In den Gärten von der Mortola wird Jeder gern auch den Namen und die

Heimath von zwei Pflanzen erfahren wollen, die ihm in den Gärten der

Riviera sicher zuvor schon aufgefallen sind: nämlich der _Wigandia

Caracasana_ und des _Echium frutescens_ Die erstere ist eine stattliche,

aus Venezuela stammende Blattpflanze, die bis zwei Meter Höhe erreicht.

Ihre sehr großen Blätter sind elliptisch, am Rande doppelt gezähnt,

beiderseits behaart, an der Oberseite etwas rostfarbig. Die großen

violetten, mit gelben Staubfäden versehenen Blüthen bilden ährenförmige

Blüthenstände. Wie bei anderen Vertretern derselben Familie, der

Hydrophyllaceen und der nah verwandten Familie der Boragineen oder der

Boretsch-Gewächse, sind die Blüthenstände von Wigandia in ihrem oberen

Theile schneckenförmig eingerollt. Der eingerollte Theil ist noch unfertig

und rollt sich in dem Maße auf als seine Blüthenknospen reifen. Solche

Einrichtungen gewähren den Vortheil einer sehr langen Blüthezeit. Da kann

die blühende Pflanze schlechte Witterung, oder sonst wie ungünstige Zeiten

überdauern, ohne daß ihre Samenbildung ganz verhindert werde. Wie diese

verhältnißmäßig große Wigandia, so gehörte zu derselben Familie der

Hydrophyllaceen das in unseren Gärten häufig cultivirte bescheidene

Hainschönchen, die _Nemophila insignis_; zu den nah verwandten Boragineen

rechnen wir von unseren Gartengewächsen unter anderen das als

Küchengewächs wohlbekannte Gurkenkraut (_Borago_), von wildwachsenden

Pflanzen unserer Flora den nicht minder verbreiteten Natterkopf (_Echium

vulgare_). Das in den Gärten der Riviera so auffällige, oft bis zwei Meter

hohe, mexikanische Echium frutescens, ist eigentlich nur eine

Riesenausgabe dieses letzteren. Wer unseren Natterkopf kennt, wird auch

jenes Riesen-Echium erkennen und unter den anderen Gewächsen des Gartens

sicher herausfinden. Es trägt dieselbe blaue, kolbenförmige Blüthenähre

wie unser Echium, nur fällt dieselbe eben durch ihre Größe auf.

Doch wir wenden uns nun einem Baume zu, dessen Zweige einst wie jetzt den

Sieger schmückten, dessen Blättern freilich auch die bescheidene Aufgabe

zufällt, unsere Speisen zu würzen. Der edle Lorbeer, der mit italischen

Bildern ebenso wie die Agrumi verwebt erscheint, ist in Südeuropa sicher

heimisch gewesen, sein Cultus pflanzte sich hingegen allem Anschein nach

von Kleinasien über das Mittelmeer fort. Er wurde dem Apoll geweiht und in

dem Maße, wie die Zahl apollinischer Heiligthümer in Griechenland zunahm,

breiteten sich auch die aromatisch duftenden, immergrünen Lorbeerhaine

immer mehr über dieses Land aus. Mit den griechischen Gottheiten gelangte

der Lorbeerbaum auf italischen Boden, und es begleitete ihn dort zugleich

als Cultus-Gewächs die der Aphrodite geweihte Myrte.

Allgemein war im Alterthum der Aberglaube, daß der Lorbeer gegen Dämonen,

gegen Zauber und auch gegen Ansteckung schütze. So suchte, wie berichtet

wird, der furchtsame Commodus im Lorbeerhaine Rettung, wenn die Pest im

Anzug war. Kronen von Lorbeer legte man Wahnsinnigen um Schläfe und Hals,

um sie zu heilen. Lorbeerfrüchte oder -Blätter genossen die Priester des

Apollo, wenn sie weissagen sollten; Lorbeer trugen Propheten, wenn sie

eine Stadt betraten. Der Lorbeer sühnte das vergossene Blut. Daher die

römischen Legionen sich, ihre Feldzeichen und Waffen mit Lorbeer

reinigten, gleich nach dem Siege. Das hatte den Lorbeer folgerecht auch

zur Trophäe des Sieges und zum Zeichen der glücklich vollbrachten

Waffenthat gemacht. Als eine Freude und als ein Glück verheißendes

Augurium wurde verkündet, es sei am Tage, an welchem Augustus das Licht

der Welt erblickte, ein Lorbeer vor dem Palatin entsprossen. Die

reinigende Kraft des Lorbeers veranlaßte dessen Verwendung zu Aspergillen.

Der Strenggläubige besprengte sich beim Eintritt wie beim Ausgang aus dem

Tempel mit dem Lorbeerzweig, den er in das Weihwasser tauchte, und gern

auch nahm er beim Herausgehen ein Lorbeerblatt vom Sprengwedel in den

Mund. Die römisch-katholische Kirche hielt sich nicht an den Lorbeer als

Sprengwedel, übernahm vielmehr den Ysop (_Origanum Smyrnaeum_) zu gleichem

Zwecke von den Juden.

Der Lorbeer brennt, nach Plinius, nur unwillig und zeigt dies durch sein

Knistern an. Der feuerabwehrenden Kraft des Lorbeers wurde es

zugeschrieben, daß bei dem großen Brande Roms unter den Consuln Spurius

Postumius und Piso, als die Regia in Flammen stand, das Sacrarium

unversehrt blieb, da ein Lorbeer vor demselben stand. Andererseits war es

gerade das Lorbeerholz, das im Alterthum zur Erzeugung des Feuers diente;

doch fing es nicht selbst Feuer, es bildete vielmehr, wie uns Theophrast

und Plinius berichten, das Reibholz, während die Unterlage, die durch

Reibung entzündet wurde, meist aus Wegedorn (_Rhamnus_) oder aus Epheuholz

bestand. Ein reines Feuer zu den Sacra durfte nur der Reibung zweier

glückbringender Hölzer entstammen, oder den Sonnenstrahlen, die man mit

Hülfe von Brenngläsern oder von metallischen Hohlspiegeln sammelte. Der

Lorbeer sollte auch die Blitze abwehren. Daher auch der abergläubische

Tiberius, wie Suetonius berichtet, sich mit Lorbeer bekränzte, wenn ein

Gewitter nahte. Gewisse Erfahrungen mögen die Vorstellung erweckt haben,

daß dem Lorbeer bei Gewittern besondere Kräfte innewohnen. Denn es werden

nicht alle Bäume gleich häufig vom Blitze getroffen. Auch bei uns schlägt

der Blitz fast niemals in Wallnußbäume ein, am häufigsten aber in Eichen.

Es hängt das mit der elektrischen Leitungsfähigkeit des Holzkörpers

zusammen, die bei den einzelnen Baumarten eine verschiedene ist. Aus den

angestellten Versuchen und dem statistischen Material scheint sich zu

ergeben, daß Bäume, die zur Jahreszeit der Gewitter verhältnißmäßig viel

fettes Oel in ihrem Holzkörper führen, dem Blitzschlag am wenigsten

ausgesetzt sind. Abgestorbene Aeste an einem Baume erhöhen für denselben

die Blitzgefahr. Daß die Eichen am häufigsten vom Blitze getroffen werden,

mußte von jeher auffallen, daher die Eiche auch dem Donnergott geheiligt

war. Von dem Lorbeer ist die gegentheilige Erfahrung weniger sicher, zum

Mindesten ist sie in Zweifel gezogen worden.

Zu den Lorbeerarten gehört auch der Campherbaum (_Laurus Camphora_), der

im westlichen China und in Japan zu Hause ist und im La Mortola-Garten

sehr gut gedeiht. Völlig ausgewachsen, kann er bis fünfzig Meter hoch und

sechs Meter dick werden. Seine Blätter verbreiten beim Zerreiben einen

merklichen Camphergeruch. Der Campher wird aber im Großen nicht aus den

Blättern, sondern aus dem Holzkörper dieses Baumes durch Sublimation

gewonnen.

Die zu den Laurineen gehörenden Zimmetbäume sind in La Mortola ebenfalls

zu sehen, freilich nicht die wichtigste Art derselben, das in Ceylon

heimische _Cinnamomum ceylanicum_, sondern zwei chinesische und japanische

Arten. Der Zimmet des Handels besteht aus der Rinde junger Schößlinge,

welche nach starken Regengüssen geschnitten und geschält werden.

Im schroffen Gegensatze zu diesen duftenden Pflanzen steht eine andere

Laurinee, ein hier prächtig gedeihender, immergrüner Baum, dessen Name:

_Orcodaphne californica_, zugleich die Heimath angibt. Häufig wird er in

den Gärten als _Laurus regalis_ bezeichnet. Er gleicht in der That in

seinem Aussehen einem Lorbeer, zerreibt man aber eines seiner Blätter

zwischen den Fingern, so strömt ein ätherisches Öl aus, dessen geringste

Mengen schon in hohem Grade die Schleimhaut der Geruchsorgane angreifen.

In Californien verweilt man nicht gern in der Nähe eines solchen Baumes,

wenn der Wind von dessen Seite weht, denn die flüchtigen Öle, mit denen er

sich beladen. hat, reizen zum fortdauernden Niesen.

Man wird sich in La Mortola auch mit einer anderen Laurinee, der _Persea

gratissima_, bekannt machen können, welche in den Gärten der Tropen viel

cultivirt wird und die Aguacatebirnen liefert. Die Krone dieses schönen

Baumes breitet sich domartig aus, seine Blätter gleichen denjenigen des

Lorbeers. Die birnförmigen, doch oft auch sehr unregelmäßig gestalteten

Früchte sind große Steinfrüchte, mit einem Kern im Innern. Ihr Fleisch

schmilzt wie Butter auf der Zunge und erinnert im Duft an die feinsten

Moschusmelonen. Die Mexikaner essen die Aguacaten vornehmlich als Salat

und suchen sich in der schmackhaften Zubereitung derselben zu überbieten.

Auch noch einige andere tropische Früchte reifen gut im La Mortola-Garten,

so die Guavas oder Guayaben, welche man von zwei Psidiumarten dort erntet.

Die Gattung Psidium gehört zu den Myrten-Gewächsen und wird in allen

Tropenländern cultivirt. Die Guavas vertreten dort in gewissem Sinne

unsere Stachelbeeren, denn sie sind eben so fruchtbar, beginnen rasch

Früchte zu tragen und lassen sich leicht vermehren. Sie wachsen zu

Sträuchern oder kleinen Bäumen mit immergrünen Blättern empor und tragen

Früchte, die in ihrer Größe zwischen der Wallnuß und dem Hühnerei

schwanken. Diese Früchte werden ohne Zuthat oder mit Wein und Zucker

gegessen. Manche erinnern an Erdbeeren, andere besitzen einen

süßsäuerlichen Geschmack, andere noch einen so durchdringenden Duft, daß

sie nicht Allen munden. Sehr geschätzt werden auch die Guavas-Gelées in

den Tropen, und man beginnt dieselben auch nach Europa einzuführen.

Eine andere in La Mortola cultivirte Myrtacee, die _Jambosa vulgaris_,

liefert »Rosenäpfel«, welche den Geschmack reifer Aprikosen haben und nach

Rosenwasser duften. Der Baum selbst ist reich verzweigt und trägt

immergrüne Blätter, die in ihrer Gestalt den Pfirsichblättern gleichen.

Wichtig sind, mehr noch ihres Holzes als ihrer Früchte wegen, die zu den

Ebenholzbäumen gehörenden Diospyros-Arten. Der japanisch-chinesische

_Diospyros Kaki_, den man in La Mortola zieht, liefert die Kakis. Ein

kleiner Baum mit eirunden Blättern, gelblichweißen Blüthen und runden,

etwa pfirsichgroßen, röthlichgelben Früchten. Diese Früchte müssen

überreif werden, um feinen Geschmack zu gewinnen, dann halten sie die

Mitte zwischen Pflaumen und Aprikosen. An der Riviera reifen die Kakis im

October. In Japan benutzt man auch das Holz dieser Bäume, das dem Holz

unserer Wallnußbäume ähnelt. Doch weit übertroffen wird das Kakiholz von

dem Holz der südindischen und ceylonischen _Diospyros Ebenum_ und anderen

ihm nahe verwandten Arten, welche das Ebenholz liefern. Das schwarze

Kernholz dieser Bäume war schon im Alterthum bekannt. Es galt als das

geschätzteste Holz jener Zeiten. Nicht nur Theophrast, sondern auch das

alte Testament sind seines Lobes voll. Seine Dichte und seine dunkle

Färbung verleihen ihm so hohen Werth; durch seine Schwere ist es leicht

von anderen schwarz gebeizten Hölzern zu unterscheiden.

Die zu den Anacardiaceen gehörige ostindische _Mangifera indica_, den

Mango-Baum, der die köstlichste Frucht der Tropen liefert, gelang es bis

jetzt nicht in La Mortola zu erhalten. Wohl aber wird man zahlreiche

andere Anacardiaceen sehen. Zu diesen gehört auch der mit hellgrünen

gefiederten Blättern und mit rothen Fruchttrauben versehene Baum, dem man

so oft in den Gärten und an den Straßen der Riviera begegnet und der

_Schinus Molle_ heißt. Dieser Baum wird als Pfefferbaum bezeichnet. Mit

dem echten Pfeffer haben seine pfefferkorngroßen Beeren aber nichts

gemein. Der echte Pfeffer stammt vielmehr von schlanken ostindischen

Lianen (_Piper nigrum_), die nach Art des Epheus klettern und mit

Luftwurzeln an der Unterlage haften. Die Fruchttrauben von _Schinus Molle_

sind aber denjenigen des Pfeffers wirklich ähnlich und nähern sich dem

Pfeffer auch im Geschmack. Ein Getränk, das in Peru und Brasilien aus

diesen Beeren dargestellt wird, soll an Wein erinnern. Es liegt für uns

nahe, auch die in La Mortola cultivirten Vertreter der Gattung Zizyphus zu

beachten. Befindet sich doch unter denselben der in Südeuropa und an der

nordafrikanischen Küste einheimische _Zizyphus lotus_. Im Alterthum wurden

mehrere Pflanzen Lotus genannt, doch ist _Zizyphus lotus_ allem Anschein

nach jener Strauch, den Theophrast als Lotus bezeichnet. Von den Früchten

dieses Strauches wäre somit schon bei Homer die Rede. Sie bildeten ein

wichtiges Nahrungsmittel der Armen, und die Bewohner von Tunis und

Tripolis hießen, weil sie sich vornehmlich von diesen Früchten ernährten,

Lotophagen. Die Pflanzengattung Zizyphus gehört zu den Kreuzdorn-Gewächsen

(_Rhamneen_). Die Früchte von _Zizyphus lotus_ sind so groß wie Schlehen;

ihr mehliges Gewebe, das den inneren Kern umgibt, kann zu Brod verbacken

werden und auch ein gährendes Getränk liefern. Aus den Früchten anderer

Arten, so vor Allem des _Zizyphus vulgaris_, eines in Syrien heimischen

Bäumchens, und von _Zizyphus jujuba_, einem Bäumchen, das in Ostindien

wächst, werden die früher sehr beliebten Jujubapasten dargestellt. Von

_Zizyphus spina Christi_, einem im Thale des Jordan und am Todten Meere

verbreiteten dornigen Strauche, dem Nebeg oder Sfidr, geht die Sage, aus

ihm sei die Dornenkrone Christi geflochten worden. Man hat auch die in

unseren nordischen Gärten cultivirten dornigen Gleditschien als

Christus-Akazien bezeichnet und mit ihnen die Vorstellung von Christi

Dornenkrone verknüpft, doch dies unter allen Umständen mit Unrecht, da die

Gleditschien erst im achtzehnten Jahrhundert aus Nordamerika eingeführt

wurden. Die Zizyphus-Arten werfen des Winters ihre Blätter ab, treiben

aber zeitig im Frühjahr und bedecken sich mit sehr dunklem Laub. Da sie

sehr dünne Zweige haben, hängen diese abwärts und gewähren mit den sich

röthenden Früchten beladen, später ein sehr zierliches Bild.

Unter den Anacardiaceen von La Mortola, die ein besonderes Interesse

bieten, befindet sich auch der echte Pistazienbaum (_Pistacia vera_), dann

die _Rhus succedanea_, welche das japanische Baumwachs liefert, sowie die

_Rhus vernicifera_, aus deren Milchsaft die Japaner den berühmten

japanischen Lack bereiten. Das Ausfließen dieses sehr giftigen Milchsaftes

wird durch Einschnitte in die Rinde veranlaßt. Um den Lack aus ihm zu

machen, versetzt man ihn mit dem Öle von _Bignonia tomentosa_, oder von

_Perilla ocymoides_ und fügt auch wohl Zinnober hinzu. Die _Rhus

vernicifera_ hält im Freien selbst in den wärmeren Theilen von Deutschland

aus.

Ein äußerst niedlicher Strauch ist _Capparis spinosa_, welcher die echten

Kapern liefert. Im Blüthenschmuck sieht man ihn erst im Herbst, und wer

einmal um jene Zeit, am Comer See entlang, von Cadenabbia nach Tremezzo

wanderte, dem werden sicher vor dem Eingang in den letzten Ort die

dunkelgrünen Kapernsträucher an der Mauer, wegen ihrer schönen Blüthen,

aufgefallen sein. Lange violette Staubgefäße in großer Zahl strahlen aus

der schneeweißen zarten Blüthenhülle hervor, freilich hier so hoch an der

Mauer, daß man sie nur schwer erreichen kann. An vielen Orten der Riviera

wird der Kapernstrauch im Großen gezogen, seine Blüthenknospen sind es und

nicht die Früchte, die als Kapern dienen. Man pflückt sie im Sommer und

legt sie in Weinessig ein; viel Tausende von Kilogrammen Kapern werden so

in der Provençe bereitet.

Staunend bleibt man wohl im La Mortola-Garten vor einer Nachtschattenart,

dem baumartigen _Solanum Warszewiczii_, stehen, an welchem Früchte von

Größe und Gestalt der Hühnereier hängen. Dann bemerkt man auch das

krautartige _Solanum Melongena_, dessen gurkenförmige violette Früchte

gekocht werden, und oft als Gemüse den Braten an italienischer Tafel

garniren.

Unter den krautartigen Gewächsen fallen uns auch wohl manche

Doldenpflanzen (Umbelliferen) durch ihre Größe auf. Sie sind bei weitem

mächtiger noch als die Meisterwurz, die _Imperatoria_, unserer Gärten

entwickelt. Besonders imponirt _Ferula communis_, das Stecken- oder

Ruthenkraut, das auch eine eigene Geschichte besitzt. Dieses

Doldengewächs, das am Mittelmeer zu Hause ist, kann eine Höhe bis zu vier

Meter erreichen. Den Stengel benutzte man im Alterthum zu Spazierstöcken

und seiner Zähigkeit wegen auch zum Züchtigen von Sklaven und Kindern,

wozu man ihn zuvor im Wasser einzuweichen pflegte. Davon kommt der Name

_Ferula_, der von _ferire_ (geißeln) abgeleitet ist. Das Mark des Stengels

ist sehr locker und wird heute noch in Sicilien als Zunder benutzt. Das

Feuer glimmt in diesem Mark fort, und daher geht die Sage, Prometheus habe

in einem solchen Ferulastengel das Feuer zur Erde gebracht, das er dem

Zeus entwandte. – Der _Ferula communis_ steht sehr nah der Stink-Asand,

die _Ferula Scorodosma_ der persischen Steppen. Sie ist eine derjenigen

Umbelliferen, welche die _asa foetida_ liefern. Dieses Gummiharz entstammt

vornehmlich der Wurzel dieser Pflanzen. Sein Duft hält die Mitte zwischen

Knoblauch und Benzoë. Die Pflanze war allem Anschein nach schon den Alten

bekannt und von ihnen als Silphium bezeichnet. Das Gummiharz hieß Laser.

Mit dem Laser würzte man die Speisen und die Perser benutzen es heute noch

als Gewürz. Auch gab es eine Zeit, wo _asa foetida_ in Frankreich beliebt

war, und man mit derselben die Suppenteller einrieb, um die Suppe

»schmackhafter« zu machen.

Der graublätterige, immergrüne Baum, welcher »japanische Mispeln« trägt,

die »_Eriobotria_« oder _Photinia japonica_ ist in den Gärten der Riviera

so verbreitet, daß man ihn in La Mortola schon als alten Bekannten

begrüßt. Die lichtgelben, säuerlich-süßen, pflaumengroßen Früchte hat man

oft schon bei Mahlzeiten genossen, sie allenfalls auch schmackhaft

gefunden, wenn sie sehr reif und frisch waren. Der Baum stammt

ursprünglich wohl aus China. Rein’s Angaben zufolge ist er 1787 mit

anderen Ziergewächsen und Nutzpflanzen durch Sir Joseph Banks nach England

gebracht worden. Jetzt reicht er über ganz Italien und ist selbst am

Genfer See zu finden.

Diesem Baume nahe verwandt ist ein anderer von gleich geringer Höhe, der

in den Gärten der Riviera sehr viel cultivirt wird und jedem

Pflanzenfreund daher auffallen muß: die in Japan und China heimische

_Photinia serrulata_. Ihre großen Blätter sehen lorbeerartig aus, zwischen

denselben leuchten die flachen weißen Blüthenrispen hervor. Aus der Ferne

sehen sie fast so wie die Blüthenstände unseres Holunders aus. Die

Photinien gehören zu den Rosifloren. Sie zeigen manche Übereinstimmung mit

den Weißdornarten, der Gattung _Crataegus_, und werden mit denselben zum

Theil vereinigt. Im La Mortola-Garten ist die in der Nähe des Einganges

stehende _Photinia serrulata_ daher auch mit ihrem Synonym als _Crataegus

glabra_ bezeichnet.

Mit einigem Interesse sieht man sich im Garten von La Mortola einen

stattlichen, mit harten, kleinen Blättern bedeckten Baum, die _Quillaja

Saponaria_ an, der, wie die japanische Mispel, zu den rosenblüthigen

Gewächsen gehört, merkwürdig aber durch seine saponinreiche Rinde ist.

Diese Rinde, die als Panamaholz aus Chile importirt wird, schäumt in

Wasser auf wie Seife, steht als solche in Chile allgemein im Gebrauch,

dient auch bei uns zum Waschen von Wolle und Seide und zu kosmetischen

Zwecken.

Als wohl bekannte Pflanzenform begrüßt man den Johannisbrodbaum oder

Caroubier (_Ceratonia siliqua_). Man hat ihn schon in weit prächtigeren

Exemplaren in der Umgebung von Mentone gesehen. Alte Stämme erinnern in

der Form an unsere Eichen; an den paarig gefiederten lederartigen Blättern

ist aber der Johannisbrodbaum als solcher sofort zu erkennen. Die Hülsen,

Leckerbissen, die auf keinem Jahrmarkt fehlen, und an denen sich Kinder

allgemein erfreuen, sind im Frühjahr noch so klein, daß man sie an den

Zweigen suchen muß. Aus den reifen Hülsen wird ein süßer, honigähnlicher

Saft gepreßt, der als Keratameli im Orient genossen wird. Mit diesen

Hülsen soll, der Sage nach, Johannes der Täufer sich in der Wüste ernährt

haben und der Baum nach dem Vorläufer des Messias seinen Namen führen. Die

reifen Samen innerhalb der Hülsen zeichnen sich durch auffallend

übereinstimmende Größe aus, woraus sich erklärt, daß sie einst als

Gewichte dienten und der kleinen Einheit im Gold- und Diamantengewicht den

Namen gaben. Denn Karat stammt von Kerateia, dem griechischen Wort für

diese Hülse. Um gute Früchte zu tragen, muß der Baum veredelt werden, und

es waren jedenfalls die Araber, welche die bessere Fruchtform dieses

Baumes am Mittelmeer verbreiteten. Er ist in Süd-Arabien wohl zu Hause,

doch an vielen Orten der Riviera jetzt verwildert.

Im La Mortola-Garten werden auch der Theestrauch und Kaffeebaum im Freien

gezogen. Der Theestrauch, der baumförmig bis zu fünfzehn Meter Höhe

emporwachsen kann, macht den Eindruck einer Camellie, und in der That

gehört er auch wie diese zu der Familie der Ternströmiaceen, ja er wird

jetzt sogar als _Camellia Thea_ mit dem Camellienbaum in derselben Gattung

vereinigt. Der Name Camellia, den diese Pflanzengattung führt, klingt so

poetisch, vielleicht weil man an die »Camelien-Dame« bei demselben denkt;

thatsächlich hat er aber einen viel prosaischeren Ursprung. Er entstand

nämlich aus Kamel, dem Familiennamen eines Jesuitenpaters, der vor mehr

als anderthalb Jahrhunderten die Camellie aus Manilla nach Spanien

brachte. Diesem Georg Kamel zu Ehren benannte Linné die Pflanze, er fügte

_japonica_ hinzu, da die Camellie in Japan zu Hause ist, und von dort aus

auch nach Manilla gelangt war. – Die Blüthen des Theestrauches erinnern

sehr an die ungefüllten Camellien und haben zahlreiche Staubfäden wie

diese. In La Mortola blüht der Theestrauch im September. Seine

porzellanweißen, rosa angehauchten Blüthen, die sich aus den Blattachseln

vordrängen, verbreiten einen nur schwachen Duft. Nach den Berichten des

Rev. B. C. Henry ist die _Camellia Thea_ wild in großen Mengen noch im

Innern der südchinesischen Insel Hainon zu finden. Die zahlreichen

Theesorten verdanken der verschiedenen Zeit des Einsammelns, dem

verschiedenen Alter der eingesammelten Blätter und deren verschiedener

Behandlung ihre besonderen Eigenschaften.

Der arabische Kaffeebaum, die _Coffea arabica_, ist ein kleiner

pyramidaler Baum, der bis zu fünf oder sechs Meter Höhe emporwächst. Er

trägt seine immergrünen dunklen Blätter in gekreuzten Paaren. Die weißen,

nach Orangen duftenden Blüthen stehen gehäuft in den Achseln der obersten

Blätter. Die Früchte, die aus diesen Blüthen hervorgehen, sind

kirschgroße, dunkelrothe Beeren, die zwei Samen, die sogenannten

Kaffeebohnen, enthalten. Der Kaffeebaum führt seinen Namen nach dem

Bergland Kâfa im südlichen Abyssinien. Man hat überhaupt die südlichen

Provinzen von Hoch-Abyssinien für den Ursprungsort des arabischen

Kaffeebaumes gehalten, doch ist derselbe in neuerer Zeit wild am

Victoria-Nyansa und in Westafrika gefunden worden, so daß Centralafrika

wohl die eigentliche Heimath dieser Culturpflanze sein dürfte. Afrika hat

uns neuerdings auch noch eine zweite Art des Kaffeebaumes geliefert, die

_Coffea liberica_. Sie wird in den tiefer gelegenen Theilen der tropischen

Küstendistricte gefunden, ist gegen Temperaturwechsel empfindlicher als

die _Coffea arabica_, verträgt aber besser die Seewinde. Da sie durch

Größe der Samen und feines Aroma derselben ausgezeichnet ist, so beginnt

ihre Cultur sich über die tropischen Länder bereits auszubreiten.

In den Kaffeegärten Arabiens und Abyssiniens wird auch ein zu den

Celastrineen gehörender Strauch cultivirt, mit gegliederten Ästchen,

lederartigen, lanzettförmigen Blättern, den man in La Mortola sehen kann

und der _Catha edulis_ heißt. Es ist das die Khatpflanze, deren

getrocknete Blätter von den Arabern theils wie Tabak gekaut, theils auch

mit Wasser aufgebrüht und als Thee genossen werden. In Südamerika dienen

andererseits ganz allgemein der Theebereitung die Blätter des _Ilex

paraguayenses_ einer dem Khatstrauch ziemlich nah verwandten Aquifoliacee,

die in Paraguay und Brasilien zu Hause ist. Man bezeichnet diese Blätter

dort als _Yerba_ oder als _Mate_. Dieser Strauch wird zwar im La

Mortola-Garten nicht cultivirt, doch sieht man dort andere immergrüne

Ilex-Arten, die ihm sehr ähneln. – Die vorhandenen Arten der

Sterculiaceen-Gattung _Sterculia_ können andererseits auch das Bild der

_Sterculia acuminata_ oder _Cola acuminata_ ersetzen, welche den

afrikanischen Negern die »Kolanüsse« liefert. Diese Früchte sehen wie

Kastanien aus und haben schwach bitteren Geschmack. Die Neger wissen sie

nicht genug zu preisen, denn sie sollen den Körper stärken, schlechtes

Wasser trinkbar machen, gegen allerlei Krankheiten helfen, den Hunger

stillen und das Gemüth erheitern. Thatsächlich enthalten auch die

Kolanüsse Theïn, ähnlich wie die Thee- und Kaffeepflanzen und außerdem

Theobromin wie die Chocolade. Der Genuß dieser Früchte beginnt jetzt bis

nach England vorzudringen.

Es fällt im La Mortola-Garten wie in den anderen Gärten der Riviera wohl

auf, daß die Camellien, Rhododendren und Azaleen so stark gegen andere

Pflanzen zurücktreten. Man erblickt sie nur vereinzelt und bei weitem

weniger schön und kräftig wie etwa an den italienischen Seen entwickelt.

Das hat in der Zusammensetzung des Bodens seinen Grund. Der so überaus

kalkreiche Boden der Riviera sagt diesen Pflanzen nicht zu, die

ausgeprägte Humusbewohner sind, außerdem reiche Bewässerung verlangen.

Streifzüge an der Riviera · 第 4 / 18 段