Wie in den nackten Plasmodien der Schleimpilze, so läßt sich auch bei

behäuteten pflanzlichen Zellen oft #strömende Bewegung# im Plasma

erkennen, solange es lebt. Meist stellt sie sich erst in annähernd

fertigen Dauerzellen, und zwar vielfach nur dann in auffälliger Weise

ein, wenn durch eine Verwundung, etwa das Schneiden bei Herstellung

des Präparats, ein Reiz auf die Protoplasten ausgeübt worden ist[8].

Sie scheint den Transport von Nährstoffen nach der Wundstelle zu

beschleunigen. Schon an diesen Bewegungen kann man sehen, daß auch

hier das Protoplasma meist eine dünn- oder zähflüssige Masse ist; aus

seiner Hülle befreit, nimmt es dementsprechend die Form eines runden

Tropfens an. In behäuteten Zellen, in denen solche #Plasmabewegung#

vorkommt, sieht man das Protoplasma, abgesehen von seiner stets

ruhenden äußersten Schicht, die an die Zellwand angrenzt, entweder in

einem einzigen Strome von konstanter Richtung oder in verschiedenen

Strömen mit wechselnder Richtung sich bewegen. Man hat danach

zwischen #Rotation# und #Zirkulation# des Plasmas unterschieden. In

den Zellen, in denen Rotationsbewegung vorkommt, z. B. bei vielen

Wasserpflanzen, ist das Protoplasma auf einen Wandbelag beschränkt. Der

Rotationsstrom folgt der Zellwandung und beschreibt eine kreisende,

in sich zurücklaufende Bahn. Die bei Landpflanzen häufige Zirkulation

findet sich besonders in Zellen, deren Innenräume von Plasmasträngen

oder -lamellen durchsetzt sind; das Plasma strömt in ihnen außerdem in

bandförmigen, meist verzweigten Streifen des Wandbelages, und zwar hier

wie dort nach verschiedenen Richtungen hin.

Von dem in #Rotation# befindlichen Plasma werden Zellkern und

Chromatophoren meist mitgeführt. Doch können letztere an der

ruhenden peripheren Schicht haften und infolgedessen unbeweglich

sein. So ist es beispielsweise bei den Characeen, Süßwasseralgen,

deren lange Gliederzellen in der Gattung Nitella besonders günstige

Beispiele für die Beobachtung starker Rotationsströmung sind.

Ein sehr gutes Objekt für das Studium der #Zirkulation# sind die

Staubblatthaare von Tradescantia virginica (Fig. 5). Die den

Saftraum durchsetzenden Plasmastränge verändern dabei langsam ihre

Gestalt und Lage und veranlassen dadurch auch Lageänderungen des

Kerns.

Bewegungen an eng umgrenzten Stellen des Plasmas beobachtet man

auch in den Protoplasten vieler niederer Algen, besonders ihrer

Schwärmzellen: In der Nähe des vorderen Körperendes umschließt

das Plasma eine oder mehrere kleine #pulsierende Vakuolen#,

die in kürzeren Zeitabschnitten rhythmisch verschwinden, d. h.

plötzlich sich entleeren, darauf aber wieder erscheinen und langsam

zur alten Größe heranwachsen (Fig. 335 _1 v_). Ferner besitzt

ihr Plasmakörper einen oder mehrere fadenförmige, kontraktile,

plasmatische Fortsätze, #Geißeln#, #Zilien#, die sehr lebhaft

schwingen und die Bewegungsorgane der Schwärmzellen sind.

Der Protoplast ist nur innerhalb ziemlich enger Temperaturgrenzen aktiv

lebenstätig (also auch strömungsfähig) und innerhalb etwas weiterer

lebensfähig. Er stirbt, d. h. gerinnt, erstarrt in der Regel rasch bei

Temperaturen, die nicht weit über +50° liegen. Auch durch Alkohol,

durch Säuren von bestimmter Konzentration, durch Lösungen von Sublimat

und vielen anderen Schwermetallsalzen wird das Protoplasma zum raschen

Erstarren gebracht, fixiert. Solche Gerinnungs- und Fixierungsmittel

spielen jetzt eine große Rolle in der mikroskopischen Technik[9].

[Illustration: Fig. 5. Eine Zelle aus einem Staubblatthaare von

Tradescantia virginica. Innerhalb der Stränge als dunkle Körner

Leukoplasten und der runde Zellkern. Vergr. 240. Nach STRASBURGER.]

+C. Chemische Eigenschaften des Protoplasten+[10]. Das in Tätigkeit

befindliche Protoplasma reagiert gewöhnlich alkalisch, unter Umständen

auch neutral, niemals aber sauer. Es ist nicht ein einheitlicher

chemischer Körper, sondern besteht aus einem #Gemische# einer

großen Zahl chemischer Verbindungen, die zum Teil in Wasser gelöst,

zum Teil fest sind. Ein Teil davon erfährt im aktiv lebenstätigen

Protoplasma fortdauernd Veränderungen, auf denen ohne Zweifel viele

wichtige Lebensäußerungen des Protoplasten beruhen. Die wichtigsten

Bestandteile in diesem Gemische sind wohl die #Eiweißkörper#

(Eiweißstoffe, #Proteïne#, und Eiweißverbindungen, #Proteïde#). So

gibt das Protoplasma Eiweißreaktion und läßt beim Verbrennen infolge

seines Stickstoffgehaltes Ammoniakdämpfe entweichen. Und zwar ist

in dem Protoplasma eine ganze Reihe von Eiweißstoffen aufgefunden

worden. Im Zellkerne herrschen die Nukleoproteïde, phosphorhaltige

Eiweißverbindungen, vor, die von Pepsinlösung nicht aufgelöst werden.

Weiter enthält das Protoplasma wohl stets Spaltungsprodukte der

Eiweiße, vor allem Amide; außerdem Enzyme, Kohlehydrate und ölartige

Körper (Lipoide), wie Fette und Lezithine (vgl. S. 222); ferner

Phytosterine (aromatische Alkohole von der Formel C_{27}H_{45}OH)

und unter Umständen Alkaloide (heterozyklische, stickstoffhaltige

Pflanzenbasen) oder Glykoside (esterartige Verbindungen der Zucker

meist mit aromatischen Verbindungen). Daß auch Mineralstoffe im

Protoplasma nicht völlig fehlen, geht daraus hervor, daß es Asche

hinterläßt.

Durch verdünnte Kalilauge werden alle Teile des Protoplasten

gelöst, ebenso durch Chloralhydrat oder JAVELLEsche Lauge. Durch

Jod werden sie bräunlichgelb gefärbt, durch eine Lösung von

salpetersaurem Quecksilberoxydul (dem sog. MILLONschen Reagens)

ziegelrot. Die Reagenzien töten das Protoplasma, worauf sich erst

die charakteristische Reaktion einstellt. Diese Reaktionen weisen

auf Eiweißkörper hin, sind ihnen aber nicht ausschließlich eigen.

+D. Bau der Teile des Protoplasten.+ Sehr wichtige Hilfsmittel für die

Erforschung der Teile des Protoplasten bilden die #Fixierungs-# und

#Färbeverfahren#. Gewisse Gerinnungsmittel fixieren und härten nämlich

das Protoplasma anscheinend wenig verändert. Man hat aber stets darauf

zu achten, daß bei der Fixierung auch Strukturen auftreten, die erst

durch die Gerinnung entstehen[11].

Der Wert der Färbungen beruht darauf, daß die verschiedenen

Bestandteile des Protoplasmas mit ungleicher Begierde Farbstoffe

aufnehmen und mit größerer oder geringerer Kraft festhalten, wenn

man ihnen die Stoffe durch Lösungsmittel wieder zu entziehen

sucht. Viele Farbstoffe werden erst vom toten Protoplasma merklich

gespeichert. Zur Färbung der fixierten pflanzlichen Protoplasten

bedient man sich vornehmlich der Karminlösungen, des Hämatoxylins,

Safranins, Säurefuchsins, Gentianavioletts, Orange, Methylenblaus

u. a.

+1. Das Plasma (Zytoplasma).+ In einer anscheinend glasklaren, also

optisch homogenen, dünn- oder zähflüssigen Grundmasse des Plasmas, dem

#Hyaloplasma#, sieht man bei stärkeren Vergrößerungen gewöhnlich winzig

kleine Körnchen und Tröpfchen in kleinerer oder meist größerer Zahl,

die #Mikrosomen#, eingebettet, die offenbar aus verschiedenartigen

Stoffwechselprodukten des Plasmas bestehen. Körnerreiches Plasma

bezeichnet man wohl als #Körner-# oder #Polioplasma#. Das Hyaloplasma,

das selbst mit dem Ultramikroskop optisch nahezu leer erscheint, ist

eine wäßrige Lösung der Art, die die physikalische Chemie #kolloidale

Lösungen# oder #Sole# nennt[12]. Der Nachweis, daß das Protoplasma

meist eine kolloidale Lösung, und zwar ein #Emulsoid#, ist, hat, wie es

scheint, grundlegende Bedeutung. Dadurch dürften viele Lebensäußerungen

des Plasmas einer physikalisch-chemischen Erklärung zugänglich werden.

An seiner Peripherie ist das Plasma von einer äußerst dünnen,

körnchenfreien und oft zäheren Hyaloplasmaschicht umgeben, deren

äußerster Saum, die #Hautschicht# oder #Plasmahaut#, seine eigentliche

äußere Begrenzung bildet. Gegen den Saftraum und andere Vakuolen grenzt

es sich ebenfalls durch solche Hyaloplasmaschichten und Plasmasäume,

die #Vakuolenwände#, ab. Diese peripheren Hautschichten und die

Vakuolenwände können sich jederzeit neu bilden, sind aber sehr wichtige

Bestandteile des Protoplasten; denn sie entscheiden über die Aufnahme

von Stoffen in das Protoplasma. Sie sind #semipermeabel#; d. h. lassen

zwar Wasser durch, sind aber für viele andere Stoffe undurchlässig oder

schwer durchlässig.

Ob das lebende Plasma außer der Emulsionsstruktur stets noch eine

andere bestimmte und bezeichnende, aber mit dem Mikroskope und

Ultramikroskope unsichtbare Struktur besitzt, wissen wir nicht. In sich

teilenden Protoplasten treten fadenförmige Sonderungen auf, die in

ruhenden Protoplasten wieder unkenntlich werden. Plasma, das fixiert

und gefärbt wurde, kann homogen sein oder bildet (bei schlechter

Fixierung), wie andere geronnene kolloidale Lösungen, ein Netz-,

Gerüst- oder Wabenwerk, in das Körnchen eingelagert sind.

Außer solchen Strukturen sind aber neuerdings im Plasma von

embryonalen und Dauerzellen, vor allem nach besonderem Fixierungs-

und Färbungsverfahren, noch korn-, stäbchen-, faden-, spindel-

oder hantelförmige Gebilde nachgewiesen worden, die in ihrem

Aussehen und in ihrem Verhalten gegenüber den Fixierungs- und

Färbungsmitteln so sehr mit den #Chondriosomen# (Mitochondrien)

embryonaler tierischer Zellen übereinstimmen, daß man diese

Bezeichnung auf sie ausgedehnt hat[13]. Wahrscheinlich sind

es verschiedenwertige Dinge, zum Teil kleine, an besonderen,

vielleicht nukleïnsäurehaltigen Eiweißkörpern reiche Vakuolen,

zum Teil fadenförmige Plasmastränge, zum Teil auch jugendliche

Chromatophoren; man hat sie auch bei Pilzen beobachtet und

bei gewissen Moosen in den embryonalen Zellen #neben# den

Chromatophoren.

+2. Der Zellkern (Nukleus)+[14] ist im allgemeinen kugel-, ei- oder

linsenförmig gestaltet, kann aber manchmal auch absonderliche, z. B.

gelappte Gestalt annehmen oder in gestreckten Zellen selbst fadenförmig

werden. In embryonalen Zellen beträgt sein Durchmesser etwa zwei

Drittel des Gesamtdurchmessers des Protoplasten. In ausgewachsenen

Dauerzellen dagegen macht er, da er nicht mitwächst, in dem größeren

Zellraume einen viel kleineren Eindruck. Große Kerne findet man bei

den meisten Koniferen und manchen Monokotylen, sowie bei Ranunculaceen

und Loranthaceen unter den Dikotylen. Mit besonders großen Kernen sind

meist Drüsenzellen ausgestattet. Dagegen sind die Kerne der meisten

Pilze (Fig. 6) und vieler Schlauchalgen sehr klein.

[Illustration: Fig. 6. Mehr-(5) kernige Zelle des Pilzes Hypholoma

fasciculare. Vergr. 500. Nach KNIEP.]

[Illustration: Fig. 7. Eine Zelle von Cladophora glomerata, nach einem

mit 1%iger Chromsäure fixierten und mit Karmin gefärbten Präparate. _n_

Kerne. Vergr. 540. Nach STRASBURGER.]

Bei höheren Pflanzen kommen fast ausschließlich #einkernige# Zellen

vor. Bei den niederen Pflanzen sind aber #vielkernige# Zellen sehr

verbreitet; ja bei vielen Pilzen (Fig. 6) und bei den Schlauchalgen

herrschen sie vor. Der ganze Organismus wird alsdann entweder von

einer einzigen solchen vielkernigen Zelle gebildet, die bei einigen

Schlauchalgen, wie Caulerpa, äußerlich ungewöhnlich reich gegliedert

ist (Fig. 348); oder er besteht aus einer größeren Zahl vielkerniger

Zellen, so bei vielen Pilzen (Fig. 6) und z. B. bei der Süßwasseralge

Cladophora (Fig. 7).

Der Zellkern sieht, solange er lebt, fein punktiert aus. Außerdem

fallen in ihm meist ein bis mehrere größere, runde, glänzende Körner

oder Tropfen auf: die aus Eiweißkörpern bestehenden #Kernkörperchen#

oder #Nukleolen# (Fig. 2 _n_), deren Bedeutung wir noch nicht genau

kennen. Der Kern, dessen Inhalt zähflüssig zu sein scheint, ist von

einer #Kernwandung# umgeben (Fig. 2 _kw_), einer Hautschicht, mit der

der Kernraum, die #Kernhöhle#, gegen das umgebende Plasma abgegrenzt

ist.

Einen Einblick in die #feinere# Kernstruktur erhält man nur an

entsprechend fixierten und gefärbten Präparaten. Man erkennt alsdann im

Kern meist ein stark gefärbtes wabig-netzartiges Gerüstwerk oder Körner

aus #Chromatin# (Fig. 13, 1 _n_), das vornehmlich aus phosphorhaltigen

Eiweißverbindungen (und zwar Nukleoproteïden) zu bestehen scheint.

In den Maschen des Gerüstes befinden sich die Nukleolen, die sich

ebenfalls intensiv, jedoch meist anders als das Chromatin färben,

weil sie meist nicht aus Chromatin bestehen. Das Gerüstwerk und die

Nukleolen des Kerns liegen innerhalb der Kernhöhle, die mit #Kernsaft#,

wohl einer Eiweißlösung, gefüllt ist.

In vielen Kernen scheint das Kerngerüst aus einer wenig färbbaren

Grundmasse, dem #Linin#, gebildet zu werden, dem das Chromatin als

kleine Körnchen eingelagert ist.

Bei Spirogyra unter den Algen, gewissen Flagellaten und Pilzen

enthalten vielleicht auch die Kernkörperchen einen Teil

des Chromatins, sind also denen der höheren Pflanzen nicht

gleichwertig, wie auch ihr Anteil an den Kernteilungsvorgängen

zeigt[15]. Solche Kerne werden wohl auch als Karyosomkerne

bezeichnet.

Welchen Anteil der Zellkern an den Lebenserscheinungen des Protoplasten

hat, ist noch ganz unbekannt; jedenfalls aber ist er zum Bestande des

Lebens in kernhaltigen Zellen nötig. Sehr große Bedeutung hat er als

hauptsächlicher Träger der erblichen Anlagen.

+3. Die Chromatophoren+[16]. In den embryonalen Zellen sind die

Chromatophoren kleine, farblose, stark lichtbrechende Gebilde von

Tropfen-, Körner-, Spindel- oder Fadenform, die sich vornehmlich in

der Nähe des Zellkerns (Fig. 2 _ch_) aufhalten. In Dauerzellen sind

sie meist zu #Chloroplasten#, #Leukoplasten# oder #Chromoplasten#

umgebildet, die man wegen dieses gleichen Ursprunges ebenfalls

#Chromatophoren# nennen kann.

[Illustration: Fig. 8. Zwei Zellen mit Chlorophyllkörnern (_cl_) aus

dem Blatt des Laubmooses Funaria hygrometrica. _n_ Zellkerne. Vergr.

300. Nach SCHENCK.]

[Illustration: Fig. 9. Netzförmiger Chlorophyllkörper der Süßwasseralge

Cladophora arcta mit _py_ Pyrenoïden, _k_ Kerne. Nach SCHMITZ.]

+a+) +Chloroplasten.+ In peripherischen, dem Lichte ausgesetzten Teilen

der Pflanze gehen aus den Chromatophoren der embryonalen Zellen in

der Regel grüne Chloroplasten oder #Chlorophyllkörper# hervor. Ihnen

verdanken die grünen Pflanzen ihre Farbe und auch ihre Befähigung

zur Kohlensäureassimilation. Die Chloroplasten liegen immer im

Plasma, meist im plasmatischen Wandbelage der Zellen, und besitzen

bei allen höher organisierten Pflanzen die Gestalt ellipsoidischer,

etwas abgeflachter Körner (Fig. 8 _cl_) #Chlorophyllkörner#. Bei den

Algen sind die Chlorophyllkörper aber oft anders gestaltet, nämlich

bandförmig (Fig. 329 _C_), sternförmig oder plattenförmig, häufig

auch netzartig durchbrochen (z. B. Cladophora Fig. 9). Alsdann

sind ihnen meist #Pyrenoïde# (Fig. 9 _py_) ein- oder angelagert:

runde Proteïnkörper, die in bestimmten Fällen einen Eiweißkristall

enthalten und mit kleinen schalenförmigen Stärkekörnern sich

umhüllen, weshalb die Pyrenoïde auch _Stärkeherde_ genannt werden.

Nach längerer Belichtung findet man in den Chloroplasten der meisten

Pflanzen eine geringere oder größere Zahl sehr kleiner Stärkekörnchen

(Assimilationsstärke Fig. 15) und außerdem oft ölartige Tröpfchen, die

vielleicht aus Aldehyden bestehen. Die Grundmasse der Chloroplasten

läßt aber eine feinere Struktur in lebensfrischem Zustande selbst bei

den stärksten Vergrößerungen nicht erkennen; sie ist gleichmäßig grün

gefärbt.

Der grüne Farbstoff, das #Chlorophyll#, ist für die

Kohlensäurezerlegung in den Chloroplasten unentbehrlich.

Die Untersuchungen aus letzter Zeit[17], namentlich von WILLSTÄTTER

und seinen Schülern, haben ergeben, daß in den Chloroplasten im

ganzen #vier# Farbstoffe vorhanden sind: Zwei sehr nahe verwandte

grüne Pigmente, das Chlorophyll _a_ und _b_, im Mengenverhältnis

von etwa 3 : 1, und, in wesentlich geringerer Menge, zwei gelbe

Farbstoffe. Die Chlorophylle sind Ester des Phytols, eines

Alkohols von der Formel C_{20}H_{39}OH, und einer Trikarbonsäure,

also hochmolekulare Verbindungen von Kohlenstoff, Sauerstoff

und Wasserstoff, in deren Aufbau noch Stickstoff und Magnesium,

entgegen früheren Annahmen aber kein Phosphor und kein Eisen

eingeht. Das blaugrüne Chlorophyll _a_ entspricht der Formel

C_{55}H_{72}O_{5}N_{4}Mg + ½ H_{2}O; das gelbgrüne Chlorophyll

_b_ hat die Zusammensetzung C_{55}H_{70}O_{6}N_{4}Mg. Die

gelben Pigmente sind orangerote, kristallisierende #Karotine#

(Kohlenwasserstoffe von der Zusammensetzung C_{40}H_{56}), von

denen eines z. B. auch in den Möhrenwurzeln vorkommt, und gelbe,

ebenfalls kristallisierbare #Xanthophylle# (Oxyde der Karotine:

C_{40}H_{56}O_{2}). An der Assimilation der Kohlensäure sind aber

nur die Chlorophylle beteiligt.

Alle vier Farbstoffe lassen sich aus den frischen oder getrockneten

Chloroplasten mit verschiedenen Lösungsmitteln ausziehen, z. B. mit

Azeton oder 80-90% Alkohol; am schnellsten kann man eine intensive

Lösung aller Pigmente aus frischen Laubblättern erhalten, wenn man

sie mit siedendem Alkohol übergießt. Solche Lösungen sind infolge

des Gehaltes an Chlorophyllen im durchfallenden Lichte smaragdgrün,

bei auffallendem Lichte durch #Fluoreszenz# blutrot[18]. Ihr

Spektrum (Fig. 245) ist durch vier Absorptionsbänder im weniger

brechbaren (roten) Teile und drei im stärker gebrochenen

(blauen) ausgezeichnet. Die einzelnen Pigmente lassen sich durch

Ausschütteln dieser Lösungen voneinander trennen. Wird z. B. die

alkoholische Lösung mit Benzol geschüttelt, so nimmt dieses die

Chlorophylle auf und sammelt sich als grüne Lösung über dem nun

gelb gefärbten Alkohol an. Die Menge des in grünen Pflanzenteilen

vorhandenen Chlorophyllgrüns ist nur gering; sie macht nach

WILLSTÄTTER 0,5-1% der Trockensubstanz aus.

Bei manchen viel kultivierten Gewächsformen, den #weißbunten#

(#panaschierten#) Pflanzen, haben kleinere oder größere Teile der

Blätter nicht grüne, sondern weiße oder gelbliche Färbung; ihre

Zellen enthalten an Stelle der grünen Chloroplasten farblose oder

gelbliche Chromatophoren.

Viele Algen sind nicht grün, sondern anders gefärbt. In den

blaugrünen, spangrünen, blauen, seltener violetten Spaltalgen

und in den roten, violetten oder rotbraunen Chloroplasten der

Rotalgen sind nämlich neben den vier Farbstoffen der grünen

Chlorophyllkörper auch noch ein blauer Farbstoff, das #Phykozyan#,

und ein roter, das #Phykoerythrin#, allein oder seltener

nebeneinander vorhanden. Beide sind nach Abtötung der Zellen

schon in Wasser löslich, dem ein wenig Alkali oder Neutralsalz

zugesetzt ist, und fluoreszieren sehr schön. Um Spaltalgen, die man

auf Papier trocknet, bildet das Phykozyan oft einen blauen Saum.

Beide Farbstoffe sollen Proteïde sein. Über ihre Bedeutung ist

wenig Sicheres bekannt[19]. Bei den Braunalgen kommt die Farbe der

braunen oder gelben Chloroplasten dadurch zustande, daß in ihnen

außer Chlorophyll _a_ und sehr wenig Chlorophyll _b_ etwa gleich

viel gelbe Farbstoffe, nämlich Karotin, Xanthophyll und außerdem in

überwiegender Menge auch noch das dem letzten verwandte rotbraune

#Phykoxanthin# (C_{40}H_{54}O_{6}), vorhanden sind[20].

Die Verfärbungen[21], die die Blätter unserer Holzgewächse im

Herbste vor dem Blattfall erfahren, sind mit einer Zersetzung der

Chloroplasten und des Chlorophyllfarbstoffes verbunden. In den

Protoplasten findet man alsdann außer wäßriger, oft rotgefärbter

Flüssigkeit nur noch einige Öltröpfchen, Kristalle und gelbe, stark

lichtbrechende Kugeln. Anders steht es bei solchen Nadelhölzern,

deren Blätter im Winter sich bräunen, um im nächsten Frühjahr

wieder zu ergrünen; hier gehen in den Farbstoffen der Chloroplasten

Umwandlungen vor, die im Frühling wieder rückgängig gemacht

werden. Die Bräunung absterbender Laubblätter ist eine postmortale

Erscheinung, bei der braune wasserlösliche Farbstoffe auftreten.

In den nicht grünen phanerogamen Schmarotzern werden die Chloroplasten

nicht ausgebildet, sondern durch farblose, auch wohl bräunliche oder

rötliche Chromatophoren ersetzt, die übrigens bei manchen dieser

Gewächse noch Spuren von Chlorophyll enthalten können. Bei den Pilzen

fehlen die Chromatophoren ganz, wie schon hervorgehoben wurde.

[Illustration: Fig. 10. Zelle aus der Epidermis der Commelinacee Rhoeo

discolor. _n_ Kern mit Kernkörperchen _k_, umgeben von Leukoplasten

_l_. Vom Kern gehen Plasmastränge nach dem unsichtbaren wandständigen

Plasmabelag aus. Vergr. 240.]

[Illustration: Fig. 11. Zelle mit Chromoplasten von der Oberseite des

gelb gefärbten Kelches der Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus). Vergr.

540. Nach STRASBURGER.]

[Illustration: Fig. 12. Chromoplasten aus der Möhrenwurzel, zum Teil

mit Stärkeeinschlüssen. Vergr. 540. Nach STRASBURGER.]

+b) Leukoplasten.+ In vielen Teilen der Pflanzen, namentlich solchen,

zu denen das Licht nicht gelangt, werden die Chromatophoren zu

farblosen #Leukoplasten#. Sie sind in vielen Zellen winzig klein

(Fig. 5, 10_l_), kugelig, eiförmig oder nicht selten durch einen

eingeschlossenen Eiweißkristall gestreckt (Fig. 28 _B kr_). Dem Lichte

ausgesetzt wandeln sie sich häufig in Chloroplasten um, so in den

äußeren Partien belichteter Kartoffelknollen und in manchen Erdwurzeln.

Auch die Leukoplasten haben, wenigstens in vielen Zellen, besondere

Funktionen, nämlich die, Zucker in Stärke umzuwandeln, die in ihnen als

Körner auftritt, weshalb man die Leukoplasten auch als #Stärkebildner#

bezeichnet.

+c) Chromoplasten+ gehen entweder direkt aus den farblosen

Chromatophoren der Embryonalzellen oder aus zuvor ausgebildeten

Chloroplasten hervor und bedingen die gelbe und rote Färbung vieler

Pflanzenteile, besonders von Blüten und Früchten. Sie können wie

die Chloroplasten rundliche Körner sein; doch sind sie oft kleiner

und stets gelb oder orangerot gefärbt. Diese Färbung rührt entweder

von gelben #Xanthophyllen# oder von leicht auskristallisierenden,

orangeroten #Karotinen# her. Die Farbstoffe sind nicht gleichmäßig

in ihrem Körper gelöst; vielmehr findet man in einer farblosen,

plasmatischen Grundsubstanz (dem #Stroma#) des Chromoplasten viele

winzige Tröpfchen (#Grana#) davon[22]. Die Farbstoffe, namentlich

die Karotine, kristallisieren aber auch oft aus; alsdann sind die

Chromoplasten nadelförmig oder zu dreieckigen oder rhombischen

Plättchen gestreckt (Fig. 11, 12).

Nach Herkunft und Bedeutung noch nicht genügend bekannt ist der

#rote Augenfleck#, den man in den Zellen vieler Algen, besonders

in ihren Schwärmzellen, neben dem Chloroplasten und meist mit ihm

verbunden findet (Fig. 335 _1 a_). Manche Forscher glauben, daß er

als Chromoplast aufzufassen ist und zur Wahrnehmung des Lichtes,

gewissermaßen als Auge, dient. Der rote Farbstoff, #Hämatochrom#

genannt, ist nichts anderes als Karotin.

+E. Ursprung der Elemente des Protoplasten+[6]. Alle lebenden Elemente

des Protoplasten, das Plasma, die Zellkerne und die Chromatophoren,

stammen ab von gleichnamigen Elementen; eine freie Neubildung findet

#nirgends# statt. Sie nehmen an Masse zu durch Wachstum; #sie

vermehren sich aber an Zahl, ebenso wie die Protoplasten selbst, nur

durch Teilung oder Abspaltung aus ihresgleichen#. Dadurch werden die

Eigenschaften der lebenden Bestandteile einer Keimzelle auf alle Zellen

des Organismus, so auch wieder auf seine Keimzellen übertragen, und die

ununterbrochene Fortdauer des Lebens bleibt erhalten. Die Teilung der

Protoplasten wird gewöhnlich eingeleitet durch die Kernteilung. Das

Ineinandergreifen der Kern- und Zellteilung in einkernigen Zellen ist

notwendig, um jeder Tochterzelle einen Kern zu sichern. In vielkernigen

Zellen (z. B. von Algen und Pilzen) ist es nicht notwendig, wenn die

Querwand so angelegt wird, daß jedem Tochterprotoplasten die nötigen

Kerne ohnedies bei der Teilung zufallen; tatsächlich ist hier oft die

Zellteilung nicht von der Kernteilung abhängig.

Es kommt übrigens vor, daß der Protoplast einer Zelle als Ganzes ohne

Teilung seine alte Zellhülle aufgibt. Dieser Vorgang, #Zellverjüngung#

genannt, hat mit Zellteilung nichts zu tun.

Lehrbuch der Botanik für Hochschulen · 第 2 / 90 段