geb. 4. Februar 1907, verschwand 12. Oktober 1923.
Der Sohn des Schlossers Wilhelm Erdner in Gehrden, 16 Jahre alt, fuhr
jeden Morgen um sechs auf Vaters Rade zur Arbeit in die Maschinenfabrik.
Eines Samstags kam er nicht wieder. Der Vater geht schon am nächsten
Morgen zu Wilhelms Arbeitskollegen. „Habt Ihr Will gesehen?“ „Nein.“
Aber am Montag erzählt der 20 Jahre alte Lunghis, ein höchst
merkwürdiger Mensch, der sich in Gehrden herumtreibt (Psychopath: kalt,
frech, blond – es fehlen ihm beide Arme): „Herr Erdner, ich weiß wo Ihr
Wilhelm is. Kriminalbeamter Fritz Honnerbrock hat ihn mitgenommen.
Honnerbrock verkehrt in der Eisbeinecke an der Goethebrücke. Da sind wir
mit ihm gut bekannt geworden. Honnerbrock läuft immer mit Wilhelm rum.
Gestern hab’ ich Herrn Honnerbrock getroffen und nach Wilhelm gefragt.
Da sagte er: „Ach so, _der_! Den hab’ ich in der Schillerstraße
verhaftet und an das Polizeipräsidium abgeliefert. Wilhelm hat wohl was
ausgefressen?“ Die Eltern forschten nun auf dem Polizeipräsidium nach
dem Sohn und nach einem Kriminalbeamten namens „Honnerbrock.“
Vergeblich! Doch nach einiger Zeit trifft der Lunghis wieder den
vermeintlichen Kriminal Honnerbrock auf der Straße, geht auf ihn zu und
erkundigt sich. Der antwortet: „Auf den Fall kann ich mich gar nicht
entsinnen. Ich bin jetzt im Dienst. Kommen Sie man heute Abend um 7 in
die ‚Eisbeinecke‘. Dann können wir ’mal darüber sprechen.“ Aber abends
kam er nicht in die „Eisbeinecke“. Der junge Erdner blieb verschollen.
Erst im Sommer des nächsten Jahres stieß man auf dunkle Spur. Ein
Fahrradhändler namens Raupers, für dessen Geschäft Olfermann und
Haarmann mal als Detektive gearbeitet hatten, hatte durch Haarmanns
Vermittlung Mitte Oktober ein Rad gekauft. Das ging so zu: Haarmann
erschien am 20. Oktober 1923 im Laden des Raupers. „Raupers, tun Sie mir
einen Gefallen. Draußen steht ein junger Mann, arbeitslos, in Not
geraten. Kaufen Sie ihm sein Rad ab. Seien Sie nett.“ Der Händler ließ
sich überreden. Es war ein altes Modell, dunkelblauer Anstrich, ohne
Freilauf mit Keiltretlager. Der vermeintlich in Not geratene junge Mann
war – Grans. – Der Fahrradhändler arbeitete das Rad um, behielt dabei
aber zufällig den Bremshebel aus Aluminiumbronze zurück. Daran erinnerte
er sich, als die Mordgeschichten Haarmanns ans Licht kamen und lieferte
diesen alten Bremshebel auf der Polizei ab. Er stammte vom Rade, mit dem
damals der junge Erdner zur Arbeit fuhr. Und nun fand sich auch noch
dessen feldgraue Hose. Haarmann hatte sie an Frau Stille, die Tochter
der Wegehenkel, fortgeschenkt.