VON KARL SIMON.

Hierzu eine Tafel.

Zu den schönsten Erwerbungen, die das germanische Nationalmuseum in den

Jahren 1898 und 1899 gemacht hat, gehören unstreitig die Abgüsse der

Grabdenkmäler Kaiser Friedrichs III. und seiner Gemahlin Eleonore; die

Mittel dazu gewährte der Fonds der Habsburger Stiftung.

Eleonore, eine geborne Prinzessin von Portugal, die 17jährig mit

Friedrich III. im Jahre 1452 zu Rom feierlich vermählt wurde, starb

schon 1467, und bald darauf wurde ihr Grabmal in Angriff genommen.

Es ist eine stark geaderte Platte aus rotem Marmor, die aufrecht

befestigt im Chorschlusse der Stiftskirche zu Wiener-Neustadt steht.

Sie ist einfach profiliert; in einer rechteckig vom oberen Plattenrande

absetzenden Vertiefung befindet sich die nach innen gerichtete

vierseitige Inschrift:

DIVI · FRIDERICI

CAESARIS · AVGVSTI ·

CONTHORALIS · LEONORA

AVGVSTA · REGE · PORTVGALLIAE ·

GENITA · AVGVSTALEM

REGIAM · HAC · VRNA ·

COMMVTAVIT · III · NON ·

SEPTEMBR · 1467

In den Ecken oben sind das Wappen des deutschen Reichs und das von

Portugal angebracht, unten der österreichische Bindenschild und der

steiermärkische Panther. Das lebensgroße Reliefbild der Kaiserin

ist in einer Tiefe von etwa 20 cm aus dem Stein herausgearbeitet,

auch die vorspringenden Teile ragen nicht über den Rand der Platte

hervor. Die Kaiserin steht unter einem reich mit Fransen besetzten

Baldachin, dessen Vorhänge nach rechts und links aufgenommen und

auseinandergeschlagen sind und in langen Falten herabfallen. Zwischen

ihnen wird die Gestalt der Kaiserin voll sichtbar. Die Krone auf dem

Haupte, von dem in langen Wellen das fast bis zur Erde reichende Haar

herabfällt, in der Rechten den Reichsapfel, in der Linken das Szepter,

steht sie in leicht nach rechts ausgebogener Haltung. Die Figur ist

durchaus stehend und lebendig gedacht. Das Kissen, auf dem ihr Haupt

ruht, ist nur der Ausfluß einer bis gegen Ende des Mittelalters

herrschenden Vermischung der Vorstellung des Stehens und Liegens der

Grabfiguren.

Die Gewandung, unter der nur die Spitzen der Schuhe zum Vorschein

kommen, besteht zunächst aus einem ungegürteten langen Kleide, über dem

ein reichverbrämter Mantel liegt, der auf der Brust durch eine Spange

zusammengehalten wird. Vom Haupte fällt unter der Krone hervor ein

langer Schleier herab, der gleichfalls bis zu den Füßen reicht. Unter

dieser Fülle der Gewandung verschwinden die Körperformen von den Hüften

abwärts nahezu vollständig. Die Gewandbehandlung ist ausgezeichnet;

der knitterige Wurf des schweren Stoffes gegen die grossen Falten

des Baldachins in guten Gegensatz gebracht, die Verbrämung und der

mannigfaltige Schmuck sorgfältig wiedergegeben. Auch das Gesicht mit

der rund vorgewölbten Stirn, der schmalrückigen, in der Mitte ein wenig

gebogenen Nase, den feinen, geraden Lippen mit den grübchenartigen

Mundwinkeln ist eingehend und zart, fast jungfräulich charakterisiert.

Die ganze Gestalt eine ansprechende und vornehme Erscheinung.

Weit reicher ist das Grabmal des Kaisers, das im Passionschor des

Stephandomes in Wien steht. Es ist ein Hochgrab (tumba). Wir mußten uns

darauf beschränken, die Grabplatte mit dem Bildnis des Kaisers abformen

zu lassen, weil unsere Räumlichkeiten die Aufstellung des ganzen

Hochgrabes nicht gestatteten, indessen sei des Aufbaues mit einigen

Worten gedacht.

Das Monument ist aus rotbraunem, stark geaderten Salzburger Marmor,

ruht auf einem 2 Fuß hohen Unterbau und wird oberhalb dieses von

einem reich mit Figuren geschmückten Marmorgeländer umschlossen. Auf

einem zierlichen Systeme von Stäben, Leisten und Hohlkehlen, zwischen

welchen phantastische Tiere ein buntes Spiel treiben, erhebt sich die

eigentliche Tumba bis zu einer Höhe von 5′ bei einer Länge von 12′ 3″

und einer Breite von 6′ 4″.

An den Langseiten sind je drei Reliefbilder, an den Schmalseiten je

eins, die fromme Stiftungen des Kaisers vorstellen. Die Pfeiler,

welche die Felder abgrenzen, zeigen Statuetten unter Baldachinen, die

Köpfe der Pfeiler sind mit sitzenden und knieenden Figuren besetzt,

welche um den Verstorbenen klagen und für ihn beten. Der ringsum mit

Wappenschildern geschmückte oberste Teil der Tumba verjüngt sich etwas

und schließt mit einem Gesims ab; über dem dann die Deckplatte liegt.

Dieser ganze Reichtum des Aufbaues dürfte in der deutschen Grabplastik

des XV. Jahrhunderts unerreicht sein. Vorbilder sind vielleicht in

Burgund (Dijon und Brou) zu suchen. Auch die Deckplatte selbst ist

reich ausgestattet. In der Umrahmung steht die Inschrift. Es folgen

weiter an den Langseiten Wappen, die Mitte nimmt die Gestalt des

Kaisers selbst ein.

[Illustration: Taf. I.

Grabplatte Kaiser Friedrich III. im Stephansdome zu Wien.

Mitteilungen aus dem Germanischen Nationalmuseum. Jahrgang 1900 · 第 19 / 80 题