Venedig. Vor der Kirche San Giovanni e Paolo.]

An keiner Stelle weicht die Ausführung entscheidender von dem

Thonentwurf ab als am Unterbau des Sarkophages. Mit einer

Gedankenlosigkeit, die fast Bedenken gegen die Authentizität der Skizze

erregt, stützt den schwer mit der knieenden Figur belasteten Sarkophag

ein geflügelter Kranz, wie ihn sehr ähnlich Donatello auf dem Sockel

seiner Verkündigungsgruppe angebracht hat. Im Monument selbst ruht

der (nicht zugehörige) Sarkophag auf einem Postament, das sitzende

Engelputten mit der Inschrifttafel im Relief zeigt. Auch diese Putten,

die Donatello zuerst als Inschriftenträger verwandt hat, sind besonders

im Schülerkreise des Verrocchio beliebt. Es lassen sich dabei zwei

Typen von sitzenden und laufenden feststellen, von denen der eine mit

rückflatternden Gewändern und den sauberen Lockenköpfen auf Credi, der

andere mit dem strähnigen Haar und den glatt anliegenden Hemdchen auf

Francesco di Simone zurückgeht. Eine besonders gute Repräsentation des

ersten Typus in seinem unmittelbaren Anschluß an die Sockelplatte des

Forteguerrigrabes besitzt das Berliner Museum (Abb. 35).

Ebendort finden wir auch ein Thonrelief mit der Grablegung, das über

die Form des beabsichtigten Sarkophages wohl Aufschluß geben kann.

Meines Erachtens ist diese mit grenzenloser Sorgfalt durchgebildete

„Skizze“ der weitaus schönste aller von Verrocchio erhaltenen Entwürfe

und mahnt in seiner Vollendung zu gesteigerter Aufmerksamkeit

ähnlichen, sorgloseren Arbeiten gegenüber (Abb. 37). In dem knieenden

Nikodemus, der rechts den Leichnam des Herrn stützt, muß ohne

Widerspruch ein Porträt erkannt werden, so individuell sind die milden

Augen, die scharf gebogene Nase, der energische Mund. Lorenzettis

nach 1513 erst ausgeführte Porträtstatue Forteguerris zeigt im

Profil sehr verwandte, wenngleich flauere Züge, desgleichen Minos in

Rom befindliche liegende Statue, nur fehlen bei beiden die Locken.

Trotzdem ist der Schluß wohl statthaft, in dem Nikodemus des Reliefs

den Kardinal selbst zu erkennen. Und wenn wir nun dieses Relief in die

Mitte der Vorderwand des Sarkophages setzen, beiderseits umgeben von

dem Familien- und dem Kardinalswappen, kann eine sinnigere Andeutung

der hochherzigen Mildthätigkeit, die den Verstorbenen auszeichnete,

erdacht werden? Und ist es nicht ein tiefer und poetischer Gedanke,

das Göttliche in seiner tiefsten Erniedrigung und seiner herrlichsten

Erhöhung mit dem Verstorbenen in gleich innige Beziehung zu bringen?

Und endlich, wo wäre für das Totenbett eines hohen Dieners der Kirche

eine würdigere Darstellung als die Grablegung dessen, der sein Vorbild

im Leben wie im Sterben war? Demnach hätten wir uns die ursprüngliche

Form des Sarkophages analog dem Michelozzos am Brancaccigrabe in Neapel

vorzustellen.

Im Zusammenhang mit dem Forteguerrimonument sei noch auf das

Tabernakel des Francesco di Simone in der Chiesa di Monteluce bei

Perugia hingewiesen (Abb. 36). In farbig bemaltem Marmor ausgeführt,

erstrebt die Arbeit die Wirkung der beliebten Robbiawerke. In den

Einzelheiten zeigt sie zumeist nur die Unfähigkeit des Schülers, aus

der leeren Nachahmung zur Nacheiferung fortzustreben, zugleich in dem

segnenden Christkinde und den dekorativen Einzelheiten eine Anlehnung

an Desiderios Manier, dessen schon öfters angedeutete Beziehungen zu

Verrocchio und seiner Werkstatt vielleicht geeignet sind, die Frage

nach dem Lehrer des Verrocchio einer überraschenden Lösung zuzuführen.

Verrocchio · 第 56 / 68 题