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[Illustration: Cover]
Rein / Die Friedensburg bei Leutenberg
Thüringer Heimatbücher
Veröffentlichungen des Thüringer Heimatbundes
Band I
Berthold Rein
Die Friedensburg bei Leutenberg
*
[Illustration]
1·9·2·5
Der Greifenverlag zu Rudolstadt (Thür.)
Berthold Rein
Die Friedensburg bei Leutenberg
Eine thüringische Grenzfeste
und ihre Bewohner
*
[Illustration]
1·9·2·5
Der Greifenverlag zu Rudolstadt (Thür.)
Die Ausstattung besorgte Willi Geißler
Alle Rechte vorbehalten. Copyright by Greifenverlag Rudolstadt 1925.
Gedruckt von Mänicke & Jahn A.-G., Rudolstadt, in der Ehmcke-Fraktur.
Buchbinderarbeit ebenfalls von dort.
[Illustration]
Vorwort
Die Friedensburg ist oft das Ziel von Wanderungen oder der Ort,
wo Erholung in der frischen grünen Bergwelt gesucht wird. Wer die
eigenartige Stimmung genießt, die das Schloß vermittelt, empfindet dann
auch den Wunsch, etwas von den vergangenen Geschlechtern zu vernehmen,
die hier gelebt haben, und aus deren Lebensbedürfnissen heraus die
Gebäude entstanden sind. Die Frage wird dann oft gestellt: Wann ist die
Burg gebaut worden? – Die Antwort kann nur lauten: Eine Burg ist das
Werk von Jahrhunderten! – Man hat ihre Geschichte abzulesen an der Form
der Bauteile, am Baustoff, an gediegener oder flüchtiger Arbeit und
an den Schmuckbeigaben ihrer Einrichtung. Aber diese Formenschrift zu
entziffern, gelingt nicht ohne weiteres und ist nicht jedem geläufig.
Dann erhebt sich die Frage nach geschichtlicher Belehrung in Büchern
oder Urkunden. Gedruckte Literatur über Leutenberg ist nur ganz
spärlich vorhanden. Einzelaufsätze sind in Fachschriften zerstreut. Die
Urkunden der Stadt sind Opfer der Feuersbrünste geworden, mit denen
Leutenberg heimgesucht wurde wie kaum eine zweite Stadt. Die Urkunden
im ehemals Fürstlichen, jetzt Thüringischen Staatsarchiv zu Rudolstadt
sind noch nicht zusammenhängend durchforscht worden auf Leutenberger
Nachrichten hin.
Durch das überaus gütige Entgegenkommen des Staatsarchivars Herrn
Geheimen Rat Dr. Bangert, der auf Ordnung und Verzeichnisse der
Archivschätze die Kraft eines vollen Manneslebens verwendet hat, war
es mir möglich, die unter vielen Gesichtspunkten zerstreut liegenden
Angaben zu finden und in knapper Fassung zusammenzustellen. Die
Bilderschätze der Heidecksburg in Rudolstadt, die aus dem sechzehnten
und siebzehnten Jahrhundert erhalten geblieben sind, haben, soweit sie
Leutenberg betreffen, die heimatliche Forschung noch wenig beschäftigt.
Was davon deutlich zu erkennen und nachzuweisen war, habe ich hier mit
verwertet und berücksichtigt.
Die Stammtafeln des Hauses Schwarzburg von Oskar Vater haben mir bei
der Arbeit wesentliche Hilfe geleistet. Für das späte Mittelalter
diente Paul Jovius, ~Chronicon Schwarzburgicum~, als Wegweiser, doch
war dabei manches zu berichtigen.
Meine Aufgabe erblickte ich nicht in gelehrter Deutung der Nachrichten,
sondern in schlichter, allgemein verständlicher Schilderung des Lebens,
das sich die Jahrhunderte hindurch auf der Burg abgespielt hat.
Heimatliebe hat mich dabei geleitet. Heimatkunde tut uns not.
Rudolstadt, Frühjahr 1925.
Dr. Berthold Rein.
Schriftliche Urkunden über die Burg Leutenberg im frühen Mittelalter
fehlen. Der Gipfel des steilen Berges eignete sich als Zufluchtstätte,
hier konnten die Bewohner des Ortes Hab und Gut unterbringen, wenn
im Tal Unruhen drohten. Der Blick reichte von hier über Täler und
auf Höhen, wenn feindlicher Zuzug zu befürchten war. Als Fluchtburg
und Wachtburg mag dann ein festes Haus entstanden sein für einen
Burgvogt. Dieser übte den Landesschutz aus und überkam allmählich
Herrschaftsrechte.
Der Reichtum der Gegend bestand in Feldbau und Viehzucht, Wiesen-
und Waldflur, Wildbahn und Fischwasser, sowie im Bergwerk. Flößerei
und Kohlenbrennerei wurden zeitig ausgeübt. Deutsche und sorbische
Bevölkerung, Ackerbauer und Viehzüchter, wohnten nebeneinander und
hatten oft einen Schiedsrichter nötig, um nachbarlich in Frieden
auszukommen. Wander- und Handelsverkehr führte von Norden und Osten
namentlich nach Süden vorüber, bedurfte sicheren Geleites und trug
dafür Zollabgaben ein. Als Unterbehörden dienten die adeligen
Gutsbesitzer, die auf Anruf Bewaffnete zu stellen hatten. Am
lebhaftesten war der Verkehr und am stärksten die Verantwortung da, wo
der Weg über den Roten Berg in das Saaletal bei Eichicht einmündete
und in das Loquitztal weiterlief. Das scharfe Auge und die starke
Hand des Burggrafen überwachte und beschirmte die Ordnung der ganzen
Herrschaft. Diese war nach Osten deutsches Grenzgebiet gegenüber dem
stark gemischt deutsch-sorbischen Vogtland und dem bis in späte Zeit
mangelhaft überwachten und unsicheren Böhmen.
Vom zwölften Jahrhundert an erscheinen Grafen aus dem Hause Schwarzburg
als Bewohner des festen Hauses Leutenberg. Ein Heinrich von Leutenberg
besitzt um 1187 den Wald Winthagen bei Ludwigstadt, ein anderer
unterschreibt 1301 einen Kaufbrief als Zeuge.
Aus dem vierzehnten Jahrhundert stammt im wesentlichen der massive
Westflügel der bis heute erhaltenen Burganlage. Er schmiegt sich im
Grundriß als Viereck mit stumpfen und spitzen Winkeln dem Felsboden an,
ist kräftig unterkellert und wurde von vier Rundtürmen flankiert, deren
stärkster noch heute links am Torweg aufsteigt.
Am 30. Juli 1326 verkaufte der kinderlose Graf Günther XV., oberster
Landrichter von Thüringen, auf einer Tagung der Schwarzburger zu Erfurt
das Haus und die Stadt zu »Luthenberg« an seine Vettern Heinrich IX.
und Günther XVIII. Seine Neffen, Heinrich X. in Arnstadt und Günther
XXI. in Blankenburg, der spätere Deutsche König, stimmten zu, daß
dieser Teil des Schwarzburgischen Erbes von dem gemeinsamen Besitz
abgetrennt wurde. Das ließ sich insofern leicht ausführen, als nicht
andere Lehensherren dabei mitzusprechen hatten, denn die Herrschaft
Leutenberg war unmittelbares Reichslehen.
Heinrich IX. war Pfleger und Oberamtmann in Thüringen, er starb 1361.
In erster Ehe war er vermählt mit Helene von Schaumburg. Ein Jahr nach
deren Tode schloß er 1342 eine zweite Ehe mit Helene, einer Tochter
Friedrichs IV., des Burggrafen von Nürnberg. Sie brachte als Witwe
Ottos V. von Orlamünde-Lauenstein den Leutenberger Grafen Beziehungen
zu der Nachbarburg über dem Loquitztal ein.
Heinrichs IX. Söhne teilten 1362 ihren Besitz in der Weise, daß
Günther XII. auf der Schwarzburg blieb und Heinrich XV. seinen Sitz
in Leutenberg erhielt. Er heißt 1367 Graf zu Schwarzburg und Herr zu
Leutenberg und ist der Stammvater der Leutenberger Linie, die bis 1564
blühte.
Die Leutenberger Grafen und Gräfinnen, die durch Beruf und Schicksal
veranlaßt wurden, die heimatliche Burg zu verlassen, nehmen in der
Kriegs- und in der Kirchengeschichte von Deutschland, wie in der
Geschichte der Schwarzburgischen Länder, ehrenvolle Stellungen ein.
Von denen, die in der Heimat ihr Leben beschlossen, wurden mehrere in
einer Gruft an der Klosterkirche bestattet. Diese stand östlich von der
heutigen Stadtkirche, wo sich jetzt die neue Schule erhebt, und erlag
dem großen Brande im Jahre 1800.
Heinrich XV., 1359–1402, war noch ein Kind, als sein Vater starb. Seine
Mutter, zum zweiten Male Witwe geworden, mußte sich fürsorglich ihres
Sohnes und seiner Erbschaft annehmen. Heinrichs Halbbruder Gerhard war
erfolgreicher, tatkräftiger Staatsmann und streitbarer Held als Bischof
von Naumburg und Fürstbischof von Würzburg. Heinrichs Gemahlin, Anna
von Gleichen, pflegte besonders ihren Besitz Remda. Das Leutenberger
Schloß wird 1375 kriegsbereit genannt. Es mag um diese Zeit für die
kinderreiche Herrschaftsfamilie und deren Hofhaltung erweitert worden
sein durch Anbau nach Norden hin, soweit heute das massive Haus am
obersten kleinen Schloßhof reicht.
Heinrich XXII., 1375–1438, folgte seinem Vater 1402 in der Herrschaft.
Er hatte den Bergbau auf Gold zwischen Saalfeld und Lauenstein zu
verteidigen gegen die Übergriffe und Ansprüche der Markgrafen von
Meißen, die von Saalfeld aus vordrangen. Seine Gemahlin Elisabeth
von Orlamünde brachte ihm mit ihrem Heiratsgut Orlamünde auch den
Lauenstein zu. Kriege und Aufläufe entstanden daraus namentlich um
den Goldberg. Ein Vertrag zwischen den Schwarzburger, Orlamünder und
Leutenberger Grafen sollte den Fehden 1404 ein Ende setzen durch die
Grenze »bei der Geßra«. Die Erb- und Besitzstreitigkeiten ruhten
aber nicht und machten richterliche Entscheidungen auf dem Konzil zu
Konstanz nötig.
Das Urteil ist enthalten in einer Urkunde vom 30. April 1417. Im
Augustinerkloster zu Konstanz verrichtet als Hofrichter König Sigmunds
sein Amt Günther XXVIII., Graf von Schwarzburg und Herr zu Ranis.
Heinrich von Leutenberg klagt gegen Günther von Schwarzburg. Er
fordert »alle die Brief, die do hielten über Lutemberg, Schloß und
Stat, – über Lantzendorf, Jamen, Glide, Lemtze, Hersdorf, Grüne,
Witensberg, Gortzbach, Ußel, Heuendorf, Smydbach und über die Gut,
die er het zu der Lichtentann, Wittichendorf, Rode, Steinbach, Zelle
und über die Pröpsty und Behusung doselbs, Cüschinde, Hogkenruwe,
über die Smydt doselbs, über Lockuwitz, Lasen, Arembach, Dolen,
Knobelichstorf, Fischersdorf, Bretternitz, Duswitz, Eichich, über die
Fischwasser an der Sal und über die zwey Wasser, genant die Sorowitz,
und die Loquwitz, über Lomen, Munswitz, Steisdorf, Swendichen, Ylmen,
Aldengeseße, Rupelsdorf, Wisebach, Hersbach, Swymbach, Ezelrode, über
die Fischwasser und Mülen, Wisewachs und über alle ire Tyche, wo die
legen in den obgeschrieben iren Guten«.
Die Urkunden über den gemeinsamen Besitz, wie Langewiesen, müssen
»in ein gemein Hand« gelegt werden, die über Remda, das Erbe von
mütterlicher Seite, sowie über die Herrschaft Leutenberg müssen dem
Kläger ausgeliefert werden.
Abgesehen von geringen Veränderungen hat das Leutenberger Gebiet
seinen Bestand bis in die Neuzeit behalten. Nachbarländer waren im
fünfzehnten Jahrhundert die Landgrafschaft Thüringen bei Saalfeld, die
Markgrafschaft Meißen bei Ziegenrück, nach Osten die Grafschaft Reuß,
nach Süden die Burggrafschaft Nürnberg und das Bistum Bamberg. Da die
Grafen der Leutenberger Linie zugleich Anteil an dem Stammgebiet
Schwarzburg behielten, ergaben sich die vielfachen schwierigen
Auseinandersetzungen bei jeder Erbteilung.
Heinrich XXV., 1412–1463, übernahm 1438 das Erbe seines Vaters und
bahnte friedlichen Ausgleich mit der sächsischen Nachbarschaft an. Er
war verheiratet mit Brigitte von Reuß-Gera, der Witwe eines Herrn von
Schönburg zu Glauchau. Die Ansprüche von verwandten und verschwägerten
Nachbarn wollten nicht zur Ruhe kommen. Als er vorübergehend von der
Burg abwesend war, benutzte Graf Ludwig von Gleichen die Gelegenheit zu
einem Überfall. Vom Lauenstein aus rückte er nächtlicherweile 1447 vor
den Burgeingang, wurde hier aber gestellt. Die schwache Besatzung hielt
ihn auf bis zum Anbruch des Tages. Dann zog er ab. Dieses mehr heiter
als ernst zu nehmende Ereignis aus der Zeit des Faustrechts würde wohl
vergessen sein, wenn es nicht 1793 in einer romantisch-scherzhaften
Ballade dichterisch verherrlicht worden wäre.
Auf Fürstentagen zu Naumburg, Erfurt, Halle und Zeitz strengte man
sich an, die Besitzstreitigkeiten um die Grenzgebiete beizulegen. Ein
Vergleich kam schließlich in Gera zustande. Von diesem Friedensschluß
will man die Benennung der Burg ableiten, doch kommt der Name
Friedeburg tatsächlich erst in Schriftstücken des achtzehnten
Jahrhunderts vor, als man anfing, im Auftrage der Staatsbehörde
geschichtliche Aufzeichnungen zu sammeln.
Heinrich XXV. starb in Leutenberg und wurde in der Grafengruft
beigesetzt. Er hatte dem Kloster am Fuße seines Schloßberges vier
Schock ewigen Zinses aus dem Dorf Laasen vermacht. Seine Witwe fügte
für Prior und Konvent noch fünf Gulden jährlichen Zins hinzu. Ein
gewaltiger Brand legte kurz vor seinem Tode fast die ganze Stadt
in Trümmer. Die Burg bewährte sich dabei als Zufluchtstätte für
Obdachlose.
Balthasar, 1453–1525
Heinrichs Sohn Balthasar war erst zehn Jahre alt, als er den Vater
verlor. Seine Erziehung muß christlich, ritterlich und wissenschaftlich
geleitet worden sein, doch sind nähere Angaben darüber nicht mehr
aufzufinden. Gelehrte Schriftsteller, die ihn persönlich kannten,
schildern ihn als ernsten Herrn von jähem und starkem Sinn, doch
von rechtschaffenem und aufrichtigem Gemüt. Sein Schriftwechsel hat
sich zu einem großen Teil erhalten. Wer sich in diese Berichte und
Geisteserzeugnisse vertieft, empfindet den Leutenberger Grafen als
Seelenverwandten seines großen Zeitgenossen Luther. Er war eine gerade
Natur, streng rechtlich, kampfbereit, gütig und milde gegen Schwache,
ritterlich-scherzhaft und begabt mit treffendem Mutterwitz.
Kaum achtzehn Jahre alt kündigte er seinem Vetter Heinrich XXVI. die
Vormundschaft und nahm die Verwaltung seines Besitzes zielsicher in die
eigene Hand. Er fand viel aufzuräumen. Alte Überlieferungen hatten sich
verschleppt und unhaltbare Zustände erzeugt. Sein ganzes Leben sollte
ein Kampf werden, daheim in Grenz- und Rechtsverhandlungen, fern der
Heimat in Kriegsdiensten. Über die letzteren mögen die Akten in Süd-
und Norddeutschland zerstreut liegen, über die ersteren werden wir gut
unterrichtet durch die sorgfältige Art, wie er Briefentwürfe aufbewahrt.
Im Jahre 1472 vertritt der Neunzehnjährige seine Hoheitsrechte über die
Rittergüter. Gegen Kunz und Reinhart von Mosen führt er einen Prozeß
über die Einkünfte des Lauensteins bis vor die Feme, »den Freien Stuhl
des Heimlichen Gerichts zu Volkmarsen«. Von 1474 an wahrt er seine
Lehensansprüche in Verhandlungen mit dem Rat zu Erfurt. Zu gleicher
Zeit läuft ein Rechtsstreit gegen seinen Vormund um Anteile an der
gemeinsamen Herrschaft Schwarzburg, besonders um das Dorf Langewiesen.
Heinrich schlägt die sächsischen Herzöge als Schiedsrichter vor,
Balthasar weist sie zurück. Er mißtraut ihnen wegen der Saalfelder
Nachbarschaft und erkennt sie überhaupt nicht als zuständige Behörde
an, da er unmittelbarer Reichsgraf ist.
Als Freund des jungen Herzogs Georg von Bayern-Landshut nimmt er
1475 an dessen prunkvoller Hochzeit mit der Tochter des Polenkönigs
Kasimir in Landshut teil. Fast alle Fürsten Mittel- und Süddeutschlands
samt Kaiser Friedrich III. und seinem Sohn Maximilian waren zugegen.
Balthasar muß sich gut eingeführt haben, denn Georg der Reiche
empfiehlt ihn an Kurfürst Philipp nach Heidelberg, und beide setzen
den Schwarzburger 1478 als Pfleger der Herrschaft Heideck ein, die
südlich von Nürnberg liegt. So war Balthasar mit fünfundzwanzig Jahren
Verwaltungsbeamter und militärischer Befehlshaber geworden, und er
behielt diese Würden inne bis 1505.
Inzwischen kämpft er auf eigene Faust hartnäckig gegen den Bischof von
Würzburg um Ansprüche, die er von seinen Eltern ererbt hat. Dieser
Feldzug endet zwar glücklich für ihn, setzt ihn aber in Schulden, da
viel Kriegsvolk zu entlohnen ist. Rührend nimmt sich aus, wie er in
einem Briefe an die Mutter in Leutenberg mit den Seinen daheim fühlt
und sorgt: »Liebe Frau und Mutter, ich bitt Euch gar freundlich, Ihr
wollet Euch Erhart von Waldenfels Hausfraue und das Seine lassen
befohlen sein, angesehen daß er in meinem Dienst ist. Das will ich
allweg um Euch verdienen.«
Bis 1486 steigert sich seine wirtschaftliche Bedrängnis. Auf Mittwoch
nach Neujahr setzt er eine Tagung im Rathaus zu Leutenberg an, um die
Herrschaft Leutenberg an seinen Vetter Heinrich XXVI. zu verkaufen.
Dieser erscheint aber nicht und gibt später vor, er habe seinen Dienst
bei Herzog Albrecht von Sachsen nicht verlassen können, außerdem sei
Leutenberg beschwerlich von Leipzig aus zu erreichen. Als Balthasar
hört, daß Heinrich sich Langewiesen vom Kaiser hat verschreiben
lassen, sammelt er Streitkräfte. Darauf nehmen sich Kurfürst Friedrich
der Weise und Herzog Johann von Sachsen ihres Rates und Vasallen
Heinrich an und verwarnen seinen kampfbereiten ehemaligen Mündel.
Trotzig antwortet dieser, er habe nicht zum Angriff, sondern zur
Verteidigung gerüstet, und entschieden weist er die Sachsen auch nur
als Unterhändler zurück. Unfruchtbar verläuft daher ein besonderer
Versöhnungsversuch in Torgau 1487. Als Heinrich XXVI. stirbt, ist
Balthasar wieder in sein Amt nach Landshut zurückgekehrt. Er erklärt
sich von dort aus bereit zu einem Vergleich, dann kann die Fehde 1488
in Jena beigelegt werden.
Auf der Burg Leutenberg beginnt drei Jahre später ein Neubau im
Anschluß an das alte Haus. War Hofhaltung und landwirtschaftlicher
Betrieb durch die Amtsleute stark erweitert worden? Waren die leichten
Anbauten aus Vaters Zeiten verwittert? Hegte der bald Vierzigjährige
trotz aller scherzhaften Abrede doch Heiratsgedanken? Einen Teil seiner
landesherrlichen Befugnisse, das ~Jus patronatus~, übertrug er dem
Prior seines Klosters Johannes Ellinck, einem geborenen Leutenberger.
War es christliche Andacht, war es der Wunsch, die Ritterschaft
des Heiligen Grabes zu erwerben: er beschließt, nach Jerusalem zu
wallfahren. Er errichtet sein Testament, nimmt 6000 Gulden auf bei
den Äbten von Saalfeld und Paulinzelle und verschreibt ihnen dagegen
den dritten Teil der Herrschaft Leutenberg. Auf dieser Palästinafahrt
1493–94, an der auch Friedrich der Weise und Lukas Kranach teilnehmen,
lernt Balthasar die sächsische Ritterschaft kennen, darunter seine
späteren Schwäger, die Grafen von Sack zu Mühltruff. Zurückgekehrt
vermählt er sich 1495 mit deren Schwester Anna, einer feinen und
sorgsamen Hausfrau und Landesherrin.
Schon 1496 zieht ihn der Waffendienst wieder in die Ferne, obwohl
das häusliche Glück durch ein Söhnchen befestigt worden war. Kaiser
Maximilian rüstete gegen König Karl von Frankreich, und Balthasar folgt
seinem Aufgebot nach Italien. Die Kosten für den Aufwand von Rittern
und Knechten deckt eine Anleihe bei dem Abt von Paulinzelle.
Leutenberg erhielt in demselben Jahre ein neues Stadtrecht entsprechend
den veränderten Lebensverhältnissen. Schon 1497 scheint Balthasar
wieder daheim zu sein, denn seine schriftlichen Befehle an seinen
Schreiber Johann Siebensun wettern über liederliche Wirtschaft mit
Frauensleuten in Schwarzburg: »Dann ob du mehr dergleichen übest, so
wollten wir dich strafen, ob du gleich neun Weihen auf der Platten
sitzen hättest.«
Inzwischen waren Balthasars Beziehungen zu den Sachsen vertrauensvoll
geworden, so daß er 1498 als Schiedsrichter zwischen Herzog Georg
von Sachsen und dem Pfalzgrafen bei Rhein, Herzog Georg in Ober- und
Niederbayern, angerufen wurde, als diese wegen Sitz und Stimme im
Reichstag verhandelten.
Von Heideck aus beklagt sich der um die Heimat Besorgte, daß er von
seinem Vetter Günther in dem Anteil an der Herrschaft Schwarzburg
geschmälert wird. Er möchte dieses Anrecht am liebsten verkaufen.
Seine Amtsleute weist er an, sie sollen auf der Hut sein, man hat ihm
in Nürnberg berichtet, Leutenberg soll überfallen werden. Im Mai 1500
ist er bereit, seinen Teil an der Grafschaft Schwarzburg seinem Vetter
abzutreten gegen 7000 Gulden auf Wiederkauf. Für 1379 Gulden verkauft
er Unterloquitz an den Abt Georg von Saalfeld.
Ein Aufgebot Georgs des Reichen ergeht 1501, der bayrisch-pfälzische
Erbfolgekrieg bereitet sich vor. Auch Balthasar folgt dem Ruf. Er wird
1503 Hauptmann von Ingolstadt, und als sein fürstlicher Freund am Ende
des Jahres stirbt, tritt er für dessen Schwiegersohn Ruprecht von der
Pfalz ein, dessen Gegner von den Sachsen unterstützt werden. Dann löst
er 1504 seine Beziehungen zu den Bayern und nimmt sächsischen Dienst
an als Rat Friedrichs des Weisen und Johanns des Beständigen. Am 10.
September 1505 verzeichnen seine Büchsenmeister Peter Vischer und Hans
Kessel gewissenhaft das Kriegs- und Hausgerät, das von Heideck nach
Leutenberg überführt worden ist. Es war eine stattliche Anzahl von
Notschlangen und Büchsen in der Burg unterzubringen, Pulvervorräte und
Geschosse waren im Turm zu verstauen, die Pulvermühle samt Zubehör fand
im Pfarrhofe Platz, Rüstungen, Jagdzeug, Kleider und Betten waren zu
versorgen.
Der Fünfzigjährige richtet sich neu in der Heimat ein, hat aber wie
alle großen und kleinen Landesherren seiner Zeit viele Sorgen um die
täglichen wirtschaftlichen Fragen. Er beginnt zu klagen, wie er »ytzo
mit Vehden und großen Handlungen beladen« ist, und beruft sich gern auf
seine ritterliche Ehre: »wir sind ein frummer und tugendlicher Graf zu
Schwarzburg«.
In einem erregten Briefwechsel, bei dem die Boten zwischen Leutenberg
und Saalfeld hin und her hasten, setzt er dem Abt Georg zu,
Spielschulden zu bezahlen an Leutenberger Untertanen. Er schont
zunächst dessen geistliche Würde, erinnert ihn aber schließlich
notgedrungen und immer kräftiger daran, wie »Spott, Beschämen und
Schaden mag erwachsen«, wenn die Öffentlichkeit erfährt, »Ihr habt
gespielt, seid trunken gewesen und Geld darob schuldig worden«.
Aus Balthasars Niederschriften geht als ergötzliches Sittenbild jener
Zeit hervor ein Beleidigungsprozeß mit Klage und Wiederklage in den
Jahren 1506–1508. Dr. Kitscher, ein geistlicher Beamter der sächsischen
Kurfürsten, schleicht sich an den Generalvikar der Augustinerorden,
Dr. Staupitz, auf einem Fürstentag zu Koburg heran, um ihm ein
günstiges Urteil über seine Amtsführung zu entlocken. Staupitz,
der scharfe Menschenkenner und später der Förderer Luthers, spielt
aber vorsichtig darauf an, daß er erfahren hat, Kitscher lebt in
unsittlichen Beziehungen zu einer adeligen Jungfrau aus Weida und zu
einer Bübin in Altenburg. Kitscher, höchst enttäuscht und entrüstet,
greift zur Feder und veröffentlicht eine urkräftige Schmähschrift gegen
Unbekannt. Er will erzwingen, daß ihm der Urheber der Gerüchte genannt
wird. Allmählich verlautet, daß der Leutenberger Graf scherzhaft derbe
Ausdrücke über Kitschers blühendes Aussehen und weltliche Gewohnheiten
geäußert hat. Nun spitzt sich die Feindschaft zu. Balthasar fühlt
sich durch jene Schmähschrift getroffen und an seiner Ehre gekränkt.
Wie um sich selbst Standhaftigkeit einzuflößen, zeichnet er in seinen
Briefentwurf zwei gekreuzte Degen mit der Umschrift: »Halt hart, liebe
werte Schwarzburg!« Er setzt dann auch dem Gegner markig zu, bis dieser
sich unter dem Druck seines nicht recht sauberen Gewissens windet und
schließlich klein beigeben muß. Ein Vergleich kommt 1508 zustande und
wird auf einem Blatt mit schönen gotischen Lettern von Weimar aus
veröffentlicht.
In demselben Jahre gibt Balthasar seiner Stadt Leutenberg ein neues
Stadtregiment »mit Rat und Bedenken der Bürgermeister und Ratspersonen«.
Im Jahre 1509 baut er eine neue Schmelzhütte mit sechs Öfen, und
seitdem pflegt er auf Grund der Erfahrungen, die er in der sächsischen
Verwaltung gesammelt hat, den Bergbau um Sormitz, Loquitz und Saale.
Als Schutzherr der Kirche beweist er sich 1512, indem er das verfallene
Gotteshaus am Fuße seines Burgberges zu Ehren der Maria Magdalena
neu errichten läßt. Seinen Anteil an der Herrschaft Schwarzburg
verpfändet er abermals, doch den Weinwachs zu Blankenburg läßt er sich
wohlweislich nicht entgehen.
Aus seinem sächsischen Amt entlassen, erhält er ein Gnadengeld von 50
Gulden vierteljährlich »in Ansehung der treuen, willigen und nutzbaren
Dienstbarkeit«. Feinsinniges Verhalten und bescheidenes Selbsturteil
geht aus seinen Eingaben nach Weimar hervor.
Seine Klagen wiederholen sich, er fühlt sich »mit Schwachheit umgeben
und mit schwerem Gemüt« beladen. Zu Schiedsrichterämtern ruft man ihn
nach Bamberg, Böhmen und Sachsen, er muß sich immer mehr wehren gegen
Reisen nach auswärts: »Ich han so eine unlustige Krankheit, daß ich
mich billich vor allen ehrenwerten Leuten schäme.«
Um Ordnung in seinen Haushalt zu bringen, greift der einst so
Freigebige und Uneigennützige auf alte Außenstände zurück. Es
entwickelt sich ein lebhafter Briefwechsel mit seinen Schwägern Hans
und Kaspar Sack zu Mühltruff und deren Schwager Ulrich von Zedwitz.
Balthasar hat »den Säck« auf ihrer Palästinafahrt Vorschüsse geleistet.
An diese erinnert er jetzt eindringlich, auch erwartet er, daß seiner
Frau nun endlich ihr Erbteil ausgezahlt wird. Die Schuldner schweigen
sich aus. Später ergehen sie sich in trotzigen Reden gegen die
Leutenberger Boten, erwidern die Briefe aber nicht. Tagungen werden
ihnen vorgeschlagen in Saalburg, Remptendorf, Weißbach und Drognitz.
Sie fürchten sich jedoch, sächsisches Gebiet zu verlassen, obwohl ihnen
ihre Schwester freies Geleit zusichern will unter Balthasars Siegel
oder Petschaft und Handzeichen. Anna fährt selbst nach Mühltruff:
umsonst! Balthasar droht mit Klage an den Fürstenhöfen und mit
Bekanntgabe in den Familien, wo Hans Sack als Brautwerber auftritt:
umsonst! Anna beschwört sie in schwesterlicher Liebe: »Mit Wissen und
Vorwillen meines lieben Vaters seliger Gedächtnus und Euer bin ich
dem wohlgeboren, meinem lieben Herrn und Gemahl aus sunder Gunst und
Neigung, die er zu mir gehabt, vermählt worden.« – »Mein Herze hat um
das von meinem väterlichen und mütterlichen Erb gefällig gewesen,
getraut und glaubt mich darauf mit Vermächtnus wie bekannt versehen. So
Ihr aber Euch dermaß erzeiget, so werden ungezweifelt alle Verwandte
der Herrschaft Leutenberg nach wenig Verscheinung der Zeit mit ihren
Pflichten, Eiden und Gelübden meinem Sohn Hans Heinrich zugewiesen und
eingegeben. Alsdann, so der allmächtig Gott nach Geschehung seines
Willens schicken wolle, so ich meinen Herrn überlebt, müßt ich meinem
Sohn als eine Dienerin zu Gnaden leben, dann ich hätte nichts mir
zuständig.« Die Not drängt sie, sie fürchtet, daß sie als Witwe »viel
minder dann ein Dienstmaid« dasteht. Balthasar bewegt sich gelegentlich
in Worten, die an Luthers Sprachweise anklingen: »Die Säck tun diese
Ding mit Schweigen verschlucken, wie hungrig Säu Molken trinken.« »Man
hätte fürwahr den Unflat nit erwarten dürfen zu seiner Zeit.« Lang
ziehen sich die Verhandlungen hin, und noch im Jahre 1559 wechseln die
Beamten von Mühltruff und Leutenberg Briefe, weil die Schulden noch
nicht abgetragen sind.
Als üble Nachbarschaft war Balthasars Verhältnis zu dem Prior und
den Mönchen des Klosters in Leutenberg angewachsen. Persönliche und
sachliche Beweggründe kamen dabei ins Spiel. Von 1507 bis 1517 läuft
ein Briefwechsel, den er mit der Ordensbehörde in Leipzig führt.
Dorthin war Johannes Ellinck übergesiedelt, nachdem er zum Lesemeister
der Heiligen Schrift aufgerückt war. Als Vertreter des Provinzials
Hermann Rabe beantwortet er die Briefe des Leutenberger Grafen. Die
Gegnerschaft zwischen Burg und Kloster hatte klein begonnen. Balthasar
hatte das eine Mal Leute, die zur Messe gehen wollten, zu sich
gerufen. Das andere Mal hatte er einem Kirchenbesucher, während dieser
niedergekniet war, zugewinkt, er möchte einem Priester, der gerade
ohne Meßdiener amtierte, das Wasser zur Handwaschung gießen. Dafür
beschimpfte ihn der Prior von der Kanzel herab, beschuldigte ihn des
Kirchenfrevels und behauptete: der Graf achtet sich höher denn Gott.
Besorgt um ihren kranken Gemahl hatte sich die Gräfin Anna von einem
Heilkünstler und Wahrsager aus Tambach ein Amulett anfertigen lassen.
Balthasar versichert zwar, daß er es nicht angelegt hat. Doch »Mönch
Linck« verklagt ihn wegen Zauberei und Abgötterei und verkleinert so
das Ansehen des Landesherrn. Balthasar macht geltend, was er Treues und
Gutes schon dem Kloster gewährt hat, und versichert, gewißlich auch
weiter will er die Diener Gottes fördern, wie er nur kann. Sein Wunsch
ist, er möchte einmal in der Klostergruft, auf seinem väterlichen Erbe,
bei seinen frommen Ahnen begraben liegen. Die Leipziger Ordensvorsteher
hoffen, der Streit soll in Frieden allmählich ausklingen. Sie
verleugnen auch wohl den Empfang eines Beschwerdebriefes und
versprechen höchstens, persönlich einmal in Leutenberg einzutreffen,
kommen aber nicht dazu.
Dann geht Balthasar zu schwereren Anklagen über. Er zeigt an, im
Kloster wird widernatürliche Unzucht getrieben. Er beschwert sich,
die Mönche haben einen heimlichen Gang über die Klostermauer und den
Stadtgraben angelegt, dadurch ist die Sicherheit der Stadt gefährdet.
Ringsum in den Nachbarländern wütet Mordbrand, und die Leutenberger,
genugsam gewarnt durch Schadenfeuer, müssen Posten an den Toren
stellen, während den verborgenen Ein- und Ausgang im Kloster niemand
überwachen kann. Am Kirchberg hat der Prior ackern und säen lassen, wo
es ihm nicht zusteht, dadurch ist den Bürgern die Viehtreibe versperrt.
Um das ganze Kloster sind Stangen errichtet mit Schlägen für 60–70 Paar
Tauben, die schädigen die Feldflur im Übermaß. Die Brauhausverordnungen
werden von den Brüdern wild übertreten. Der Graf droht, den Mönchen
soll keine Hilfe mehr geleistet werden beim Einbringen der Ernte, nur
mit eigenem Geschirr dürfen sie künftig im gräflichen oder städtischen
Brauhaus brauen. Schlimmsten Falles wird er sich nicht bedenken, ihnen
die Kirche und den Gottesdienst wieder zu entziehen. Immer wieder
versichert er aber demütig, er will sich nicht mehr mit dem Kloster
beschäftigen, als ihm zukommt. Als ein armer und kranker Mann möchte
er nicht noch Leibes und Lebens beraubt werden, sondern in Frieden
heimgehen. Ein Sittenbild jener Zeit: Altes versinkt, Neues steigt
sturmgeladen herauf!
Ergreifende Kleinbilder entfalten sich in Bestellzetteln, die
ausgehen, Bittschriften, die einlaufen, privaten und amtlichen
Entscheidungen, die der alte Herr zu treffen hat. Mancher Seufzer
entschlüpft seiner Feder: »Wenn der Wolf alt wird, so reiten ihn die
Krähen!« Bald verhandelt er in diplomatisch gefälligen Wendungen
über Grenzfälle mit Ludwig von Aib, Hauptmann auf dem Gebirge in
brandenburgisch-kulmbachischem Dienst, bald versichert er wortreich
einem Beamten des Bischofs von Bamberg, wie er als ein armer gemeiner
Diener dem geistlichen Fürsten wohl nach allem Vermögen in Treuen
dienen möchte, aber seinen Untertanen muß ihr Recht werden. Der Wirt
von Steinbach hat den Schäfer Klaus Müller von Roda um 40¼ Gulden für
verkaufte Schafe betrogen. Die bischöflichen Räte wollen die Sache
verschleppen. Balthasar gibt aber nicht nach, bis der Schuldige »durch
den Nachrichter mit Ernst besprochen« wird und sein »armer Freund« 40
Gulden in Bamberg erheben kann.
Sein Schwarzburger Vetter hat Aufruhr niederzukämpfen gehabt und
bietet den halben Teil der Herrschaft Schwarzburg aus. Darüber werden
Tagfahrten in Leutenberg und Blankenburg gehalten, und Balthasar stellt
ein Verzeichnis der Bergwerke um Leutenberg auf. Mit Rechtsbeiständen
hat er nicht gern zu schaffen. Von einem derselben versichert er: »So
iß ich auch nit gern heiß Suppen mit ihm.«
Die armen Leute von Munschwitz können ihr Land fast nicht erhalten.
Balthasar nimmt sich ihrer an, als der Gutsherr auf Löhma ihnen
zusetzt, weil sie bei einem Holzschlag auf dem Löhmberg die Grenze
verletzt haben sollen. Der Kirchner von St. Jakob hat Holzfrevel
begangen, der Key von Steinsdorf hat Beulwitzsche Eichen gefällt: »die
soll man nicht ungestraft lassen, doch einen jeglichen nach Gehalt
seiner Übung«.
Der Schmied Hofheinz in Wurzbach muß vor das Leutenberger Gericht
geladen werden. Sein Sohn hat den Heberndorfer Untertan Blidler
verwundet. Der Vater hat den schuldigen Sohn gehaust, geherbergt,
geatzt, getränkt und gehalten. Dafür muß er zur Rechenschaft
gezogen werden. Friedrich von Gahma und Nickel in Gleima sind in
einen Messerdiebstahl verwickelt und sollen in Lobenstein vernommen
werden. Dazu bedarf es herüber und hinüber erst der Genehmigung der
Landesbehörden.
Von der Leipziger Messe bringt ein Leutenberger Kaufmann die Kunde
mit, die Bamberger und Nürnberger Fuhrleute sollen überfallen werden.
Darum müssen Hans von Thun auf dem Lauenstein und die von Beulwitz im
Eichicht scharfe Wache aufstellen und ihre Leute in Bereitschaft halten.
Ein Aufruhr droht auch in das Leutenberger Gebiet überzugreifen.
Deshalb hat Hans von Oberweimar in Weitisberge, genannt Ulfrich, mit
seinen Leuten kriegsbereit auf der Burg anzutreten. Geleitsfragen sind
umständlich zu regeln: kein Leutenberger darf Saalfeld betreten, der je
gegen Sachsen gekämpft hat. Übergriffe am Fischwasser und im Wildbann
erregen die Gemüter. Die Bürger sollen die Mauer unter der Badestube
im Schloß aufrichten helfen und mit Schiefer decken. Die Bretter
dazu liefert der Müller: »doch soll man dem Armen, ob es anders zu
denken ist, hilflich sein«. Die Läden am Pulverturm soll man auftun,
die Glasfenster zulassen: »doch daß man aufs Unwetter groß Achtung
hab, daß dem Pulver nichts widerfahr«. Zwei Wagenpferde soll man
verkaufen, »dann ihrer ist genug an vieren«. Landsendorfer Untertanen
haben durch Spiel, Trunkenheit und andere Leichtfertigkeit ihre Güter
vernachlässigt: Schultheiß, Dorfmeister und die ganze Gemeinde werden
scharf angelassen, bei 10 Gulden Strafe haben sie zu wachen, daß das
unterbleibt.
Im Sommer 1520 will der Graf Günther von Schwarzburg seinem Vetter,
den er auf dem Reichstag zu Worms vertreten muß, ein klein Pferdlein
zusenden, ins Kloster und zu seinem Garten zu reiten. Balthasar
wehrt jedoch ab, er braucht es nicht mehr, da ihm der Markgraf von
Brandenburg ein Eselein geschickt hat.
Müde und mit Sorgen überladen tritt der erst achtundsechzig Jahre alte
Kriegshauptmann, Friedensrat und Burgherr 1521 die Herrschaft an seinen
Sohn Hans Heinrich ab und erwartet das Lebensende. Am 18. Juni 1525
erlöst ihn der Tod, dann nimmt ihn die Gruft seiner Väter auf.
Der Südflügel des Schlosses, wie er noch heute steht, der massive Teil
des Nordflügels bis zu gleicher Länge, der starke Neue Turm, sowie
der mittlere Schloßhof überhaupt stammen aus Balthasars Bauzeit. Daß
außerdem noch Fachwerk- und leichte Holzgebäude vorhanden waren, die
restlos verschwunden sind, muß immer bedacht werden. Bis 1491 ging
die Zufahrt zur Burg über die Felsen hinauf, die gesprengt wurden, um
Bauplatz für den Südflügel zu gewinnen. Dadurch entstand der Tunnel,
über dessen Eingang Balthasars Wappen und Namen prangten und, wenn
auch zertrümmert, noch zu sehen sind.
Münzkundige kennen zwei kleine Münzen, die Graf Balthasar 1493 prägen
ließ. Freunde des Kunsthandwerks oder der Waffenkunde werden sich
gern durch zwei schöne Geschützrohre im Rudolstädter Schloßhof an den
Leutenberger Artilleriehelden und seine bayrische Laufbahn erinnern
lassen.
Johann Heinrich, 1496–1555
Balthasars Sohn Hans Heinrich war Vertreter einer neuen Zeit. Über
sein Leben fließen die heimatlichen Geschichtsquellen spärlich. Er
war humanistisch gebildet, mit Männern der Wissenschaft befreundet,
verkehrte in Jena mit Lehrern der Hochschule und erwies sich als fromm
und tapfer in Kirchen- und Staatsangelegenheiten.
Zum Verdruß des Vaters hatte er 1517 eine Palästinafahrt unternommen,
um die Ritterschaft des Heiligen Grabes zu erwerben. Daraus waren neue
drückende Verpflichtungen entstanden. Die kaiserliche Bestätigung
seiner Herrschaft Leutenberg empfing er 1521 auf dem Reichstag zu
Worms durch Karl V. Als die Bauernaufstände ringsum die Nachbargebiete
in Unruhe versetzten, ließ er 1525 die Gewehre und Waffen seiner
Untertanen einfordern. Wie es um diese Bewaffnung bestellt war, geht
noch aus den Verzeichnissen darüber hervor. Jeder Bürger war von
Pflicht und Rechts wegen gehalten, je nach der Größe seines Besitzes
»ein püchs, ein armbrust und wynd, oder ein helmpartn« in gutem Stand
zu führen.
Durch die Ehe mit Margarete von Weida knüpfte er 1527
verwandtschaftliche Beziehungen auch zu den Mansfelder Grafen an. Als
das Kloster Paulinzelle aufgelöst wurde, nahm er sich des Abtes an,
trat aber selbst 1530 in Augsburg zur Reformation über und erfreute
sich des Schutzes und der Freundschaft der sächsischen Kurfürsten und
Herzöge, besonders Johann Friedrichs des Großmütigen.
Die Rechtsstreitigkeiten um das schwarzburgische Erbe liefen weiter
und wurden 1541 durch ein kaiserliches Mandat auf dem Reichstag zu
Regensburg verglichen; die Herrschaft Leutenberg war bereits 1536
wieder eingelöst worden. Diese Verpfändungen oder Verkäufe auf
Wiederkauf hingen ganz allgemein mit dem Mangel an Zahlungsmitteln in
jener Zeit zusammen: »Es will niemand bar Geld haben.«
Das Schloß Leutenberg bedurfte 1542 der Ausbesserung. Andreas Thiem,
der Schieferdecker von Heberndorf, wird aus Selb, wo er arbeitet, dazu
heimgerufen.
Als verlautet, daß Herzog Heinrich der Jüngere von Braunschweig einen
Überfall auf die sächsischen Lande vorbereitet, ergeht 1545 das
Aufgebot, auch Hans Heinrich soll Montag nach Michaelis in Weimar
erscheinen »mit allen Knechten und Pferden in blanker oder sonst guter
Rüstung, Armzeug, Knie, Köpf, Spieß und Hauben und allem dem, so zum
Ernst und Krieg gehörig«.
Aufgebote ergehen, und Anlässe zu Reisen mehren sich, da klagt der erst
Zweiundfünfzigjährige, er ist »mit Schwachheit beladen und nie aus dem
Bett gekommen«. Es war allgemein böse Zeit. Sein Amtmann Heinrich von
Heldorff in Schwarzburg jammert: »Das Sterben will noch nit nachlassen
und will immer weiter überhand nehmen. – Gott der Allmächtig wolle uns
für die Straf seine Barmherzigkeit verleihen, und daß wir uns auch
besserten.«
Als 1546 der Erbstreit der Mansfelder Grafen geschlichtet werden
sollte, war mit Luther und Fürst Wolfgang von Anhalt auch Hans Heinrich
von Leutenberg als Schiedsrichter und Berater in Eisleben tätig.
Verwandtschaft, vielfache gemeinsame wirtschaftliche Beziehungen zu
den Mansfeldern und die genaue Kenntnis von deren Bergwerksrechten um
Leutenberg befähigten ihn zu einem friedlichen und sachlichen Urteile.
Dabei wurde er Zeuge von Luthers Tod, über den er sofort in die Heimat
berichtete.
Im Jahre 1551 befindet er sich mit Wolfgang von Anhalt im Lager des
Kurfürsten Moritz von Sachsen, um dessen Streit mit der Stadt Magdeburg
beilegen zu helfen.
In Vorahnung des Lebensendes erneuert er 1554 sein Testament: seine
Gemahlin Margarete mit ihren drei Töchtern erhält Recht auf Behausung
im Schloß und 500 Gulden Jahreszins auf ihr eingebrachtes Heiratsgut.
Bei seinen schönburgischen Verwandten ereilt ihn der Tod in Glauchau
am 14. März 1555. Zwei Tage darauf findet die Beisetzung in Leutenberg
ohne Gepränge statt.
Zwei Bronzegeschütze im Schloßhof zu Rudolstadt erinnern an die Zeit
von Hans Heinrich, das eine trägt nur die Jahreszahl 1522, das andere
die Anfangsbuchstaben von Ernst Peter Graf Mansfeld.
Philipp, 1540–1564
Drei Söhne von Hans Heinrich waren als Kinder gestorben, der vierte,
Graf Albert, fünfundzwanzig Jahre alt als strebsamer, hochbegabter
Student am 26. Januar 1555 in Jena. Sein Lehrer, Professor Stiegel, hat
ihm in einem wortreichen Nachruf ein Denkmal gesetzt. Der fünfte Sohn,
Philipp, folgte dem Vater in der Herrschaft. Über seine Ausbildung und
Lebensschicksale sind nur vereinzelte Nachrichten auf uns gekommen. Der
Magister Bonaventura Albrecht aus Saalfeld, bekannt als Liederdichter
der Reformationszeit, war sein Lehrer. Studien in Jena scheinen dann
gefolgt zu sein.
Graf Philipp war wohl auch von Jugend auf schwächlich. Außerdem
lasteten die mißlichen Vermögensverhältnisse schwer auf ihm. Seine
drei Schwestern verheirateten sich nach Braunschweig, Hohnstein und
Plauen, sein jüngerer Bruder, Sighart, verunglückte noch als Knabe in
Schwarzburg durch einen Sturz aus dem Fenster. Kaum 19 Jahre zählte der
Graf, als er sich vermählte mit Katharina, einer geborenen Herzogin von
Braunschweig-Grubenhagen. Sie war 16 Jahre älter als er und verwitwet
aus einer Ehe mit Johann Ernst von Sachsen-Koburg.
In Leipzig, wo er sich zur Kur bei einem Spezialarzt aufhielt, starb
der letzte Graf von Leutenberg am 8. Oktober 1564. Die Beisetzung
erfolgte in Leutenberg. Seine Witwe war ein unglücklicher Charakter,
überstolz auf ihre Abstammung, unruhig und führerlos. Sie starb
in Saalfeld 1581. Mit ihren Anliegen beschäftigte sie lebhaft die
schwarzburgischen, sächsischen und kaiserlichen Behörden, so daß sich
die Verhandlungen lang hinzogen und erst nach ihrem Tode beigelegt
wurden.
Das Schloß als Witwensitz
Bereits seit 1554 stand das Schloß nur unter der Aufsicht von
Schloßhauptleuten. Doch wohnte die Dienerschaft von zwei Witwen und
drei nach auswärts verheirateten Gräfinnen noch da, die sich das
Recht auf einen Wohnsitz vorbehalten hatten. Es entstand daher große
Not, als im Sommer 1567 fast das halbe Schloß abbrannte, und die
stehengebliebenen Teile zusammenzubrechen drohten.
Herrenloser Betrieb war in der Burg eingerissen. Am 18. März 1567
schreibt die Gräfinwitwe Margareta: »An meine getreue Dienerin Martte
uff unserem Haus zu Leutenberg: Daß Du auch aus dem Schloß nit gehest,
sondern wir Dich und die andern, die wir noch im Schloß beneben unserm
Vieh haben, darin behalten wollen bis auf unser Zukunft. – Desgleichen
hat mir die alte Gräfin zu Schwarzburg gesagt, wo ihr Gesinde essen,
so sollt Ihr auch mit ihnen essen, denn ich Euch nichts schicken kann,
bis ich mit ihnen verglichen werde, Ihr Euch auch wollt gegen den
Hauptmann haben, so daß er nicht über Euch zu klagen habe.«
Ein Brief des Schössers Johann Schüffener an den Schloßhauptmann vom
26. März erwähnt die Gräfin Katharina: »Daß sie aber Euer Gnaden bei
unserer alten Gräfin übel ausgetragen, ist hier nicht neu, denn es
ist ihr alter Brauch. – Wann sie ihr wesentlich Bleibens wieder hier
anstellen würde, ich wollt eher auf allen Vieren davonkriechen.«
Aus dem Briefe eines Grafen Günther an den Schösser in Leutenberg geht
hervor, daß Graf Philipps Witwe oft gemahnt worden ist, das Schloß zu
erneuern. »Wenn sie in das Haus einziehen will, Du wollest sie mit
glimpflichen Worten abweisen und vermahnen, daß sie solches müßig zeihe
und etwan in ein Wirtshaus bis auf unseren ferneren Bescheid einziehen
wolle. – Und Du wollest ihr Gesind alsbald aus dem Haus abschaffen
und sie etwan in ein anderes Haus ziehen und das Ihrige, so sie
bedürfen, aus dem Haus folgen lassen und alsbald alle Türen und alles
verschließen.« Die Gräfin Katharina selbst war zur Kur in Karlsbad und
beklagt sich auf der Heimreise von Hof Pegnitz aus am 1. November bei
ihrem »Schwager«, daß der Schösser ihr Gesinde »kompellieren« will,
sie ist bereit, in ein, zwei, drei Bürgerhäuser zu ziehen, weil der
Feuersunfall im hintern Schloß auch ihre Wohnräume daneben verderbet
hat.
Da auch »beinahe die ganze Stadt in Feuersnöte geraten« ist, wird
der Schriftwechsel dringender, und am 16. November gibt Christoph
von Enzenberg dem Schloßhauptmann Eitel Kurt Glock den Auftrag, der
Neubau soll vorbereitet werden. Der Bauanschlag sieht 700 bis 800
Taler vor, einen Betrag, der ziemlich viel bedeutet nach damaligem
Wert, und neben dem noch die vertragsmäßig zu leistenden Frondienste
und Sachlieferungen anzusetzen wären. Es muß demnach ein stattlicher
Oberbau oder ein Anbau im Nordflügel entstanden sein.
Die Herrschaft Leutenberg wechselte nun rasch ihre Landesherren.
Schon 1563 ließ Friedrich der Mittlere, Herzog von Sachsen, Landgraf
in Thüringen und Markgraf zu Meißen, durch drei Weimarische Räte die
Gemeinde Leutenberg den Huldigungseid leisten. Vier Jahre später
wurde diese Abhängigkeit gelöst. Nach Graf Philipps Tode ging das
Leutenberger Erbe an Albrecht VII. zu Rudolstadt und seinen Bruder
Johann Günther von Sondershausen über. Graf Albrecht nahm sich 1571
des Amtes Leutenberg an und regelte die »Gerechtigkeiten, Mannschaft,
Zugehörungen, Einkommen und Nutzungen«. Dem Stadtrat erteilte er
1578 das Privileg, auf dem neu erbauten Rathaus Bier und Branntwein
zu schenken. Die Dörfer müssen das Bier in der Stadt nehmen, schoß-
und zinsbare Güter dürfen nicht an Auswärtige verkauft werden. Nur
Hausgenossen, nicht angesehene Bürger haben mehr als Treiber zur
Hasenjagd und als Fröner zu dienen. Im Frühjahr darf der gräfliche
Schäfer keinen umzäunten Grasgarten mehr öffnen und betreiben.
Graf Philipps hinterlassene Schulden ließen sich aber so bald nicht
tilgen, und die Schwierigkeiten in der Landesverwaltung wuchsen
übermächtig an. Deshalb verkaufen 1598 Graf Albrecht von Rudolstadt und
seine vier Neffen von Sondershausen ihre Hoheit über die Herrschaft
Leutenberg, Schloß, Stadt, Vorwerk Roda und 13 Dörfer für 56100 Gulden
auf Wiederkauf nach sechs Jahren. Käufer war Melchior von Bodenhausen,
auf Arnstein, Mühldorf und Almen, Kurfürstlich sächsischer Rat und
Hauptmann, der auch Blankenhain innehatte. Der ausführlich abgefaßte
Kaufvertrag sieht besonders vor, das »bishero in ziemlichen Abfall
gekommene Schloß« von Jahr zu Jahr »zu rektifizieren und auszurichten«
– »gegen Tilgung notdürftiges Bauholzes und Erstattung der Baukosten«.
Während der Bodenhausenschen Verwaltung, die bis 1607 dauerte, sind
tatsächlich Bauten im Schloß ausgeführt worden »an der alten Kirche«,
die eingegangen war, »am vorderen Bau«, am Turm und am Brunnen. Doch
läßt sich Genaueres nicht erschließen.
Im Jahre 1605 starb Albrecht VII. in Rudolstadt und hinterließ
vier Söhne und sechs Töchter aus erster Ehe, sowie eine erst
siebenunddreißig Jahre alte Witwe aus zweiter Ehe, die ihren
Pflegekindern eine treue Erzieherin blieb.
Elisabeth, 1568–1617
Elisabeth stammte aus dem pfälzischen Grafengeschlecht von
Leiningen-Westerburg, hatte ihrem um 31 Jahre älteren Gemahl reiche
Mittel eingebracht, und ihre Stiefsöhne waren nun bestrebt, sich
dankbar zu beweisen. Sie ließen das Schloß Leutenberg neu herrichten,
setzten bei den Grafen in Schwarzburg durch, daß ihrer Pflegemutter das
Reichslehen Leutenberg zugewiesen wurde, wozu Kaiser Rudolf Konsens
erteilte, und 1608 zieht die neue Herrin in ihr Wittum ein.
In Schloß, Stadt und Amt stehen ihr Hoheitsrechte zu, ausgenommen sind
die Nutzungen an Bergwerken, die ritterschaftlichen und die freien
Mannslehen. Vornehme Ausstattung und reiche Schätze barg das Schloß,
wie die Inventarien von 1608 und 1618 ausweisen.
Die Gräfin »beschwert ihr Gewissen damit«, unter den Geistlichen der
Umgegend »eine genugsam geklärte Person« zu finden als Schulmeister für
Schloß und Stadt. Günther Brömel aus Ilm, zuletzt in Königsee, hält
Probepredigt, erwirbt die Anerkennung der Gräfin und beweist sich als
treuer Seelsorger bis an ihr Sterbelager.
Wir erhalten Einblick in die Wirtschaftsführung des großen
Haushaltes, wenn 55 Gulden für Fische aus Erfurt zu verrechnen sind,
für »Halbfisch, Bricken, Hering, Lachs, Bickling, Sbierollen und
Stockfisch«. Wir müssen staunen über ihre Gewänder, ihre Pelze, ihre
mit ~Æ W~ gezeichneten Wäschevorräte, ihren Reichtum an Schmuck, und
wir erfahren, daß ein Positiv und zwei Clavicordia zum Mobiliar der
Burg gehören. Eine Apotheke im Schloß verwaltet die Gräfin selbst,
und besorgt schickt sie Arzeneien nach Rudolstadt, als dort die Pest
ausbricht. Bloche aus der Mühle, Wein aus Rudolstadt, die Erträgnisse
des Schafhofes Roda erscheinen in ihren Schriftstücken für die
Hofhaltung.