Gemalt i. J. 1508/9 für den Kaufmann Heller in Frankfurt.]

Dürer hat zunächst seine grossen Holzschnittfolgen abgeschlossen und

neu herausgegeben und dann neues für den Holzschnitt und Kupferstich

geschaffen, darunter die berühmten tiefsinnigen Blätter, Ritter, Tod

und Teufel, die Melancholie, Hieronymus im Gehäuse und den großen

Holzschnitt der heiligen Dreifaltigkeit. Sie sind von Zucker eingehend

und sachgemäß besprochen. Das XII. Kapitel ist den Arbeiten für Kaiser

Maximilian, dem Gebetbuch, dem Triumphzug und der Ehrenpforte gewidmet.

Ein großer Künstler wird auch undankbaren Aufgaben etwas abgewinnen,

ja die Schwierigkeit wird vielleicht seine Erfindungskraft besonders

reizen, so bietet denn das Gebetbuch wirklich eine erstaunliche Fülle

der reizendsten Darstellungen in leichter und sicherer Federzeichnung,

aber der Triumphzug bleibt eine frostige Allegorie und aus der

Ehrenpforte war vollends nichts zu machen. Dürers Sache war die

Architektur überhaupt nicht; Hans Holbein hätte wohl einen anderen

Triumphbogen entworfen, wenn er damals schon thätig gewesen und zu der

Aufgabe herangezogen worden wäre. Aber die Aufgabe selbst mit ihrer

Überfülle von genealogischen und historischen Beziehungen schloß eine

wirklich einheitliche Lösung im Vornherein aus. Und wenn das Werk im

Einzelnen viel Schönes bietet, so bleibt doch die Mühe zu bedauern, die

Dürer auf diese undankbare Aufgabe verwendet hat. Wußte der Kaiser dem

größten deutschen Maler keine besseren Aufträge zu erteilen, so hätte

er ihn besser gar nicht beschäftigt. Auch die Verhältnisse in Nürnberg

waren nicht dazu angethan, Dürer viele Anregungen zu bieten und große

Aufträge Seitens der Stadt oder reicher Bürger blieben vollends aus.

Seine Produktivität geht denn auch in den nächsten Jahren zurück. Da

brachte die Reise nach den Niederlanden im Jahre 1520 einen neuen

Aufschwung.

[Illustration: Fig. 3. Studie zur Himmelfahrt Mariae.]

Kaiser Maximilian hatte Dürer für die Arbeiten am Gebetbuch, der

Ehrenpforte und dem Triumphzug ein Leibgeding von 100 Gulden aus der

Nürnberger Stadtsteuer angewiesen und ihm 1518 weiter eine Anweisung

auf 200 Gulden gegeben, welche 1519 fällig war, er war aber vor der

Auszahlung gestorben. Nun weigerte die Stadt die Auszahlung und

verlangte dafür wie für das bisherige Leibgeding eine Bestätigung Karl

des V. Da nun Karl V. nach den Niederlanden kam, beschloss Dürer, ihn

dort aufzusuchen und seine Angelegenheiten vorzutragen. Das war die

äussere Veranlassung zur Reise. Geschäftliche Interessen kamen dazu.

Dürer reiste am 12. Juli 1520 von Nürnberg ab, diesmal in Begleitung

seiner Frau und einer Magd. Die Reise ging über Bamberg, Frankfurt und

Köln nach Antwerpen. Das Tagebuch, das Dürer auf dieser Reise führte,

ist abschriftlich erhalten und gibt uns ziemlich genauen Einblick in

den Verlauf der Reise. Allerdings notiert Dürer manches, was wir leicht

missen könnten und verschweigt anderes, was für uns von Wichtigkeit

wäre, aber bei alledem bleibt das Tagebuch eines der wichtigsten

Dokumente zu seiner Lebensgeschichte.

Die Bestätigung des Leibgedings erhielt er in Köln, wohin er von

Antwerpen gereist war, am 12. November 1520, auf die 200 Gulden mußte

er verzichten. In Antwerpen wie in anderen Städten wurde er von allen

Seiten, namentlich aber von den Malern aufs Höchste geehrt und an

künstlerischen Anregungen fehlte es nicht; er besichtigt überall die

Werke der großen Meister des vorigen Jahrhunderts, mehr noch förderte

ihn der Umgang mit den Lebenden. Dürers Vortrag wird malerisch. Ein

Versuch in dieser Richtung, der noch nicht völlig geglückt ist, ist

das Bildnis Bernhards von Orley in Dresden. Ein zweites zeigt die

volle Meisterschaft. Es ist das als Hans Imhoff bezeichnete Porträt

von 1521 im Museum des Prado zu Madrid (Fig. 4). Das Bild ist in mehr

als einer Hinsicht das Höchste, was Dürer im Porträt erreicht hat. Nie

wieder hat er einen Kopf so eindringlich aufgefaßt und so lebensvoll

wiedergegeben, selbst nicht in den schönen Bildnissen seiner letzten

Jahre. Was aber noch mehr in Verwunderung setzt, das ist die bei allem

Eingehen auß Einzelne freie und breite, im höchsten Sinne malerische

Behandlung. Das konnte 1521 auch kein Niederländer besser machen. Wer

Dürer als Maler würdigen will, muß dieses Bild gesehen und studiert

haben.

Thausing sucht zu beweisen, daß das Bild in Nürnberg und nicht in

den Niederlanden gemalt sei. Es ist das eine Frage, welche nicht mit

völliger Sicherheit gelöst werden kann. Aber Thausings Argumente, es

sei keine Malerei mit geliehenen Farben und fremder Palette, sind

nicht zwingend. Gute Farben und Pinsel gab es auch in den Niederlanden

und der Aufenthalt in Antwerpen war lang genug zur Ausführung eines

sorgfältig gemalten Porträts. Daß Dürer dort Bildnisse gemalt hat,

berichtet er selbst. Für die Ausführung in den Niederlanden spricht

der Stil des Bildes mit ziemlicher Bestimmtheit, der nicht Nachklänge,

sondern unmittelbare Einwirkungen der niederländischen Malerei zeigt.

Auch der Umstand, daß das Bild früh nach Spanien gekommen sein muß (bei

uns erhalten sich Ölgemälde nicht so unversehrt), spricht dafür, daß

es nicht von Nürnberg, sondern von den Niederlanden nach Spanien kam.

Wäre es das Bildnis Hans Imhoffs, so wäre es wohl in dem Inventar der

Imhoffschen Kunstkammer erwähnt, das ist aber nicht der Fall.

Doch die Frage, ob dieses Bild in den Niederlanden oder erst in

Nürnberg gemalt ist, ist nicht von primärer Bedeutung, wichtiger ist

es zu sehen, ob Dürer, ein Fünfzigjähriger, noch dauernden Gewinn für

seine Kunst aus den niederländischen Anregungen gewonnen hat. Und dem

ist so, Dürers Vortrag bleibt von der niederländischen Reise an freier

und einfacher als vorher, die malerische Behandlung schwindet nicht

völlig, wenn sie auch nicht auf der ausnahmsweise erreichten Höhe

bleibt.

Auch in Antwerpen hatte man gesucht, Dürer festzuhalten. Es war ihm

ein Gehalt von dreihundert Philippsgulden nebst einem eigenen Hause

geboten und alle Arbeiten sollten noch besonders bezahlt werden, aber

die Liebe zur Heimat überwog, im Sommer 1521 kam er nach Nürnberg

zurück, um sofort wieder die Kleinheit der dortigen Verhältnisse zu

empfinden. Der Rathaussaal sollte neu gemalt werden. Die Entwürfe

wurden Dürer übertragen, mit der Ausführung aber wurden untergeordnete

Maler betraut, welche nach der Malertaxe arbeiteten. An der nördlichen

Wand des Saales sind drei große Gemälde, die Verleumdung, der

Triumphzug Maximilians und zwischen beiden der Pfeiferstuhl, eine ganz

realistische Scene zwischen zwei Allegorien. Es fehlt diesen Bildern

die für monumentale Gemälde unerläßliche Anpassung an den Raum. Wie

weit dieser Mangel Dürer zur Last fällt, ist kaum mehr zu entscheiden.

Die erste Skizze zur Verleumdung (Federzeichnung von 1522 in der

Albertina) ist eine wohl angeordnete friesartige Komposition, in der

Ausführung sind die Gruppen weiter auseinander gerückt, um den Raum zu

füllen, aber es ist damit nur erreicht, daß er überhaupt nicht gefüllt

ist, das Bild erscheint zusammenhanglos. Auch der Triumphzug ist dem

Raume nur ungenügend angepaßt. Am lustigsten sind noch die Pfeifer

auf ihrem Balkon. Dürer mochte an der ganzen Aufgabe, die er nicht

ausführen sollte, wenig Freude haben.

[Illustration: Fig. 4. Männliches Porträt im Museo del Prado zu Madrid.]

Er hat überhaupt nach der niederländischen Reise nicht mehr viel

gemalt. Was er noch gemalt hat, sind zumeist Porträts. Das bedeutendste

ist das des Hieronymus Holzschuher von 1226 in der Berliner Gallerie;

in der charakteristischen Auffassung steht es dem Bild von 1591 in

Madrid nahezu oder vollkommen gleich, in der technischen Ausführung

kommt es ihm nahe, aber die Behandlung ist doch mehr plastisch

zeichnerisch als spezifisch malerisch. In letzterer Hinsicht steht

vielleicht das Porträt des Ratsherrn Jakob Muffel noch etwas höher.

Neben den Gemälden stehen einige treffliche Porträts in Kupferstich

und Holzschnitt (Fig. 5). Dürer hat nicht die ruhige, fast kühle

Objektivität Holbeins, er bleibt in der Wiedergabe der Formen immer

etwas eckig, aber er erfaßt die gesamte Persönlichkeit weit tiefer als

dieser. Zucker macht hierüber einige feine Bemerkungen.

[Illustration: Fig. 5. Willibald Pirkheimer.

Mitteilungen aus dem Germanischen Nationalmuseum. Jahrgang 1900 · 第 24 / 80 题