selten verkorkt. Es bilden sich

entweder große #Einzelkristalle# (Fig. 132 _k_, 173 _Bk_, 182 _k_),

deren Formen leicht zu erkennen sind, oder viele winzige Kriställchen,

die so zahlreich sein können, daß sie als #Kristallsand# die Zelle

anfüllen, oder viele, #Rhaphiden# genannte Kristallnadeln, die

parallel nebeneinander liegen und in der Zelle #Rhaphidenbündel#

bilden (Fig. 22), oder schließlich morgensternförmige #Kristalldrusen#

(Fig. 132 _k′_, 184 _k_). Bei jeder Pflanzenart herrschen bestimmte

Kristallformen vor.

Die großen #Einzelkristalle# gehören dem tetragonalen oder dem

monosymmetrischen Kristallsystem an. Im ersteren Fall enthalten sie

6 Mol., im letzteren 2 Mol. Kristallwasser. Der Konzentrationsgrad

der Lauge, aus der die Kristalle entstehen, soll es oft bedingen,

ob sie sich nach dem einen oder nach dem anderen System

bilden. Besonders häufig begegnet man den morgensternförmigen

#Kristalldrusen#, aus vielen Kristallen zusammengesetzt, die von

einem organischen Kern ausstrahlen. Bei monokotylen Gewächsen, doch

auch bei zahlreichen Dikotylen, sind die nadelförmigen, monoklinen

#Rhaphiden# verbreitet (Fig. 22). Ein solches Bündel ist stets

in eine große, mit Schleim gefüllte Vakuole eingeschlossen. Die

Oxalatkristalle sind ohne Aufbrausen löslich in Salzsäure, aber

unlöslich in Essigsäure.

[Illustration: Fig. 22. Eine mit Schleim und einem Rhaphidenbündel

gefüllte Zelle aus der Rinde von Dracaena rubra. _r_ das

Rhaphidenbündel. Vergr. 160. Nach SCHENCK.]

Auch #Kieselkörper#, die sich nur in Fluorwasserstoffsäure lösen

lassen, werden in manchen Zellen, besonders bei Gräsern, Palmen und

Orchideen, gebildet. Sie füllen oft fast die ganze Zelle aus.

+b) Kleber und Eiweißkristalle.+ In saftigen Reservestoffbehältern

werden vor allem #gelöste# Eiweißkörper als Reservestoffe im Zellsaft

gespeichert. Man kann solche z. B. in den Zellen der Kartoffelknolle

mit Alkohol als feinkörnigen Niederschlag fällen. In trockenen

Reservestoffbehältern aber, so namentlich in zahlreichen fetthaltigen

Samen, werden die Eiweißkörper zu festen Körnern, den #Kleber#-,

#Proteïn#- oder #Aleuronkörnern# (Fig. 23), die in fettreichen

Samen besonders groß sind. Sie gehen aus Vakuolen hervor, deren

Eiweißgehalt allmählich steigt, schließlich bei Wasserverlust in Form

eines rundlichen Korns oder in einzelnen Fällen eines unregelmäßigen,

sogar gelappten Gebildes erstarrt, und bestehen vornehmlich aus

Globulinen[33]. Diese Eiweißstoffe kristallisieren in vielen Fällen

teilweise aus und bilden einen, selten mehrere, im Aleuronkorn

eingeschlossene Kristalle (Fig. 23 _k_). Besonders groß werden

diese Kristalle in den Aleuronkörnern der Para„nüsse“ (der Samen

von Bertholletia excelsa). In Aleuronkörnern mit Eiweißkristallen

kommen meist noch rundliche Körner, die #Globoide# (Fig. 23 _g_),

vor, die wohl ebenfalls aus Eiweißkörpern bestehen, doch verbunden

mit dem Kalzium- und Magnesiumsalz (dem Phytin) der organischen

Inosithexaphosphorsäure C_{6}H_{6}[O_{2}P(OH)_{2}]_{6}. Globoide liegen

übrigens bei manchen Samen auch frei im Plasma. Ferner können Kristalle

von Kalziumoxalat in Aleuronkörnern eingeschlossen sein. In den Körnern

unserer Getreidearten enthält die äußerste Zellschicht relativ kleine,

einschlußfreie Aleuronkörner (Fig. 24 _al_), das innere Gewebe dagegen

fast nur Stärke. Die Aleuronschicht bleibt, bei der Verarbeitung der

Körner zu Mehl, an den Körnerschalen haftend in der #Kleie# zurück,

geht also für das Mehl verloren.

[Illustration: Fig. 23. _A_ Zelle aus dem Endosperm des Rizinussamens

unter Wasser beobachtet. _B_ Einzelne Aleuronkörner unter Olivenöl, _k_

Eiweißkristall, _g_ Globoid. Vergr. 540. Nach STRASBURGER.]

[Illustration: Fig. 24. Äußerer Teil eines Querschnittes durch ein

Weizenkorn (Triticum vulgare). _p_ Fruchthülle, _t_ Samenhaut. An die

Samenhaut grenzt das Endosperm. In diesem _al_ Aleuronkörner, _n_

Zellkern, _am_ Stärkekörner. Vergr. 240. Nach STRASBURGER.]

Die Reaktionen des Klebermehls sind im wesentlichen die nämlichen,

die wir früher schon für Eiweißkörper kennen gelernt haben.

Mit Jodlösung färbt sich zum Beispiel die Aleuronschicht des

Weizenkorns gelbbraun.

Die Eiweißkristalle, die quellbar sind und sich ebenfalls mit

Jod gelbbraun färben, gehören dem regulären oder dem hexagonalen

Kristallsystem an. Solche Eiweißkristalle können aber auch

unmittelbar im Plasma vorkommen, so in peripherischen, stärkearmen

Zellen der Kartoffelknollen, ferner in Chromatophoren (Fig. 28) und

in Zellkernen, so nicht selten bei der Schuppenwurz (Lathraea) und

vielen anderen Scrophulariaceen, sowie den Oleaceen.

+B. Einschlüsse der Chromatophoren.+ Eiweiß- und Farbstoffkristalle

haben wir schon als Einschlüsse der Chromatophoren kennen gelernt

(Fig. 28 _kr_). Sehr viel wichtiger aber ist die #Stärke#[34].

Fast alle höher organisierten Pflanzen bilden nämlich am Licht in

ihren Chloroplasten Stärke, und zwar in Körnerform aus. Die Körner

treten hier in Mehrzahl auf (Fig. 15), werden aber nur ausnahmsweise

groß, weil sie bald nach ihrer Entstehung wieder aufgelöst werden,

und sind meist aus noch kleineren Körnchen zusammengesetzt. Große

Stärkekörner findet man nur in den Reservestoffbehältern, also dort,

wo Stärke aus zugeführter, assimilierter Substanz gebildet wird. Man

bezeichnet solche Stärke als #Reservestärke# im Gegensatz zu der

#Assimilationsstärke# der Chloroplasten. Auch sie entsteht, und zwar

aus Zucker, nur in Chromatophoren, den uns schon bekannten Leukoplasten

(S. 16), die man daher auch als #Stärkebildner# bezeichnet.

Alle Stärke des Handels ist Reservestärke. Ihre Menge in einem

Reservestoffbehälter ist oft sehr groß: sie macht etwa bis 20% des

Gesamtgewichts bei der Kartoffelknolle und sogar bis 70% beim Weizen

aus. Reines Stärkemehl, das #nur# aus Stärkekörnern besteht, gewinnt

man durch Auswaschen aus zerkleinerten Reservestoffbehältern. Im

gewöhnlichen Mehl aber sind auch die zermahlenen Zellhäute und

Protoplasten dieser Behälter enthalten.

[Illustration: Fig. 25. Stärkekörner aus der Kartoffelknolle. _A_ Ein

einfaches, _B_ ein halb zusammengesetztes Stärkekorn, _C_ und _D_ ganz

zusammengesetzte Stärkekörner. _c_ Der Bildungskern des Stärkekornes.

Vergr. 540. Nach STRASBURGER.]

[Illustration: Fig. 26. Stärkekörner aus den Kotyledonen von Phaseolus

vulgaris. Vergr. 540. Nach STRASBURGER.]

[Illustration: Fig. 27. Stärkekörner des Hafers (Avena sativa). Ein

zusammengesetztes Korn und Teilkörner aus einem solchen. Vergr. 540.

Nach STRASBURGER.]

Die Reservestärke besteht aus flachen oder rundlichen (eiförmigen

oder kugelrunden) Körnern, die in den Speicherorganen verschiedener

Pflanzen sehr ungleich groß sind, wie schon ein Vergleich der

gleich stark vergrößerten Figuren 25-27 zeigt; ihre Größe schwankt

zwischen 0,002 und 0,17 mm. Die größten sind bereits mit dem

bloßen Auge als helle Körperchen zu erkennen. Verhältnismäßig

große Stärkekörner, im Mittel mit einem Durchmesser von 0,09 mm,

enthalten die Kartoffelknollen. Sie sind (Fig. 25) hier deutlich

#geschichtet#. Die Schichtung wird durch die verschiedene Dichte

der Kornsubstanz verursacht und ist #exzentrisch#: es wechseln

dickere, dichtere Lagen, die im durchfallenden Lichte heller sind,

mit dünneren, weniger dichten und dunkleren ab, und zwar ist der

organische Initialpunkt oder Bildungskern, um den die Schichten sich

gelagert haben, dem einen Rande des Kornes bedeutend genähert.

Dagegen sind die Stärkekörner der Hülsenfrüchte und der Getreidearten

#zentrisch# geschichtet: ihr Bildungskern liegt in der Mitte. Die

deutlich geschichteten Stärkekörner der Bohne (Phaseolus vulgaris,

Fig. 26) werden außerdem meist von radialen Spalten durchsetzt.

Beim Weizen sind sie in einer und derselben Zelle von zweierlei,

sehr verschiedener Größe als undeutlich geschichtete linsenförmige

Großkörner und winzige kugelförmige Kleinkörner ausgebildet. Die

bisher betrachteten Reservestärkekörner sind #einfach#. Es gibt

aber auch #halb zusammengesetzte# und #ganz zusammengesetzte#. Die

ersteren enthalten zwei oder mehr Teilkörner, die von gemeinsamen

Schichten umgeben sind: die letzteren bestehen nur aus Teilkörnern

ohne gemeinsame Schichten. Halb zusammengesetzte (Fig. 25 _B_) und

ganz zusammengesetzte (Fig. 25 _C_, _D_) Stärkekörner kommen in der

Kartoffelknolle vereinzelt zwischen den einfachen vor. In anderen

Fällen sind ganz zusammengesetzte Stärkekörner fast allein vorhanden,

so z. B. im Haferkorn (Fig. 27) oder im Reiskorn. 4-100 Teilkörner

setzen die Stärkekörner beim Reis, bis 300 beim Hafer, gelegentlich bis

30000 bei Spinacia glabra zusammen. Die Stärkekörner haben also bei

jeder Pflanzenart eine für sie bezeichnende Form.

Der Bau der Stärkekörner erklärt sich aus ihrer Bildungsgeschichte.

Bleibt das Stärkekorn während seines Wachstums von der Substanz der

Leukoplasten gleichmäßig umhüllt, so wächst es gleich stark nach allen

Seiten und erhält zentrischen Bau. Gelangt es während seines Wachstums

an die Peripherie des Stärkebildners, so wächst es dort stärker, wo

die Substanz des Leukoplasten es in größerer Dicke umgibt, und wird

exzentrisch (Fig. 28). Zusammengesetzte Körner bilden sich dann, wenn

in einem Leukoplasten gleichzeitig mehrere Stärkekörner nebeneinander

entstehen, die bei weiterem Wachstum zusammenstoßen. Werden um die

Teilkörner noch gemeinsame Schichten abgelagert, so kommt ein halb

zusammengesetztes Korn zustande.

Die Stärkekörner sind aus Kohlehydraten von der Zusammensetzung

(C_{6}H_{10}O_{5})_{n} aufgebaut. Soll die Stärke im Stoffwechsel

weiter verwertet werden, so löst die Pflanze sie durch ein Enzym, die

#Diastase#, wieder auf; die Stärke wird dabei in Zucker (Maltose)

umgewandelt.

[Illustration: Fig. 28. Leukoplasten aus der oberirdischen Knolle der

Orchidee Phajus grandifolius. _A_, _C_ und _D_ von der Seite, _B_

von oben gesehen. _st_ Stärke, _kr_ Eiweißkristall. Vergr. 540. Nach

STRASBURGER.]

Die Stärkekörner hält man für kristallinische Gebilde,

Sphärokristalle oder Sphärite, die aus miteinander verwachsenen,

feinen, radial angeordneten und büschelig verzweigten

Kristallnadeln der α- und β-Amylose aufgebaut sein sollen. Die

Schichtung ist der Ausdruck von Form- und Mengenverschiedenheiten

der Kristallnadeln in den aufeinander folgenden Schichten.

Im polarisierten Lichte zeigen die Stärkekörner, ähnlich wie

anorganische Sphärite, ein dunkles Kreuz. Auch Röntgenogramme der

Stärkekörner sprechen vielleicht für deren kristallinischen Bau.

Die Stärkekörner werden meist durch wasserhaltige Jodlösungen

zunächst blau, schließlich fast schwarz gefärbt; weinrot

färben sich aber z. B. die des Klebreises. Sie verquellen bei

gewöhnlicher Temperatur leicht in Kali- oder Natronlauge und in

Chloralhydratlösung, außerdem unter Kleisterbildung in Wasser von

60-80° C. Lösung, d. h. Umwandlung in Zucker ohne vorausgehende

Quellung, erfolgt in konzentrierter Schwefelsäure. Ohne Zusatz

von Wasser erhitzt, d. h. geröstet, geht Stärke in wasserlösliche

Stoffe („Röstgummi“, technisches Dextrin) über.

Mit Jod rötlich färbt sich auch die (Florideen-)„Stärke“ der

Rotalgen. Diese rundlichen Körner haben ähnlichen Bau wie die

Stärkekörner der höheren Pflanzen, scheinen aber außerhalb der

Chromatophoren, jedoch in inniger Berührung mit ihnen zu entstehen

und sollen chemisch dem Glykogen näher stehen als echter Stärke[35].

IV. Die Zellmembranen[36].

Wie schon erwähnt, ist jeder Protoplast bei den Pflanzen in der Regel

von einem festen Gehäuse, der #Zellhaut# oder #Zellmembran#, umgeben.

Sie ist ein Außenprodukt des Protoplasten, das wir nicht als lebend

betrachten. Viele Gewächse beginnen freilich ihre Entwicklung mit

nackten Protoplasten, entweder als unbehäutete Schwärmsporen oder

Eizellen. Diese Zellen scheiden aber, ehe sie sich zu entwickeln, zu

teilen beginnen, an ihrer Oberfläche eine dünne Zellhaut aus. Bei

der Vermehrung der Zellen werden, wie wir gesehen haben, gewöhnlich

nach der Teilung des Plasmas Scheidewände zwischen die neu gebildeten

Zellen eingeschaltet, so daß auch dann alle Protoplasten von Zellhäuten

umhüllt bleiben.

Da nacktes Protoplasma meist Kugelform annimmt, so ist es die Zellhaut,

die die #Gestalt# der umhäuteten Zellen bedingt. Die Zellen, die

embryonal verhältnismäßig klein und ziemlich einförmig gestaltet sind,

wachsen nämlich zu ihren endgültigen Größen und zu ihren besonderen

Formen nur durch das +Flächenwachstum+ ihrer #Zellmembranen# heran.

Bald ist dieses Wachstum ringsum überall gleich, bald auf die Spitze

oder eine Kante der Zelle oder einen die Zelle rings umlaufenden Gürtel

oder anders gestaltete, eng umschriebene Stellen beschränkt. Es kommt

entweder zustande durch #Dehnung# der vorhandenen Membran, oder es

erfolgt durch #Einlagerung# (#Intussuszeption#) neuer Substanz zwischen

die Teilchen der schon vorhandenen Haut.

[Illustration: Fig. 29. _A_ Runde, gestielte Zelle von Saprolegnia

mit runden Tüpfeln in der Zellmembran. _B_ Ein Tüpfel derselben, bei

stärkerer Vergrößerung im optischen Querschnitt.]

[Illustration: Fig. 30. Steinzelle aus der Walnußschale mit

Membranschichtung und verzweigten Tüpfelkanälchen. Die unvollständig

gezeichneten Tüpfelkanäle verlaufen schräg zur Ebene der Zeichnung.

ROTHERT, frei nach REINKE.]

Die Zellwand dient auch dem Schutze und ferner vor allem der

#Festigung# des Protoplasten. Diese wird durch #Spannung# der

Membran (#Turgor#, vgl. S. 191) und durch +Dickenwachstum+ der

Zellhaut erreicht. Wie die Zelle durch das Flächenwachstum der

Membran ihre endgültige #Form# erhält, so bekommt die Membran durch

das Dickenwachstum ihre endgültige, bezeichnende #Struktur#. Die

Zellmembranen, die zuerst sehr zarte, dünne und strukturlose Häute

sind, werden nämlich weiterhin gewöhnlich ringsum überall gleich oder

nicht überall gleichmäßig verdickt, und zwar in der Weise, daß sie an

einzelnen Stellen verhältnismäßig dünn bleiben, während sie an anderen

viel stärker in die Dicke wachsen. In vielen Zellen wird die #ganze

Zellhaut mit Ausnahme kleiner rundlicher# (kreisförmiger, elliptischer)

#oder spindelförmiger Stellen, Tüpfel, verdickt#; so entstehen

in verdickten Zellmembranen Grübchen (Fig. 29) oder röhrenförmige

Kanäle (Fig. 30), die #Tüpfelkanäle#, die die Verdickungsschichten

durchsetzen, an einem Ende aber, zumeist dem äußeren, durch unverdickte

Zellhautteile, die #Schließhaut# des Tüpfels, abgeschlossen sind (Fig.

29 _B_). Nicht selten werden in gewissen Zellen mehrere Tüpfelkanäle

bei weiter fortschreitender Verdickung der Membranen zu einem einzigen

Kanale vereint. Solche #verzweigte# Tüpfel pflegen sehr eng zu sein

und kommen vornehmlich stark verdickten und harten Zellwänden zu, so

denen der #Steinzellen# oder #Sklereïden# (Fig. 30). In anderen Zellen

nimmt dagegen die #Zellhaut# im allgemeinen #nur wenig an Dicke zu#,

indem #die Verdickung nur auf eng umgrenzte Teile beschränkt bleibt#,

die dadurch die Form von Höckern, Warzen, einfachen oder verzweigten

Zäpfchen (Fig. 31), Stacheln (Fig. 32), Leisten, Netzen oder Bändern

(Fig. 67, 68) von charakteristischem Bau erhalten. Solche Verdickungen

sitzen der Zellhaut bald außen, bald innen auf (zentrifugale,

zentripetale Verdickungen). Kleine nach außen vorspringende Höcker

kommen z. B. an den meisten Haaren vor; besonders mannigfaltig werden

solche Verdickungen ausgebildet auf den Außenflächen von Sporen und

Pollenkörnern (Fig. 32) und in vielen wasserleitenden Zellen der

höheren Pflanzen (Fig. 67, 68).

[Illustration: Fig. 31. Stück einer schlauchförmigen Zelle (Rhizoid)

des Lebermooses Marchantia mit okalen, zapfenförmigen Wandverdickungen.

Vergr. 240.]

Wandverdickungen können sehr seltsame Form annehmen, wenn sie

auf kleine Stellen in einer Zelle beschränkt sind, so ganz

besonders bei den #Zystolithen#, z. B. in den Blättern von Ficus

elastica (Fig. 33): zentripetalen Wandverdickungen von der Form

traubenförmiger gestielter Körper, in die sehr viel Kalziumkarbonat

eingelagert ist.

Das Dickenwachstum, das schon während des Flächenwachstums der Zellhaut

zu beginnen pflegt, aber auch nach dessen Beendigung noch fortdauern

kann, erfolgt meist durch Substanz#anlagerung# (#Apposition#) von dem

Protoplasma aus an die bereits vorhandenen dünnen Häute, und zwar

in Form neuer Membranlamellen. So entsteht in Zellen, in denen der

größte Teil der Zellhaut verdickt wird, gewöhnlich eine schalenförmige

#Schichtung# der Zellmembranen (Fig. 30): in den Verdickungsschichten

wechseln meist dickere, dichtere Lamellen mit dünneren, weniger

dichten, wasserreicheren und oft auch chemisch von den dichteren

verschiedenen Lamellen ab. Die dichteren brechen das Licht stärker als

die dünneren, erscheinen infolgedessen heller und leuchtender. Auch

viele scheinbar homogene Zellhäute lassen nach Quellung mit starken

Säuren oder Alkalien solche Schichtung deutlich erkennen.

[Illustration: Fig. 32. _A_ Pollenkorn des Kürbis in Flächenansicht

und zum Teil auch im optischen Durchschnitt. Das Präparat war mit

Zitronenöl durchsichtig gemacht worden. Vergr. 240. _B_ Teil eines

Querschnittes durch die Pollenhaut von Cucurbita verrucosa. Vergr. 540.

Nach STRASBURGER.]

[Illustration: Fig. 33. Zystolithenzelle von Ficus elastica. _c_

Zystolith. Vergr. 240.]

Nicht selten beruht das Dickenwachstum aber auch auf

Substanz#einlagerung# (also #Intussuszeption#).

Besonders #zentrifugale# Wandverdickungen kommen oft durch

Intussuszeptionswachstum zustande. Solches kann auch fern vom

Protoplasma stattfinden und mit chemischen und strukturellen

Differenzierungen der Zellhäute verbunden sein, so daß solche

Membranen fast wie lebende Gebilde erscheinen. An Zellen aber,

die durch freie Zellbildung entstanden sind, wie z. B. bei den

Askosporen, werden die zentrifugalen Wandverdickungen von dem

Periplasma ausgebildet, aus dem die Zellen herausgeschnitten worden

sind (vgl. S. 22). Ebenso werden die zentrifugalen Verdickungen bei

Pollenkörnern und vielen Sporen von außen her durch die Tätigkeit

von Tapetenzellplasma aufgelagert, das die Behälter der Sporen

oder Pollenkörner innen auskleidet. Nach Auflösung der Tapete

verschmelzen nämlich ihre Protoplasten zu einem Periplasmodium, das

die Sporen- oder Pollenanlagen allseitig umgibt[37].

Lehrbuch der Botanik für Hochschulen · 第 4 / 90 段