Oedogonium der Protoplast sich abrundet und aus einer Öffnung der
alten Zellhaut als nackte Schwärmspore heraustritt, oder wenn die
Protoplasten der Sporen von Moosen oder Farnen und der Pollenkörner
von Samenpflanzen innerhalb ihrer Zellhäute sich mit neuen
Membranen umgeben und mit diesen neuen Hüllen selbständig werden,
während die ursprünglichen Zellwände der Zerstörung anheimfallen.
+1. Typische Teilung des Protoplasten.+ +a) Kernteilung.+ Von wenigen
Fällen abgesehen vermehren sich die pflanzlichen Zellkerne durch
#mitotische# oder #indirekte# Teilung, einen Vorgang, der auch als
#Karyokinese# bezeichnet wird. Er spielt sich in ziemlich verwickelter
Weise ab und ist vor allem an fixierten und gefärbten Schnitten näher
studiert worden.
+Indirekte Kernteilung+[23]. Sie stimmt in ihren Hauptzügen bei höher
organisierten Pflanzen und Tieren überein. Fig. 13 stellt ihre Stadien
in etwas schematisierten Bildern so dar, wie sie in embryonalen
vegetativen Zellen solcher Pflanzen aufeinander folgen.
Das feine Gerüstwerk des ruhenden Zellkerns aus (#Linin# und)
#Chromatin# (Fig. 13, _1 n_) sehen wir auf einzelne Punkte des
Chromatinnetzes sich zusammenziehen (Spiremstadium) und in eine
bestimmte Anzahl von fadenartigen Gebilden sich sondern (_2 ch_), die
zunächst unregelmäßig begrenzt sind, aber allmählich dichter werden
und nun bestimmte Farbstoffe noch stärker speichern (_3, 4_). Wir
bezeichnen diese fadenförmigen Gebilde des Kerns als #Chromosomen#. Sie
spalten sich längs (_5_); etwas später werden sie dicker, kürzer und
glattrandig (_6_), worauf sie nach der Mitte der Zelle befördert werden
und sich hier zur #Kernplatte# oder Äquatorialplatte (_7 kp_), einer
sternförmigen Figur (dem Aster), anordnen, die meist in der künftigen
Teilungsebene der Zelle liegt (Flächenansicht Fig. 14).
Während das Kerngerüst in die einzelnen Chromosomen sich sondert, legen
sich der Kernwandung von außen Plasmafäden an und umgeben sie mit einer
faserigen Schicht, die sich mehr und mehr an zwei gegenüberliegenden
Seiten der Kernwand sammelt und hier die #Polkappen# (_6 k_) bildet.
In ihnen neigen die Fasern nach den Endpolen der ganzen Teilungsfigur
zusammen, indem sie sich zu zugespitzten Büscheln strecken. Alsdann
wird das Kernkörperchen (_1 nl_) und die Kernwandung (_1 w_) aufgelöst,
worauf die Fasern der Kappen in die Kernhöhle hineinwachsen (_7_). Sie
endigen dort entweder, wie es scheint, an den Chromosomen oder treffen
mit den Enden aufeinander und verlaufen dann als ununterbrochene Fäden
von einem Pole zum anderen. Hiermit ist die #Kernspindel# (_7 s_) aus
den #Spindelfasern# fertiggestellt.
[Illustration: Fig. 13. Aufeinanderfolgende Stadien der Kern- und
Zellteilung in einer embryonalen Zelle einer höheren Pflanze.
Etwas schematisiert. Als Vorlage dienten Längsschnitte mit
Chromosmiumessigsäure fixierter Wurzelspitzen der monokotylen
Wasserpflanze Najas marina, nach Färbung mit Eisenhämatoxylin, _n_
Kern, _nl_ Nucleolus, _w_ Kernwandung, _pl_ Plasma, _ch_ Chromosomen,
_k_ Polkappen, _s_ Spindel, _kp_ Kernplatte, _t_ Tochterkern,
_v_ Verbindungsfäden, _z_ Zellplatte, _m_ neue Scheidewand. Die
Chromatophoren sind bei solcher Fixierung und Färbung nicht sichtbar.
Vergr. ca. 1000. Nach CLEMENS MÜLLER.]
Die beiden Längshälften jedes Chromosoms, die #Tochterchromosomen#,
rücken hierauf in entgegengesetzter Richtung auseinander (_8, 9_), um
die beiden Tochterkerne (_10-12 t_) zu bilden. Während dieser Wanderung
(Diasterfigur) sind die Chromosomen meist U-förmig nach den Polen hin
gekrümmt. An den Spindelpolen angelangt, drängen sie sich aneinander.
Darauf grenzt sich das umgebende Plasma mit Hautschichten gegen die
neuen Kernanlagen ab und bildet ihre Kernwandungen. Innerhalb der
Tochterkerne werden die Chromosomen wieder wabig (Dispiremstadium _11_)
und vereinigen sich miteinander zu einem Gerüstwerk (_12_), worin ihre
Grenzen meist nicht mehr zu erkennen sind, wenn sie auch, wie man
annehmen muß, ihre Selbständigkeit nicht einbüßen. Beide Tochterkerne
werden dabei größer; es treten auch wieder Nukleolen in Ein- und
Mehrzahl in ihnen auf (_12_).
Durch diesen Teilungsmechanismus ist erreicht, daß die Substanz
des Kerns, besonders die der Chromosomen, bei jeder Kernteilung
ganz gleichmäßig auf die beiden Tochterkerne, und zwar infolge
der #Längs#spaltung der Chromosomen, so verteilt wird, daß
von den einzelnen, in der Längsrichtung aufeinanderfolgenden
Chromatinabschnitten eines #jeden# Chromosoms die eine Hälfte dem
einen, die andere Hälfte dem anderen Tochterchromosom mit Sicherheit
zufällt. Man schließt daraus, daß das Chromatin für das Leben der
Zelle und des ganzen Organismus besonders wichtig ist, nämlich daß die
Chromosomen die hauptsächlichsten Träger der vererbbaren Anlagen sind,
und daß in jedem Chromosom eine Anzahl #verschiedener# solcher Anlagen
perlschnurartig aneinander gereiht sind.
Die Zahl der Chromosomen in den Kernen #einer# Pflanzenart ist übrigens
eine bestimmte. Abweichende Zahlen kommen aber vor[24]; kleinere rühren
zum Teil daher, daß einzelne Chromosomen mit ihren Enden vereinigt
bleiben; größere Zahlen kommen zum Teil dadurch zustande, daß sich
einzelne Chromosomen quer teilen. Bei den verschiedenen Pflanzenarten
ist dagegen die Chromosomenzahl verschieden groß; die kleinste
Zahl, die man bisher in den Zellen der höher organisierten Gewächse
angetroffen hat, ist sechs; meist aber ist sie viel größer (bis über
130). Sehr häufig sind die Chromosomen eines Kerns untereinander
verschieden in Größe und Form (Fig. 14). Solche Unterschiede werden
bei allen Kernteilungen festgehalten. Diese Tatsache deutet mit großer
Sicherheit darauf hin, daß die Chromosomen ihre #Individualität#
auch im Ruhekern bewahren. Man nimmt jetzt an, daß die untereinander
verschieden gestalteten Chromosomen Träger #verschiedener# Gruppen
erblicher Anlagen der betreffenden Pflanzenart sind.
In den untersten Abteilungen des Pflanzenreichs, bei manchen Algen und
Pilzen, verläuft die indirekte Kernteilung nicht selten einfacher,
indem die Chromatinmasse weniger sorgfältig auf beide Tochterkerne
verteilt zu werden scheint und die Spindel ganz oder wenigstens
teilweise dem Kern entstammt[14].
[Illustration: Fig. 14. Embryonale Zelle, dem Querschnitt einer
Wurzelspitze der Liliacee Galtonia candicans entnommen, mit einer
Kernplatte in Polansicht. Die Chromosomen zu Paaren angeordnet. Vergr.
1600. Nach STRASBURGER.]
Die Vorgänge, die sich in einem Mutterkerne während der
Vorbereitung zur Teilung abspielen, werden als #Prophase# der
Teilung bezeichnet. Sie reichen bis zur Bildung der Kernplatte, vor
deren Fertigstellung sich auch die Längsspaltung der Chromosomen
vollzieht. Das Stadium der Kernplatte heißt die #Metaphase#.
Das Auseinanderweichen der Tochterchromosomen erfolgt in der
#Anaphase#, die Bildung der Tochterkerne in der #Telophase# der
Teilung. Der Höhepunkt der ganzen Kernteilung, der Vorgang, der
zur Bildung quantitativ und qualitativ gleicher Teilungsprodukte
führt, liegt offenbar in der #Längsspaltung# der Chromosomen.
Die fortschreitenden Vorgänge der Kernteilung gehen mit dem
Auseinanderweichen der Tochterchromosomen in die rückläufigen über.
Daher dauert wohl das Stadium der Kernplatte meist längere Zeit an.
Wodurch die Chromosomen während der Karyokinese in der
beschriebenen Weise so regelmäßig bewegt werden, wissen wir
noch nicht. STRASBURGER nimmt an, daß #die# Spindelfasern, die
an den Chromosomen zu endigen scheinen, durch Verkürzung die
Tochterchromosomen aus der Kernplatte nach den Polen ziehen
(Zugfasern), während die von Pol zu Pol laufenden Fasern
(Stützfasern) gewissermaßen als Stützen der Kernteilungsfigur
dienen. Diese Annahmen erklären aber nicht die Bewegungen der
Chromosomen nach der Kernplatte hin.
In bestimmten Zellen der Pflanzen und Tiere, die der Fortpflanzung
dienen, vollzieht sich als notwendige Folge einer Befruchtung die
Kernteilung in besonderer, von der typischen Teilung abweichender
Art, die man als #Reduktions#- oder #meiotische# Teilung bezeichnet
(vgl. S. 172).
+Direkte Kernteilung+[25]. Außer der mitotischen oder indirekten gibt
es wenn auch selten, eine #direkte# oder #amitotische# Kernteilung,
auch Fragmentation genannt. Sie stellt sich meist als Alterserscheinung
an Kernen ein, die aus indirekter Teilung hervorgegangen sind, und ist
im wesentlichen eine Durchschnürung des Kernes, wobei die Teilstücke
durchaus nicht in ihrer Größe übereinzustimmen brauchen. Lehrreiche
Beispiele für direkte Kernteilung sind die Kerne in den langen
Gliederzellen der Characeen.
Bei den Characeen folgen die direkten Teilungen der Kerne in
den wachsenden Gliederzellen so rasch aufeinander, daß oft
perlschnurförmige Reihen zusammenhängender Teilstücke entstehen.
Auf die direkte Kernteilung folgt keine Zellteilung. Die direkte
Kernteilung kommt übrigens auch bei Samenpflanzen, z. B. bei
Tradescantia, der Liliacee Funkia, Impatiens balsamina (der
Balsamine) vor.
+b) Vermehrung der Chromatophoren.+ Auch sie erfolgt durch Teilung, und
zwar auf direktem Wege durch Einschnürung. Man kann sie am besten an
den Chlorophyllkörnern verfolgen. Jedes Chlorophyllkorn liefert dabei
zwei gleich große Körner (Fig. 15).
+c) Teilung des Plasmas.+ In den einkernigen Zellen der höher
organisierten Gewächse pflegen Kern- und Zellteilungen ineinander zu
greifen. Während die Tochterchromosomen sich trennen, bleiben die von
Pol zu Pol reichenden Fasern der Kernspindel als #Verbindungsfäden#
zurück (Fig. 13, _9 v_), ja sie werden durch Einschaltung neuer
sogar noch vermehrt (Fig. 13, _10_, _11_) und bilden schließlich
zusammen einen tonnenförmigen Körper, den #Verbindungsfadenkomplex#
(Fig. 13, _11_). Jeder Verbindungsfaden schwillt alsdann in der
Äquatorialebene zu einem Körnchen an (Fig. 13, _11_); dadurch
entsteht die #Zellplatte#, die also in Seitenansicht wie eine
Körnchenreihe aussieht. Ist die Zelle sehr plasmareich oder schmal,
so erreicht der Komplex der Verbindungsfäden an der Peripherie
allseitig ihre Seitenwände. Aus den verschmelzenden Körnchen der
Zellplatte geht alsdann eine plasmatische Schicht hervor, die sich
spaltet und in der Spaltungsfläche eine Scheidewand aus Zellhautstoff
ausscheidet. Letztere teilt annähernd gleichzeitig, #simultan#, den
Mutterprotoplasten in zwei Tochterzellen (Fig. 13, _12 m_).
[Illustration: Fig. 15. Chlorophyllkörner aus dem Blatte des Laubmooses
Funaria hygrometrica; ruhend und in Teilung. Im Innern der Körner
kleine Stärkekörnchen. Vergr. 540. Nach STRASBURGER.]
[Illustration: Fig. 16. Drei Teilungszustände in derselben Zelle der
Orchidee Epipactis palustris. Nach dem Leben entworfen. Vergr. 365.
Nach TREUB.]
Ist dagegen in der Zelle ein größerer Saftraum vorhanden oder ist
die Zelle sehr groß, so vermag der Komplex der Verbindungsfäden
sie nicht mit einem Male zu durchsetzen; vielmehr bildet er die
Scheidewand dann allmählich, #succedan#, aus (Fig. 16): zunächst
etwa einen Teil, der an eine Seitenwand der Mutterzelle anschließt
(Fig. 16_A_), sodann einen folgenden, wobei er an seinem freien
Rande die Zellplatte ergänzt, aber sich von den schon gebildeten
Teilen der Scheidewand zurückzieht (_B_), und so fort und fort, bis
der ganze Protoplast durchschnitten und seine Teilung vollendet ist
(_C_). In langen Zellen, die sich längs teilen, z. B. denen des
Kambiums, schreitet die Zellwandbildung dagegen von der Zell#mitte#
aus, wo der Kern liegt, succedan allseits nach der Peripherie
fort[26].
Es gibt übrigens Fälle, wo die Verbindungsfäden klein an Zahl sind;
alsdann werden die Knötchen durch Plasmaplatten zur Zellplatte
verbunden.
Bei den Thallophyten werden die Scheidewände der vielkernigen und der
einkernigen Zellen dagegen fast niemals in Verbindungsfadenkomplexen
gebildet. Sie entstehen vielmehr entweder simultan und zwar
in Plasmaplatten, die auf einmal in der ganzen Teilungsebene
ausgebildet werden, oder succedan, indem eine ringförmige Leiste aus
Membransubstanz allmählich von der Mutterzellwand aus, einer Irisblende
ähnlich, in das Zellinnere immer tiefer vordringt (Fig. 17, 18) und es
schließlich durchschnürt. In einkernigen Zellen geht auch bei diesem
Teilungsvorgang die Teilung des Kerns der Zellteilung voraus; die neue
Scheidewand entsteht hierauf in gleichen Entfernungen von den beiden
Tochterkernen, und zwar in der Zone, wo ursprünglich der Kern gelegen
hatte.
[Illustration: Fig. 17. Eine Spirogyrazelle in Teilung. _n_ Einer der
beiden Tochterkerne, _w_ die wachsende Scheidewand, _ch_ ein durch
letztere nach innen gedrängtes Chlorophyllband. Vergr. 230. Nach
STRASBURGER.]
[Illustration: Fig. 18. Stück einer sich teilenden Zelle von Cladophora
fracta. _w_ Die wachsende Scheidewand. _ch_ Chromatophoren, _k_ Kerne.
Vergr. 600. Nach STRASBURGER.]
Bei den nackten Zellen der Myxomyzeten und Flagellaten ist die
Teilung eine aktive Durchschnürung des Plasmas.
In vielkernigen Zellen folgt nicht auf jede Kernteilung eine
Zellteilung; ja unter den Algen und Pilzen gibt es sogar große,
äußerlich nicht selten reich gegliederte Formen, deren Inneres nur von
einem #einzigen#, sehr vielkernigen Plasmaleib gebildet, also überhaupt
nicht durch Zellwände gekammert wird.
+2. Abarten der typischen Zellteilung.+ Hier und da im Pflanzenreiche
kommen Abweichungen von der typischen Zellteilung vor, so die
#Vielzellbildung#, die #Zellsprossung# und die #freie Zellbildung#.
+a) Freie Kernteilung und Vielzellbildung.+ Die Kernteilungen
in den vielkernigen Zellen der Thallophyten können bereits als
Beispiele für #freie#, d. h. von Zellteilungen nicht begleitete,
#Kernteilungen# angeführt werden. Aber auch in Pflanzen mit typisch
einkernigen Zellen kommen solche freie Kernteilungen vor; besonders
lehrreich in bestimmten, sehr großen Zellen der Phanerogamen, den
Embryosäcken, in denen der Embryo ausgebildet wird. In den meisten
Embryosäcken sieht man den sekundären Embryosackkern sich in zwei
Kerne teilen, die samt ihren Nachkommen den Vorgang wiederholen.
So entstehen schließlich nicht selten Tausende von Kernen, die
sich mit gleichen Abständen in dem plasmatischen Wandbelag des
Embryosackes verteilen. Zellteilungen begleiten diese Teilungen
nicht. Hört die Größenzunahme des Embryosackes auf, so zerfällt
sein protoplasmatischer Wandbelag simultan oder fortschreitend
in meist so viele Zellen, wie er Kerne enthält. Dieser Vorgang,
der als #Vielzellbildung# bezeichnet wird, vollzieht sich
folgendermaßen: Die Kerne umgeben sich in ihrem ganzen Umkreis
mit Verbindungsfäden, so daß sie strahlenden Sonnen gleichen (Fig.
19); in diesen Fadenkomplexen treten gleich weit von den Kernen
Zellplatten und in diesen Zellwände auf. Die Vielzellbildung läßt
sich von der Zweiteilung ableiten und als ein verkürzter Vorgang
auffassen, der durch besondere Verhältnisse (manchmal etwa durch
ungewöhnlich rasche Größenzunahme einer Zelle) bedingt sein kann.
Durch Vielzellbildung entstehen auch die Fortpflanzungszellen bei
vielen Algen und Pilzen.
+b) Zellsprossung.+ Eine Abart der typischen Teilung der
Protoplasten, aber mit ihr durch Zwischenstufen verbunden, ist
auch die #Sprossung#. Die Mutterzelle wird dabei nicht halbiert;
sie treibt vielmehr einen Auswuchs, der an seiner Ursprungsstelle
später durch eine Zellwand abgetrennt wird. So vermehren sich die
Zellen der Hefe (Fig. 20), und so entstehen auch die als Konidien
und als Basidiosporen bezeichneten Fortpflanzungszellen zahlreicher
Pilze (Fig. 398).
[Illustration: Fig. 19. Stück des protoplasmatischen Wandbelags aus dem
Embryosack von Reseda odorata, bei beginnender Vielzellbildung. Der
Vorgang schreitet von unten nach oben fort. Nach einem fixierten und
gefärbten Präparate. Vergr. 240. Nach STRASBURGER.]
[Illustration: Fig. 20. Saccharomyces cerevisiae, _1_ nicht sprossende,
_2_ und _3_ sprossende Zellen. Vergr. 540. Nach STRASBURGER.]
[Illustration: Fig. 21. Aufeinanderfolgende Stadien der Abgrenzung
einer Spore im Askus von Erysiphe communis. _s_ Kerngerüst, _n_
Nucleolus. Vergr. 1500. Nach HARPER.]
+c) Freie Zellbildung.+ Dieser Vorgang entfernt sich von der
gewöhnlichen Zweiteilung der Zellen schon weiter; denn dabei folgt
auf die freie Kernteilung eine Bildung von Zellen, die einander
nicht berühren und nicht das gesamte Plasma ihrer Mutterzelle in
sich aufnehmen. Freie Zellbildung ist z. B. bei der Sporenbildung
der Ascomyceten, auch in der Keimanlage einiger nacktsamiger
Samenpflanzen (Gymnospermen), wie von Ephedra, und bei der
Bildung des Eiapparates und der Antipoden bei den Angiospermen zu
beobachten. Bei den Ascomyceten verläuft sie in folgender Weise.
Durch freie Teilung des in dem jungen Askusschlauch vorhandenen
Kernes und seiner Nachkommen werden in dem Plasma acht Kerne
gebildet. Um jeden Kern wird hierauf eine bestimmte Plasmamenge
der Zelle gegen die periphere Plasmamasse (Periplasma) durch eine
Plasmahautschicht abgegrenzt, die sich mit einer Zellhaut umgibt,
so daß acht voneinander getrennte Sporen entstehen (vgl. Fig.
382). Wie die Untersuchungen von HARPER[27] gezeigt haben, geht
die Bildung der Hautschichten hierbei von einer zentriolenartigen
Plasmaansammlung aus (Fig. 21 _A_), die dem Spindelpol der
vorausgegangenen Teilungsfigur entspricht. Nach dieser Plasmamasse
hin ist der Kern schnabelartig lang vorgestreckt. Von ihr aus
werden springbrunnenartige Plasmastrahlen entsandt (_kp_), von
denen ein Teil schließlich zu der Hautschicht verschmilzt (_B, C,
D_).
III. Gröbere leblose Einschlüsse der Protoplasten[28].
Abgesehen von den winzigen Mikrosomen, die im Plasma stets vorhanden
sind, treten bei der Umwandlung der embryonalen Zellen zu Dauerzellen
in allen Protoplasten, vor allem im Plasma und in den Chromatophoren,
gröbere leblose Einschlüsse auf. Erwähnt wurde ja schon der #Zellsaft#,
der in kleineren oder größeren Tröpfchen kaum einer pflanzlichen
Dauerzelle fehlt. Neben diesen Tröpfchen, die aus wäßrigen Lösungen
bestehen, kommen nicht selten auch Fett- oder Öltröpfchen und
feste Körper in amorpher Form oder als Kristalle vor. Viele dieser
Einschlüsse sind als #Reservestoffe# für das Leben der Pflanze von
großer Bedeutung; namentlich in den Zellen der Speicherorgane (Knollen,
Zwiebeln, Samen) häuft die Pflanze solche in großer Menge auf, um sie
im Falle des Bedarfs wieder zu verbrauchen. Andere sind #Endprodukte#
des Stoffwechsels, die aber ökologisch noch von großer Wichtigkeit
sein können. Von manchen Einschlüssen kennen wir die chemische
Zusammensetzung noch nicht.
+A. Einschlüsse des Plasmas. 1. Flüssige Einschlüsse des Plasmas.+
+a) Der wäßrige Zellsaft.+ Wie wir schon wissen, wird als Zellsaft
die #wäßrige# Flüssigkeit in den größeren Vakuolen oder im Saftraume
ausgewachsener Pflanzenzellen bezeichnet (Fig. 3 _v_). Sie ist
reicher oder ärmer an sehr verschiedenen gelösten Substanzen, teils
Reservestoffen, teils Zwischen- oder Endprodukten des Stoffwechsels;
auch feste Einschlüsse, besonders in Form von Kristallen, kommen darin
vor. Der Zellsaft kann die gleichen, aber auch andere Stoffe gelöst
enthalten wie das Protoplasma und selbst in den Vakuolen #einer# Zelle
verschieden zusammengesetzt sein.
Jeder Zellsaft enthält zunächst #anorganische Salze# in Lösung,
besonders Nitrate, Sulfate und Phosphate. Er reagiert gewöhnlich sauer,
und zwar durch die #organischen Säuren# (Äpfelsäure, C_{4}H_{6}O_{5},
z. B. überall in den Blättern der Fettpflanzen; Weinsäure,
C_{4}H_{6}O_{6}; Oxalsäure, C_{2}O_{4}H_{2} u. a.) oder organischsauren
Salze, die in ihm vorkommen.
Zu besonders häufigen Bestandteilen des Zellsaftes zählen ferner die
löslichen #Kohlehydrate#, die vielfach als Reservestoffe angehäuft
werden. Unter ihnen herrschen vor die #Zuckerarten#, vor allem die
Disaccharide (C_{12}H_{22}O_{11}) Rohrzucker (Saccharose), Malzzucker
(Maltose) und von Monosacchariden (C_{6}H_{12}O_{6}) der Traubenzucker
(Glykose). Oft wird Rohrzucker als Reservestoff gespeichert, z. B. in
der Mohrrübe, vor allem aber in der Zuckerrübe und dem Stengel des
Zuckerrohrs, woraus man ihn infolgedessen gewinnt. Eine ähnliche Rolle
spielen andere im Zellsaft gelöste Kohlehydrate, so bei den Kompositen
das #Inulin#, bei Pilzen das #Glykogen#. Als #Zucker# wandern auch die
Kohlehydrate innerhalb des Pflanzenkörpers.
#Glykose# oder #Maltose# haltige Schnitte, die in
Kupfersulfatlösung gelegt, dann abgespült und in Kalilauge und
Seignettesalzlösung erwärmt worden sind, reduzieren das Kupferoxyd,
so daß ein ziegelroter Niederschlag von Kupferoxydul entsteht. Bei
Vorhandensein von #Rohrzucker# wird der Zellsaft nur blau gefärbt.
Das #Inulin#, ein Polysaccharid (C_{6}H_{10}O_{5})_{n}, kann man
mit Alkohol in Form kleiner Kügelchen niederschlagen und in Wasser
durch Erwärmen wieder auflösen. Wenn inulinreiche Pflanzenteile, z.
B. die Wurzelknollen der Georgine (Dahlia variabilis), in Alkohol
oder Glyzerin gelegt werden, so fällt das Inulin in kugeligen
Gebilden, vielleicht Sphäriten (Sphärokristallen), aus, die von
radialen Spalten durchsetzt sind, leicht in keilförmige Stücke
zerfallen und manchmal auch deutlich konzentrisch geschichtet sind.
Das bei Tieren als Reservestoff sehr verbreitete Kohlehydrat
#Glykogen#, ein Polysaccharid von der Zusammensetzung
(C_{6}H_{10}O_{5})_{n}, kommt als Einschluß des Plasmas im
Pflanzenreich nur bei den Pilzen, Myxomyceten und Cyanophyceen
in Form von Tröpfchen vor. Bei den Pilzen tritt es an die Stelle
anderer Kohlehydrate, z. B. der Stärke und des Zuckers. Jodlösungen
färben das Glykogen rotbraun. Die Färbung schwindet größtenteils
beim Erwärmen, um bei der Abkühlung wieder aufzutreten.
#Schleim#, der aus Kohlehydraten besteht, als Reservestoff
enthält der Zellsaft häufig in den Zellen von Zwiebeln, z. B. von
Allium Cepa und Urginea (Scilla) maritima, ferner in denen der
Orchisknollen, doch auch in Zellen oberirdischer Pflanzenteile
(Fig. 22), besonders der Fettpflanzen-(Sukkulenten-)Blätter.
Schleim kommt aber auch außerhalb der Protoplasten in Zellmembranen
vor (vgl. S. 32).
Weiter enthält der Zellsaft als Reservestoffe oder als Zwischenprodukte
des Stoffwechsels ganz allgemein auch #Amide#, vor allem das Asparagin,
vielfach auch #Eiweißstoffe# (für deren Reaktionen vgl. S. 12).
Mit konzentrierten Lösungen von #Gerbstoffen#[29] gefüllte, stark
lichtbrechende und unter Umständen sehr große Vakuolen sind im Plasma
vieler Zellen, besonders Rindenzellen, vorhanden; auch #Alkaloide#,
#Glykoside# (vgl. S. 12) und den Glykosiden verwandte #Bitterstoffe#
sind nicht selten im Zellsafte gelöst. Das alles sind meist Endprodukte
des Stoffwechsels.
Als Gerbstoffe werden Gemische sehr verschiedenartig
zusammengesetzter aromatischer Verbindungen bezeichnet, die oft
Glykoside sind. Besonders verbreitet bei den Pflanzen kommen
in glykosidischer Bindung die Gallussäure, die Gallusgerbsäure
(Digallussäure oder Tannin) und die Ellagsäure vor. Die dunkelblaue
oder grüne Färbung mit Ferrichlorid- oder Ferrisulfatlösung, der
rotbraune Niederschlag mit wäßriger Kaliumbichromatlösung gelten im
allgemeinen als Gerbstoffreaktionen. Freilich reagieren auch einige
andere Stoffe so. Die Gerbstoffe werden in den Pflanzen meist nicht
weiter verarbeitet. Infolge ihrer fäulniswidrigen Eigenschaften
dienen sie öfters zur Imprägnierung von Zellhäuten, die länger
ausdauern sollen.