Gebrannter Thon. London, South Kensington Museum.]

Das Postament, das sich noch an der ehemaligen Stelle erhalten

hat, lehrt wichtige Thatsachen (Abb. 7). Der viereckige Sockel aus

graugrünem florentiner Sandstein trägt eine leicht sich verjüngende

rote Porphyrsäule. Die Figur stand also in einer Höhe von etwa

150 ~cm~. Ferner wird durch diese Basis abermals erwiesen, was

kompositionell schon eine Notwendigkeit ist, daß nämlich der Kopf

des getöteten Riesen zwischen den Füßen des Knaben, und nicht, wie

früher angenommen wurde, seitwärts unter dem gezückten Schwerte lag.

Endlich sehen wir aus dieser Aufstellung wieder Verrocchios Vorliebe

für farbige Effekte: die dunkel patinierte, mit vergoldeten Ornamenten

schillernde und funkelnde Bronze über dem roten Stein des Postamentes.

Daß wir eine Jugendarbeit vor uns haben, lehren nicht nur einige

Mängel, auf die hingewiesen wurde, lehrt am deutlichsten die Frische

der Auffassung, die Sorgfalt in der Durcharbeitung und der sprudelnde

Reichtum in den Einzelheiten. Man beachte z. B. das sorgfältig, wenn

auch unverstanden, arabischen Lettern nachgebildete Ornament am Saum

des Kollers. Für den Anmut und den Liebreiz weist die Figur zurück auf

Ghibertische Gestalten, etwa auf den lockigen Esau, der Rückenfigur

mit den beiden Hunden, in einem der Reliefs der Paradiesesthür. Die

ausgezeichneten anatomischen Kenntnisse, die präzise knappe Art

der Formengebung deuten auf Beziehungen zu Antonio del Pollajuolo.

Pollajuolo, wenige Jahre jünger als Verrocchio, genoß ja den Ruhm,

der beste Kenner des Nackten zu sein, und seine Zeichnungen werden

zweifelsohne auf Verrocchios Formanschauung bildend gewirkt haben.

[Illustration: Abb. 19. +Weibliche Porträtbüste.+ Marmor. Florenz,

Museo Nazionale.

(Nach einer Originalphotographie von Gebr. Alinari in Florenz.)]

Gleichviel indessen, an welchen Vorbildern diese junge Kraft gereift

ist, selbstherrlich und voll starker Eigenart tritt sie mit ihrem

ersten großen Werke hervor. Auch als technische Leistung kann kaum

Vollendeteres gefunden werden als dieser reine, lückenlos aus der Form

geflossene, liebevoll durchziselierte Bronzeguß.

Das Motiv, so glücklich erfunden es ist, so zwanglos natürlich es

erscheint, hat auffallend wenig Nachahmung gefunden. Eine in den

übertrieben gestreckten Verhältnissen und dem blöden Ausdruck wenig

anziehende Thonstatuette des Berliner Museums kann nur als Nachahmung,

nicht als Aktstudium zu dem Original Verrocchios betrachtet werden.

Zwei Terracottastatuetten im South Kensington Museum zu London (Nr.

7602 und 7402), die augenscheinlich in Florenz um 1490 entstanden sind,

eine der Robbia-Werkstatt angehörige im Berliner Museum (Nr. 125) und

ähnliche Figürchen an anderen Orten zeigen eine interessante Kreuzung

donatellesker und verrocchiesker Motive.

„Bräunlicht und schön“, wie Verrocchio ihn gestaltet, ist der David

keinem späteren Meister mehr gelungen. Michelangelo hat aus dem

Hirtenknaben den Giganten gemacht, der, auf tapferer Wacht den Feind

im Auge, ein Selbstbekenntnis des bedrohten Republikaners erscheint.

Vielleicht ist das Lächeln des Verrocchioschen Knaben nicht minder ein

Selbstbekenntnis des jungen Meisters, dem der erste Wurf gelungen, dies

unschuldig-übermütige Lächeln, mit dem auch jung Roland einst vor Herrn

Milons alternde Kraft trat:

Um Gott, Herr Vater, zürnt mir nicht,

Daß ich erschlug den groben Wicht,

Derweil Ihr eben schliefet.

Verrocchio · 第 36 / 68 题