_Donnermann_
Schlag mal ein!
Achtung, geladen!...
(Es wird plötzlich pechfinster.)
Feuer hinein!...
(Ein greller Blitz zuckt, dem ein schmetternder Schlag folgt, der
langhin nachrollt. Es wird ganz allmählich wieder heller. Man sieht
Peterchen und Anneliese eng umschlungen, aber tapfer aufrecht; neben
ihnen liegt der Maikäfer auf dem Rücken.)
_Peterchen_
(laut)
Das war noch gar nichts, mach's ruhig nochmal!
_Donnermann_
(lacht laut)
Potz Knatter, das ist ja ein prächtiger Junge,
Der wird mal Artilleriegeneral! --
Aber höre doch, was ist denn bloß
Mit deinem fünfbeinigen Maikäfer los?
(Er lacht unbändig, die anderen stimmen ein.)
_Peterchen_
(hilft dem Maikäfer auf die Beine)
Ach, Herr Donnermann, das ist nicht schlimm,
Er wohnt auf dem Baum, und da ist es ihm
Nicht angenehm, wenn es donnert und blitzt,
Weil er doch immer draußen sitzt;
Und wenn es einschlägt, fürchtet er sich.
_Maikäfer_
(zu Peterchen)
Ich danke, ja, das war fürchterlich!
_Donnermann_
So so! -- Aber du? Nu guck mal an;
Du gefällst mir, du tapferer, kleiner Mann! --
Also, wie es auch immer sei,
Wir stehen dir auf deiner Reise bei,
Mein Blitzweib und ich, das nimm nur an!
_Anneliese_
(gibt ihm einen Apfel)
Wir danken dir schön, lieber Donnermann.
_Donnermann_
(nimmt den Apfel)
Potz Krach, ein Apfel? Nett von der Kleinen;
Da gib meinem Blitzweib auch gleich einen!
_Peterchen_
(gibt der Blitzhexe einen Apfel)
Hier hast du ihn!
_Blitzhexe_
Sirrrr, ich danke sehr!
Komm, Donnermann, setz' dich wieder her!
(Sie zieht den Donnermann zu seinem Platze.)
_Donnermann_
Potztausend Granaten, der Junge ist prächtig!
(Zum Publikum.)
Daß alle Jungen so wären, das möcht' ich!
_Nachtfee_
So, Peterchen, das war sehr schön.
Nun aber müssen wir weiter sehen
Und wollen den Wassermann befragen;
Vielleicht hat er noch etwas zu sagen.
_Peterchen_
Erlaubst du es, lieber Wassermann,
Daß ich das Beinchen holen kann?
_Wassermann_
Uax -- ich finde nichts dabei,
Weiß ja, er ist nicht wasserscheu;
Hat seinen Schwamm und seine Wanne
Und seine uax -- uax -- Wasserkanne;
Putzt sich die Zähne, hat Seife und Schrubber
Und plantscht gern Wasser, blubber, blubber.
Er hat auch beim Baden nie gefehlt,
Das haben die Wassernixen erzählt.
Noaaaa -- wie ist es, kann er schwimmen?
_Peterchen_
Wie'n Frosch!
_Wassermann_
Uax, so will ich bestimmen,
Daß von den Meergeistern ihn keiner stört,
Wenn er uax -- uax -- zu dem Mondberg fährt.
_Anneliese_
(gibt ihm einen Apfel)
Danke schön, lieber dicker Wassermann!
_Wassermann_
(nimmt den Apfel)
Uax, einen Apfel, das nehm' ich an.
(zu dem Sternenmädchen.)
Du, Mädchen, begieß' mich noch einmal,
Die Luft ist sehr trocken in dem Lokal.
(Das Mädchen begießt ihn, und er rutscht in seine Wanne zurück.)
_Nachtfee_
Haben Wasser und Feuer nichts zu klagen,
So müssen wir jetzt die Luft befragen;
Hat der Sturmriese uns noch etwas zu sagen?
(Der Sturmriese springt auf, hebt die Keule, es wird abermals finster,
und ein heulender Sturm fegt daher. Man hört das Krachen und Splittern
niederbrechender Bäume und das Rollen der Hageltrommel. Dann wird es
still und allmählich wieder heller. Der Sturmriese steht vor den Kindern
mit gesenkter Keule. Der Maikäfer liegt wieder auf dem Rücken.)
_Sturmriese_
Ho ho, sie stehen noch kerzengrade!
Ich hab' sie nicht umgeblasen, schade;
Und bin doch gewaltig dahergefegt;
Bloß den Maikäfer habe ich umgelegt.
_Peterchen_
(hilft dem Maikäfer auf die Beine.)
_Sturmriese_
(lacht)
Kraft ist in dem Jungen, das ist wahr!
Wenn man stark ist, fürchtet man keine Gefahr!
Will ihm helfen auf seinem Reiseritte!
_Peterchen_
Dank', lieber Windmann, ein Apfel? -- bitte?
_Sturmriese_
(nimmt den Apfel)
Hab' viel so Dinger von Bäumen gebrochen
Und nicht einmal daran gerochen;
Aber so, aus einer Kinderhand -- --
Das nehm' ich, das wäre ungalant.
(Er kehrt auf seinen Platz zurück.)
_Nachtfee_
Feuer, Wasser und Luft sind jetzt gefragt
Und haben euch Hilfe zugesagt;
Die Erde schläft unter dem Himmelsraum
In meiner Hut, und ihren Traum,
Der heilig ist, darf ich nicht stören;
Doch wenn ihr sie ruft, so wird sie euch hören. --
Und nun kommt her, ihr kleinen Wesen
(Sie breitet die Arme aus.)
Und laßt euch küssen ...
(Sie küßt beide Kinder, die zu ihr auf den Thron kommen.)
Vor allem Bösen
Will ich euch hüten, soweit ich vermag. --
Eure Fahrt muß schnell sein, denn, naht der Tag,
Und es trifft auf dem Mond euch sein erster Blick,
So findet ihr nie mehr zur Erde zurück. --
Ihr sollt auf dem großen Bären reiten,
Und das Sandmännchen soll euch begleiten.
_Milchstraßenmann_
Frau Nachtfee, der Bär hat heut' grüne Augen,
Da wird er für den Ritt nicht taugen;
Er hat schrecklich an seiner Kette gerissen
Und mich beim Füttern beinahe gebissen.
_Nachtfee_
Er ist der Schnellste, hol' ihn herein;
Man wird ihn zähmen, denn es muß sein.
(Der Milchstraßenmann geht kopfschüttelnd ab.)
Hör', Sandmännchen, auf der Weihnachtswiese,
Da macht ihr halt, und Anneliese
Und Peterchen sehen sich das mal an
Und begrüßen den guten Weihnachtsmann.
Dann aber geht's weiter in großer Schnelle,
Bis nah' an den Mondberg, an jene Stelle,
Wo die silberne Riesenkanone steht.
Versuch' es, Sandmännchen, und wenn es geht,
So lade sie in den Kanonenlauf
Und schieße sie auf den Mondberg hinauf.
Dort müssen sie dann selber sehen,
Wie sie ihr Abenteuer bestehen.
_Sandmännchen_
(Kratzfuß)
Ich werde sie führen, ganz genau
Nach deiner Weisung, edle Frau!
(Er wendet sich.)
Dort kommt auch schon der Milchstraßenmann
Und bringt uns den großen Bären an.
(Der Milchstraßenmann tritt in den linken Eingang, an einer Kette einen
großen, weißen Bären, der nach Art der Kinder-Petzbären auf einem mit
Rollen versehenen Brett läuft. Der Bär bleibt in der Tür stehen, klappt
mit dem Rachen und starrt mit grün leuchtenden Augen in die
Versammlung.)
_Milchstraßenmann_
Er ist furchtbar böse heute, der Bär!
_Nachtfee_
Den Kindern wird es gewiß nicht schwer,
Ihn zu besänftigen.
_Sandmännchen_
(zu den Kindern)
Hört mal her:
Wenn er böse ist, hat er grüne Augen,
Und wird er gut, so bekommt er rote;
Dann macht er Männchen und gibt die Pfote,
Man kann mit ihm Reiter und Pferdchen spielen
Und ihm ganz ruhig im Fellchen wühlen. --
Gebt ihm einen Apfel, wir wollen mal seh'n,
Ich glaube, dann wird die Geschichte geh'n.
(Peterchen und Anneliese gehen zu dem Bären. Der Bär starrt sie mit
grünen Augen an, klappt mit dem Rachen und stößt ein fürchterliches
Gebrüll aus. Peterchen nimmt einen Apfel, stellt sich auf die Zehen,
zielt und wirft ihn in den offenen Rachen. Der Bär verschluckt den
Apfel, bekommt für einen Augenblick rote Augen, dann aber wieder grüne,
dann rote, dann grüne und so fort, während er abwechselnd brüllt und
brummt.)
_Sandmännchen_
Seht ihr, was so ein Apfel tut!
Halb ist er schon gezähmt und gut.
Nun gebt ihm schnell noch einen zweiten,
Dann paßt mal auf, dann könnt ihr ihn reiten.
(Anneliese versucht, einen Apfel auf den Zehenspitzen hinaufzureichen;
da sie aber zu klein ist, nimmt Peterchen ihr den Apfel ab und wirft
ihn, wie vorher, dem Bären in den Schlund. Augenblicklich schließt der
den Rachen, brummt gemütlich und hat dauernd rote Augen. Allgemeines
Gelächter.)
_Sandmännchen_
Seht ihr, was hab' ich euch gesagt?
Nur immer frisch drauf los gewagt!
_Peterchen_
(kühn zum Bären)
Petz, gib mal Pfötchen!
(Der Bär gibt ihm die ungefüge Pfote.)
Nun mach' mal schön!
(Der Bär richtet sich steif auf den Hinterbeinen auf und klappt dann
wieder zurück.)
_Milchstraßenmann_
(mit Kennermiene)
Ich glaube, Frau Nachtfee, jetzt wird es geh'n!
_Nachtfee_
Dann schnell, und keine Zeit verloren!
(Ein Sternenmädchen bringt eine kleine Leiter, und sie steigen auf.)
Sandmännchen lenkt ihn bei den Ohren,
Peterchen, Anneliese dann,
Und ganz zuletzt der Maikäfermann.
(Sie sitzen.)
_Nachtfee_
Sitzt ihr jetzt sicher?
_Die Reiter_
Wir sitzen gut!
_Nachtfee_
Dann reitet von dannen und seid in Hut!
Lebt wohl! Lebt wohl! -- (Sie winkt.)
_Sandmännchen_