Firmin. Wie? Was? Sie hätten die Kühnheit--

La Roche. Ei was! Ich bin nicht furchtsam.--Ich fürchte Niemand.--

Kurz und gut--Ich--spreche den Minister--ich öffne ihm die Augen.

--Er sieht, wie schändlich er betrogen ist--das ist das Werk einer

halben Stunde--der Selicour muß fort, fort--mit Schimpf und Schande

fort, und ich genieße den vollkommensten Triumph.--Ja, ich stehe

nicht dafür, daß mich der arme Teufel nicht dauert, wenn er so mit

Schande ans dem Hause muß.

Karl. Was Sie thun, lieber La Roche--Mich und meine Liebe lassen

Sie auf jeden Fall aus dem Spiel!--Ich hoffe nichts--ich darf meine

Wünsche nicht so hoch erheben--aber für meinen Vater können Sie nie

zuviel thun.

Firmin. Laß du mich für mich selbst antworten, mein Freund!--Sie

meinen es gut, lieber La Roche, aber der gute Wille geht mit der

Ueberlegung durch. Was für ein luftiges Project ist's, das Sie sich

ausgesonnen haben! Ein leeres Hirngespinnst!--Und wäre der Erfolg

ebenso sicher, als er es nicht ist, so würde ich doch nie meine

Stimme dazu geben. Diese glänzenden Stellen sind nicht für mich, und

ich bin nicht für sie; Neigung und Schicksal haben mir eine

bescheidenere Sphäre angewiesen. Warum soll ich mich verändern, wenn

ich mich wohl befinde? Ich hoffe, der Staat wird mich nicht suchen,

und ich bin zu stolz, um ein Amt zu betteln--noch viel mehr aber, um

einen Andern für mich betteln zu lassen.--Sorgen Sie also nur für

sich selbst! Sie haben Freunde genug; es wird sich jeder gern für

Sie verwenden.

La Roche. Ihr wollt also Beide meine Dienste nicht?--Liegt nichts

dran! Ich mache euer Glück, ihr mögt es wollen oder nicht! (Er geht

ab.)

Firmin. Er ist ein Narr; aber ein guter, und sein Unfall geht mir zu

Herzen.

Karl. Auch mich bedauern Sie, mein Vater! Ich bin unglücklicher,

als er! Ich werde meine Charlotte verlieren!

Firmin. Ich höre kommen--Es ist der Minister mit seiner Mutter--

Laß uns gehen!--Ich will auch den Schein vermeiden, als ob ich mich

ihm in den Weg gestellt hätte. (Gehen ab.)

Dritter Auftritt.

Narbonne. Madame Belmont.

Mad. Belmont. War Herr Selicour schon bei dir?

Narbonne. Ich hab' ihn heute noch nicht gesehen!

Mad. Belmont. Das mußt du doch gestehen, mein Sohn, daß du einen

wahren Schatz in diesem Manne besitzest.

Narbonne. Er scheint sehr brav in seinem Fach. Und da ich mich

einmal von meinem ländlichen Aufenthalt in diese große Stadt und in

einen so schwierigen Posten versetzt sehe, wo es mit der

Bücherweisheit keineswegs gethan ist. So muß ich's für ein großes

Glück achten, daß ich einem Manne, wie Selicour, begegnete.

Mad. Belmont. Der alles versteht--dem nichts fremd ist! Geschmack

und Kenntniß--die geistreichste Unterhaltung, die angenehmsten

Talente.--Musik, Malerei, Verse, man frage, wonach man will, er ist

in allem zu Hause.

Narbonne. Nun, und meine Tochter?

Mad. Belmont. Gut, daß du mich darauf bringst. Sie hat ihre

siebzehn Jahre; sie hat Augen; dieser Selicour hat so viele Vorzüge.

--Und er ist galant! Sein Ausdruck belebt sich in ihrer Gegenwart.--

O es ist mir nicht entgangen! Diese Delikatesse, diese zarten

Aufmerksamkeiten, die er ihr beweist, sind nur einen kleinen Schritt

weit von der Liebe!

Narbonne. Nun, es wäre keine üble Partie für unser Kind! Ich sehe

nicht auf die zufälligen Vorzüge der Geburt; hab' ich nicht selbst

meinen Weg von unten auf gemacht? Und dieser Selicour kann es mit

seinem Geist, seinen Kenntnissen, seiner Rechtschaffenheit noch weit

bringen. Ich habe selbst schon bei einem ehrenvollen Posten, wozu

man einen tüchtigen und würdigen Mann sucht, an ihn gedacht.--Nun!

Ich will seine Fähigkeiten prüfen--zeigt er sich, wie ich nicht

zweifle, eines solchen Postens würdig, und weiß er meiner Tochter zu

gefallen, so werde ich ihn mit Freuden zu meinem Sohn annehmen.

Mad. Belmont. Das ist mein einziger Wunsch! Er ist ein gar zu

artiger, gefälliger, allerliebster Mann!

Vierter Auftritt.

Vorige. Charlotte.

Charlotte. Guten Morgen, lieber Vater!

Narbonne. Sieh da, mein Mädchen!--Nun, wie gefällt dir die große

Stadt?

Charlotte. Ach, ich wünsche mich doch wieder aufs Land hinaus--denn

hier muß ich die Zeit abpassen, um meinen Vater zu sehen.

Narbonne. Ja, ich selbst vermisse meine redlichen Landleute. Mit

ihnen scherzte ich und war fröhlich--doch das hoffe ich auch hier zu

bleiben.--Mein Posten soll meine Gemüthsart nicht verändern; man

kann ein Geschäftsmann sein, und doch seine gute Laune behalten.

Mad. Belmont. Mich entzückt dieser Aufenthalt. Ich--ich bin hier

wie im Himmel. Mit aller Welt schon bin ich bekannt--alles kommt

mir entgegen--und Herr Selicour wollte mich bei dem Lycée abonnieren.

Charlotte. Denken Sie, Großmama, wen ich heute geglaubt habe zu

sehen!--

Mad. Belmont. Wen denn?

Der Parasit, oder, die Kunst sein Glück zu machen Ein Lustspiel nach dem Franzoesischen [des Picard] · 第 7 / 64 题