[Illustration: Abb. 73. +Weiblicher Kopf.+ Kreidezeichnung. London,
British Museum.]
Auf den Verfertiger dieser höchst fragwürdigen Leistungen führt
sicherer noch als die stilkritische Analyse Inhalt und Buchstabenform
der handschriftlichen Aufzeichnungen. Wir finden da (auf dem
Hamburger Blatte) die Notiz von zwei Putten wie „jener des Andrea
del Verrocchio“, was doch keinesfalls Andrea selbst so verzeichnet
haben wird. Die Handschrift selbst weist schlagende Ähnlichkeit mit
der (bei Pini faksimilierten) des Francesco di Simone auf. Seine
engen Beziehungen zu Verrocchio haben wir schon berührt; wir wissen
ferner, daß er in Venedig gearbeitet hat und zwar eine Kapelle in
S. Giobbe, und endlich enthält das Skizzenbuch das genaue Studium des
segnenden Christuskindes, das Francesco am Tabernakel der Chiesa di
Monteluce bei Perugia (s. S. 47) ausgeführt hat. Nun erklären sich auch
die Kopien und die Unselbständigkeiten, die einem Meister wie Andrea
nicht zugemutet werden dürfen. Was man gegen Francescos Autorschaft
angeführt hat, daß nämlich in den Randnotizen ein Sohn gleichen Namens
erwähnt wird, während die Söhne andere Namen führten, beruht höchst
wahrscheinlich auf einem Lesefehler. So ist denn alles beisammen,
um, wie Morelli zuerst gethan, in dem Skizzenbuch die Arbeit „eines
schwachen Schülers“ nachzuweisen, der eben jener Francesco di Simone
ist. Mit der Preisgabe dieser Blätter werden die Zeichnungen des
Verrocchio auf jene drei oder vier beschränkt, deren Qualität dem Ruhme
des Meisters mehr zu statten kommt, als es die Quantität der anderen
jemals vermocht hätte.
[Illustration: Abb. 74. +Kinderstudien.+ Federzeichnung. Paris, Louvre.
(Nach einer Photographie, die Mr. Jean Guiffrey in Paris freundlichst
zur Verfügung stellte.)]