8. _Paul Bronischewski aus Bochum_,

geboren 14. August 1906, verschwand 24. September 1923.

Frau Ottilie Richter aus Bochum, eine abgehärmte, bleiche, gebrochene

Frau kommt, um anzuklagen. Ihr Sohn aus erster Ehe, ein vollkommen

solider Junge, noch völlig unschuldig, ein armer Dreherlehrling, fuhr an

seinem 17. Geburtstage nach Garz an der Havel, Bezirk Magdeburg, zu

seinem Onkel, dem Steuermann Schwarz. Er war dort willig, gefällig,

arbeitsam. Erschien aber gedrückt und ließ erkennen, daß er nicht gern

nach Bochum (das damals von den Franzosen besetzt war), zurückfahre,

weil er keinen ordnungsgemäßen Paß habe. Am 24. September ging er von

Garz nach der 11 km entfernten Kleinbahnstation Wulkau, um von dort nach

der Reichsbahnstation Schönhausen a. E. und dann nach Bochum

zurückzufahren. Er hatte aber wohl nicht genug Geld bei sich. Er ist

nicht angekommen. Alle Nachforschungen waren vergebens. Als ein Jahr

später die Morde Haarmanns aufkamen, und die bei ihm gefundenen Sachen

ausgestellt wurden, fuhren Pauls Mutter und Onkel nach Hannover und da

fanden sie einwandfrei seinen Tornister, seine Wanderhose, seine

Sportjacke aus grauem Cord, seine Stutzen, von der Mutter gestrickt;

sogar noch in Haarmanns Zimmer ein Handtuch, das die Mutter genäht

hatte. – Paul war in Hannover ausgestiegen, auf dem Bahnhof unter dem

üblichen Versprechen von Nachtlogis und Beschaffung von Arbeit,

mitgenommen und getötet worden.

Haarmann. Die Geschichte eines Werwolfs · 第 12 / 34 题