_Wolkenfrau_
(ängstlich)
Nicht zu nahe setzen,
Und mir nicht wieder das Kleid zerfetzen,
Wie neulich, das war sehr ungezogen!
_Sturmriese_
Hu -- hu -- das war nur ein harmloses Spielen!
_Wolkenfrau_
Ich liebe es nicht, das Kleiderzerwühlen!
_Nachtfee_
Es wird kühl, die Eisgeschwister kommen an,
Draußen trommelt der Hagelmann.
(Man hört ferne Trommelwirbel, die sich schnell nähern. Der Hagelhans
kommt herein, ein großer Mann, mit glattem, blau geschminktem Gesicht,
in enganliegender Uniform von silbergrauer Farbe mit blauer Stickerei.
Silbergraue Gamaschen und blaue Bärenmütze. An den Stiefeln trägt er
große Radsporen und eine große, silberne Trommel am Gürtel, auf der er
Wirbel schlägt.)
_Hagelhans_
(schlägt die Hacken zusammen)
Klirrrrr -- der Hagelhans ist zur Stelle;
Hat viel zu tun in der Mittagshelle;
Muß in den heißen Frühlingstagen
Die Ehre des Winters zu Ansehn tragen;
Tut's gern, ist ihm eine dienstliche Pflicht,
Kennt Mitleid mit Blumen und Saaten nicht,
Zerschmettert all' den albernen Kram,
Wo er ihm in die Marschroute kam;
Schießt mit tausend Flinten zu gleicher Zeit, (schlägt einen Wirbel.)
Trifft sicher, ist gegen alles gefeit;
Kennt kein sanft säuselndes Betragen,
Hat immer alles kurz und klein geschlagen;
Ist gründlich in seinem Dienstrevier,
Nachts hat er Urlaub -- jetzt ist er hier!
(grüßt militärisch.)
_Nachtfee_
Es freut mich der Besuch des gestrengen Herrn.
Ich habe zwar seine Arbeit nicht gern;
Doch ist sie wohl zu manchem gut,
Vornehmlich gegen den Übermut.
Bitte, nehmen Sie Platz, dort ist Ihr Sitz,
Neben dem Donnermann und der Base Blitz.
Ich glaube, zu unserer großen Freude
Ist Ihre liebe Schwester schon nah,
Frau Holle ...
(Frau Holle kommt in einem Wirbel von Flocken herein. Sie sieht aus wie
ein großes, weißes Bett; hat ein gutmütiges, gerötetes Gesicht unter
schlohweißem Haar und unter jedem Arm ein Bettkissen, aus dem, wenn sie
darauf drückt, Flockenkaskaden aufsprühen.)
_Frau Holle_
(verneigt sich)
Frau Holle ist da! Frau Holle ist da!
Hab's beinah' verschlafen, ja ja, ja ja!
Halte schon meine Sommerruhe
Im hohen Norden. Meine Bettentruhe
Ist sorgsam vor der Sonne verschlossen;
Sie hat impertinent mit Strahlen geschossen;
Ich mußte tief ins Eisschloß fliehen,
Um mich nicht zu verbrühen, ja ja, zu verbrühen.
Hab' geschlafen, wie sieben Murmeltiere, --
Weckt ein Sternchen mich und brachte mir Ihre
Einladung zu dem großen Empfang; --
Besten Dank, liebe Base, besten Dank, besten Dank!
_Nachtfee_
Liebe Base Holle, es freut mich sehr.
Ich hoffe, es ward ihnen nicht zu schwer
Das Aufsteh'n, und denke Sie zu entschädigen. --
Bitte, bitte, lassen Sie sich nicht nötigen!
Schlagsahne wird es in Menge geben,
Ich weiß, Sie essen sie gern für ihr Leben.
_Frau Holle_
O köstlich, köstlich, Schlagsahne auf Eis;
Es gibt nichts Besseres, ich weiß, ich weiß! --
Ein schönes Fest, das muß man sagen;
Da kann man nicht klagen, gewiß nicht klagen.
Als Dank spendier' ich deinem Feste zum Glanz
Nachher meinen neuen Flockenwirbeltanz.
_Nachtfee_
Sehr liebenswürdig; ist mir eine Freude!
Bitte, setzen Sie sich an jener Seite!
(Frau Holle setzt sich. Durch die Tür tritt der Eismax. Große, schlanke
Gestalt mit spiegelblanker Glatze und grünem, starr aufgebürstetem
Schnauzbart. Er trägt ein Monokel. Seine glasgrüne Uniform ist mit
silbernen Eisblumen bestickt. Er trägt weiße Lackstiefel mit silbernen
Klingsporen. Sein Benehmen ist militärisch. Er schlägt die Sporen
zusammen und grüßt.)
_Eismax_
Jnädigste Nachtfee, melde jehorsamst zur Stelle!
Jereist mit jletscherhafter Schnelle.
Zwar für mich unjewöhnliche Zeit;
Aber doch eisbärenmäßig jefreut!
Wo alle sich zum Empfang einstellen,
Darf Eismax selbstverständlich nich fehlen.
Bitte erjebenst, eines nur:
Etwas jekühlte Temperatur!
Und die Sonne, das jreuliche Weib,
Mir nich so nahe uff 'n Leib.
Kann die Person durchaus nich vertragen,
Krieje Triefaugen und weichen Kragen,
Janzer Anzug schlägt Jammerfalten,
Kann Monokel nich mehr halten.
Sonst vor Frauen stets jute Fijur,
Nur vor Sonne nich 'ne Spur;
Verdirbt mir Laune und jeden Spaß,
Weiß auch jarnich, bin ejal naß.
Unausstehlich! Na, überhaupt,
Denke, daß mir das jeder jlaubt!
_Nachtfee_
Bitte, Herr Eismax, ich weiß Sie zu schätzen
Und werde Sie kühl und luftig setzen.
_Eismax_
Danke erjebenst, bin sehr bejlückt,
Habe Eisblumensträußchen jepflückt,
Um anjemessen zu bejrüßen;
Lege jehorsamst zu Ihren Füßen.
(legt den Strauß auf die Thronstufen.)
_Nachtfee_
Danke sehr, danke, Herr Leutnant,
Sehr liebenswürdig, sehr galant. --
Bitte dort drüben am linken Tisch,
Jene Seite ist kühl und frisch.
(Der Eismax klirrt mit den Sporen und setzt sich. Herein kommt der
Wassermann. Eine fette Gestalt, pausbackig, mit Schilfhaar, Froschmaul
und -augen, Floßfingern und -zehen und grasgrüner Haut. Er trägt einen
grünweiß gesprenkelten Badeanzug und in jeder Hand einen großen
Schwamm.)
_Wassermann_
Putsch -- patsch -- blubber -- quax! -- Putsch -- patsch!
blubber -- quax!
Guten Tax allerseits -- guten Tax -- guten Tax!
War 'ne weite, beschwerliche Fahrt -- noaaaaaa!
Bin aber blubber -- blubber -- trotzdem da.
(verneigt sich.)
Bin gefahren -- uax -- auf dem Muschelschiff,
Vom Grunde des Meeres -- uax -- wo ich schlief.
Meine Seejungfern tanzten am Ufer Reigen,
Spielten Schlickversteckens und Blasensteigen;
Haben mir in einer großen Blase
Die Einladung gebracht, Frau Base.
War mir -- blubber -- blubber -- sehr schmeichelhaft,
Hab' mir neue -- uax -- Wasserhosen angeschafft;
Aber ich bitte, (drückt sich über dem Kopf einen Schwamm aus)
vor allen Dingen,
Mich -- uax -- uax -- wässerig unterzubringen.
In der Luft -- uax -- ist es unangenehm. (drückt sich den andern Schwamm
über dem Kopf aus.)
_Nachtfee_
Machen Sie sich's nur recht bequem,
Bitte, ich habe auch daran gedacht
Und es Ihnen so schön als möglich gemacht.
Dort steht Ihre silberne Badewanne,
Ein Sternenmädchen soll mit der Kanne
Begießen.
_Wassermann_
Uax -- das ist angenehm!
(steigt in die Badewanne.)
Ist mir -- uax -- ein lieber Platz!
(Ein Sternenmädchen kommt mit einer Gießkanne.)
Fang' nur gleich an, du kleiner Fratz!
(Das Sternenmädchen begießt ihn, und er stößt ein wohliges Grunzen aus.)
_Nachtfee_
Die Sonne naht sich, ich fühle ihr Licht.
Meine lieben Gäste, kränken Sie nicht
Die Königin, sie ist mir an Würde gleich
Und ehrt mit ihrem Besuch mein Reich.
Sie kommt mit ihren Töchtern und Söhnen,
Wir müssen uns an sie gewöhnen
Für einige Stunden, bei Kaffee und Kuchen;
Es bleibt ja bei Höflichkeitsbesuchen.
(Man hört eine ferne, rauschende Melodie. Goldiges Licht fließt in den
Raum. Von links tritt die Sonne ein; ihr zur Rechten und Linken ihre
beiden Töchter, Morgen- und Abendröte, hinter ihr die beiden Söhne, der
Morgen- und der Abendstern. Die Sonne trägt ein goldenes Kleid und eine
silberne Strahlenkrone. Sie hat ein edles Gesicht und weißes Lockenhaar.
Ihre Töchter tragen rosige Schleier und purpurrote Kränze auf goldenen
Locken; die Söhne gehen in silbernen Rüstungen. Beim Eintritt der Sonne
erhebt sich die Nachtfee und mit ihr alle bereits Angekommenen. Der
Eismax, die Wolkenfrau und Frau Holle drücken sich mit abwehrenden
Gesten möglichst weit. Der Eismax sucht sich mit komischer Steifheit
hinter die Wolkenfrau zu verstecken. Donnermann, Hagelhans, Windliese,
Sturmriese, Blitzhexe und der Wassermann verneigen sich. Die Nachtfee
steigt vom Thron und geht der Sonne entgegen.)
_Nachtfee_
Ich grüße die Hohe, die den Tag regiert,
Und, da Ihr Weg Sie zu mir geführt,
Soll Sie wissen, daß ich glücklich bin; --
Willkommen mir, Schwester, Königin!
(Sie umarmen sich. Während der Umarmung wird es abwechselnd hell und
dunkel im Raum.)
Auch deine Kinder an deiner Seite
Sehe ich mit herzinniger Freude;
Morgen- und Abendröte, die Süßen,
Säumen den Himmel zu meinen Füßen.
(Sie küßt die beiden.)
Und deiner Söhne strahlendes Paar,
Morgen- und Abendstern, schmückt mir das Haar,
Wenn ich der Erde nahe und scheide; --
Ich dank' ihnen innig,
(schüttelt die Hände der beiden.)
ich liebe sie beide.
_Sonne_
Du schöne Schwester, du stille Nacht,
Der Gruß meiner Liebe sei dir gebracht.
Sind unsere Reiche auch ewig geschieden;
Mein ist die Arbeit -- dein ist der Frieden;
Schlingen wir doch um die Guten und Bösen
Den _einen_ Reigen und segnen die Wesen,
Die auf der wundertiefen Welt
Liebe in prunkendes Leben gestellt.
Gern kam ich, Schwester, zu deinem Feste;
(mit einer Neigung zu den anderen.)
Grüße auch deine anderen Gäste,
Stand in Verbindung mit manchem von ihnen,
Mußte mich oft ihrer Kräfte bedienen
In der müh'reichen Monde Flucht;
Freue mich, daß sie dich auch besucht.
(Die Sonne nimmt mit ihren Kindern an der Tafel zur Rechten der Nachtfee
Platz. Die Nachtfee kehrt auf ihren Thron zurück. Das Taumariechen tritt
von links ein. Ein süßes, blasses, dunkelhaariges Mädchen in
mattsilbernem, kurzem Gazekleid über nachtblauem Grund. Auf ihrer Stirn
ein silbernes Krönchen, an ihren nackten Armen und Füßen klingen
silberne Reifen, von ihrem Gürtel hängen blasse Perlenschnüre. Sie trägt
eine kleine, silberne Trinkschale. Bei ihrem Eintritt klingen leise
Harfentöne in der Luft, wie fallende Tropfen. Sie tritt vor den Thron
und kniet dort.)
_Das Taumariechen_
Liebe Mutter, ich habe für diese Nacht
Deinem Willen gehorsam mein Werk vollbracht;
Alle dürstenden Gräser und Blüten erquickt,
Alle schlafenden Wälder mit Perlen geschmückt;
Hing in Gärten viel Kettlein an Zweig und Baum,
Gab den grünen Büschen den Tropfensaum;
Füllte mit segnender Frische die Luft,
Strich auf Blätter und Früchte den silbernen Duft;
Hab' alle bunten Wiesen leise gekühlt,
Mit den Nebeln über dem See gespielt,
Hab' der Morgenröte das Land geschmückt
Und alle Wesen im Traum erquickt. --
Küss' mich nun, Mutter, mein Werk ward schön,
Und laß mich in deine Augen seh'n.
_Nachtfee_
(breitet ihre Arme aus)
Mein holdes, mein silberfüßiges Kind!
(Sie schließt ihre Tochter, die zu ihr hinaufeilt, in die Arme und küßt
ihren Scheitel.)
Wo deine segnenden Hände sind,
Du reine Weihe der stillen Nächte,
Ich weiß es, wird allem Dürsten Glück,
Da atmet alle Schönheit leise,
Lieblicher noch durch deine Weise;
Und kehrst du in meine Tiefe zurück
Nach so viel holdem Liebesregen,
Segne ich dich zu neuem Segen,
Du Friedensüße, du leises Glück.
(Das Taumariechen setzt sich auf den Stufen des Thrones zu den Füßen der
Nachtfee. Von links kommt der Milchstraßenmann herein. Er hat eine
hellblaue Bluse an, weiße, weite Hosen, die in niederen Schaftstiefeln
stecken und eine blaue Ballonmütze auf dem Kopf. Mütze, Bluse und
Stiefel sind über und über mit Silbersternchen besät. Eine große
Säuglingsflasche und eine Milchklingel hat er unter dem Arm. Er ist sehr
erregt und tritt, ohne die Anwesenden zu beachten, vor den Thron.)
_Nachtfee_
Nun, Milchstraßenmann, was hast du zu sagen?
_Milchstraßenmann_
Frau Nachtfee, ich muß mich bitter beklagen! --
Die Gesellschaft, die du geladen hast,
Ist mir derart über die Milchstraße gerast,
Daß sie mir das Pflaster beschädigt haben
Und die Meilensteine, die Bäume, den Graben!
Das ist ein Benehmen, unerhört! --
(Unruhe an der linken Tafel.)
Jawohl, ich hab' mich zu recht beschwert!
Der Sturmriese kommt da mit Saus und Summ
Und wirft mir drei schöne Milchbäume um ...
(Der Sturmriese steht auf.)
_Sturmriese_
Nu nu, hu hu, das ist doch nicht schlimm?
_Milchstraßenmann_
Jawohl, du Tölpel, es macht mir Grimm!
Und die Wolkenfrau hat meine Meilensteine
Undeutlich gemacht!
_Wolkenfrau_
Nun aber, so eine
Sache ist doch nicht der Rede wert.
_Milchstraßenmann_
Was, was? Das ist ganz unerhört!
Wenn mal ein Komet geflogen kommt,
So kann er nicht lesen, wie weit es gewesen! --
Dann beschwer' ich mich über den Regenfritzen;
Er macht mir die Straße voller Pfützen
Und hat mir die schöne Milch verwässert ...
_Regenfritz_
Tüp -- tüp -- dadurch wird doch die Milch verbessert!
_Milchstraßenmann_
Davon versteht er keine Spur
Mit seiner triefigen Drüppelnatur!
_Regenfritz_
Der kleine Bär hat mich aber gebissen,
Tüp -- tüp und mir meine Hosen zerrissen!
_Milchstraßenmann_
Ist Ihm ganz recht, kann ich nur sagen! --
Und dann muß ich über den Donnermann klagen;
Er hat sich furchtbar schlecht betragen,
Hat blödsinnig gebummst und gedonnerkracht
Und die Himmelsziegen mir scheu gemacht!
_Donnermann_
(verlegen)
Das ist mir ganz aus Versehen passiert.
_Milchstraßenmann_
Ja ja, Er hat sich aufgeführt,
Daß man die Angst und die Bange bekam;
Und nun erst sein Weib, wie die sich benahm?
Kam immer so zickzack dahergeschlenkert
Und hat mir die ganze Allee verstänkert!
Ist das ein anständiges Ehepaar? --
_Blitzhexe_
Sirrrrr -- sirrrrr -- ist ja alles garnicht wahr!
_Milchstraßenmann_
Was? Noch viel mehr habt ihr angerichtet!
Der Hagelhans hat mir die Wiese vernichtet,
Wo die jungen Mondkälber gewöhnlich grasen.
_Hagelhans_
Ach wo, das war nur ein Tennisrasen!
_Milchstraßenmann_
Was Tennis? -- Er ist ein Grobian!
Was geht ihn die Mondkälberwiese an?
Und der Wassermann kam da angeplantscht,
Hat mir alle Gräben übergepantscht!
_Wassermann_
Uax -- Gräben sind doch für Wasser gemacht,
Das hab' ich mir -- uax -- dabei gedacht.
Ich dachte -- noaaaaa -- es macht dir Vergnügen?
_Milchstraßenmann_
(wütend)
Da kann man ja das Lütütü kriegen;
Was so ein watsch'liger Wassermann
Sich bei dem Unsinn denken kann! --
Meine Gräben sind für den Nebel bestimmt,
Den der Frühwind von den Feldern nimmt.
Seh' mir nur einer die Dösigkeit!
_Wassermann_
(gemütlich)
Uax -- uax -- noaaaa -- das tut mir leid!
_Milchstraßenmann_
Frau Holle hat ein Stück Straße verweht,
Der Eismax hat der Jungfrau den Kopf verdreht.
_Eismax_
Kann nischt dafür, daß alberne Ziegen
Mir immer jleich zu Füßen liegen;
Bin innerlich überhaupt sehr kühl,
Weiß jarnich, was das Mächen will?
_Milchstraßenmann_
Er muß sich eben bescheidener führen
Und nicht so mit den Sporen klirren!
_Eismax_
Stramme Haltung, mein Element,
Weiß jeder, der den Eismax kennt!
_Milchstraßenmann_
Das ist mir gleich, ihr seid alle schlecht,
Und ich bitte die Nachtfee um mein Recht!
_Nachtfee_
Liebe Gäste, der Milchmann hat sich beschwert,
Und Sie haben seine Klagen gehört;
Sie dürfen den Braven mir nicht verletzen
Und müssen ihm den Schaden ersetzen.
_Alle_
Natürlich, natürlich, es tut uns leid;
Wir sind dazu sehr gern bereit.
_Nachtfee_
Lieber Milchmann, nun habe die Freundlichkeit
Und sieh' doch, wo das Sandmännchen bleibt.
Ich hatte es auch für heute geladen,
Es ißt so gerne die Mondscheinfladen.
Hoffentlich hat es das nicht vergessen!
(Der Milchstraßenmann geht hinaus.)
Für meine anderen Gäste indessen
Soll jetzt die Musik und der Tanz beginnen.
(Sie hebt winkend die Hand, eine Schar weißgekleideter Knaben kommt
herein, die silberne Kannen und Platten mit Kuchen tragen. Sie schenken
den Gästen ein, während leise Musik ertönt. Eine Schar lieblicher
Sternenmädchen tanzt Reigen im Vordergrunde. Plötzlich kommt der
Milchstraßenmann wieder herein. Er lacht und kann sich vor Vergnügen
kaum halten.)
_Milchstraßenmann_
Ho ho, ha ha -- na sowas, ha ha!
Sowas war überhaupt noch nicht da!
Hi -- hi -- ha -- ha --
_Nachtfee_
Aber Milchstraßenmann,
Was fehlt Ihm denn? Was fängt Er an?
Das ist ja ein ganz tolles Betragen!
_Milchstraßenmann_
Nu -- nu -- hi -- hi -- das muß ich sagen!
Entschuldigen die Herrschaften, aber ha -- ha --
Na, sowas war überhaupt noch nicht da!
_Nachtfee_
Nun also, wir sind sehr gespannt, lieber Mann.
_Milchstraßenmann_
Jawohl -- sie kommen schon selber an!
Das Sandmännchen, hi hi, es ist verrückt;
Ich glaube, es hat den Mondstich gekriegt!
Es hat auf seinem Wagen, ha ha --
Nu sehen Sie doch, -- da sind sie ja!
(Das Sandmännchen kommt gravitätisch herein, an der rechten und linken
Hand die beiden Kinder, hinter ihm der Maikäfer. Bei ihrem Hereinkommen
erhebt sich am Tisch zur Linken der Fee ein gewaltiges Freudengetöse;
der Donnermann donnert, die Blitzhexe blitzt, der Hagelhans trommelt,
der Wassermann kriecht halb aus der Badewanne und patschelt sich den
Bauch vor Vergnügen. Der Eismax klemmt das Monokel ein und stößt ein
schnarrendes Gelächter aus. Die Nachtfee erhebt sich und streckt die
Hand aus. Es wird still.)
_Nachtfee_
Sandmännchen, du bist spät gekommen,
Und ich sehe, du hast da mitgenommen
Zwei Menschlein und ein Käfertier.
Warum tatest du das, und was sollen sie hier?
_Sandmännchen_
(mit Verneigung)
Hochwerte Nachtfee, ich muß dir sagen,
Seltsames hat sich zugetragen;
Etwas ganz Neues auf dem Mond,
Seit ihn das Sternenvolk bewohnt.
Ich hatte grad' meine Arbeit verrichtet,
Die Sterne noch etwas ausgerichtet,
Da sah ich urplötzlich am heiteren Himmel,
Nicht weit von meiner Sternenbimmel,
Wie ganz vergnüglich diese Drei
Kamen durch die Luft herbei.
Ich fiel vor Erstaunen fast auf die Nase,
Lief schnell nach dem großen Guckeglase,
Da waren sie aber schon angekommen
Und hatten mich aufs Korn genommen.
Erst hab' ich sie furchtbar angekracht,
Das hat aber gar keinen Eindruck gemacht;
Dann hab' ich sie mal ausgefragt,
Und da hat mir das Peterchen gesagt ...
(Es schiebt das Peterchen vor.)
Ich glaube, er wird es dir selber sagen;
Man braucht ihn garnicht lange zu fragen.
Hör', Peterchen, gib der Nachtfee Bescheid,
Warum ihr zum Monde geflogen seid!
_Peterchen_
(mutig)
Du mußt nicht böse sein, liebe Fee der Nacht,
Anneliese und ich haben die Reise gemacht,
Weil wir dem Maikäfer sein Beinchen wollen;
Das muß man vom Mond herunterholen.
Und der Mondmann hat es ihm abgehackt,
Und es ist auf dem Mondberg eingepackt.
Und die Sumsemanns haben nur fünf Beine,
Und das ist schrecklich, und ich meine,
Der Mondmann hat das Beinchen gestohlen,
Und darum muß man es wiederholen.
_Nachtfee_
Vor viel' hundert Jahren ist das gescheh'n,
Es ist richtig, und ich muß gesteh'n,
Daß ich sehr erfreut und verwundert bin,
Daß nun doch zwei Kinder es wagen wollen,
Das Beinchen vom Mondberg herunterzuholen.
_Peterchen_
Liebe Nachtfee, wir fürchten uns nicht eine Spur!
_Nachtfee_
Ich glaube dir schon, liebes Peterchen, nur
Liegt der Mondberg sehr, sehr weit von hier,
Im äußersten, dunkelsten Nachtrevier.
Dorthin ist äußerst gefährliche Fahrt;
Doch, wenn ihr immer artig wart ...
_Sandmännchen_
(fällt ein)
Sie waren's, ich hab' ihre Sternchen gefragt,
Die haben sehr günstig ausgesagt.
_Nachtfee_
Nun, dann ist es gut und kann euch gelingen,
Den bösen Mondmann zu bezwingen;
Doch müssen wir erst die Elemente befragen
Was sie zu eurer Reise sagen. (Sie wendet sich an den Donnermann.)
Wie denkt darüber der Donnermann?
_Donnermann_
(steht auf und kommt näher, stellt sich breitbeinig vor die Kinder,
rollt fürchterlich mit den Augen. Anneliese faßt Peterchen etwas
ängstlich am Zipfel des Hemdchens. Peterchen legt den Arm um sie und
sieht den Donnermann furchtlos an.)
_Donnermann_
Potz Knatter -- Knäblein, er will was wagen?
Kann er denn einen kräftigen Donner vertragen?
_Peterchen_
Herr Donnermann, ich hab' gar keine Angst!
_Donnermann_
So? Wollen mal sehen, ob du dich bangst! --
Blitzweib, komm' her ...
_Blitzhexe_
(springt neben ihn)