geboren 9. Juni 1908, verschwand 24. oder 25. Oktober 1923.
Der Sohn des Schlossers Christoph Wolf, Kleine Wallstraße, etwas
vernachlässigt, arbeitslos, schlecht gehalten, geht mit dem älteren
Bruder zum „Arbeitsnachweis“; hinterher treiben sie sich auf dem Bahnhof
herum. Der Jüngere sagt: „Karl, warte; ich will mal austreten, ich komme
wieder.“ Der Ältere wartet, aber Hermann kommt nicht zurück. Erst sechs
Tage nach dem Verschwinden wird die Vermißtenanzeige erstattet. Der
Vater gibt an, daß der Junge geäußert habe: „Ich habe mit einem Kriminal
am Bahnhof gesprochen. Ich hab’ ’en verdächtiges Gespräch gehört. Er hat
gesagt: „Ich soll auf die Polizei kommen; dort kriegt’ ich Belohnung.“
Acht Monate später, als die Morde herausgekommen sind, erkennt die
Mutter auf der Polizei unter 400 Asservaten die Stoffreste von ihrem
Sohn und kann an einer vom Vater genähten Westenschnalle beweisen, daß
das Zeug von ihrem Sohne stammt; die Stoffreste aber waren von der
Wegehenkel eingeliefert, die sie mit einer inzwischen verkauften Hose
von Haarmann als „Flickreste“ geschenkt erhalten hatte. Die Eltern rasen
gegen Polizei und Mörder. Der Vater ist manisch, rabiat, bedrohlich.
Wahrscheinlich ist _das_ der Grund, weswegen Haarmann feige und
verängstigt, grade diesen Fall zäh abstreitet, indem er besonders
anführt, daß er an seinem Geburtstage (24. Oktober) keinen umgebracht
haben könne, weil er an diesem Tage sich in den Gastwirtschaften der
Altstadt betrunken habe. Seine Taten aber seien immer in nüchternem
Zustand begangen. Alkohol lähme den Geschlechtstrieb. Zu den Eltern
redet er so: „Ich hatte meinen Geschmack. Einen so häßlichen Jungen wie
nach dem Bilde Eurer einer ist, hätte ich _nie_ genommen. Ihr sagt, daß
Euer Junge nicht mal ein Hemd anhatte. Und die Hosen waren mit Bindfäden
an sein Bein gebunden. Pfui Deibel! Schämt Euch, daß Ihr den Jungen so
lodderig laufen laßt. Stoffreste wie Eure da, gibt es viele. Bildet Euch
man nichts ein. Euer Junge war mir lange nicht gut genug.“ – Dieser Fall
mußte mit Freisprechung enden.