geboren 22. September 1905, verschwand 15. Januar 1924.
Der Junge war etwas leicht. Der Vater, ein stiller, sanfter,
schwermütiger Mann, hatte nicht rechte Gewalt über ihn. Am 13. Januar
blieb er die Nacht fort und log den Eltern vor: „Ich war auf dem
Maskenball.“ Am 15. ging er früh gegen 8 vom Hause fort, und wird
seitdem vermißt. – Er trieb sich viel herum in gleichgeschlechtlichen
Kreisen; den Winter über half er, da er keine andere Arbeit fand,
zusammen mit seinem Freunde, dem Klempner Tolle, beim Pantoffelmacher
Otto Moshage, einem auffallend klug und edel aussehenden Menschen. Dem
erzählte er bei der Arbeit: „Ich möchte gern von Haus fort. Die Eltern
liegen mir immer in den Ohren. Sie machen immer Vorwürfe. Aber ich habe
einen Bekannten. Er ist Kellner im Reichshof; wohnt in der Altstadt; hat
mir fünfzig Zigaretten geschenkt; da hab ich schon mal geschlafen.“ –
Moshage, der das Treiben beim Bahnhof und Theater genau kannte, und den
Koch schon in Gesellschaft des Haarmann gesehen hatte, fragte nach dem
Namen des Kellners. Der Junge wurde verlegen. Der Pantoffelmacher sagte:
„Sag doch die Wahrheit. Es ist Fritz Haarmann.“ Der Junge sagte: „Es
stimmt.“ – Haarmann behauptet zwar, nach dem Bilde den Jungen nicht zu
erkennen; aber alle seine Sachen haben sich wiedergefunden; Theodor
Hartmann, der Sprößling der Engel aus einer ihrer früheren Ehen, hatte
sie für Haarmann an allerlei dunkles Volk verkauft, und so sagt denn
Haarmann, wie bei allen Morden, wenn sie _bewiesen_ sind: „Es wird wohl
stimmen.“