Ehemals bei Mr. Rattier in Paris.]

Die Wiedergabe der Blumen, der Früchte, der Blätter ist so individuell,

daß man an der Möglichkeit eines derart eingehenden Naturstudiums

zweifeln und dem Gedanken Raum geben möchte, Verrocchio habe hier

direkt über der Natur geformt. Soll er doch im Abformen einzelner

Teile des menschlichen und tierischen Körpers eine besondere

Geschicklichkeit besessen haben. Mit symbolischem Hinweis auf die

Medici tritt im Ornament der berühmte, spitz geschliffene Diamant, das

Familienkleinod, auf. Er krönt die Spitze des Sarkophages; in einen

Ring gefaßt, ist er anmutig durch den Blätterstab in der Bogenlaibung

geschlungen, auch aus der abschließenden Rosette springt er hervor.

Wenn das geflochtene bronzene Strickwerk namentlich auf dem Deckel des

Sarkophages als naturalistische Unmöglichkeit getadelt worden ist, so

übersah man die künstlerische Notwendigkeit, ein Motiv, das den ganzen

Hintergrund beherrscht, bereits im Hauptstück der Komposition andeutend

vorwegzunehmen (Abb. 10).

Über welchen Reichtum die Phantasie Verrocchios gebot, kann man an dem

Dekor der beiden Vasen in der marmornen Bogenlaibung erkennen, aus

denen Festons mit abwechselnder Wiederholung eines schön entfalteten

palmenartigen Gebindes und eines krausblätterigen Lorbeerbüschels

emporsteigen. Die Vase rechts ist mit einem Puttentanze verziert, bei

dem namentlich die Bewegung des vom Rücken gesehenen, um die Ecke

fliegenden Engelknaben wahr und anmutig gegeben ist. Die Vase links ist

reicher mit Ornament bedacht, ihr figürlicher Schmuck beschränkt sich

auf Engelköpfe, zwischen denen Guirlanden hängen. Dadurch, daß beide

Vasen über Eck gestellt sind, vertiefen sie die ziemlich flache Kehlung

des Bogens und helfen die Raumillusion verstärken.

Wie beim Grabstein des alten Cosimo, fehlt auch an diesem Denkmal jeder

Hinweis auf die christliche Weltanschauung: gewiß ein bedeutungsvolles

Kennzeichen für die Zeit.

Mit Ausnahme des später in die Bogenöffnung eingefügten

Bretterverschlages, der das großmaschige Strickgeflecht, das einen

Ausblick in die anstoßende Sakramentskapelle gewähren sollte, um alle

Wirkung bringt und den rückseitigen Anblick des Sarkophages wehrt, ist

das Werk von jeder Entstellung frei geblieben.

Die Stifter ahnten kaum, daß sie sich zugleich ihr eigenes Grabmal

bauten. Sowohl Giuliano als Lorenzo haben neben dem Vater und dem Oheim

in derselben geräumigen Porphyrlade ihre Ruhestatt gefunden bis 1559,

als der Großherzog Cosimo I. ihre Leichen in die neue Sakristei

hinüberschaffen ließ, wo man kürzlich ihre Särge unter der Madonna des

Michelangelo gefunden hat.

So völlig neu diese Lösung des Nischengrabes erklärt werden muß, so

wenig hat sie Schule gemacht. Nur einmal noch, am Grabmal des Neri

di Gino Capponi in Sto. Spirito, tritt das Motiv der vergitterten

Bogennische auf. Sicher in deutlicher Anlehnung an Verrocchios

Vorbild; denn wenn der dort Beigesetzte auch schon 1457 gestorben und

der Sarkophag, in den Formen der Donatelloschule, zeitlich älter als

Verrocchios Monument ist, so kann das Gitterwerk doch erst nach der

Überführung des Grabmals aus der alten Kirche in den Neubau angebracht

worden sein, also nicht vor 1481, dem Jahre, als in der neuen Kirche

die erste Messe gelesen wurde. --

[Illustration: Abb. 22. +Der heilige Hieronymus.+ Statuette. Gebrannter

Thon.

Verrocchio · 第 38 / 68 题