Viel leichter als die Begrenzung der Tier- und Pflanzenwelt

####################################################################

Anmerkungen zur Transkription

Der vorliegende Text wurde anhand der 1923 erschienenen Buchausgabe

so weit wie möglich originalgetreu wiedergegeben. Typographische

Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Ungewöhnliche und heute

nicht mehr gebräuchliche Schreibweisen sowie Schreibvarianten

bleiben gegenüber dem Original unverändert, sofern der Sinn des

Texts dadurch nicht beeinträchtigt wird.

Einige Tabellen und Diagramme wurden geteilt, um diese auch auf

schmalen Bildschirmen übersichtlich darstellen zu können. Alle

relativen Größenangaben in den Bildunterschriften beziehen sich

ausschließlich auf die Abbildungen der gedruckten Originalausgabe.

Die Liste der Druckfehler wurde bereits in den Text eingearbeitet.

Bei den systematischen Namen wurde die Schreibweise nach dem heute

üblichen Standard vereinheitlicht, bei dem das Art-Epitheton zum

Gattungsnamen stets klein geschrieben wird, es sei denn, dieses

wurde von einem Personennamen abgeleitet; also z.B. ‚Gnetum gnemon‘

statt ‚Gnetum Gnemon‘. Weiterhin wurden heute möglicherweise nicht

mehr übliche Schreibweisen der Pflanzennamen sowie inkonsistente

Varianten beibehalten, sofern diese im Text mehrmals auftreten.

Besondere Schriftschnitte wurden mit Hilfe der folgenden

Sonderzeichen gekennzeichnet:

_Unterstriche_ -- kursiv

#Rautenzeichen# -- Fettdruck

+Pluszeichen+ -- gesperrt

~Tilden~ -- kleinere Schriftart im laufenden Absatz

Kapitälchen, meist in Personennamen, wurden zu VERSALIEN

abgeändert. Das Caret-Symbol steht für ein nachfolgenes

hochgestelltes Zeichen (z.B. 8^o); tiefgestellte Zeichen wurden in

geschweifte Klammern gesetzt, vor der ein einzelner Unterstrich

steht, wie beispielsweise in H_{2}O.

####################################################################

LEHRBUCH

DER

BOTANIK

FÜR HOCHSCHULEN

BEGRÜNDET 1894

VON

EDUARD STRASBURGER, FRITZ NOLL

HEINRICH SCHENCK, A. F. WILHELM SCHIMPER

SECHZEHNTE, UMGEARBEITETE AUFLAGE

BEARBEITET

VON

DR. HANS FITTING DR. LUDWIG JOST

O. PROFESSOR AN DER UNIVERSITÄT O. PROFESSOR AN DER UNIVERSITÄT

BONN HEIDELBERG

DR. HEINRICH SCHENCK DR. GEORGE KARSTEN

O. PROFESSOR AN DER TECHNISCHEN O. PROFESSOR AN DER UNIVERSITÄT

HOCHSCHULE DARMSTADT HALLE-WITTENBERG

MIT 844 ZUM TEIL FARBIGEN ABBILDUNGEN IM TEXT

[Illustration]

JENA

VERLAG VON GUSTAV FISCHER

1923

Alle Rechte vorbehalten

Copyright 1911 by Gustav Fischer, Publisher, Jena

Druck von Ant. Kämpfe in Jena

Vorwort zur 1. Auflage.

Die Verfasser dieses Lehrbuches wirken seit Jahren als Dozenten

der Botanik an der Universität Bonn zusammen. Sie haben dauernd

in wissenschaftlichem Gedankenaustausch gestanden und sich in

ihrer Lehraufgabe vielfach unterstützt. Sie versuchen es jetzt

gemeinschaftlich, ihre im Lehren gesammelten Erfahrungen in diesem

Buche niederzulegen. Den Stoff haben sie so untereinander verteilt, daß

EDUARD STRASBURGER die Einleitung und die Morphologie, FRITZ NOLL die

Physiologie, HEINRICH SCHENCK die Kryptogamen, A. F. W. SCHIMPER die

Phanerogamen übernahm.

Trägt auch jeder Verfasser die wissenschaftliche Verantwortung nur

für den von ihm bearbeiteten Teil, so war doch das einheitliche

Zusammenwirken aller durch anhaltende Verständigung gewahrt. Es darf

daher das Buch, ungeachtet es mehrere Verfasser zählt, Anspruch auf

eine einheitliche Leistung erheben.

Dieses Lehrbuch ist für die Studierenden der Hochschulen bestimmt

und soll vor allem wissenschaftliches Interesse bei ihnen erwecken,

wissenschaftliche Kenntnis und Erkenntnis fördern. Zugleich nimmt es

aber auch Rücksicht auf die praktischen Anforderungen des Studiums

und sucht den Bedürfnissen des Mediziners und Pharmazeuten gerecht zu

werden. So wird der Mediziner aus den farbigen Bildern die Kenntnis

derjenigen Giftpflanzen erlangen können, die für ihn in Betracht

kommen, der Pharmazeut die nötigen Hinweise auf offizinelle Pflanzen

und Drogen in dem Buche finden.

Nicht genug ist das Entgegenkommen des Herrn Verlegers zu rühmen,

der die Kosten der farbigen Darstellungen im Texte nicht scheute,

und der überhaupt alles aufgeboten hat, um dem Buche eine vollendete

Ausstattung zu geben.

#Bonn#, im Juli 1894.

Die Verfasser.

Aus dem Vorwort zur 5. Auflage.

Einen schweren Verlust hat unsere gesamte botanische Wissenschaft,

und im besonderen auch unser Lehrbuch, durch den inzwischen erfolgten

Tod von A. F. W. SCHIMPER erfahren. In der Blüte der Jahre wurde er

uns entrissen, ein Opfer seines rastlosen Forschungstriebes. Mit ihm

erlosch auch so mancher fruchtbare Gedanke, ohne in wissenschaftliche

Tat umgesetzt zu werden. In seinem Nachlaß fanden sich nur lose Blätter

als Vorbereitung für die neue Auflage unseres Lehrbuchs vor. Die drei

anderen Mitarbeiter hielten es für ihre Pflicht, diese Blätter zu

sichten, zu ergänzen, einzuordnen und die begonnene Arbeit, im Sinne

des Verstorbenen, zum Abschluß zu bringen, damit sein Name auch noch

auf dieser, nach seinem Tode erscheinenden Auflage unseres Lehrbuches

stehe.

#Bonn#, im Dezember 1901.

Die Verfasser.

Aus dem Vorwort zur 6. Auflage.

Aus der gleichmäßig fortschreitenden Aufeinanderfolge neuer Auflagen

unseres Lehrbuchs schöpfen wir dauernd neue Anregung, es auf der Höhe

seiner Aufgabe zu halten. Die sechste Auflage hat ganz besonders viele

Verbesserungen und Änderungen aufzuweisen. Morphologie, Physiologie und

Kryptogamen wurden wiederum einer eingehenden Durchsicht unterworfen,

die Phanerogamen aber, durch G. KARSTEN, vollständig umgearbeitet.

Der Herr Verleger scheute seinerseits kein Opfer, um zu erreichen, daß

das Buch in seiner technischen Ausstattung den ersten Rang behaupte. Er

selbst äußerte den Wunsch, wir möchten noch vorhandene, fremden Werken

entnommene Habitusbilder möglichst durch Originale ersetzen. Da die

Kunst des Farbendrucks seit dem Erscheinen der 1. Auflage dieses Werkes

wesentliche Fortschritte gemacht hatte, so veranlaßte der Herr Verleger

uns auch, neue Vorlagen für die farbigen Abbildungen zu schaffen. Diese

sind von Herrn Dr. ANHEISSER meist nach der Natur entworfen worden.

#Bonn#, im Oktober 1903.

Die Verfasser.

Aus dem Vorwort zur 10. Auflage.

Mit dieser 10. Auflage vollendet unser Lehrbuch sein fünfzehntes Jahr.

Da es sich alle anderthalb Jahre durchschnittlich in einer neuen

Auflage verjüngte, so hoffen wir, daß es keine Zeichen hohen Alters an

sich trägt. Von dieser 10. Auflage können wir sogar behaupten, daß sie

in besonders neuem Gewande vor die Öffentlichkeit tritt.

Einen schweren Verlust hat unser Lehrbuch durch den Tod eines seiner

Mitarbeiter, FRITZ NOLL, erfahren. Seine Physiologie trug nicht wenig

zu den ersten Erfolgen des Buches bei. Ein ehrenvolles Andenken ist ihm

in unserer Wissenschaft gesichert. An seine Stelle trat LUDWIG JOST in

den Verband unseres Lehrbuchs ein.

Möge auch diese neue Auflage des Lehrbuchs Nutzen stiften und geneigte

Aufnahme finden.

Im Oktober 1909.

Die Verfasser.

Aus dem Vorwort zur 12. Auflage.

Seit die letzte Auflage unseres Lehrbuches hinausging, hat es durch den

Tod EDUARD STRASBURGER’s den schwersten Verlust erlitten, der es bisher

betroffen. Er hatte an dem zunehmenden Erfolg des Buches, an dem er 17

Jahre mitarbeitete, seine stete Freude und war unausgesetzt bemüht,

seinen Teil, die Morphologie, an Form und Inhalt höchsten Ansprüchen

genügend zu gestalten.

Nach seinem Ausscheiden trat HANS FITTING als Mitarbeiter ein; ihm fiel

die Aufgabe zu, den ersten Teil neu zu bearbeiten. Da zugleich einige

Änderungen in der ganzen Stoffverteilung geboten erschienen, ist diese

Auflage auch in den anderen Teilen mehr oder minder stark umgestaltet

worden. Wir waren bestrebt, die Einheitlichkeit des Buches nach

Möglichkeit zu wahren und zu erhöhen.

Zum ersten Male sind alle Figuren -- bis auf die von R. ANHEISSER

gezeichneten Habitusbilder und die von den Mitarbeitern für ihre

eigenen Teile angefertigten Bilder -- mit den Namen ihrer Autoren

versehen worden, so daß der Anteil der bisherigen Verfasser an der

Illustrierung des Buches zum Ausdruck gelangt.

Im April 1913.

Die Verfasser.

Aus dem Vorwort zur 14. Auflage.

Mit dieser neuen Auflage vollendet unser Lehrbuch das fünfundzwanzigste

Jahr seines Bestehens! Es hat im verflossenen Vierteljahrhundert

zahlreiche Freunde an deutschen und ausländischen Hochschulen

gewonnen; wir hoffen, daß ihm diese Freundschaft auch in Zukunft

nach Wiedereintritt des Friedens und mit Wiederaufnahme gemeinsamer

Arbeit zur Förderung der Wissenschaft erhalten bleibt. Auf den

erzielten Erfolg kann der Herr Verleger, der in dankenswerter Weise

die vortreffliche Ausstattung des Buches stets im Auge behielt, mit

besonderer Genugtuung zurückblicken. Uns Verfassern aber soll dieser

Erfolg erneuten Ansporn geben, fortgesetzt den Ausbau des Buches nach

besten Kräften zu fördern und so stets auf dem neuesten Stand der

Wissenschaft zu halten.

Obwohl wir den hie und da geäußerten Wunsch, auch die

Pflanzengeographie zu behandeln, gerne erfüllen möchten, müssen wir

in Rücksicht auf den stattlichen Umfang des Buches davon absehen, ihm

einen neuen größeren Abschnitt anzufügen, da eine Kürzung des Inhaltes,

wie sie bei den „Samenpflanzen“ dieses Mal versucht ward, nicht den

nötigen Raum dafür gewinnen läßt. Für unzweckmäßig aber müssen wir

es halten, die wichtige Pflanzengeographie nur auf wenigen Seiten zu

erledigen. Es sei daher zunächst noch auf die bereits vorhandenen

pflanzengeographischen Werke verwiesen.

Im Juni 1919.

Die Verfasser.

Vorwort zur 16. Auflage.

Der im Januar 1921 erschienenen 15. Auflage müssen wir -- wiederum nach

2 Jahren -- eine neue folgen lassen, in welcher die neueste wichtigere

Literatur, soweit sie uns erreichbar war, gebührend berücksichtigt

wurde.

Wesentliche Änderungen erfuhr die systematische Anordnung der

Samenpflanzen auf Grund der Ergebnisse der serodiagnostischen

Untersuchungsmethode, die nach Ansicht des Verfassers dieses

Abschnittes nicht außer acht gelassen werden durfte.

Dem Herrn Verleger sind wir für die gute Ausstattung des Buches auch in

seiner neuesten Gestalt besonders dankbar.

Im April 1923.

Die Verfasser.

Inhaltsübersicht.

Erster Teil. Allgemeine Botanik.

Seite

Einleitung 1

Erste Abteilung.

+Morphologie+ 5

#Erster Abschnitt. Zellenlehre# (#Zytologie#) 8

I. Gestalt und Größe der Zellen 8

II. Der lebende Inhalt der Zellen (der Protoplast) 8

A. Bestandteile 8

B. Physikalische Eigenschaften 10

C. Chemische Eigenschaften 11

D. Bau der Teile 12

E. Ursprung der Elemente 17

III. Gröbere leblose Einschlüsse der Protoplasten 23

IV. Die Zellmembranen 29

#Zweiter Abschnitt. Gewebelehre# (#Histologie#) 33

I. Gewebebildung 33

II. Zellarten. Gewebearten und Gewebesysteme 38

A. Die Bildungsgewebe 39

B. Die Dauergewebe 40

#Dritter Abschnitt. Organlehre# (#Organographie#) 61

I. Vegetationsorgane 62

A. Der Thallus 63

B. Der Kormus 72

1. Bau des typischen Kormus 72

a) Der Sproß 73

α) Der Vegetationspunkt 73

β) Die Sproßachse 75

γ) Die Blätter 92

δ) Die Verzweigung der Sprosse 104

b) Die Wurzel 112

c) Sekundäres Dickenwachstum des Kormus 120

2. Anpassungen des Kormus an Lebensweise und

Umwelt 141

A. Autotrophe Kormophyten 141

a) Anpassungen an den Feuchtigkeitsgehalt der

Umwelt 141

b) Anpassungen an den Lichtgewinn 155

c) Anpassungen der grünen Kormophyten an

besondere Ernährungsweise 158

B. Heterotrophe Kormophyten 161

II. Fortpflanzungsorgane 163

#Vierter Abschnitt. Die Deszendenzlehre und die Entstehung

der Anpassungen# 176

Zweite Abteilung.

+Physiologie+ 182

Kennzeichen des Lebens 182

#Erster Abschnitt. Stoffwechsel# 187

I. Die stoffliche Zusammensetzung der Pflanze 187

II. Aufnahme und Bewegung der Nährstoffe 188

III. Assimilation der Nährstoffe 212

IV. Wanderung und Wandlung der Assimilate 227

V. Atmung und Gärung 233

#Zweiter Abschnitt. Entwicklung# 242

I. Vorbemerkungen 242

1. Wachstumsmessung 242

2. Phasen des Wachstums 245

II. Die Faktoren der Entwicklung 250

A. Äußere Faktoren 250

B. Innere Faktoren 259

III. Der Entwicklungsgang und seine Abhängigkeit von äußeren

und inneren Faktoren 265

A. Ruhe und Wachstum 266

B. Wachstum und Zellteilung 268

C. Vegetative Gestaltung 270

D. Lebensdauer 271

E. Fortpflanzung 272

F. Vererbung, Variabilität, Artbildung 277

#Dritter Abschnitt. Bewegungen# 288

I. Lokomotorische Bewegungen 289

II. Krümmungsbewegungen 294

A. Hygroskopische Bewegungen 295

B. Bewegungen an der lebenstätigen Pflanze 296

1. Autonome Bewegungen 296

2. Paratonische Bewegungen 298

a) Tropismen 299

b) Nastische Bewegungen 315

III. Rückblick auf die Reizerscheinungen 321

Zweiter Teil. Spezielle Botanik.

Erste Abteilung.

+Thallophyta+ 327

Bacteria 329

Cyanophyceae 335

Flagellatae 337

Myxomycetes 339

Dinoflagellatae 342

Diatomeae 343

Conjugatae 348

Heterocontae 351

Chlorophyceae 352

Phaeophyceae 361

Characeae 369

Rhodophyceae 371

Phycomycetes 376

Eumycetes 383

Lichenes 410

+Bryophyta+ 415

Hepaticae 422

Musci 427

+Pteridophyta+ 432

Filicinae 437

Equisetinae 448

Sphenophyllinae 452

Lycopodinae 452

Pteridospermeae 461

Zweite Abteilung.

+Spermatophyta+ 464

Übergang von den Farnpflanzen zu den Samenpflanzen 464

Übersicht des Generationswechsels 467

#Morphologie und Ökologie der Blüte# 468

Morphologie 468

Blütenstände 476

Ökologie 477

#Entwicklung der Geschlechtsgeneration bei den Samenpflanzen# 485

A. Gymnospermen 485

a) Cycadeen 485

b) Koniferen 488

c) Gnetineen 492

B. Angiospermen 493

a) Mikrosporen 493

b) Makrosporen 494

Der Samen 500

Die Frucht 502

Verbreitung der Samen 505

Die Keimung 507

#Anordnung der Klassen, Ordnungen und Familien# 509

I. Klasse Gymnospermae 509

1. Ordnung Cycadinae 509

2. „ Ginkgoinae 511

3. „ Coniferae 511

Familie Taxaceae 512

„ Pinaceae 513

4. Ordnung Gnetinae 519

Die fossilen Gymnospermen 519

II. Klasse Angiospermae 523

1. Unterklasse #Dicotylae# 524

#Choripetalae# 525

1. Ordnung Polycarpicae 525

2. „ Hamamelidinae 532

3. „ Rosiflorae 533

4. „ Leguminosae 538

5. „ Myrtiflorae 544

6. „ Umbelliflorae 547

7. „ Centrospermae 551

8. „ Primulinae 555

9. „ Polygoninae 555

10. „ Loranthiflorae 556

11. „ Juglandiflorae 556

12. „ Piperinae 557

13. „ Querciflorae 558

14. „ Saliciflorae 562

15. „ Urticinae 563

16. „ Rhoeadinae 566

17. „ Cistiflorae 569

18. „ Columniferae 570

19. „ Tricoccae 574

20. „ Gruinales 577

21. „ Frangulinae 581

22. „ Ericinae 583

#Sympetalae# 584

A. Pentacyclicae 584

1. Ordnung Diospyrinae 584

B. Tetracyclicae 584

2. Ordnung Contortae 585

3. „ Tubiflorae 589

4. „ Personatae 592

5. „ Rubiinae 597

6. „ Synandrae 600

2. Unterklasse #Monokotylae# 609

1. Ordnung Helobiae 610

2. „ Spadiciflorae 612

3. „ Liliiflorae 617

4. „ Enantioblastae 623

5. „ Glumiflorae 625

6. „ Scitamineae 630

7. „ Gynandrae 633

Die fossilen Angiospermen 636

Offizinelle und giftige Pflanzen 654

#EINLEITUNG.#[A]

Die Organismen, die unsere Erde bewohnen, teilt man in Tiere und

Pflanzen ein. Dementsprechend zerfällt die #Biologie# oder Lehre von

den Lebewesen in #Zoologie#, die Wissenschaft von den Tieren, und in

#Botanik#, die Wissenschaft von den Pflanzen.

Unter Pflanzen pflegt man festgewachsene, grüne, blühende und

fruchtende Lebewesen sich vorzustellen, unter Tieren dagegen meist

frei bewegliche Organismen, die Nahrung aufsuchen oder einfangen

und fressen. So leicht es also bei oberflächlicher Kenntnis zu sein

scheint, das Reich der Pflanzen gegen das der Tiere abzugrenzen, so

schwer ist es doch in Wirklichkeit. Bei #sehr einfach gebauten#, d. h.

äußerlich und innerlich wenig gegliederten, #Organismen, die man als

die niedrigsten bezeichnet, läßt sich oft nicht entscheiden, ob man sie

in das Pflanzen- oder Tierreich einreihen soll#. Tiere und Pflanzen

haben nämlich die folgenden wichtigen Eigenschaften gemein:

1. Die Pflanze besteht aus einem oder vielen, mikroskopisch kleinen

Kämmerchen, den Zellen, die sich durch Teilung vermehren. Aus

Zellen ähnlichen Baues und entsprechender Herkunft ist das Tier

zusammengesetzt. #So haben Pflanzen und Tiere im wesentlichen gleichen

inneren Bau.#

2. Die #Pflanze# ist wie das Tier ein #lebendes Wesen# und #stimmt

in ihren wichtigsten Lebensregungen völlig mit dem Tiere überein#:

Die Vorgänge der Ernährung und des Wachstums, der Entwicklung und

der Fortpflanzung sind bei Pflanzen und Tieren im großen und ganzen

wesentlich gleich, z. B. atmet auch die Pflanze und entwickelt dabei

Wärme; ferner besitzt sie auch Bewegungsvermögen und Reizbarkeit

mannigfaltiger Art.

3. Diese weitgehende Übereinstimmung zwischen den Lebensäußerungen der

Pflanzen und der Tiere kann nicht wundernehmen, wenn man weiß, #daß bei

Pflanzen und Tieren das Leben an eine sehr ähnliche „Grundsubstanz“, an

das Protoplasma, gebunden ist, das sich in den Zellen befindet#.

Solche und viele andere Tatsachen weisen darauf hin, #daß die Pflanzen

untereinander und mit den Tieren blutsverwandt sind#. Diese in der

#Abstammungs-# oder #Deszendenzlehre# zum Ausdruck kommende Auffassung

kann man als eine grundlegende Theorie der Biologie bezeichnen. Die

Vorstellung, daß die Lebewesen mit zusammengesetzterem Bau, mit höherer

Organisation, aus einfacher gestalteten sich entwickelt haben, reicht

bis auf die griechischen Philosophen zurück; sie wurde zu Beginn des

19. Jahrhunderts vor allem von dem französischen Zoologen LAMARCK

vertreten. Eine wissenschaftliche Begründung erhielt sie aber erst

später. Namentlich war es CHARLES DARWIN[1], der durch eine Fülle von

Beweismaterial das zuvor herrschende Dogma von der Unveränderlichkeit

der Arten endgültig erschütterte und dadurch die großen Probleme der

organischen Entwicklung in Fluß brachte. Die Paläontologie lehrt uns

aus Versteinerungen und Abdrücken von Tieren und Pflanzen, daß in

früheren Erdperioden andere Lebewesen als in der Gegenwart, aber zum

Teil den jetzigen ähnliche den Erdball bewohnten. Diese Beobachtung

legt schon den Schluß nahe, daß die jetzt lebenden Formen durch

Umbildungen ausgestorbener entstanden sind. Er führt zu der Folgerung,

daß solche sehr ähnliche Organismen, die wir als Arten in einer Gattung

vereinigen, miteinander #blutsverwandt# sind, und daß man durch

Vereinigung von Arten zu Gattungen, von Gattungen zu Familien und von

Familien zu noch höheren Einheiten in einem „natürlichen“ Systeme

#Verwandtschaftsgrade# zum Ausdruck bringt. Die Entwicklung, d. h.

die Umwandlungen, die ein Lebewesen im Laufe von Generationen während

der Jahrtausende durchgemacht hat, nennt man mit ERNST HAECKEL[2]

seine Stammesgeschichte oder #Phylogenie#, die Entwicklung, die es

während seines Einzeldaseins durchmacht, seine #Ontogenie#. Die

Deszendenzlehre nimmt nun an, daß die höher organisierten Pflanzen

und Tiere phylogenetisch in letzter Linie aus gemeinsamen Wurzeln

entstanden sind, nämlich aus sehr einfachen Formen, die vielleicht den

einfachsten, heute noch lebenden ähnlich waren, und zwar so, daß von

solchen die phylogenetische Entwicklung einerseits in der Richtung auf

die höheren Tiere, andererseits in der Richtung auf die ausgeprägten

Pflanzen fortschritt. Nach dieser Annahme, die ihre Stütze außer in

den vielen, allen Tieren und Pflanzen gemeinsamen Eigenschaften, eben

in der Tatsache findet, daß eine scharfe Grenze zwischen Tier- und

Pflanzenreich in den Gruppen der niedersten Formen sich nicht ziehen

läßt, bilden alle lebenden Wesen im Grunde genommen ein #einziges#

Naturreich, das #Reich der Organismen#.

Ausgeprägt #pflanzliche# Merkmale wurden im Laufe der phylogenetischen

Entwicklung: die Ausbildung der wichtigsten Körperflächen, die der

Nahrungsaufnahme dienen, nach #außen# (während dafür beim Tiere eine

von einem Munde ausgehende innere Körperfläche durch Einstülpung

entstand), ferner die #Zellulosezellmembranen#, mit denen die Zellen

sich umkleideten, endlich die #grünen Farbkörper#, die sich im Inneren

der Zellen ausbildeten. Der #grüne Farbstoff# befähigte die Pflanze,

aus der Kohlensäure der Luft, aus Wasser und aus gewissen Bodensalzen,

also aus anorganischen Verbindungen, ihre organische Leibessubstanz

aufzubauen und dadurch selbständig und unabhängig von allen anderen

Organismen zu leben; das Tier dagegen blieb in seiner Ernährung,

unmittelbar oder mittelbar, auf die Pflanze angewiesen, also in seinem

Bestehen von ihr abhängig. Fast alle Unterschiede, die zwischen

ausgeprägten Pflanzen und Tieren bestehen, lassen sich aus diesen

Besonderheiten der Ernährung ableiten. Als bezeichnend für die Pflanzen

kann ferner ihre #ontogenetische Entwicklung# gelten, die #niemals

abgeschlossen# wird, vielmehr an den Vegetationspunkten unbegrenzt

fortdauert, so daß die Pflanze im Prinzip immer weiter wächst. Daß aber

keines dieser Merkmale für sich allein ausreicht, um eine Pflanze von

einem Tiere mit Sicherheit zu unterscheiden, lehrt uns beispielsweise

die ganze Pflanzengruppe der Pilze; sie enthalten den grünen Farbstoff

nicht und sind infolgedessen wie die Tiere in ihrer Ernährung auf

organische Stoffe angewiesen, die letzten Endes einmal von grünen

Pflanzen gebildet worden waren. Gleichwohl rechnen wir die Pilze

zum Pflanzenreich, wen sie sich von grünen Gewächsen phylogenetisch

ableiten lassen.

Eine strenge, allgemeingültige Definition der „Pflanze“ und des

„Tieres“ zu geben, ist aber ganz unmöglich. Wir müssen uns also

hier mit dem Hinweise begnügen, daß von bekannteren Lebewesen die

Bakterien, Algen, Pilze, Flechten, Moose, Farn- und Samenpflanzen

(Gymnospermen und Angiospermen) der #Pflanzen#welt zugerechnet werden

und somit Gegenstände der botanischen Forschung sind.

Viel leichter als die Begrenzung der Tier- und Pflanzenwelt

gegeneinander scheint die Aufgabe zu sein, das Reich der Organismen

gegen das der leblosen Körper abzugrenzen. Wir kennen kein Lebewesen,

dem das Protoplasma fehlt, aber keinen leblosen Körper, worin sich

tätiges Protoplasma nachweisen ließe. Seit es in der organischen

Chemie EMIL FISCHER gelungen ist, Zuckerarten synthetisch darzustellen

und die Synthese der Eiweißkörper anzubahnen, haben wir aber

mehr denn je Grund zu der Annahme, daß auch die Masse, die den

Ausgangspunkt der organischen Entwicklung bildete: das Protoplasma,

einen anorganischen Ursprung gehabt habe; denn diese Masse enthält

nur Elemente, die auch in der anorganischen Natur vorkommen. Eine

solche Urzeugung oder „Generatio spontanea“ hielt man im Altertume

sogar bei hochorganisierten Pflanzen und Tieren für möglich; weit

verbreitet war die Meinung, die selbst von ARISTOTELES geteilt wurde,

daß solche Lebewesen aus Schlamm und Sand hervorgehen könnten. Heute

wissen wir freilich durch tausendfältige Erfahrung, daß auch die

allerkleinsten und am einfachsten gebauten Organismen nicht in solcher

Weise entstehen, sondern nur aus ihresgleichen hervorgehen. So mag

die lebende Substanz aus lebloser vielleicht nur in einem bestimmten

Entwicklungszustande unserer Erde oder anderer Weltkörper entstanden

sein, als besondere Bedingungen zu ihrer Bildung sich eingestellt

hatten. Diese Annahme beseitigt freilich nicht alle Schwierigkeiten,

die der Vorstellung einer Urzeugung erwachsen. Damit aus solcher

lebenden Substanz die Welt der Organismen hervorgehen konnte, müßte

sie nämlich von vornherein die Fähigkeit gehabt haben, sich zu

erhalten, zu wachsen, fremde in ihren Körper aufgenommene Stoffe in

Körpermasse zu verwandeln, sich fortzupflanzen, d. h. sich durch

Teilung zu vervielfältigen, endlich neue Eigenschaften den vorhandenen

hinzuzufügen und sie erblich festzuhalten; kurz gesagt, es müßten in

dieser durch Urzeugung entstandenen Substanz alle wesentlichen Merkmale

des Lebens bereits ausgeprägt vorhanden gewesen sein[3].

* * * * *

Die Botanik zerfällt in eine Anzahl von Teilen. Die #Morphologie#

lehrt uns die äußere Gestalt und den inneren Bau der Pflanzen im

fertigen Zustande und während der ontogenetischen Entwicklung kennen

und verstehen. Die #Physiologie# erforscht die Lebenserscheinungen der

Gewächse. Beide Forschungszweige untersuchen auch die Beziehungen der

Bau- und der Lebenseigentümlichkeiten jeder Pflanze zu ihrer Umgebung,

zu ihren Außenbedingungen; sie sind bestrebt, festzustellen, ob und

wie weit diese Besonderheiten für ihren Träger nützlich sind, also

zu seiner Selbstbehauptung dienen, d. h. ob sie als #Anpassungen#

gedeutet werden können. Diese Teile der Morphologie und Physiologie,

die oft von den übrigen gesondert behandelt werden, faßt man wohl

auch als #Ökologie# zusammen. Die #Systematik# beschäftigt sich

mit der Beschreibung der Einzelformen und mit der Klassifikation

der Pflanzenwelt. Die #Pflanzengeographie# hat zur Aufgabe, die

Verteilung der Gewächse auf unserer Erde festzustellen und die Ursachen

dieser Verteilung zu ermitteln. Die #Paläophytologie# erforscht

die ausgestorbenen Pflanzen und die zeitliche Aufeinanderfolge der

Gewächse, mit anderen Worten, die historischen Veränderungen der

Pflanzenwelt auf der Erde. Alle diese Gebiete rechnet man der #reinen#

oder #theoretischen# Botanik zu.

Aber nicht nur theoretische Ziele verfolgt die Botanik. Sie will auch

die gewonnenen Erkenntnisse für die Menschheit nutzbar machen: die

für den Haushalt des Menschen wertvollen Nutzpflanzen genau kennen

und immer zweckmäßiger ausnutzen lernen, die Schädlinge aus dem

Pflanzenreich erforschen, Verfälschungen der Handelsstoffe, die aus

dem Pflanzenreich stammen, nachweisen und dergleichen mehr. So kommen

zu den Teilgebieten der reinen Pflanzenkunde zahlreiche Zweige der

#angewandten# Botanik: z. B. die Pharmakognosie oder Lehre von den

Arzneipflanzen und ihren Produkten, den Pflanzendrogen; die Lehre

von den Giftpflanzen; die Lehre von den pflanzlichen Nahrungs-,

Genußmitteln und Gewürzen; die Lehre von den technisch wertvollen

Gewächsen und ihren Produkten; die landwirtschaftliche Botanik;

die Forstbotanik; die gärtnerische Botanik; ferner ein Teil der

Pflanzenpathologie, soweit sich nämlich dieser Wissenschaftszweig mit

der Bekämpfung der Pflanzenkrankheiten beschäftigt, und andere. --

Man kann die Botanik ferner auch, wie in diesem Buche, das in

allererster Linie die #reine# Botanik behandelt, in einen #allgemeinen#

und in einen #speziellen# Teil zerlegen. Aufgabe und Ziel der

#allgemeinen# Botanik ist es alsdann, aus planmäßigen Untersuchungen

an den einzelnen Pflanzen durch Vergleichung die Eigenschaften zu

ermitteln, die für die #ganze# Pflanzenwelt oder ihre Hauptgruppen

besonders bezeichnend sind. Die allgemeine Botanik haben wir wieder in

zwei Abschnitte, in #Morphologie# und #Physiologie#, geteilt.

Aufgabe der #speziellen# Botanik ist es, die Baueigentümlichkeiten,

Fortpflanzungsverhältnisse und Lebensweise der #einzelnen#

Gruppen und Formen zu schildern, ferner die näheren und ferneren

Verwandtschaftsbeziehungen, die zwischen ihnen bestehen, durch die

Anordnung in einem möglichst „natürlichen“ Systeme zum Ausdruck zu

bringen. In diesen speziellen Teil des Lehrbuches haben wir einige

besonders wissenswerte Tatsachen aus manchen Zweigen der angewandten

Botanik, namentlich der Pharmakognosie, eingeflochten. Die Ergebnisse

der paläophytologischen Forschung sind an die Schilderung der

Einzelgruppen angeschlossen. Auch die Pflanzengeographie ist nicht ganz

unberücksichtigt geblieben, wenn davon auch keine zusammenhängende

Darstellung gegeben wurde.

[A] Die eingeklammerten kleinen Zahlen beziehen sich auf die

Literaturnachweise am Schlusse des Buches. Diese Nachweise sollen

denen dienen, die tiefer in den Stoff einzudringen wünschen.

ERSTER TEIL

Allgemeine Botanik.

Erste Abteilung.

Morphologie.

Die Morphologie der Pflanzen lehrt uns die äußere Gestalt und den

inneren Bau der Gewächse sowie die ontogenetische Entwicklung

ihres Körpers und seiner Glieder kennen. Sie strebt darüber

hinaus #ein wissenschaftliches Verständnis# der Pflanzenformen

an, indem sie sich bemüht, die Bedeutung und die phylogenetische

Herkunft der Pflanzenteile festzustellen und die Ursachen für die

Gestaltungsvorgänge zu ermitteln.

1. Man lernt nämlich den äußeren und inneren Bau eines Lebewesens nur

dann verstehen, wenn man sich erstens klar bewußt wird, daß das Tier

oder die Pflanze ein lebender #Organismus# ist, d. h. ein Gebilde,

dessen wichtigste Glieder nicht bedeutungslose Anhängsel, sondern

für das Leben notwendige #Organe# sind, durch deren harmonisches

Zusammenarbeiten erst das Leben des Ganzen zustande kommt[4]. Fast

alle äußeren Teile der Pflanze sind, wie beim Tiere, solche Werkzeuge

für bestimmte Lebensverrichtungen. Aber nur dann können die Teile des

Körpers ihre Leistungen im Dienste des ganzen Organismus erfüllen,

wenn sie äußerlich und innerlich im großen und ganzen leistungs#fähig#

gebaut sind, oder, wie man auch sagt, #wenn ihr Bau einigermaßen ihren

Funktionen entspricht, ihnen angepaßt ist#. Da nun die einzelnen

Teile bei höheren Pflanzen verschiedene Funktionen haben, so wird es

verständlich, daß sie auch ganz verschiedenen äußeren und inneren Bau

besitzen.

Um ein volles Verständnis vom Bau eines Organismus zu gewinnen, muß

man sich weiter über die Lebensverhältnisse klar werden, unter denen

er zu leben gewohnt ist: man muß seine Umwelt kennen. Jede Pflanze

besitzt nämlich, wie das Tier, Baueigentümlichkeiten, die es ihr

nur ermöglichen, unter bestimmten Außenbedingungen zu leben, wie

sie nicht überall da vorhanden sind, wo wir auf der Erde Gewächse

antreffen. Im Wasser z. B. sind die Lebensbedingungen ganz anders als

in der Wüste beschaffen. Dementsprechend sind die Wüstenpflanzen und

die Wassergewächse völlig verschieden gebaut und nur imstande, in

ihren gewohnten Verhältnissen oder solchen zu gedeihen, die diesen

einigermaßen ähnlich sind; jedenfalls können aber die Wüstengewächse

nicht im Wasser und die Wasserpflanzen nicht in der Wüste leben. Ein

Organismus ist also nur dann lebensfähig, wenn sein äußerer und

innerer Bau auch genügend auf die Umwelt abgestimmt, #wenn er an seine

Lebensverhältnisse angepaßt ist#.

Freilich lehrt eindringende morphologische Forschung alsbald, daß

zwar fast ein jedes Körperglied der Pflanze seine Funktionen hat, daß

aber längst nicht alle Eigentümlichkeiten seines äußeren und inneren

Baues als Anpassungen an diese Funktionen oder als Anpassungen an

die Umwelt gedeutet werden können: nur ein Teil der Merkmale eines

Pflanzengebildes steht in solchen Beziehungen zu seinen Verrichtungen

oder zur Umgebung, so z. B. bei den Laubblättern der Reichtum an grünem

Farbstoff und die flächenförmige Ausbildung zu ihrer Hauptfunktion,

der Kohlensäureassimilation. Solche Eigenschaften bezeichnet man wohl

auch als #nützlich# für den Organismus oder als #Anpassungsmerkmale#.

Daneben gibt es aber genug gleichgültige, so an vielen Blättern wohl

die Beschaffenheit ihrer Ränder (Ganzrandigkeit, Sägung, Kerbung der

Ränder u. dgl.), ja selbst ungünstige (wie das Fehlen des grünen

Farbstoffes in größeren Teilen der Blätter, z. B. bei manchen wegen

solcher „Weißbuntheit“ gern kultivierten Ahornrassen), sofern sie

den Organismus nicht unfähig zum Leben machen. Eine Eigenschaft

kann ferner bei #einer# Art mehr oder weniger nützlich, bei einer

anderen gleichgültig oder gar schädlich sein. Solche Tatsachen zeigen

nachdrücklich, wie vorsichtig man bei der Beurteilung der Bedeutung

aller organischen Formen und Strukturen sein muß, zumal viele Annahmen

über ihren Nutzen sich nur sehr schwer durch Versuche auf ihre

Richtigkeit prüfen lassen[5].

2. Aber noch in einer zweiten Richtung strebt die Morphologie

wissenschaftliches Verständnis der Pflanzenformen an. Alle lebenden

Pflanzen betrachten wir als mehr oder weniger blutsverwandt. Aus

einfachen, ungegliederten Formen, aus Einzelzellen, sind phylogenetisch

allmählich die am höchsten organisierten Wesen mit zahlreichen

verschiedenen Organen hervorgegangen. Dabei haben die Organismen und

ihre Teile mannigfaltige Weiter- und Umbildungen erfahren, indem z. B.

einzelne Organe durch Veränderungen ihres Baues neue Funktionen

übernahmen oder neuen Lebensverhältnissen angepaßt wurden. Eine sehr

wichtige Aufgabe der Morphologie ist es nun, diese phylogenetischen

Umbildungen zu erforschen. Da die stammesgeschichtliche Entwicklung

aber meist nicht direkt verfolgt, sondern nur erschlossen werden

kann, so ist die Morphologie zur Lösung dieser Aufgabe auf indirekte

Methoden angewiesen. Die wichtigsten Aufschlüsse in dieser Hinsicht

gewinnt sie 1. durch das Studium der Ontogenie der Organismen, ferner

2. durch die Vergleichung der jetzt bestehenden Lebewesen untereinander

und mit solchen, die in früheren Erdperioden gelebt haben. Die

Ontogenie eines Organismus durchläuft nämlich häufig innerhalb gewisser

Grenzen Entwicklungsstadien, die man als phylogenetische betrachten

darf; sie kann daher zur Ermittelung der stammesgeschichtlichen

Entwicklung beitragen. Und die vergleichende Forschung bemüht sich,

die verschiedenen Gestaltungen durch Zwischenglieder zu verbinden. Da

aber die Ontogenie die Phylogenie niemals vollständig oder unverändert

wiederholt und die Zwischenglieder zwischen den verschiedenen Formen

vielfach fehlen, so bleiben freilich die Ergebnisse auch dieser

Richtung der morphologischen Forschung entsprechend unvollkommen.

Haben wir durch eingehende Untersuchungen die Überzeugung gewonnen, daß

verschieden gestaltete Glieder des Pflanzenkörpers einen #gemeinsamen#

phylogenetischen Ursprung haben, so bezeichnen wir die hypothetische

Ursprungsform, von der wir sie ableiten, als ihre #Grundform#,

die verschiedenen #Umbildungen# aber, die die Organe im Laufe der

Stammesgeschichte erfahren haben, auch wohl als ihre #Metamorphosen#.

Eines der allerwichtigsten Ergebnisse der Morphologie besteht in dem

Nachweise, #daß die mannigfaltig gestalteten äußeren und inneren Teile

selbst der am reichsten gegliederten Pflanzen sich auf ganz wenige

Grundformen zurückführen lassen#, nämlich bei den höher organisierten

Pflanzen die äußeren Teile auf Wurzel, Stengel und Laubblatt,

ferner bei allen Pflanzen die inneren Teile auf die Zellen und ihre

Bestandteile. Die Organe, die sich aus einer gemeinsamen Grundform

phylogenetisch weiter entwickelt haben, nennen wir #homolog#, mögen

sie auch noch so verschieden aussehen. Ihnen schreiben wir gleichen

#morphologischen Wert# zu. Homolog sind z. B. die Laubblätter und die

Blätter der Blüten (die Kelch-, Kron-, Staub- und Fruchtblätter),

ferner auch die Laubblätter, die Blattranken (Fig. 207) und die

Blattdornen (Fig. 195). Organe völlig verschiedenen Baues und ganz

verschiedener Funktion können also doch homolog sein, also den gleichen

#morphologischen# Wert besitzen. Andererseits haben sich oft Organe mit

gleichem Bau und mit gleicher Funktion (z. B. Knollen Fig. 201, 203,

204, Dornen Fig. 195, 197, 198, Ranken Fig. 206-208) phylogenetisch aus

verschiedenen Grundformen entwickelt. Solche Organe nennt man #analog#

(zahlreiche Beispiele vgl. S. 141 ff.). Wenig differenzierte Gebilde

ohne deutlich ausgeprägte Funktionen, die sich aus vollkommeneren

rückgebildet haben, bezeichnen wir als #reduziert#.

3. Schließlich setzt sich die Morphologie die Aufgabe, die Ursachen

oder Bedingungen zu ermitteln, die wie jedem Naturgeschehen, so auch

den Vorgängen der äußeren und inneren Ausgestaltung der Pflanze und

ihrer Teile, ferner ihren vererbbaren (phylogenetischen) Umwandlungen

zugrunde liegen, und darüber Klarheit zu gewinnen, wie sich im Laufe

der stammesgeschichtlichen Entwicklung die Eigenschaften ausbilden

konnten, die wir als Anpassungsmerkmale bezeichnet haben. Den Teil

der Morphologie, der sich mit solchen Fragen beschäftigt, kann man

#experimentelle Morphologie# nennen. Die Mehrzahl ihrer Probleme

findet man aber zweckmäßiger meist, so auch in unserem Lehrbuche, als

besonderen Abschnitt der Physiologie, d. h. des Zweiges der Botanik

behandelt, der sich überhaupt mit den Lebensvorgängen der Pflanzen

beschäftigt (Entwicklungsphysiologie).

Die Morphologie kann man zerlegen in die Lehre vom äußeren Bau (äußere

Morphologie) und in die Lehre vom inneren Bau (innere Morphologie

oder Anatomie). Für unser Buch aber wäre eine solche Gliederung nicht

zweckmäßig. Wollen wir doch die Glieder als Organe mit bestimmten

Lebensverrichtungen begreifen lernen. Dafür aber ist es notwendig,

zusammenhängend zu zeigen, in wie inniger Beziehung vielfach nicht

nur der äußere, sondern auch der innere Bau eines Organes zu seinen

Funktionen steht. Nicht die Pflanze als totes Gebilde, sondern als

#lebender# Organismus soll uns ja in erster Linie beschäftigen.

Die erste Frage, die es da zu beantworten gilt, ist die nach dem Träger

der Lebenserscheinungen. Woran ist das Leben gebunden? Nur an einen

Teil der ganzen Substanz einer Pflanze, nämlich an das Protoplasma. Das

Protoplasma aber ist in der Regel eingeschlossen in die Zellen, die

man als #Elementarteile# des Organismus ansehen kann. Infolgedessen

müssen wir den Bau der Zellen vor allem kennen lernen. Den Teil der

Morphologie, der dieser Aufgabe dient, nennt man #Zellenlehre# oder

#Zytologie#. Die Zellverbände (Gewebe) des Pflanzenkörpers bilden

alsdann den Gegenstand eines zweiten Teiles der Morphologie, der

#Gewebelehre# oder #Histologie#. Endlich mit den äußeren Gliedern

als Organen der Pflanze, und zwar mit ihrem äußeren und inneren Bau,

beschäftigt sich die #Organlehre# oder #Organographie#.

Erster Abschnitt. Zellenlehre (Zytologie).

I. Gestalt und Größe der Zellen.

Die Pflanzen werden, gleich den Tieren, aus Elementarteilen aufgebaut,

die wir als #Zellen# bezeichnen. Das sind bei den Pflanzen meist

mikroskopisch kleine Kämmerchen, deren Wände im Gegensatze zu den

Zellen der Tiere von besonderen #Häuten# gebildet werden. Die

Zellformen entsprechen im einfachsten Falle Kugeln, meist aber kleinen

Würfeln, Polyëdern oder Prismen, die bei vielzelligen Organen in großer

Menge aufeinander geschichtet sind; auch langgestreckte, ja faser- oder

schlauchförmige Zellen kommen häufig vor. Diese Kämmerchen, von denen

jedes aus den Kammerwänden, der #Zellhaut# oder #Zellmembran#, und

aus seinem Innenraum, dem #Zellraum# oder #Zelllumen#, besteht, sind

im allgemeinen so klein, daß man sie erst bei stärkerer Vergrößerung

erkennen kann. Ihr mittlerer Querdurchmesser pflegt nämlich nur ein

Hundertstel bis ein Zehntel Millimeter zu betragen. Infolgedessen

wurden die Zellen erst spät, in der Neuzeit, entdeckt. Hier und da

freilich werden Zellen auch viel größer; manche an besondere Funktionen

angepaßte faserförmige Zellen (Sklerenchymfasern) werden bis zu 20 cm,

Milchröhren sogar meterlang.

Das wichtigste an diesen Zellen ist ein Teil ihres Inhaltes, der

#Zellenleib# oder #Protoplast#. Er ist nämlich der #eigentlich lebende

Teil der Zelle#. Deshalb denkt man bei dem Begriff Zelle heutzutage

mehr an ihn als an das Gehäuse, das zudem vielen „nackten Zellen“

ganz fehlt. In toten Zellen findet man freilich nur noch Reste der

Zellleiber, die aber auch vollständig geschwunden sein können; alsdann

enthalten die Zellräume nur Wasser oder Luft. Ihre Bedeutung für den

Pflanzenkörper brauchen die Zellen mit dem Tode der Protoplasten aber

nicht einzubüßen, ja ohne tote Zellen könnte ein höher organisiertes

Gewächs nicht auskommen; denn solche Zellen bilden z. B. seine

Wasserbahnen und tragen zu seiner mechanischen Festigung bei.

Die Entdeckung der Zellräume glückte bei den Pflanzen früher als

bei den Tieren; sie wurde dort durch die Zellhäute erleichtert. Ihr

Entdecker, der englische Mikrograph ROBERT HOOKE, nannte sie Zellen

wegen ihrer Ähnlichkeit mit den Zellen der Bienenwaben und bildete

sie in seiner Mikrographie 1667 zum ersten Male ab (Fig. 1). Die

eigentlichen Begründer der pflanzlichen Histologie sind aber der

Italiener MARCELLO MALPIGHI und der Engländer NEHEMIAH GREW,

deren Werke kurz nacheinander von 1671 an, also wenige Jahre nach

HOOKES Mikrographie, erschienen. Der lebende Inhalt der Zellen,

der Zellenleib, wurde in seiner Bedeutung nicht vor der Mitte des

vorigen Jahrhunderts erkannt. Alsdann erst wandte man sich auch

eingehend seiner näheren Untersuchung zu, die u. a. SCHLEIDEN, HUGO

V. MOHL, NÄGELI, FERDINAND COHN und MAX SCHULTZE anbahnten und

besonders STRASBURGER förderte.

[Illustration: Fig. 1. HOOKES Bild des Flaschenkorkes, von ihm als

Schematism or Texture of Cork bezeichnet; vgl. dazu die Fig. 58.]

II. Der lebende Inhalt der Zellen (der Protoplast)[6].

+A. Bestandteile des Protoplasten.+ Untersuchen wir bei starker

Vergrößerung zarte Längsschnitte durch die äußerste Stengelspitze

einer Samenpflanze, so finden wir, daß sie sich aus annähernd

rechteckig begrenzten Zellen zusammensetzen (Fig. 2), die mit Inhalt

dicht angefüllt und durch zarte strukturlose Wände, die Zellhäute,

voneinander getrennt sind. Die Zellen sind hier annähernd würfelförmig

oder prismatisch, weshalb sie eben im Schnitte als Quadrate oder

Rechtecke erscheinen.

Im Inhalte jeder Zelle fällt ein runder Körper (_k_) von Kugel- oder

Eiform besonders auf, der einen großen Teil des Zellraums ausfüllt:

der #Zellkern# (#Kern#, #Nucleus#). Die feinkörnige Masse, die den

Raum zwischen Zellkern (_k_) und Zellwand (_m_) einnimmt, bezeichnet

man als #Zytoplasma# (_pl_) oder #Plasma#. Um den Zellkern herum

findet man, in dem Zytoplasma verteilt, stark lichtbrechende, farblose

Körperchen, die #Plastiden# oder #Chromatophoren# (_ch_). #Zellkern,

Plasma und Chromatophoren sind die lebenden Inhaltsbestandteile der

Zelle#; sie zusammen bilden das #Protoplasma#, den lebenden Zellenleib

oder +Protoplasten+. Zellkern und Chromatophoren, die stets im Plasma

eingebettet sind, kann man als #Organe# des Protoplasten ansehen,

denen besondere Lebensverrichtungen zukommen. Freilich kennen wir

die besonderen Funktionen des Kernes noch nicht; wir wissen nur, daß

zur Erhaltung des Lebens der Zelle eine Wechselwirkung zwischen Kern

und Plasma notwendig ist. Doch ist es für die niedersten Gewächse,

Spaltalgen (Cyanophyceen) und Bakterien, noch immer eine ungelöste

Frage, ob bei ihnen eine solche Arbeitsteilung im Protoplasten, d. h.

ob bei ihnen ein Zellkern vorkommt[7]. Im Protoplasma der Bakterien

fehlen auch die Chromatophoren, ebenso in den Zellen der Pilze und in

denen der Tiere.

Dagegen hat man in tierischen Zellen in unmittelbarer Nähe

des Kerns noch kleine lebende Gebilde, die #Zentriolen#, als

Bestandteile des Protoplasten nachgewiesen. Ähnliche Gebilde kommen

im Pflanzenreiche fast nur in Zellen von Kryptogamen vor, ohne aber

allgemeine Verbreitung zu besitzen (Fig. 21 _A_).

[Illustration: Fig. 2. Embryonale Zelle aus der Wurzelspitze des

Hafers. _k_ Zellkern, _kw_ Kernwandung, _n_ Kernkörperchen, _pl_

Plasma, _ch_ Chromatophoren, _m_ Zellwandung. Etwas schematisiert.

Vergr. ca. 1500. Nach LEWITSKY.]

[Illustration: Fig. 3. Zwei Zellen der Stengelspitze einer

Samenpflanze, in verschiedener Entfernung von ihrem obersten Ende

entnommen. _k_ Kern, _pl_ Plasma, _v_ Vakuolen (Safträume). Etwas

schematisiert. Vergr. ca. 500. Nach STRASBURGER.]

Bei den Pflanzen sind nur die #embryonalen# Zellen, wie man sie z. B.

an den äußersten Stengel- und Wurzelspitzen findet, in der eben

beschriebenen Weise mit Protoplasma dicht gefüllt. Das ist dagegen

nicht der Fall in den #ausgebildeten# Körperzellen (#Dauerzellen#),

die durch Größenwachstum und mannigfaltige Formveränderungen aus jenen

hervorgehen. Während dieser Umwandlung zu Dauerzellen sieht man nämlich

die embryonalen Zellen bei den Pflanzen, aber nicht bei den Tieren,

immer plasmaärmer werden, weil das Plasma während der Vergrößerung der

Zellräume nicht wesentlich vermehrt wird. Diese Umwandlung läßt sich

an jedem Längsschnitt durch eine Stengelspitze verfolgen. In einiger

Entfernung von seinem oberen Ende enthalten die heranwachsenden Zellen

in ihrem Plasma bereits eine größere Anzahl Hohlräume, #Vakuolen#

(_v_ in _A_ Fig. 3), die mit wäßrigem Saft, #Zellsaft#, gefüllt sind.

Die Zellen fahren alsdann noch fort, an Größe zuzunehmen, wobei die

Vakuolen verschmelzen. Schließlich wird meist ein Zustand erreicht, wo

nur noch ein einziger, großer, mit Zellsaft gefüllter Hohlraum, der

#Saftraum# (_v_ in _B_ Fig. 3), im Plasma der Zelle besteht, das Plasma

aber nur einen dünnen Belag an der Zellwandung bildet, in dem auch

der alsdann wandständige Kern eingebettet ist (Fig. 3 _B_ _k_). Der

Saftraum kann aber auch in einer ausgewachsenen Zelle von Lamellen und

Strängen oder Fäden aus Plasma durchsetzt bleiben, worin oft der Kern,

aber stets vom Plasma allseitig umhüllt, aufgehängt ist (Fig. 5, 10).

In #jeder# noch lebenden Zelle ist die Zellwandung auf ihrer Innenseite

von einem ununterbrochenen Plasmabelag ausgekleidet, der der Zellwand

überall dicht anliegt, in älteren Zellen aber so dünn werden kann,

daß man ihn nicht unmittelbar sieht (Fig. 10). Erst wasserentziehende

Mittel, die ihn veranlassen, sich von der Zellwandung zurückzuziehen

und abzulösen (Plasmolyse, vgl. S. 192), wie etwa stärker konzentrierte

Salz- oder Zuckerlösungen, machen ihn alsdann sichtbar.

+B. Physikalische Eigenschaften des Protoplasten.+ Um die

physikalischen Eigenschaften, insbesondere den Aggregatzustand, des

Protoplasmas kennen zu lernen, wenden wir uns zunächst zu einer Gruppe

von Organismen, die an der Grenze zwischen dem Pflanzen- und dem

Tierreiche stehen, zu den Schleimpilzen oder Myxomyceten. Sie sind

durch einen Entwicklungszustand ausgezeichnet, während dessen ihr

Protoplasma größere nackte Massen, die #Plasmodien#, bildet. Ihr Plasma

(Fig. 4) besteht aus netzartig verbundenen, dickeren und dünneren

Strängen einer glashellen Grundmasse, die Körnchen enthält und zäh-

oder dünnflüssig ist. In diesen Strängen sieht man nämlich das Plasma

innerhalb von festeren und dichteren ruhenden Hüllschichten lebhaft

nach Art einer Flüssigkeit #strömen#. Diese inneren Ströme bewegen

sich nach den Rändern des Plasmodiums hin oder von ihnen hinweg und

wechseln häufig ihre Richtung. An den Rändern des Plasmodiums selbst

werden Plasmafortsätze vorgestreckt oder schon vorhandene eingezogen.

Dadurch kann das Plasmodium sich kriechend fortbewegen. Wo solche

Protoplasmamassen fremden Körpern begegnen, sind sie befähigt, sie in

ihr Inneres aufzunehmen, in Vakuolen einzuschließen und, soweit das

möglich ist, auch zu verdauen.

[Illustration: Fig. 4. Teil eines ausgewachsenen Plasmodiums von

Chondrioderma difforme. Vergr. 90. Nach STRASBURGER.]

Lehrbuch der Botanik für Hochschulen · 第 1 / 90 段