Orangenschalen Verwendung. Das Verfahren bei der Gewinnung im Großen ist
das der Pressung. Entweder kommt die Schwammmethode in Anwendung, wobei
der Arbeiter die Schalen, die er langsam unter Druck zwischen den Fingern
durchrollt, gegen einen Schwamm preßt; oder das Verfahren der sogenannten
Ecuelle, wobei die Frucht unter beständigem Drehen gegen die Innenfläche
eines flachen Trichters, der zahlreiche Nadeln entspringen, gedrückt wird.
Das gewonnene Oel preßt man im ersten Falle aus dem Schwamme heraus, im
zweiten fließt es von selbst durch die Oeffnung des Trichters ab. In ganz
entsprechender Weise gewinnt man auch feines Bergamottöl aus den reifen
Früchten des Bergamottcitronenbaumes (_Citrus Bergamia_). Das weniger
feine Bergamottöl befreit man hingegen aus den Früchten durch
Destillation. Feines Bergamottöl wird in der Parfümerie sehr geschätzt;
die Riviera erzeugt es nur in geringer Menge; es kommt vornehmlich aus
Reggio und Messina.
Dies sind im Allgemeinen die Darstellungsarten, die bei der Gewinnung der
Riechstoffe in Anwendung kommen. Das Verfahren wird freilich im Einzelnen
abgeändert. So schüttet man oft die Blumen nicht unmittelbar in das
geschmolzene Fett, hängt sie vielmehr in Drahtkörben in die Gefäße, durch
die man warmes Fett fließen läßt. Es kann andererseits auch erwünscht
sein, daß die Blüthen nicht unmittelbar mit dem Fett in Berührung kommen,
weil Letzteres nicht allein den Riechstoff, sondern auch andere Substanzen
aus den Blüthen aufnimmt. Dann werden die Glasscheiben durch verzinnte
Drahtnetze in den Holzrahmen ersetzt. Auf ein solches Drahtnetz werden die
Blüthen gestreut, das nächste erhält das Fett, und so immer abwechselnd.
Das Fett wird in diesem Fall zu nudelartigen Fäden ausgearbeitet, um
möglichst viel Oberfläche zu gewinnen. Die Rahmen schiebt man in einen
Schrank, in welchem Blasebälge die Luft in langsamer Bewegung erhalten. So
streicht der Duft an den feinen Fettfäden vorüber und wird von ihnen
absorbirt. Die Blüthen auf den Rahmen ersetzt man nach Bedarf durch neue.
– Soll der wohlriechende Stoff durch ein Oel aufgenommen werden, so wirft
man die Pflanzentheile in dasselbe hinein oder hängt sie in Tüchern in das
Oel, oder breitet sie endlich auf Tüchern aus, die mit Oel getränkt sind:
so erhält man die »_huiles antiques_«. Von großer Bedeutung ist für die
Parfümindustrie das nachträgliche Reinigen ihrer Essenzen, was meist durch
wiederholte Destillation geschieht. Viel Umsicht und Erfahrung sind
nöthig, damit der Duft bei der Reinigung nicht leide.
Es sieht übrigens aus, als wenn der bisherigen Gewinnungsweise des Parfüms
eine Umwandlung oder doch zum Mindesten eine Erweiterung bevorstehen
sollte. Der Petroleumäther scheint berufen, mehr oder weniger die Fette zu
verdrängen. Neue Fabriken werden auf dieses Verfahren bereits
eingerichtet. Der Petroleumäther entzieht der Pflanze im Wesentlichen nur
das Parfüm. Da er leicht siedet, läßt er sich außerdem unschwer von dem
Parfüm dann trennen. Ein Kilo Essenz bedeutet aber mehr als hundert Kilo
der jetzigen Pomade. Die Zukunft muß zeigen, ob die Benutzung des
Petroleumäthers wirklich in allen Fällen zulässig ist.
Die Möglichkeit, den Pflanzen ihren Wohlgeruch durch Fett zu entziehen,
gestattet es auch im Kleinen, die feinste Pomade aus Pflanzen, die sonst
vielleicht nutzlos im Garten verblühen würden, herzustellen. Möglichst
reines Fett, das man auf eine Scheibe streicht, und ein gut
verschließbarer Kasten, in den man die Scheibe legt, reichen aus, um den
Erfolg zu sichern. Man muß die Blüthen, mit den Kronen abwärts gekehrt,
auf das Fett lagern, den Kasten dann verschließen und die Blüthen
erneuern, bevor sie welk geworden. Der Name Pomade oder vielmehr Pommade
rührt von Apfel »_pomme_« her und war dadurch veranlaßt, daß man früher
Aepfel zur Herstellung solcher duftender Fette verwandte. Ein Apfel wurde
mit wohlriechenden Gewürzen, vornehmlich mit Nelken, gespickt und, nachdem
er einige Tage an der Luft gelegen, in Fett eingeschmolzen. Erschien das
Fett durch den ersten Apfel nicht ausreichend parfümirt, so ließ man ihm
einen zweiten folgen.
Man sieht um Grasse viel Rosen, die für die Parfümfabriken gezogen werden.
Es sind das nicht solche, wie sie im Winter versandt, die Blumenläden ganz
Europas jetzt schmücken, vielmehr Centifolien und Damascenerrosen. Man
pflückt die im Oeffnen begriffenen Blüthen am Morgen, sobald der Thau
verschwindet. Die Erntezeit fällt in den Mai und Juni. Jeder Rosenstock
liefert in Grasse durchschnittlich zwei bis dreihundert Gramm Blüthen,
doch tausend Kilogramm ergeben kaum hundertundfünfzig Gramm Rosenöl. Da
darf man sich nicht wundern, daß ein Kilogramm Rosenöl über tausend Francs
kostet. Das Rosenöl wird durch Destillation der Blumenblätter der Rose mit
Wasser oder Wasserdampf gewonnen; es sammelt sich auf der Oberfläche des
Destillates allmälig an. Das Rosenwasser ist das unmittelbare Product der
Destillation einer bestimmten Menge von Rosenblumenblättern mit Wasser.
Die ätherischen Oele sind zwar fast unlöslich in Wasser, immerhin nimmt
dieses hinlänglich viel von den Oelen auf, um nach ihnen zu duften. So
verhält es sich beim Rosenwasser, dem Orangenblüthenwasser und sonstigen
aromatischen Wässern. Die Rosen von Grasse werden mehr zur Herstellung von
Rosenpomade, als von Rosenöl und Rosenwasser verwandt. Die durch
Maceration von Rosenblumenblättern in Fett erhaltene Pomade besitzt den
unveränderten Duft der Rose, während der Wohlgeruch des Rosenöls von
demjenigen der frischen Blumen etwas abweicht. Aus der Pomade wird mit
Alkohol das »_Esprit de Rose_« extrahirt, wohl unstreitig eines der
feinsten Parfüme, welche existiren. Kaum ein Wohlgeruch der Welt ist so
beliebt wie derjenige der Rosen, und wer einmal den Orient bereiste, wird
sich des aus Rosen und Verwesung gemischten Duftes erinnern, den die
Straßen im Sonnenlichte aushauchen. Wer da freilich meint, in den Bazaren
des Orients reines Rosenöl in jenen langgezogenen goldverzierten
Fläschchen, die dort feilgeboten werden, mit nach Hause gebracht zu haben,
der ist einer argen Täuschung unterworfen. Türkisches Rosenöl ist fast
immer verfälscht, und zwar für gewöhnlich mit Palmarosaöl oder indischem
Geraniumöl, das in Ostindien aus dem Geranium- oder Kusagras (_Andropogon
Schoenanthus_) durch Destillation erhalten wird. Der indische Destillateur
sorgt andererseits meist dafür, daß auch sein Palmarosaöl schon mit einem
anderen Oel, besonders Cocosöl, gefälscht sei. So dürfte es in Deutschland
zu empfehlen sein, das Fläschchen aus dem Orient daheim erst mit echtem
Rosenöl zu füllen. Werden doch Rosen zum Zweck der Rosenölgewinnung nicht
allein in Deutschland, sondern auch in England in großem Maßstabe gezogen.
Die um die Darstellung ätherischer Oele und Essenzen so hoch verdienten
Gebrüder Fritzsche, Inhaber der Leipziger Firma Schimmel & Co. hatten, wie
Georg Bornemann in seinem Werk über die flüchtigen Oele angibt, im Jahre
1884 zum ersten Mal aus deutschen Rosen drei Kilogramm Rosenöl gewonnen.
Sie legten ausgedehnte Rosenpflanzungen in Groß-Miltitz bei Leipzig an,
und diese lieferten, außer anderen Erzeugnissen, im letzten Jahre (1894)
42 Kilogramm Rosenöl. Ich entnehme diese Angabe den Berichten, welche die
genannte Firma alljährlich veröffentlicht und aus denen man nicht allein
einen Begriff von der Großartigkeit des Betriebes in dieser Fabrik
gewinnt, sondern auch über den rationellen Geist und das wissenschaftliche
Streben, das sie bei ihren Unternehmungen leitet. Im Jahre 1893 erstreckte
sich das Rosenfeld der Fabrik über zwanzig Hectare, an die sich weite
Reseda- und Pfeffermünzculturen anschlossen. Zu diesen haben sich seitdem
Estragon, Wermuth, Liebstock und Angelica gesellt. Aus je hundert
Kilogramm frischer Rosen lassen sich zwanzig Gramm Rosenöl darstellen. Es
wurden im letzten Jahre somit nicht weniger als 200 000 Kilogramm Rosen
auf Rosenöl verarbeitet. Das ist für eine einzige Fabrik schon eine sehr
erhebliche Leistung, welche freilich gegen die Gesammtproduction des
Rosenöls noch wenig in die Wagschale fällt. Denn das Hauptland dafür,
Bulgarien, liefert jährlich allein gegen zweitausend Kilogramm Rosenöl.
Das Palmarosaöl riecht nicht rein nach Rosen, es duftet vielmehr wie ein
Gemisch von Rosen und Citronen. Fast rein rosenartig ist hingegen der Duft
des Geraniumöls, das aus den Blättern des Rosen-Geraniums gewonnen wird.
Davon kann man sich schon überzeugen, wenn man ein Blatt dieser Pflanze,
die auch bei uns nicht selten in Töpfen cultivirt wird, zwischen den
Fingern zerdrückt. Streng genommen hat man es nicht mit Geranien, sondern
mit Pelargonien dabei zu thun, und zwar mit mehreren Arten derselben,
hauptsächlich mit _Pelargonium capitatum_, _odoratissimum_ und _radula_.
Die Art, welche an der Riviera gezogen wird, ist _Pelargonium capitatum_.
Gegen früher hat dort freilich diese Cultur jetzt sehr abgenommen, da der
Wettbewerb mit Algier nicht auszuhalten ist. Man mäht an der Riviera die
Pflanzen von Mitte August an bis Mitte September und liefert sie so frisch
als möglich den Fabriken ab. Die Firma Schimmel & Co. erzielt jetzt
bedeutende Erfolge mit Rosen-Geraniol. Sie destillirt reines Geraniol, das
sie aus Citronella-Grasöl gewinnt, so lange über frisch gepflückten Rosen,
bis es mit Rosenöl gesättigt ist und dann in der That dem Rosenöl fast
entspricht.
In den Gärten der Riviera begegnet man oft einer Verbene, der _Verbena
triphylla_ oder _Lippia citriodora_, die auch als Citronelle oder
Citronenkraut bezeichnet wird. Man findet diesen schönen Strauch schon in
den Gärten an den italienischen Seen und hat wohl Gelegenheit, im Herbst
die Rispen seiner violett angehauchten kleinen Blüthen zu sehen. Zerreibt
man seine Blätter zwischen den Fingern, so verbreiten sie einen feinen
Duft, der die Mitte zwischen Citronen, Melissen und Verbenen hält. Dieser
aus Persien stammende Strauch wird auch in größerem Maßstab an manchen
Orten der Riviera gezogen und aus seinen Blättern das echte Verbenaöl
destillirt, das die Parfümisten sehr schätzen. Echtes Verbenaöl ist
freilich sonst schwer zu haben und wird im Allgemeinen durch das
Citronen-Grasöl ersetzt, das wir jener Grasgattung, _Andropogon_, danken,
deren Arten so viele wohlriechende Öle liefern. Das Citronen-Grasöl wird
von _Andropogon citratus_ gewonnen, der jetzt besonders auf Ceylon und in
Singapore angebaut wird. Weit ausgedehnter betreibt man an denselben Orten
die Cultur des _Andropogon nardus_, von dem das melissenartig riechende
Citronella-Grasöl abstammt. Dieses findet für das Parfümiren der Seifen
jetzt sehr starke Verwendung und bildet den Hauptbestandtheil des Parfüms
der Honigseifen. Von dem Umfang der Citronella-Grasöl-Production geben die
Berichte von Schimmel & Co. eine Vorstellung, da diese Firma auf einmal
Sendungen von 10 000 Kilogramm dieses Öles aus Ceylon erhält.
Der Reseda entzieht man den Duft durch Enfleurage, dem Thymian, der
Salbei, dem Rosmarin, dem Lavendel und der Melisse durch Destillation.
Salbei, Thymian, Rosmarin und Lavendel werden an der Riviera kaum
cultivirt; man pflückt sie an ihrem natürlichen Standort, besonders am
Fuße der Berge. In der Gegend von Agay zogen eines Tages vor uns Frauen
auf der Straße mit großen Ladungen Thymian auf den Köpfen. Sie hatten ihn
an den Abhängen des Esterel gesammelt. Der Wind blies in unserer Richtung
und bildete einen Streifen von Duft, der sich über Hunderte von Schritten
ausdehnte. Diese wild gewachsenen Pflanzen werden zwar auch vorwiegend in
den Fabriken verarbeitet, zum Theil aber schon im Freien, gleich beim
Einsammeln destillirt, in Apparaten, die man von Ort zu Ort befördert.
Viel Rosmarinöl wandert von hier aus nach Köln, um bei der Darstellung von
Kölnischem Wasser benutzt zu werden. Das _Eau de Cologne_ enthält gelöst
in 85 % Weinspiritus gleiche Mengen gepreßtes Orangen- und
Citronenschalenöl, fast ebenso viel Neroliöl, dann etwa halb so viel
Bergamottöl, endlich, nochmals um die Hälfte weniger, Rosmarinöl. Man wird
freilich nicht sofort gutes Kölnisches Wasser erhalten, auch dann nicht,
wenn man nach bester Vorschrift die feinsten Oele in vorzüglichem
Weinspiritus auflöst. Der Schmelz des Duftes stellt sich erst nach
längerer Zeit ein. Praktische Erfahrungen hatte man in dieser Richtung
schon lange gesammelt, in wissenschaftliche Erörterung wurde die Wirkung
der Lagerung erst in den letzten Zeiten gezogen. Am Einfachsten zeigt sie
sich zum Beispiel bei einem Schenkbranntwein, der durch Verdünnung von
achtzigprocentigem Spiritus auf dreißigprocentigen gewonnen wurde. Solcher
Schenkbranntwein, frisch dargestellt, mundet dem Trinkenden nicht, selbst
wenn dieser nicht zu den größten Feinschmeckern gehört. Auch der
Schenkbranntwein muß erst gelagert haben. Daß der Wein durch Lagerung
seine »Blume« erhält, ist allgemein bekannt. Es findet also sicher bei der
Lagerung eine gegenseitige chemische Einwirkung der gelösten Bestandtheile
auf einander statt, und es müssen neue Verbindungen entstehen. Ihre
Bildung erfordert völlige Ruhe und kann durch anhaltende Bewegung
verhindert werden, ja es kommt vor, daß schon erzeugte Verbindungen
dadurch vorübergehend oder dauernd wieder zerstört werden. Nach der
Ansicht von Prof. Knapp schließen diese Vorgänge an solche an, welche die
organische Chemie als Addition, Substitution, Spaltung und dergleichen
bezeichnet. Es müssen somit auch in gemischten Parfüms durch Lagerung erst
diejenigen Verbindungen entstehen, welche das erwünschte Zusammenwirken
der einzelnen Düfte bedingen. Der Ursprung des Kölnischen Wassers ist
etwas fraglich; meist wird seine Erfindung Johann Maria Farina, einem
Italiener aus Sancta Maria Maggiore bei Domo d’Ossola, zugeschrieben, der
zu Anfang des vorigen Jahrhunderts in Köln einen Handel mit Parfüms und
Colonialwaaren betrieb. Erst gegen Mitte des vorigen Jahrhunderts gelangte
das Kölnische Wasser zu allgemeiner Verbreitung und verdrängte das »_Eau
de la reine de Hongrie_« oder Ungarwasser, welches ähnlich zusammengesetzt
war, aber auch Rosenöl, Citronenöl, Citronellaöl und eine Spur
Pfeffermünzöl enthielt.
Bei unseren Wanderungen um Grasse sind wir Jasminpflanzungen am Häufigsten
begegnet. Das zeigt, welche hohe Bedeutung dieser Pflanze für die dortigen
Parfümfabriken zukommt. Meist waren die Jasminfelder an südlichen Abhängen
terrassenförmig angelegt. Die gegen zwei Meter hohen, reich verzweigten,
mit zusammengesetzten, immergrünen Blättern bedeckten Sträucher hatten
auch vereinzelte Blüthen aufzuweisen und ließen sich als die aus Ostindien
stammende Art _Jasminum grandiflorum_ bestimmen. Die Blüthen duften
lieblich, sind ziemlich groß, rein weiß auf ihrer Innenseite, von Außen
etwas roth angehaucht. Die eigentliche Blüthenzeit beginnt erst im Juli
und dauert bis in den Oktober. Je tausend Stöcke liefern bis fünfzig
Kilogramm Blüthen. Verarbeitet werden in Grasse davon bis 80 000
Kilogramm, die einen Werth von 140 000 Francs darstellen. Man entzieht den
Blüthen ihren Duft durch Enfleurage; die Menge des Riechstoffes, den sie
enthalten, ist aber so gering, daß man dieselbe Fettschicht bis fünfzig
Mal mit neuen Blüthen bestreuen muß. Aus der Jasminpomade wird mit
feinstem Weingeist Jasminextract gewonnen. Die geschätztesten
Taschentuchparfüms enthalten solchen Extract. Man stellt auch ein »_huile
antique au Jasmin_« dar, indem man auf wollene, mit Olivenöl getränkte
Zeuglappen zu wiederholten Malen frische Jasminblüthen streut und dann das
Oel aus ihnen ausdrückt. Dieses Jasminöl ist in Frankreich sehr beliebt.
Eine wichtige Rolle in der Parfümerie spielen auch die Blüthen der _Acacia
Farnesiana_, eines Bäumchens, das zu bewundern wir im La Mortola-Garten
schon Gelegenheit hatten. _Acacia Farnesiana_ wird in Grasse nur in
beschränktem Maße angebaut, liefert aber immerhin 30–40 000 Kilogramm
Blüthen im Jahre; große Pflanzungen dieser Art finden wir in Algerien. Die
kugeligen, dunkelgelben Blüthenköpfchen, die »_Cassie_«, werden vom
September bis in den December gepflückt, wozu jedoch viel Uebung und
Geschick gehört, da die Pflanzen sehr dornig sind. Der zarte,
veilchenartige Duft dieser Blüthen wird durch Enfleurage fixirt. Die
gewonnene Essenz hat für die Zusammensetzung der »Bouquets« einen sehr
hohen Werth.
Endlich darf auch die Tuberose (_Polyanthes tuberosa_) nicht unerwähnt
bleiben, dieses zu der Familie der Amaryllideen gehörende Knollengewächs,
das man bei uns wegen seines starken Duftes und seiner schönen weißen
Blüthen so gerne auf Blumentischen und in Blumensträußen sieht. Die
Pflanze stammt aus Centralamerika; wir bekommen sie meist nur mit den
gefüllten weißen Blüthen zu sehen, die besonders kräftig am Abend duften,
wie es denn überhaupt eine weit verbreitete Erscheinung ist, daß Blüthen
nicht um alle Tageszeiten gleich starken Duft verbreiten. Wer wird nicht
bemerkt haben, daß die Daturen und Nicotianen, die Nachtviolen (_Hesperis
matronalis_), die langblumige Wunderblume (_Mirabilis longiflora_) unserer
Gärten am Tage fast gar nicht riechen, am Abend aber einen durchdringenden
Duft aushauchen. Umgekehrt duften Seerose (_Nymphaea alba_), die
Kürbisblüthe (_Cucurbita Pepo_), die Ackerwinde (_Convolvulus arvensis_)
nur am Tage. Ein solches Verhalten hat für diese Pflanzen Bedeutung, sie
duften bei Nacht oder am Tage, je nachdem sie Nacht- oder Tagesinsecten
zur Uebertragung ihres Blüthenstaubes brauchen. Sehr viele Tuberoseblüthen
gehören dazu, um ein wenig Fett mit ihrem Duft zu sättigen; daher auch
dieser Extract, wie so viele andere feine Parfüms, hoch im Preise steht.
Bei uns könnte man den spanischen Flieder (_Syringa vulgaris_), statt der
Tuberose verwenden, um ein sehr ähnliches Parfüm zu gewinnen, denn das
Fett entzieht dem Flieder einen ganz entsprechenden Wohlgeruch.
Es sind nicht die als Parfüme anerkannten Pflanzendüfte allein, deren sich
die Parfümerie zu ihren Zwecken bedient. So kommt für manche Erzeugnisse
auffälliger Weise der Gurkengeruch in Betracht. Man stellt zu diesem
Zwecke eine Essenz her, und zwar indem man über frisch geschnittenen
Gurkenscheiben mehrmals denselben Alkohol destillirt. Mit solcher Essenz
wird Coldcream parfümirt und erhält durch dieselbe das frische Aroma,
welches man an dieser Salbe schätzt.
Nicht unerwähnt möchte ich lassen, daß ein ätherisches Oel auch aus dem
Knoblauch durch Destillation gewonnen wird. Dieses Oel dient nun freilich
nicht zum Parfümiren, so sehr man das auch manchmal in Südeuropa oder im
Orient glauben könnte; wohl aber wird es innerlich als Mittel gegen Würmer
eingenommen. Die Firma Schimmel & Co., welche dieses, sowie überhaupt fast
alle flüchtigen Oele, die irgend welche Anwendung gefunden haben,
herstellt, empfiehlt das Knoblauchöl auch als Küchengewürz. Von dem
concentrirten Duft dieses lieblichen Oeles wird man sich eine Vorstellung
machen, wenn man sein Verhältniß zum Knoblauch selber erwägt: aus sechzehn
Kilogramm Knoblauch werden nur zehn Gramm Oel gewonnen!
Hingegen spielen Aetzammoniak, der sogenannte Salmiakgeist, und
kohlensaures Ammoniak, trotz ihres ätzenden Geruchs in der Parfümerie eine
nicht unwichtige Rolle. Sie dienen zur Herstellung der parfümirten
Riechsalze. Auch der Geruch des Schnupftabaks rührt vornehmlich vom
Ammoniak her, außerdem werden die Schnupftabake häufig noch mit anderen
wohlriechenden Körpern aromatisirt. Nicht minder wird Essigsäure in der
Parfümerie verwendet, und ihre Eigenschaft, ätherische Oele zu lösen,
benutzt, um parfümirte Essige darzustellen.
XIII.
Die ätherischen Oele wirken wie Gifte auf unseren Körper ein, wenn sie
innerlich in großen Dosen oder zu häufig eingenommen werden. Daher auch
der Mißbrauch mancher Liqueure nicht allein durch den Alcohol, den sie
enthalten, sondern auch durch die flüchtigen Oele, mit denen sie parfümirt
sind, nachtheilige Folgen bringt. Geradezu gefährlich kann das Kölnische
Wasser werden, wenn es getrunken wird. Der Arzt kommt oft nur durch Zufall
dahinter, daß eine solche stille, geheim gehaltene Neigung bei seiner
Patientin die Ursache der räthselhaften Krankheitserscheinungen ist. –
Viele, doch bei Weitem nicht alle flüchtigen Oele wirken, innerlich
verordnet, antiseptisch, und werden besser von unserem Körper als von den
niederen Organismen ertragen, die es oft in unserem Körper zu bekämpfen
gilt. Daher die Benutzung mancher flüchtigen Oele zu ärztlichen Zwecken. –
Die flüchtigen Oele nehmen Sauerstoff aus der Luft auf und erfahren dabei
eine Oxydation. Bei manchen dieser Oele verläuft der Oxydationsvorgang
sehr rasch und zwar um so rascher, je feiner sie in der Luft vertheilt
werden. Licht und Feuchtigkeit fördern diesen Vorgang, bei welchem in der
Luft das gasförmige Ozon oder das gleich wirksame flüssige
Wasserstoffsuperoxyd entstehen. Ihnen ist der belebende Einfluß
zuzuschreiben, den weingeistige Lösungen von flüchtigen Oelen, im Zimmer
verstäubt auf die Athmenden ausüben. Besonders stellt sich diese Wirkung
ein beim Verstäuben jener flüchtigen Oele, welche die Chemie als Terpene
zusammenfaßt, weil sich diese an der Luft am schnellsten oxydiren.
Physiologisch interessant ist es, an Parfüms die hohe Leistungsfähigkeit
unseres Geruchssinns zu erproben. Einige Milligramm Moschus reichen aus,
um einen Raum, der häufig gelüftet wird, Jahre lang mit Moschusduft zu
erfüllen. Wir riechen diesen Moschus, und doch kann er in jener Luft, die
uns umgibt, nur in unnennbar geringen Mengen vorhanden sein. Directe
Versuche, die Passy mit alkoholischen Lösungen stark riechender Substanzen
anstellte, haben ergeben, daß fünfhundert Tausendstel eines Milligramms
Vanillin ausreichen, um ein Liter Luft merklich zu parfümiren. Derselbe
Effect wird schon mit fünf Tausendstel Milligramm Camphor erreicht; von
dem künstlichen Moschus reichten gar fünf Millionstel eines Tausendstels
Milligramm aus, um wahrgenommen zu werden. Will man diese Menge in Zahlen
ausdrücken, so ergibt das 0,000 000 000 005 Gramm. Dabei steht die
Leistungsfähigkeit des Geruchssinns beim Menschen gegen diejenige vieler
Thiere noch bedeutend nach.
XIV.