Die alten Teile des Schloßbaues bereiten Kummer. Die Küche unter dem

Gemache der Gräfin ist feuergefährlich: »Weil auch dise stunde wider

ein balcken in der Küchen entzwey geglummet und herunter gefallen,

welcher auch gleich den andern mit blech beschlagen gewesen, undt wir

befürchten, es mechte eins mals gros Unheill doraus entstehen, als

bitten wir, Euer Liebden wollen doch die Anordnung thun, darmit gantz

Eisern stebe an stadt solcher balcken mechten eingemauert werdenn.« Der

Sturm hat das Gebäude »bey dem alten Dorme« verschoben, den Kachelofen

im Frauenzimmer umgestoßen, eine getäfelte Stube ist Mäusegeniste, die

Wände werden mit schwarzgrünen Teppichen beschlagen. Hans Pfau aus

Krölpa besorgt den »neuen Bau« und richtet die Kapelle, die düster und

öde liegt, wieder zu. Auch die Kirche in der Stadt ist baufällig, der

Pfarrer kann auf der Kanzel nicht lesen bei dunklem Wetter, »der Rat

und das arme Völklein hat kein Vermögen«, die Gräfin hilft und stiftet

auch eine neue Orgel.

Treuherzig und pfälzisch-witzig nehmen sich ihre Briefe aus in der

Schreibung ihrer Heimatsprache, so wenn sie sich an den nur wenige

Jahre jüngeren Stiefsohn wendet eines Reitpferdes wegen für die Reise:

»ich bitte Euer Liebden helffe ia das bestde dozu, das ich ia das

pferdt mochtde bekommen, atder es mosch auch ein ansehen habben, E. L.

wissen wol, wi es sein soll, E. L. scuchen mir ein schon pert auß, ich

wil E. L. ein mall weider ein schon freulin weider helffen außscuchen,

E. L. haben es mir nicht vor ebel, das ich E. L. selber nicht weider

habben geschriben, den der bott gar ser weider gros eile hatt. So hei

mitt wil ich E. L. in schutz und schirm des almichtigen befellen«.

Von 1613 ab vernehmen wir Klagen über Unpäßlichkeit, obwohl die Gräfin

erst fünfundvierzig Jahre alt ist. Sie vertröstet sich, ihr Leiden

werde »mit dem abgewiesenen Märzen verschleichen«, vorläufig gibt sie

sich zufrieden, sie kann noch »umbschleichen, spazieren gehen und

fahren«. Nach und nach wird es einsam um sie, die Pflegekinder fliegen

aus in die Welt, und als ihre letzte Stunde herannaht, äußert sie

dringendes Verlangen nach dem altbewährten Seelsorger, der von Ilm

herbeigerufen wird.

Am 26. Oktober 1617 befreit ein sanfter Tod die opferfreudige

Schloßherrin von ihren Sorgen. Heikle Rechtsfragen erheben sich um

ihren reichen Nachlaß. Die Beisetzung in einem kostbaren Zinnsarg

findet statt, aber erst am 24. Dezember erfolgt mit stattlichem Zuge

die Überführung der Leiche nach Rudolstadt.

Dort wurde sie in der zwiefachen Höhle unter dem Fürstenstand der

Stadtkirche beigesetzt, wo bereits ihr Vater und ihre Schwester

Hermanna ruhten. Auf dem goldenen Reliefbild am Fürstenstand ist

Elisabeth dargestellt hinter Juliana, der ersten Gemahlin Albrechts.

Der älteste Stiefsohn Karl Günther zu Kranichfeld übernimmt die

Herrschaft Leutenberg und läßt die Beamten vereidigen. Die Burg und

der große landwirtschaftliche Betrieb stehen wieder unter Aufsicht von

Schloßhauptleuten. Als einer derselben tritt Daniel von Watzdorff im

Jahre 1628 auf. Er erhält am 27. Januar Befehl, daß die Lehensleute

und ihre Hintersassen »eine halbe Kompagnie Reuter einlogieren und

akkomodieren« sollen. In der Tat rückte jedoch eine ganze Kompagnie ein

und lag elf Wochen in Burg und Stadt.

Leutenberg und die Amtsdörfer hatten 5175 Taler Kontribution

aufzubringen. Was sonst noch an Lasten zu tragen und an Schäden

zu erleiden war, darüber sind die unmittelbaren Nachrichten durch

Feuersbrünste zugrunde gegangen. Aus dem Jahre 1640 verlautet, daß die

Pfarrwohnung eingeäschert wurde.

Die Salvagardie, die der regierende Graf Ludwig Günther 1641 bei

dem kaiserlichen Kriegsrat Generalfeldmarschall Hatzfeld für seine

Schwarzburgischen Länder auswirkte, mag auch dem Leutenberger Gebiet

zugute gekommen sein. In Vorahnung des Todes wies er die Herrschaft

Leutenberg seiner Gemahlin Amilie als Wittum zu und das Schloß, wo er

gute Jugendjahre bei seiner zweiten Mutter Elisabeth verlebt hatte, als

Wohnsitz.

Amilie Antonie, 1614–1670

Am 30. und 31. März 1647 zählt ein genaues Inventarium des Schlosses

und Amthauses die einzelnen Räume auf und berichtet sowohl über den

baulichen Zustand wie auch über die Wohngeräte. »Vors erste ist

das Schloß, an Dach und Fach, wie auch sonsten noch, auser was die

Schwedischen eine Zeitlang darauf gelegene Trajouner an Fenstern,

und Ofen, sowohl Ständen in Reisigen- und Gutschstellen verwüstet,

in guthen baulichen Weßen.« Nur »die Grundmauer unter dem Waschhaus

befindet sich also mangelhafftig, daß sich das Obergebäude darnach

gesenkt«, weshalb die große Feueresse auseinanderzubrechen droht.

Es werden außer den Wohnungen für Herrschaft, Gäste Amtsleute und

Dienerschaft, nebst den Stallungen, namentlich Räume genannt, die

einen Schluß auf die Größe des Betriebes gestatten, wie Wollengewölbe,

Brenngewölbe, Kornböden, Kelterhaus, Darr- und Brauhaus, Kontore,

Apotheke mit Laboratorium und Niederlage, Wasch- und Badehäuser,

Zeughaus, Reithaus und Gewächshäuser. Der unterste, heute mit Gras

überzogene Schloßhof trug den größten Teil dieser Wirtschaftsgebäude.

Amilie Antonie, geborene Gräfin von Oldenburg-Delmenhorst, hatte am

15. Juni 1614 das Licht der Welt erblickt. Sie war 1637 als Kanonissin

in das Stift Quedlinburg eingetreten und kurz darauf zur Taufe ihrer

Nichte Amilie Juliane von Barby und Mühlingen nach Rudolstadt

gekommen. Hier lernte sie der um dreiunddreißig Jahre ältere Graf

Ludwig Günther kennen, und am 4. Februar 1638 führte er sie als seine

Gemahlin in die Heidecksburg ein. Sie sollte seinem Hause und seinem

Lande in schwerer Zeit eine umsichtige und treusorgende Mutter und

Herrin werden. Ihr Delmenhorster Erbe brachte große Barmittel und

reiche Ausstattung ein. Dagegen wurde ihr eine ansehnliche Leibrente

und für den Witwenfall Haus, Stadt und Amt Leutenberg zugeschrieben.

Sie regte geistiges Leben und wirtschaftlichen Verkehr im Lande an

und förderte durch zahlreiche Aufträge Kunst und Handwerk. Mit der

Delmenhorster Heimat blieb sie in reger Verbindung. Der Handelsmann

Martin Sommer aus Mellenbach besorgt Einkäufe für sie in Bremen. Johann

Gerstenberger in Erfurt, Ratsoberster und Handelsmann, vermittelt ihr

»Convoy«, das heißt Speditions- und Bankgeschäfte, mit Gerhart Arndt

in Hamburg, dem Faktor ihres Vaters. Waren, die in Rudolstadt nicht zu

beschaffen sind, läßt sie durch Boten auswärts holen, Schmuckwaren in

Nürnberg, Kleiderstoffe in Leipzig.

Von 1639 bis 1646 schenkte sie ihrem Gemahl vier Töchter und einen

Sohn, Albert Anton. Zu den eignen Kindern nahm sie dann ihr verwaistes

Patenkind von Barby auf. Diese Pflegetochter wurde 1665 ihre

Schwiegertochter. Mitten in den Drangsalen des Dreißigjährigen Krieges

verlor Amilie Antonie 1646 den Gemahl. Tapfer nahm die junge Witwe

Vormundschaft und Regentschaft in die Hand, beraten und unterstützt

durch Heinrich II. von Reuß-Plauen.

Über ihren Witwensitz Leutenberg ließ sie Inventur aufnehmen als

Grundlage für weitere Bauarbeiten, die bis 1656 laufen. Dann fand am

16. Juni ein feierlicher Einzug statt, bei dem die Ritterschaft der

Lehensgüter aufwarten mußte. Siegmund und Ludwig von Dobeneck ritten

ihr entgegen mit Gefolge, Christoph Georg Ernst von Beulwitz auf Löhma

und Christoph Albrecht von Watzdorf aus Weitisberge versahen den

Ehrendienst bei der Schloßherrin auf der Burg. Die Festgäste bezogen

ihre Quartiere in der ganzen Stadt, ebenso die Lobensteiner Musikanten,

die aufzuspielen hatten. Im Amt Leutenberg waren zu dieser Zeit 399

Untertanen lehenspflichtig, in der Stadt selbst 71 Mannespersonen und

31 Witwen.

In das Jahr 1659 fällt eine Besuchsreise nach Oldenburg, zwei Jahre

später fährt sie zu ihrer Schwester Juliana, Herzogin zu Würtemberg und

Teck, nach Weildingen. Als ihr Sohn, volljährig geworden, die Regierung

übernimmt, zieht sie sich gänzlich auf ihr Schloß Leutenberg zurück.

Fünf Jahre, bis zu ihrem Tode, herrschte nun reges Leben auf der Burg,

und großer Segen ging als Rat und Tat hinaus in Stadt und Herrschaft.

Während der Friedensverhandlungen 1646 bis 1648 wendet sie sich in

einem offenen Schreiben an den schwedischen Legaten in Osnabrück um

»Abwendung der hiesigen Orts einlogierten Löwenhauptischen Völker«.

Elias Augustinus Hüffler, Schwarzburgischer Rat und Abgesandter

zu den Friedenstraktaten, soll einen Schutzbrief auf die Ober- und

Unterherrschaft auswirken. Er vertröstet, die Verhandlungen gehen

nur schwerfällig vorwärts. Dann wendet sich die Gräfin an Heinrich

Christoph von Griesheim, den Pfalz-Neuburgischen Geheimen Rat beim

schwedischen Hofe, um ein Protektorium. Endlich schreibt sie selbst

wiederholt an die Königin von Schweden. Sie ist besorgt um ihr Leibgut

Leutenberg, »darzu ein kleines Städtlein und ezliche geringe Dörfer, so

anizo mit gar wenig Leuten besetzt, bei Durchzügen mit Einquartierung,

Proviant- und Gold-Pressuren beschweret, auch wohl durch Plünderungen

vollends gänzlichen ruinieret werden«. Die Königin möchte sich doch

gnädigst willfährig erweisen, Ludwig Günther sei aus dieser schnöden

Trübseligkeit abgefordert, sie selbst mit den kleinen unmündigen

Kindern in Herzeleid und Trauer versetzt.

Der amtliche Schriftwechsel zieht sich hin, unterdessen sind vier

Kompagnien von je hundert Dragonern samt 87 gemeinen Knechten zu

verpflegen. Auf jede Kompagnie entfallen monatlich 1431 Gulden ohne

Servis und Fourage. Von Erfurt aus wird unerträgliche Kontribution

gefordert, und in Hof wirkt ein Bittgesuch nur höhnische Antwort der

Kriegshauptleute aus. Dem Kommandanten des Regiments aber geht der

scharfe Befehl zu, das zur Unterhaltung Nötige einzutreiben wie in

Feindesland.

Als die Friedensglocken läuteten, waren noch lange Jahre hindurch Not

und Krankheit und wüste Lebensführung in Palast und Hütte, in Stadt und

Land zu überwinden, und doch erfüllte Dankgefühl das Herz der Gräfin,

und sie suchte sichtbaren Ausdruck dafür.

In der eigenen Familie sorgte sie für gewissenhafte Ausbildung und

religiöse Erziehung der Jugend. Seit 1650 war eine stattliche Reihe

von Lehrern tätig. Im Schlosse Leutenberg wird unter den Räumen eine

Schulstube und ein Präzeptorstüblein aufgeführt. Einen Ehrenplatz

nimmt Johannes Hedwig ein, der sieben Jahre lang die älteren Kinder

unterrichtet, bis er als Pfarrer nach Königsee übersiedelt. Mit ihrem

»Magister«, seiner Frau und seiner Tochter stehen die Gräfinnen in

vertrautem, freundschaftlichem Verkehr. Er überlebte sie alle. Von ihm

war christliche Lebensauffassung, ernste Wissenschaft und fließende

Latinität namentlich auf Amilie Juliane und Ludämilie Elisabeth

übergegangen.

Von 1651 bis 1657 wurden die Lehrer der älteren gräflichen Kinder und

der Pagen stets mit peinlich genauen Instruktionen versehen. Es waren

dies die Theologen Johannes und Nikolaus Molwitz, Johann Valentin

Schneider und Johann Heinrich Schröter. Als Sprachmeister des jungen

Grafen erscheinen die Franzosen Pasté und Bersoy, als Berater und

Repetenten die Rechtskandidaten Johann Christoph Falkner und Ahasverus

Fritsch. Für die jüngeren Gräfinnen treten von 1658 bis 1661 als Lehrer

die Theologen Christian Metzel und Georg Haucke ein. Inspektion übte

die Gräfinmutter persönlich aus, und sie fand dabei umsichtige Hilfe

an dem Oberhofmeister Hermann von Biesenrod.

Freunde der Literatur und Heimatgeschichte seien nur einen Augenblick

daran erinnert: Amilie Juliane als Dichterin reifer Frauenlieder,

Ludämilie Elisabeth mit jungfräulich zarten Gesängen, der

Oberhofmeister Niklas Ernst von Günderode, der Magister und Hofprediger

Johann Georg Roth, der Rechtsgelehrte und Staatsmann Ahasverus Fritsch,

sie alle gehören der Geschichte des deutschen Kirchenliedes an und

sind der Wissenschaft dieses Literaturzweiges bekannt. Daß sie in

Leutenberg miteinander verkehrten und von dort ihre Geistesrichtung

auf die nachfolgenden Geschlechter vererbten, verdient mit Heimatstolz

festgehalten zu werden.

Die Kirchen der Nachbardörfer versorgte Amilie Antonie mit würdiger

Ausstattung, bald mit einem Predigtstuhl, bald mit einem Tauftisch,

bald mit einem Orgelwerk. Sie fühlte, das Gotteshaus war die Stätte,

wo auf eine Stunde der Jammer und die Wüstenei des Alltags vergessen

werden konnten. Auch die Stadtkirche von Leutenberg bedurfte wieder

der Hilfe. Dort erinnerten die Wappenschilder der früheren gräflichen

Schutzherren an vergangene Geschlechter. Eine Tafel mit lateinischer

Inschrift in Versen berichtete über das Schicksal der ausgestorbenen

Grafenfamilie. Eine andere Tafel war Kriegsdenkmal aus jüngster

Zeit. Ein schwedischer Offizier hatte Frau und Kinder aus Stendal

nachreisen lassen. Bei der Fahrt von Saalfeld herauf waren sie mit

dem Wagen gestürzt und in der Sormitz ertrunken. Die Beisetzung war

in Leutenberg erfolgt. Für Pfarrer und Adjunkt, die bisher im Kloster

hatten wohnen müssen, kaufte die Gräfin am 13. Februar 1661 das

»Schieferhaus gegenüber der Kirche samt Gärtlein« um 300 Gulden von den

Erben des verstorbenen Pfarrers Johann Bock. Eine neue Lehrerstelle und

das Rektorat stiftete sie aus eigenen Mitteln. Das war Kriegsfürsorge

für die Jugend, die schwer gelitten hatte.

Von 1647 bis 1670 tritt kein »Diener« der Gräfin in ein Hofamt ein,

ohne genaue Abgrenzung seiner Rechte und Pflichten. Christian von

Heidenreich wird Wittumsrat und Oberhofmeister. Er hat im Schloß alles

zu überwachen, den Burgvogt zu befehligen, führt die Aufsicht über die

Vorwerke Cumbach, Roda und Geschwende, hält den Förster in Leutenberg

an, auf Jägerei und Fischerei zu achten, muß bei Kriegsbeschwerung

Salvagardien auswirken und hat »allen etwa einreißenden Lastern zu

steuern, unordentliche Gefräße und Winkelgesäufe abzuschaffen«. Sein

Nachfolger wird 1669 Niklas von Günderode aus Zopten. Unter den

Wittumsräten gewinnt das Vertrauen und die Freundschaft der Gräfinnen

Volkmar Happe, ebenso der Schösser und Verwalter im Wittum Johann

Oberländer. Johann Köllner aus Schleiz amtiert als Burgvogt und

Küchenschreiber, Wilhelm Konrad Straubel als Verwalter von Herschdorf

und Rosental, Johann Stölgefuß aus Rittersdorf als Kornschreiber. In

stetem Verkehr, persönlich oder schriftlich, erteilt der Hofmedikus Dr.

Anton Mack von Rudolstadt aus Rat in Gesundheitsfragen und ebenso in

der Führung der Apotheke, aus der die Gräfinnen angelegentlichst die

Kranken in Stadt und Land während jener seuchenreichen Zeit versorgen.

Gottfried Schreck ist Amtsschreiber, Heinrich Balthasar Rückhardt

Hofschneider, rückt aber später zum Burgvogt auf. Als Lakaien dienen

Hans Bunsold und Werner David, der letztere zugleich als Gärtner.

Nikodemus Ruhland als Koch, Hans Heinrich Grahmann als Schlächter,

ihnen zugeteilt Hieronymus Müller von Cumbach als Bankkoch, das heißt

Schlachtgehilfe, Erhart Friedrich und Nikol Lißmann als Hofkellner

besorgen Küche und Wein- und Biervorräte. Kurt Knabe erhält als Bäcker

eingehende Unterweisung über den Bedarf von Brot und Feingebäck für

den Haushalt. Anton Heußler und der Förster zu Lichtentanne Christoph

Kreutzer führen die Aufsicht über das Wittumsgehölz, dürfen »Wildpret

schießen und fällen«, müssen aber die Hälfte davon an die Hofstatt

abliefern. Häute von Bären und Luchsen geben sie »gegen Rekompenz« an

die Herrschaft, Bälge von Wölfen und Füchsen behalten sie für sich.

Christoph Ernst Vogler hat Köhler, Holzfäller und Schneidemüller

zu beaufsichtigen, auch den Wildgarten und das Fischwasser. Hans

Streitberg in Kaulsdorf ist Hoffischer, Andreas Ziermann Hausknecht,

Anselm Röber Schlotfeger und Hans Wagner Schafmeister. Eine vollkommene

Rangordnung ließe sich abstufen nach den Gehältern, die, außer

reichlichen Naturalien, von 150 Gulden bis herab zu 18 Gulden betragen.

Mit Lebensnahrung und -notdurft mußten auch die versorgt werden, die

nicht Angestellte waren, aber als Taglöhner in Burg, Stadt, Flur und

Wald dienten. Zur täglichen Nahrung gehörten die Getränke, die jedem

nach fest überliefertem Satze zustanden und beschafft sein wollten.

In den Kellereien lagerten Neckarwein, Frankenwein, Frankenhäuser,

Blankenburger, Landwein, Kräuterwein, Naumburger und Leutenberger Bier.

Welche Handwerker, Künstler und Gelehrte in Stadt und Land bei der

Gräfin Beschäftigung fanden, darüber geben ihre Hausakten genaue

Auskunft.

Auf drei Terrassen erhoben sich die Burgbauten. Vor dem heutigen

Eingang, links und rechts unter der Zugbrücke, lagen die Blumengärten

mit Gewächshäusern, in denen Zitronen und Feigen reiften und Granat-

und Lorbeerbäume gediehen. Küchengärten nahmen die Terrassen nach Osten

hin ein, in das Ilmtal hinunter erstreckte sich der Tiergarten. Darin

stand eine große Heuschopfe und ein Lusthaus, neu wieder aufgebaut

vom Zimmermann Hans Thieme aus Heberndorf. Ein Rundgang führte in

Stockwerkhöhe um einen Turm, dessen Spitze einen kupfernen Drachen als

Windfahne trug. Ein Wandbild im Obergeschoß der Burg hat treulich die

Erinnerung daran bewahrt. Der ganze Schloßberg nach Süden trug Garten-

und Weinbergterrassen.

Das erste Eingangstor war als Ehrenpforte für den Einzug 1656 gebaut

worden, der Kalkverputz zeigt noch die rot und weiß aufgemalten

Steinquadern und unter dem Vorsprung des Schutzdaches die Jahreszahl in

Barockzügen. Das Torwächterhäuschen rechts war 1656 bereits errichtet

worden auf alten Grundmauern aus Balthasars Zeit. Es brannte 1658

nieder und wurde dann neu aufgebaut. Der zweite Torbogen stammt aus

der Zeit der Gräfin Elisabeth. An dem mittelalterlichen runden Turme

links fällt aufmerksamen Besuchern oft der ährenförmige Verband der

Steine auf. Er wird als römisches ~opus spicatum~ für besonders alt

gehalten, rührt aber doch wohl erst von Balthasars Bauzeit her. Als

man 1491 den Burgeingang, der, wie ausdrücklich in den Bauakten gesagt

wird, vorher weiter rechts hinauf führte, hier hart an dem Erdgeschoß

des Turmes anlegte, mag das Mauerwerk durch vorgesetzte Schichten gegen

Verschiebung geschützt worden sein. Der Tunnel trägt Balthasars Wappen

und Namen über dem Torbogen. Die Ställe rechts im Tunnel waren für die

Reisigenpferde bestimmt.

Das Obergeschoß des Südflügels wird von der obersten, ältesten

Hofterrasse aus betreten. Es enthielt das große Rote Gemach, das

hauptsächlich zu Besuchszwecken diente. Als Kammer gehörte dazu der

nach der Stadtseite hin anstoßende Raum. Bei jedem Schlafraum war ein

»Sekret«, ein Abort, vorgesehen.

Nach der Hofseite stößt an das Rote Gemach das heute so eigenartig

genannte Apfelzimmer. Es wird oft angestaunt und mit mehr Dichtung als

Wahrheit gedeutet. In den Bauakten führt es den Namen Buntes Gemach

oder auch Pappstube. Die Abrechnung über die Arbeiten darin befindet

sich bei dem Inventar 1667 mit Angaben der Einzelposten. Wände und

Decke waren mit Holzlatten beschlagen, darüber war grobe Leinwand

gespannt. Für 8 Taler 9 Groschen 8 Pfennig Papier wurde zerstoßen

und, mit Leim und Kreide vermischt, zu den Tafeln geformt, die ein

Blumenmuster flach erhaben tragen und den Wandschmuck bilden. An die

Decke ließ die Gräfin ein Kreuz malen und in den vier Feldern die

verschlungenen Buchstaben ~I H S~. Das sind die Anfangsbuchstaben der

Worte ~in hoc signo <vinces>~, in diesem Zeichen (wirst du siegen).

Die Legende sagt, daß dem Kaiser Konstantin das Kreuz und die drei

Buchstaben in den Wolken erschienen und ihn zum Übertritt in das

Christentum veranlaßten. Später galten die drei Buchstaben einfach als

Christusmonogramm, und als solches setzte es Amilie Antonie regelmäßig

über jedes Schriftstück, das aus ihrer Hand hervorging. Für die Arbeit

im Bunten Gemach erhielt der Hofmaler Hans Heinrich Siegfried 12 Taler,

ein Leutenberger Maler 9 Taler 16 Groschen. Die Gesamtkosten beliefen

sich auf 8 Taler 13 Groschen 1½ Pfennig.

Der nach Osten angrenzende Raum hieß die Bunte Kammer, er liegt jetzt

wüst. Von da aus führte eine Treppe höher der Zugang zu Balthasars

Neuem Turm. Einen Treppenturm in Fachwerk ließ Amilie Antonie anlegen

zum Schloßhof hinunter. Ein jetzt vollständig verschwundener Gang

überbrückte von der Bunten Kammer aus den Hof und endigte in der Grünen

Kammer. Seine Spur zeigt sich an den ausgehackten Stellen am Turm.

Dieser Gang war überdacht, er empfing Licht durch vier Fenster an der

Hofseite und durch zwei vergitterte Öffnungen auf der Stadtseite. Die

Grüne Kammer lag in einem Anbau, der gleichfalls nicht mehr erhalten

ist. Er erhob sich auf der Terrasse vor der Kirchtür. Im Oberstock

führte eine Verbindungstür zum Grünen Saalgemach, für den die Grüne

Kammer als Vorraum diente.

Unter dem alten Westbau auf dem obersten Schloßhof bilden starke,

wiederholt erneuerte Tonnengewölbe die Keller. Von dem einen aus lief

ein unterirdischer niederer Gang früher ins Freie am alten Burgweg.

Jetzt ist er halb verfallen und endet in einem Stall des Südbaues. Die

zwei Räume im Erdgeschoß des alten Baues dienten als Kleiderkammer

und Rollenkammer. Die Kleiderkammer stößt westlich an den Alten Turm

und führt östlich in das Erdgeschoß eines ebenfalls mittelalterlichen

Turmes, dessen Oberteile abgetragen und durch einen Fachwerkbau mit

Spitzhaube ersetzt wurden. Eine Tür aus der Kleiderkammer mündet in das

kleine Gelbe Gemach über dem Tunneleingang, das mit dem Roten Gemach

in Verbindung steht. Es war wiederholt Hofmeister-Amtsstube. An die

Rollenkammer stieß ein Beigewölbe.

Der neue Fachwerkturm mit geschweifter Haube führt »den Wendel hinauf«

links zu den Räumen des alten Baues. Dieser enthielt im ersten

Obergeschoß nach Süden zu das Eßzimmer für gemeinsame Mahlzeiten, mit

Ausblicken in den Schloßhof und in das Sormitztal, nach Norden zu

lag die Wohnung der älteren Gräfinnentöchter mit dem Blick in das

Ilmtal. Das zweite Obergeschoß war für die Schneiderei eingerichtet und

enthielt sonst noch Schlafzimmer.

Am obersten Schloßhof lagen ferner zu ebener Erde Vorratsgewölbe und

ein kleines Kontor. Die Bauten, die vom alten Bau stumpfwinkelig nach

Nordosten und dann nach Osten hin weitergeführt worden sind, gehören

mit ihrem massiven Mauerwerk dem Mittelalter bis zu Balthasars Zeit an.

An den Fachwerkbauten sind mehrere Perioden abzulesen. Eine ältere wird

man der Zeit Melchiors von Bodenhausen um 1600 zuweisen dürfen, eine

jüngere der Mitte des siebzehnten Jahrhunderts, die jüngste im obersten

Stockwerk des Ostflügels gehört nachweislich erst der Zeit an, als

Amilie Antonie bereits gestorben war. Sie lassen sich unterscheiden an

der Ausführung des Balkenwerks und der Fensterumrahmung.

»Den Wendel hinauf« nach rechts gelangte Amilie Antonie zu ihren

Gemächern. Als Wohnzimmer diente ihr der saalartige Raum eine Treppe

hoch. Er hieß der Weiße Saal und seit 1800 der Gerichtssaal. Er empfing

Licht von Norden durch vier, von Süden durch fünf Fenster. Ein Vorbau

bildete ein liebliches kleines Gemach, wo die Schloßherrin ihren

Arbeitstisch hatte und den Betrieb im Schloßhof überwachen konnte. Die

Heizung erfolgte vom »kleinen Heizgemach« aus auf dem Gang. Zur Linken

nach Norden hin lag ihr geräumiges Schlafzimmer mit vier Fenstern in

den lauschigen Nischen des alten dicken Gemäuers. Einige Stufen höher

erreichte sie eine kleine Küche für persönlichen gelegentlichen

Gebrauch. Ein Kochkamin ist noch, wenn auch in Trümmern, erhalten.

Durch eingezogene Wände und Verlegung von Tür- und Fensteröffnungen ist

im Jahre 1800 an diesen Räumen manches verändert worden. Auch der Ofen

in Empireform stammt aus diesem Notjahre des großen Stadtbrandes.

Die Friedensburg bei Leutenberg · 第 2 / 4 段