III. EIN LANGOBARDISCHER SCHAFTBESCHLAG AUS DEM VII/VIII JAHRHUNDERT.

Im Anschluß an die im vorigen Aufsatze besprochenen langobardischen

Goldkreuze bilden wir vorstehend in Originalgröße, und zwar in

Aufrollung, einen Schaftbeschlag (F. G. 1614) ab, der nach Mitteilung

des Herrn Geheimrat Bode in Berlin zusammen mit Eisensachen und

sonstigen Gegenständen in einem langobardischen Grabe gefunden und

1897 durch das Germanische Museum von Herrn Cavaliere Achille Cantoni

in Mailand erworben wurde. Der kreisrunde Beschlag, der 30 mm. im

Durchmesser und eine Dicke von etwa 1 mm. hat, diente vermutlich zur

Verzierung und Festigung eines Lanzenschaftes. Er ist ganz aus Silber

gefertigt und mit sorgfältig ausgeführten, sehr kräftigen Gravierungen

versehen, die teilweise mit Niello ausgefüllt sind. Die nicht in

solcher Weise wieder auf das Niveau der ursprünglichen Oberfläche

gebrachten Eingrabungen bilden die Linien der Hauptmusterung, während

das Niello zur Zeichnung innerhalb dieser Contouren verwandt worden

ist, wie unsere Abbildung zur Genüge zeigt. Am unteren Ende jeder der

vier lambrequinartigen Verbreitungen des Beschlages befindet sich

ein rundes Loch für die Nägel, mit denen das Stück ehemals an seinem

Schaft befestigt war. Nur einer dieser Nägel, ein langer, spitzer,

dreikantiger Silberstift, ist noch vorhanden. Im übrigen ist das Stück,

abgesehen von einem, wie es scheint durch Abschmelzen herbeigeführten

Defekt an einer der breiten Endigungen (auf unserer Abbildung

angedeutet), sowie von zwei kleinen, ebenfalls durch Feuer beschädigten

Stellen am oberen Rande, und einigen wenigen Stellen, die ihres Niellos

verlustig gegangen sind, gut erhalten.

In seiner Ornamentik berührt sich unser Schaftbeschlag vielfach mit

anderen Werken der langobardischen Kunst. Man vergleiche für das

fortlaufende Ornament der beiden oberen Bänder beispielsweise das oben

unter Nr. 10 näher beschriebene und abgebildete Kreuz, für das die

beiden Bänder trennende und auch die einzelnen Teile des Beschlags

einfassende Zickzackornament unter anderm die aus dem Anfange des VII.

Jahrhunderts stammende Evangeliendecke der Königin Theodolinde im

Schatz der Johanniskirche zu Monza (abgebildet bei Labarte, Histoire

des arts industriels au moyen âge I. Band, Tafel XXVIII). Früher

als etwa in den Beginn des VII. Jahrhunderts möchte ich auch schon

wegen der reifen Kunst, die das Stück zeigt, die Entstehung unseres

Beschlages nicht setzen -- obgleich freilich zuvor erst auszumachen

wäre, ob man einen langobardischen Goldschmied als Verfertiger annehmen

darf oder eher an einen Römer oder Byzantiner gedacht werden muß.

Mitteilungen aus dem Germanischen Nationalmuseum. Jahrgang 1900 · 第 44 / 80 题