geboren 20. Oktober 1910, verschwand am 27. Oktober 1923.
Der 13jährige Heinz, Sohn der Witwe Frieda Brinkmann in Clausthal am
Harz, soll an einem Ferientage Richard besuchen, seinen Bruder, der als
Füsilier in der Reichswehr dient; in der Bultkaserne in Hannover. Von da
will er noch ein paar Tage zu Tante Emma in Uelzen. Die sorgliche Mutter
begleitet den Jungen ein Stück bis zum Bahnhof. 1 Uhr 59 geht der Zug ab
vom Bahnhof Frankenscharrerhütte. Nachmittags 6½ ist er in Hannover. Der
Junge kommt aber nicht an. Die arme Mutter begnügt sich nicht mit der
Vermißtenanzeige („Wenn Sie was hören, dann geben Sie uns Bescheid“),
sondern wendet sich sofort an ein Detektivbüro. Man kann feststellen,
daß der Knabe den Zug 1.59 nicht mehr erreichte, sondern vom Bahnhof
Lautenthal abgefahren ist mit dem Zuge um 5, der gegen 11 in Hannover
eintrifft. Wo er dann aber übernachtet hat, läßt sich nicht feststellen.
Monate nachher kommt folgende Spur: Ein Herr aus Bremerhaven, Hermann
Otto, der in der „Jugendfürsorge“ tätig ist, hat eines Abends im Oktober
1923 zwischen 11 und 12 Uhr nachts auf dem Hauptbahnhof in Hannover eine
Beobachtung gemacht, die ihm im Gedächtnis blieb. In der Vorhalle stand
ein 14jähriger schlanker Knabe mit starkknochigem mageren Gesicht,
bekleidet mit einem braunen Manchesteranzug, leerem Rucksack unterm Arm,
den Hut in der Hand; noch ein älterer Mensch stand dabei und ein
kräftiger, gut gekleideter Herr sprach lebhaft auf die beiden ein.
Diesen Herrn aber hatte Otto, der auf der Durchreise nachts häufig in
Hannover auf dem Bahnhof Aufenthalt hatte, schon früher im Wartesaal
bemerkt. Er hatte sich nämlich verwundert, daß keiner ohne Fahrkarte
nachts die Wartesäle betreten durfte, daß aber dieser Herr beständig
ein- und ausging und alle jungen Leute zwischen 16 und 20 ansprach. Auf
die Anfrage bei einem Bahnbeamten, ob der Herr wohl auch von der
Jugendfürsorge sei, bekam er die Antwort: „Nein, das ist ein
Kriminalbeamter.“ – Es war Haarmann. Als acht Monate nach Verschwinden
des kleinen Heinz die Morde ruchbar wurden, und alle gefundenen Kleider
ausgestellt wurden, fuhren Mutter und Tante nach Hannover und finden auf
der Kriminalpolizei den Manchesteranzug, Rucksack und die Unterkleidung
des Kindes. – „Ich erkannte gleich die Hose. Richard hat sie zuerst
getragen und einen kleinen Tintenklecks hineingemacht. Die alte Frau
Dieckmann, die auch bei uns auf der Zipfel wohnt, hat das grüne Futter
eingesetzt und ich gab mein altes Inlett dazu.“ – Wieder stammt die Hose
aus dem reichen Kleiderbefund der Madam Wegehenkel. Ihr eigener kleiner
Rudi trug die Hose, aber als die Sache anfing brenzlich zu werden, hat
sie den Anzug an einen Lithographen verschenkt, der ihn zur Polizei
brachte. Der Knabe war zu spät in Hannover angekommen, um seinen Bruder
noch den selben Abend aufsuchen zu können. Er blieb auf dem Bahnhof.
Haarmann revidierte; versprach Unterkunft für die Nacht und hat ihn
getötet.