Paris, Sammlung des Herrn Gustave Dreyfuß.]

Die Figur, obwohl zum größten Teil bekleidet, ist ganz als Akt gedacht

und empfunden. Die Muskulatur und der Knochenbau zeichnen sich aufs

strengste durch das Leder des Kollers. Alles ist gestreckt, schlank,

zierlich, geschmeidig, vor allem Hände und Füße mit den starkknochigen

Gliedmaßen, den abgespreizten und gebogenen Fingern, der vorspringenden

zweiten Zehe und dem langen vordersten Daumenglied. Mit starken, ja

störenden Accenten sind die Eigenheiten der Natur im Stadium der

Entwickelung betont. Übertrieben wirkt das Sehnige der Arme mit Angabe

der Adern, die von der Anspannung der Kräfte noch geschwollen sind,

übertrieben die eckig heraustretenden Ellenbogen, namentlich am linken

Arme. Hier sehen wir einen durchaus jugendlichen Künstler, in dem die

Ehrfurcht vor der Natur noch über das Schönheitsbedürfnis den Sieg

davonträgt.

In dem ein wenig nach vorn geneigten Kopf, der mit seiner Lockenfülle

sich über dem schmalen, sehnigen Hals und über dem schlanken, fast

mageren Körper wie eine schönblättrige Blüte entfaltet, ist der

Zwiespalt zwischen künstlerischer Idee und Modell geschlichtet (Abb.

5). Auch hier ist alles zart und fein, die Knochen schmalgratig, der

Umriß fest und bestimmt, das Relief flach. Die das Gesicht umringelnden

Locken, mit höchster Kunst in Gruppen geteilt, breit und üppig im

Nacken aufliegend, zeigen den Geschmack und die sauber detaillierende

Hand des Goldschmiedes. Den empfindungsvollen Künstler aber verrät wie

nichts sonst in dieser Figur ein zauberisches Lächeln, das die feinen

Formen überschimmert und mit den Glanzlichtern und den Reflexen des

Metalles um die Wette leuchtet. Es nistet in den scharf zurückgezogenen

Mundwinkeln, gleicht die Härten aus und verliert sich in dem leicht

verschwimmenden Blick, der in eine beglückte Ferne hinausträumt.

Dies Lächeln hat vor Verrocchio niemand zu bilden gewagt, und daß

es ein lebendiges, hin und her huschendes, kein erstarrtes geworden

ist, zeugt von der hohen Meisterschaft des jungen Künstlers. Dies

Lächeln hat Lionardo geerbt und es zu jener ~dolcezza~ verklärt, die

unwiderstehlich wirkt.

[Illustration: Abb. 17. +Büste des Lorenzo de’ Medici.+ Gebrannter

Thon.

Verrocchio · 第 34 / 68 题