IV. EIN VORTRAGSKREUZ AUS DEM X. JAHRHUNDERT.

(Hierzu Tafel IV.)

Während bei den in den letzten beiden Artikeln behandelten

Gegenständen, den langobardischen Goldkreuzen sowohl, wie dem silbernen

Schaftbeschlag, das kulturgeschichtliche Interesse oder ihre Bedeutung

für die Geschichte des Ornaments den Wert der Stücke speziell als

Goldschmiedearbeiten überwog, haben wir in dem auf der beigegebenen

Tafel abgebildeten Kreuz (K. G. 763) ein Werk vor uns, das wiederum in

erster Linie für den Stand der Goldschmiedekunst in der Zeit seiner

Entstehung bezeichnend ist, vor allem aus diesem Gesichtspunkte

betrachtet werden will. Wir knüpfen damit gewissermaßen wieder an

jenen von mir an erster Stelle besprochenen ostgotischen Schmuck

an, ohne jedoch auch nur den Versuch wagen zu wollen, die einzelnen

Phasen aufzuzeigen, die etwa unsere Kunst im Abendlande während

der vier Jahrhunderte, die dieses Kreuz von jenem Schmucke trennen

mögen, durchlaufen hat. Bleiben doch die in meinem ersten Aufsatze

angedeuteten, die Forschung so erschwerenden und die Gewißheit ihrer

Resutate nur zu häufig beeinträchtigenden Verhältnisse teilweise auch

für diese Folgezeit bestehen, wirken auch weiterhin die Dürftigkeit der

Quellen und die weite Zerstreutheit der Denkmäler und ihre mangelhafte,

wissenschaftlichen Zwecke nur ausnahmsweise genügende Veröffentlichung

hemmend und lähmend auf den Fortgang der Forschung ein. Wenn aber

auch aus diesen Gründen der Entwicklungsgang der Goldschmiedekunst

vornehmlich in der ersten Hälfte des Mittelalters noch für kein

Land mit einiger Deutlichkeit hat erkannt und nachgewiesen werden

können, so brauchen wir doch, wie ich glaube, an der Möglichkeit

solcher Erkenntnis nicht zu verzweifeln. Insbesondere die deutschen

Kirchenschätze, fürstlichen Schatzkammern und Museen weisen noch

eine ansehnliche Zahl trefflicher Arbeiten jener Zeit auf, und

mit der Gruppierung derselben, der Zuweisung an bestimmte Schulen

auf stilvergleichender Grundlage ist bereits ein tüchtiger Anfang

gemacht worden. Einem einzelnen, neu auftauchenden Werke gegenüber

wird indessen bei dem derzeitigen Stand der Forschung eine möglichst

sorgfältige Beschreibung des Stückes und seiner Herstellungsart immer

noch das wichtigste sein, und so mag denn auch hier eine solche, die

Abbildung erläuternde und ergänzende Beschreibung den Bemerkungen

historischer und stilistischer Art, die etwa über unser Kreuz zu machen

sind, vorangeschickt werden.

[Illustration: Taf. IV.

Mitteilungen aus dem Germanischen Nationalmuseum. Jahrgang 1900 · 第 45 / 80 题