[Illustration: Abb. 23. +Maria mit dem Kinde.+ Gebrannter Thon.
Florenz, Uffizien.
(Ehemals in S. Maria Nuova.)
(Nach einer Originalphotographie von Gebrüder Alinari in Florenz.)]
Nicht leicht findet man von dem Medicigrabe rückschauend den Weg, der
künstlerisch zu dem wenige Schritte davon, aber versteckt in einem
Seitenraum aufgestellten Lavabo führt (Abb. 11). Die über das Werk
erhaltenen litterarischen Zeugnisse verwirren eher die Frage nach dem
Autor, als daß sie sie klärten. Die älteste Quelle schreibt das Lavabo
Rossellino zu, Vasari bezeichnet es als gemeinschaftliches Werk von
Donatello und Verrocchio. Für die Entstehungszeit erhalten wir durch
den in der Lünette angebrachten Edelfalken mit dem Diamantringe und
dem Spruchband, der persönlichen Impresa Pieros des Gichtbrüchigen,
einen genauen Anhalt; es muß zu dessen Lebzeiten und in seinem Auftrage
ausgeführt sein, also nicht später als 1469.
[Illustration: Abb. 24. +Maria mit dem Kinde.+ Marmor. Florenz,
Museo Nazionale.]
Die schon an das Barock streifende Kühnheit des Aufbaues, der
eminent malerische Wurf der Komposition, der interessante Wechsel
stolz geschweifter Rundungen, stärksten Reliefs und zartester
Flächendekoration sprechen von einem Baumeister und Dekorator ersten
Ranges, der an augenblicklicher, starker Wirkung dem Bildner des
Medicigrabes sogar überlegen scheint. Aber nicht nur in den einzelnen
Formen, dem Löwenkopf, den geflügelten weiblichen Drachen, die das
Becken tragen, dem Zahnschnitt, der am Deckel der Porphyrlade genau
so gebildet ist, verrät sich hier wie dort der gleiche Künstler,
auch in der Polychromie des Lavabo erkennen wir ein wesentliches
Dekorationsprinzip Verrocchios wieder. Die Ausführung aber ist in
beiden Werken verschieden. Im Lavabo, das zudem noch teilweise
beschädigt ist, hat eine flüchtigere Hand, allerdings mit meisterlich
sicherem Verständnis der Formen, den Meißel geführt. Nicht überall die
gleiche, denn es macht sich eine Divergenz zwischen der pedantischen
Ausführung der Wandfüllung und dem lebhaften, ja stürmischen Schwung
der freistehenden Teile geltend. Und vielleicht ist der Streit der
Quellen mit dem, was das Kunstwerk über sich selbst aussagt, am besten
dahin zu schlichten, daß Rossellino und Verrocchio an dem effektvollen
Brunnen gemeinsam beteiligt gewesen sind, wobei dem einen die Wand, dem
anderen das Becken und die Vase zufielen.
Wie dem auch sei, das Lavabo zählt unter die geist- und
phantasievollsten Dekorationsstücke, die das florentiner Quattrocento
überhaupt aufzuweisen hat. Alle späteren Leistungen erscheinen dürftig
und nüchtern gegen den Reichtum und den Schwung, der diese Formen zu
einem Ganzen gefügt hat.
[Illustration: Abb. 25. Art des Verrocchio. +Maria mit dem Kinde.+
Glasierter Thon.