Dresden, Kupferstich-Kabinett.]

Genau so gering ist die Originalität des Francesco di Simone, dessen

Spuren wir so oft im Werke des Verrocchio getroffen haben. Um ein

geringes an Jahren jünger als Verrocchio hat Francesco nicht seine

Lehrzeit in der Werkstatt Andreas durchgemacht. Sein Hauptwerk, das

Marmorgrab des Rechtsgelehrten Tartagni in San Domenico zu Bologna

(1477; Abb. 44), ist im Aufbau und in der Ornamentik von Desiderio

abhängig, im Figürlichen und in der Faltengebung zeigt es das Vorbild

des Verrocchio bis zur Unselbständigkeit und mit fast allen Fehlern,

denen der übereifrige Nachahmer nie entgeht. Die Arbeit ist sauber und

gewissenhaft bis zur Kleinlichkeit. Von Erfindung kann kaum gesprochen

werden, und die ornamentale Überladenheit bekundet keinen feineren

Geschmack. Dieselben Mängel beeinträchtigen auch die übrigen Arbeiten

des Bildhauers, dessen Verbindung mit Verrocchio persönlich und

künstlerisch lockerer gewesen ist als das Verhältnis zu Credi.

[Illustration: Abb. 77. Lorenzo di Credi. +Madonna mit zwei Heiligen.+

Neapel, Museum.

(Nach einer Originalphotographie von Gebrüder Alinari in Florenz.)]

Die Arbeiten in gebranntem Thon, die von der Hand des Agnolo di

Polo überall in Florenz zu sehen waren, können wir, vielleicht der

Unbeständigkeit ihres Materials wegen, nicht mehr nachweisen. Einigen

Ersatz indessen, um Verrocchios Nachwirkung auf diesem für Florenz ganz

eigentümlichen Gebiet plastischer Kunst zu beobachten, bietet eine

bestimmte Gruppe von Robbia-Arbeiten. Madonnen in bauschigem Gewand

und Mantel, das Christkind auf einem Kissen neben sich, umflogen von

den Engeln des Forteguerri-Grabes, Wiederholungen ganzer Kompositionen

Verrocchios, der Taufe Christi, der Enthauptung des Johannes, des

Thomas-Wunders, Putten, die denen des Verrocchio blutsverwandt sind,

werden in dieser Kategorie angetroffen. Kunstgeschichtlich führen sie

in das Atelier des letzten der drei Robbia-Meister, Giovannis, und

sprechen eher für die Beliebtheit der benutzten Originale als daß sie

die Erfindungsarmut des Nachahmers bloßstellten. Mit diesen Arbeiten

aus zweiter und dritter Hand ist Verrocchios Kunst volkstümlich

geworden. Man begegnet ihnen in der Provinz häufiger als in Florenz

selbst. Es ist, als hätte die „blühende Stadt“ von ihrem Überflusse

hergegeben, damit auch die bescheidenste Dorfkirche zwischen den

Weingärten der Arnoebene, das entlegenste Kloster auf dem Kamm des

Gebirges Teil habe an dem herrlichen Wachstum in ihren Mauern.

Immer wieder indessen stößt man auf Maler, wenn man Verrocchios

Wirken als Lehrer in vollem Maße übersehen will. In Botticellis

Jugendentwickelung ist er der entscheidende Faktor, und Ghirlandaio

gerät gleich bei seinen ersten Schritten unter die Herrschaft

Verrocchiesker Formengebung und Kompositionen. Das beweist, wie bekannt

und geschätzt die Malerwerkstatt unseres Meisters gewesen sein muß,

jene Werkstatt, in der das technische Experiment, das Grundieren und

Anreiben der Farben, deren Mischung und Leuchtkraft, kurz alles zum

Handwerk Gehörige mit so wissenschaftlicher Gründlichkeit betrieben

wurde, daß augenscheinlich die Produktion des Meisters selbst darüber

zu kurz kam.

Nicht allein die einheimischen, auch die durchwandernden Künstler

hat diese Pflanzstätte eingehender technischer Studien festgehalten.

Namentlich für die angrenzenden umbrischen Meister bildete Florenz

die Hochschule künstlerischen Schaffens, an der niemand vorübergehen

sollte. Die von jeher bestehenden Beziehungen zwischen Perugia und

Florenz hatten sich im Quattrocento besonders eng geknüpft. So war

denn auch dem jungen Perugino von seinem ersten Meister in der Kunst

immer eingeschärft worden: nirgendwo als in Florenz lebten so viele

ausgezeichnete Meister, vornehmlich so viel tüchtige Maler. Der das

sagte, Fiorenzo di Lorenzo, hatte, nach seinen Werken zu urteilen,

den Segen der florentiner Schule, im besonderen die Anregung von

Verrocchio her, an sich selbst erfahren. Perugino folgte seinem Rate,

und was er unter Verrocchio gelernt, bildet den eisernen Bestand seines

Könnens, setzte sich so in ihm fest, daß es auch über den traurigen

Schleuderarbeiten seiner späteren Periode nicht verloren gegangen

ist. Peruginos Madonnen mit den züchtig niedergeschlagenen Augen, die

typische Fußstellung seiner Heiligen, die gespreizten Handbewegungen,

die Anordnung des Mantels über dem Gewande, seine nackten Kinder mit

den „wie auf der Drehbank gedrechselten“ Gliedmaßen -- all das geht

ebenso auf Verrocchio zurück, wie sein mit den Jahren immer leereres

Pathos zur Karikatur eines meisterlichen Vorzuges herabsinkt.

[Illustration: Abb. 78. +Die büßende Magdalena.+

Thonstatuette, alt bemalt und vergoldet.

Verrocchio · 第 67 / 68 题