Florenz, Uffizien.]

Betrachten wir nun die kleine Anzahl sicherer Werke seiner

kunstreichen, bedächtigen und empfindungsvollen Hand, so haben wir fast

ausschließlich Arbeiten der Bildhauerkunst vor uns. Und indem wir uns

mit der Form und dem Gehalt dieser Werke vertraut machen, werden wir

so klare Vorstellungen von der Eigenart ihres Meisters erhalten, daß

wir auch auf dem Gebiete der anderen, nachweislich von ihm gepflegten

Künste sein Eigentum zu erkennen hoffen. Aus dem denkenden, durchaus

theoretisch begründeten Manne wird bei solcher Betrachtung der

Künstler allmählich erwachsen, der, durch die Kraft seines Talentes

hinausgehoben über die Grenzen des Jahrhunderts, den Weg bereitet und

die Steige richtig gemacht hat für die Größeren, die nach ihm kamen.

Im Quattrocento war, außer Donatello und Quercia, keiner so wenig

Quattrocentist wie Verrocchio. Im Vergleich zu jenen fehlt seiner

Kunst das Zeitlose, das Ewige. Aber mit Erfolg hat er die Tradition

überwunden, nichts Konventionelles haftet ihm an. Jede Aufgabe, die ihm

gestellt ward, hat er frei aus seiner künstlerischen Empfindung heraus,

ohne nach einem Vorbild zu schielen, gelöst. Alles drängt bei ihm

schon aufs Cinquecento. Wie er aber das neue Jahrhundert mit eigenen

Augen nicht hat schauen dürfen, so steht er auch mit seiner Kunst an

der Schwelle, im Vorhof. Er weist hinüber mit einer Gebärde, wie in

den Bildern der Zeit Johannes, der Vorläufer Christi, auf den Heiland

deutet. Und der Stärkere, der nach ihm kam, in dessen Weltruhm der

bescheidnere Verrocchios aufgegangen ist, war der eigene Schüler und

Gehilfe Leonardo da Vinci.

Verrocchio · 第 26 / 68 题