Boston (Ver. Staaten), Sammlung des Mr. Quincy Shaw.]

Aber nicht nur die Beseelung des Ausdrucks durch eine der Malerei

nachempfundene, mit Licht und Reflexen wirkende Behandlung ist neu

und eigenartig; auch die räumliche Auffassung der Figur bedeutet

einen gewaltigen Fortschritt über das bisher Geleistete hinaus.

Ein klares, der künstlerischen Idee entsprechendes Raumbild wird

nur gewonnen, wenn man die reine Frontansicht wählt (Abb. 6). Das

Motiv der erhobenen, keck hervorgedrehten linken Schulter mit dem

eingestützten Arm spricht sich dann mit eindringlicher Deutlichkeit

aus. Die feinen Überschneidungen und Verkürzungen, namentlich auf der

rechten Seite, machen sich geltend; das Gegenspiel in der Haltung der

beiden Körperseiten fängt an zu wirken. Man bewundert das sichere

Gefühl, das die Kardinalpunkte des Standes und der Bewegung klar

hervorhebt, z. B. durch die ehemals vergoldeten Ornamente am Hals-

und am Achselausschnitt des Kollers und durch das Gurtband. Der eckig

aus dem reich bewegten Umriß herausspringende linke Arm findet durch

das gesenkte Schwert in der Rechten sein Gegengewicht. Immer neue

Feinheiten, die dem Talent wie der Einsicht des Meisters gleiche Ehre

machen, offenbaren sich. Durch das Hervordrehen der linken Schulter

bewegt sich die Figur freier und ungebundener im Raum. Sie hat eine

reiche Profilansicht mit schön bewegter Rückenlinie, sie ist wirklich

frei plastisch gedacht, nicht als Nischenfigur, wie noch Donatellos

David. Sie strebt von jedem Hintergrunde fort und verlangt durchaus

freien Raum um sich. Daher war sie auch vor dem Pfeiler neben der

Catena nicht günstig aufgestellt. Verrocchio hatte die Figur gewiß

für das Innere des Hofes im Palazzo Medici der Via larga oder für den

Garten einer der mediceischen Villen bestimmt.

[Illustration: Abb. 18. Werkstatt des Verrocchio. +Porträtbüste eines

Jünglings.+

Verrocchio · 第 35 / 68 题