Die nach außen gerichtete Legende läuft an drei Seiten und lautet:
FRIDERICUS ·
TERCIUS · ROMANOR ·
IMPERATOR · SP ·
AUGUSTUS · AUSTRIE ·
STIRIE · KARINTHIE ·
ET · CARNIOLE · DUX · DNS · MARCHIE
SCLAVONICE · AC · PORTUSNAONIS ·
COMES · I · HABSPURG · PHERRET · ET ·
I · KIBURG · MARCHIO · BURGOVIE ·
ET · LANTGRAVI · ALSACIE · OBIT · ANNO ·
MCCCC ·
Die Angabe der Jahreszahl ist unvollständig, die Platte war schon bei
Lebzeiten des Kaisers vollendet und die fehlenden Zahlen wurden später
nicht ergänzt.
Die Wappen sind zur Rechten des Kaisers von oben nach unten das
Deutschordenskreuz, der doppelte Reichsadler, zwischen ihnen das
kaiserliche Monogramm, der österreichische Bindenschild, mit dem
Reichsschwert von einem Löwen gehalten, rechts das Herzogtum Mailand,
der Fünfadlerschild (Österr. unter der Enns), der steierische Panther;
zu den Füßen endlich der Habsburger Löwe.
Der Kaiser steht unter einem gotischen Baldachin, dessen Flächen
figürliche Reliefs schmücken; auf der Vorderseite der heilige
Christophorus mit dem Christuskinde, an den Schrägseiten knieende
Engel. Der Kaiser ist in Lebensgrösse in vollem Ornat dargestellt, auf
dem Kopfe die Krone, in der Rechten den Reichsapfel, in der Linken das
Szepter um das sich ein Spruchband mit den fünf Vokalen schlingt, nach
des Kaisers eigener Deutung angeblich: _Austriae Est Imperare Orbi
Universo_. Über das lange Gewand legt sich der reichgeschmückte Mantel.
Es ist das Bild eines alternden Mannes. Die Stellung ist gebeugt und
etwas geziert wie es das späte XV. Jahrhundert liebte, die Last des
Körpers verteilt sich nicht ungezwungen auf Stand- und Spielbein. Auch
bei dieser Figur ist trotz der stehenden Stellung das Kissen hinter dem
Kopfe beibehalten. Die Gesamtwirkung ist äußerst malerisch.
Das Einzelne ist im höchsten Grad fein und sorgfältig ausgeführt; der
schwere Stoff der Gewandung mit der knitterigen Faltenlage, die doch
das rechte Knie deutlich hervortreten lässt, die Adern an den Händen,
endlich das von wallendem Haar umrahmte Gesicht mit der vorspringenden
Nase, dem zurücktretenden Kinn und dem charakteristischen, von
Schlaffheit zeugenden Falte um Nase und Mund. Das Porträt ist
augenscheinlich treffend und entspricht durchaus dem historisch
bekannten Charakter des Kaisers.
Von sonstigen Porträts kommt ausser den Fresken Pinturicchios in
Siena und den Siegeln besonders eine Medaille von Giovanni de Candida
in Betracht, die von 1469 datiert ist und den Kopf des Kaisers in
Profilstellung zeigt. Abgesehen von dem jugendlicheren Alter des
Dargestellten, finden wir hier schon die erwähnten Eigentümlichkeiten
vorgebildet. Von den übrigen ihn vorstellenden Medaillen ist eine
vielleicht nach unserer Grabplatte gemacht; soweit sich das bei der
Kleinheit des Stückes (17 mm) behaupten läßt. Das Datum der Medaille
(18. Oktober 1513) bezeichnet zugleich den Tag, an dem die Gebeine
des Kaisers von Wiener-Neustadt in das eben besprochene Mausoleum
übertragen wurden. Erst in diesem Jahre nämlich wurde es vollendet.
Damit berühren wir schon die geschichtliche Frage. Über das
Geschichtliche der beiden Grabmäler sind wir ziemlich ausreichend
unterrichtet. Schon 1467, noch im Todesjahre der Kaiserin, berief
Friedrich III. den Steinmetzen Nikolaus Lerch zur Anfertigung ihres
Grabmals. Lerch war schon ein bekannter und geachteter Meister als
ihm diese Aufgabe übertragen wurde. So hatte er im Dom zu Konstanz
das Chorgestühl und die Bildschnitzerarbeit an den Thüren, sowie eine
»Tafel« im Chor angefertigt. Er war Werkmeister des »großen Baus«
in Straßburg gewesen und Bürger dieser Stadt. Als seine Heimat wird
gewöhnlich Leyden angegeben, ob mit Recht, lassen wir dahingestellt;
angesichts der eigenhändigen Inschrift an dem schönen Kruzifixus in
Baden-Baden: Nicolaus von Leyen erscheint es mindestens zweifelhaft.
Sein Aufenthalt in Wien-Neustadt hat naturgemäß länger gewährt; 1472
wird er als Weingutsbesitzer daselbst erwähnt.
Nach der Vollendung des Grabmals der Kaiserin gab ihm Friedrich sein
eigenes in Auftrag. Wahrscheinlich ist aber nur die oben besprochene
Deckplatte das Werk des Meisters Nikolaus. Seine (verloren gegangene)
Grabschrift sagte nur, dass er _Chayser Friedrich Grabstein gehauen_
hat. An einer anderen Stelle heißt es: _hette Maister Niclaus nit
unsern Herrn Römisch Kaiser kunnen howen uff Stein, so hette man kum
ainen stainmetzel funden, der dasselb werk hett kunnen machen._
An beiden Orten ist offenbar nur von der Deckplatte die Rede. Die
letztere Stelle (aus dem Jahre 1490) zeigt uns die hohe Achtung der
Zeitgenossen vor Lerch’s Können, die auch wir ihm nicht versagen
können. Beide Denkmäler gehören ohne Zweifel zu den bedeutendsten
Schöpfungen der derzeitigen Plastik und in ihnen glauben wir noch ein
Fortschreiten des Meisters zu monomentalerer Auffassung wahrzunehmen.
Die Vollendung des Grabmals, für das vielleicht ursprünglich der
mächtige Aufbau nicht geplant war, wurde dem Steinmetzen Michael
Dichter übertragen, der es 1513 fertigstellte.
[Illustration]