Kein Wunder, daß Lorenzo die feinsten und reichsten Geister ebenso
um sich zu scharen wußte, wie Giuliano die Blüte der vornehmen Welt.
Die Festlichkeiten, mit denen sie nicht kargten, die Turniere, die
sie zu Ehren ihrer Herzensdamen ritten, wurden von Dichtern wie
Luca Pulci und Angelo Poliziano besungen. Die platonische Akademie,
mit Marsilio Ficino an der Spitze, versammelte sich gern in einer
der Villen des Lorenzo. Lorenzo selbst war der Dichtkunst zugethan,
und einer seiner schwermütig-einschmeichelnden Verse, darin er die
flüchtige Schönheit der Jugend bei der Ungewißheit des Morgen zum
frohen Genießen der Stunde mahnt, wird stets citiert, wenn die Sprache
auf das Ende der Frührenaissance kommt. War Lorenzo von denen, die ihn
begriffen, verehrt, von denen, über die er hinwegsah, gefürchtet, so
war Giuliano der erklärte Liebling aller. Ohne Zweifel ist er damals
der volkstümlichste Mann in Florenz gewesen. Daher flammte die Empörung
auch um so heller auf, als bei dem Mordanschlag der Pazzi Giuliano, die
Blume der Ritterschaft, sein Leben unter den Dolchen der Verschwörer
lassen mußte. Wie Cäsar lag er, kaum fünfundzwanzigjährig, aufgebahrt
in San Lorenzo mit den allen sichtbaren einundzwanzig Todeswunden. Die
gesamte Jugend der Stadt legte Trauerkleider an.
[Illustration: Abb. 35. Werkstatt des Verrocchio. +Sitzende Engel mit
dem Namenszuge Christi.+