Gefertigt von Nikolaus Lerch um 1490.]

Die nach außen gerichtete Legende läuft an drei Seiten und lautet:

FRIDERICUS ·

TERCIUS · ROMANOR ·

IMPERATOR · SP ·

AUGUSTUS · AUSTRIE ·

STIRIE · KARINTHIE ·

ET · CARNIOLE · DUX · DNS · MARCHIE

SCLAVONICE · AC · PORTUSNAONIS ·

COMES · I · HABSPURG · PHERRET · ET ·

I · KIBURG · MARCHIO · BURGOVIE ·

ET · LANTGRAVI · ALSACIE · OBIT · ANNO ·

MCCCC ·

Die Angabe der Jahreszahl ist unvollständig, die Platte war schon bei

Lebzeiten des Kaisers vollendet und die fehlenden Zahlen wurden später

nicht ergänzt.

Die Wappen sind zur Rechten des Kaisers von oben nach unten das

Deutschordenskreuz, der doppelte Reichsadler, zwischen ihnen das

kaiserliche Monogramm, der österreichische Bindenschild, mit dem

Reichsschwert von einem Löwen gehalten, rechts das Herzogtum Mailand,

der Fünfadlerschild (Österr. unter der Enns), der steierische Panther;

zu den Füßen endlich der Habsburger Löwe.

Der Kaiser steht unter einem gotischen Baldachin, dessen Flächen

figürliche Reliefs schmücken; auf der Vorderseite der heilige

Christophorus mit dem Christuskinde, an den Schrägseiten knieende

Engel. Der Kaiser ist in Lebensgrösse in vollem Ornat dargestellt, auf

dem Kopfe die Krone, in der Rechten den Reichsapfel, in der Linken das

Szepter um das sich ein Spruchband mit den fünf Vokalen schlingt, nach

des Kaisers eigener Deutung angeblich: _Austriae Est Imperare Orbi

Universo_. Über das lange Gewand legt sich der reichgeschmückte Mantel.

Es ist das Bild eines alternden Mannes. Die Stellung ist gebeugt und

etwas geziert wie es das späte XV. Jahrhundert liebte, die Last des

Körpers verteilt sich nicht ungezwungen auf Stand- und Spielbein. Auch

bei dieser Figur ist trotz der stehenden Stellung das Kissen hinter dem

Kopfe beibehalten. Die Gesamtwirkung ist äußerst malerisch.

Das Einzelne ist im höchsten Grad fein und sorgfältig ausgeführt; der

schwere Stoff der Gewandung mit der knitterigen Faltenlage, die doch

das rechte Knie deutlich hervortreten lässt, die Adern an den Händen,

endlich das von wallendem Haar umrahmte Gesicht mit der vorspringenden

Nase, dem zurücktretenden Kinn und dem charakteristischen, von

Schlaffheit zeugenden Falte um Nase und Mund. Das Porträt ist

augenscheinlich treffend und entspricht durchaus dem historisch

bekannten Charakter des Kaisers.

Von sonstigen Porträts kommt ausser den Fresken Pinturicchios in

Siena und den Siegeln besonders eine Medaille von Giovanni de Candida

in Betracht, die von 1469 datiert ist und den Kopf des Kaisers in

Profilstellung zeigt. Abgesehen von dem jugendlicheren Alter des

Dargestellten, finden wir hier schon die erwähnten Eigentümlichkeiten

vorgebildet. Von den übrigen ihn vorstellenden Medaillen ist eine

vielleicht nach unserer Grabplatte gemacht; soweit sich das bei der

Kleinheit des Stückes (17 mm) behaupten läßt. Das Datum der Medaille

(18. Oktober 1513) bezeichnet zugleich den Tag, an dem die Gebeine

des Kaisers von Wiener-Neustadt in das eben besprochene Mausoleum

übertragen wurden. Erst in diesem Jahre nämlich wurde es vollendet.

Damit berühren wir schon die geschichtliche Frage. Über das

Geschichtliche der beiden Grabmäler sind wir ziemlich ausreichend

unterrichtet. Schon 1467, noch im Todesjahre der Kaiserin, berief

Friedrich III. den Steinmetzen Nikolaus Lerch zur Anfertigung ihres

Grabmals. Lerch war schon ein bekannter und geachteter Meister als

ihm diese Aufgabe übertragen wurde. So hatte er im Dom zu Konstanz

das Chorgestühl und die Bildschnitzerarbeit an den Thüren, sowie eine

»Tafel« im Chor angefertigt. Er war Werkmeister des »großen Baus«

in Straßburg gewesen und Bürger dieser Stadt. Als seine Heimat wird

gewöhnlich Leyden angegeben, ob mit Recht, lassen wir dahingestellt;

angesichts der eigenhändigen Inschrift an dem schönen Kruzifixus in

Baden-Baden: Nicolaus von Leyen erscheint es mindestens zweifelhaft.

Sein Aufenthalt in Wien-Neustadt hat naturgemäß länger gewährt; 1472

wird er als Weingutsbesitzer daselbst erwähnt.

Nach der Vollendung des Grabmals der Kaiserin gab ihm Friedrich sein

eigenes in Auftrag. Wahrscheinlich ist aber nur die oben besprochene

Deckplatte das Werk des Meisters Nikolaus. Seine (verloren gegangene)

Grabschrift sagte nur, dass er _Chayser Friedrich Grabstein gehauen_

hat. An einer anderen Stelle heißt es: _hette Maister Niclaus nit

unsern Herrn Römisch Kaiser kunnen howen uff Stein, so hette man kum

ainen stainmetzel funden, der dasselb werk hett kunnen machen._

An beiden Orten ist offenbar nur von der Deckplatte die Rede. Die

letztere Stelle (aus dem Jahre 1490) zeigt uns die hohe Achtung der

Zeitgenossen vor Lerch’s Können, die auch wir ihm nicht versagen

können. Beide Denkmäler gehören ohne Zweifel zu den bedeutendsten

Schöpfungen der derzeitigen Plastik und in ihnen glauben wir noch ein

Fortschreiten des Meisters zu monomentalerer Auffassung wahrzunehmen.

Die Vollendung des Grabmals, für das vielleicht ursprünglich der

mächtige Aufbau nicht geplant war, wurde dem Steinmetzen Michael

Dichter übertragen, der es 1513 fertigstellte.

[Illustration]

Mitteilungen aus dem Germanischen Nationalmuseum. Jahrgang 1900 · 第 20 / 80 题