geb. 23. Juli 1905, verschwand 24. August 1923.
Heinrich Struß, 18 Jahre alt, Sohn eines Zimmermanns in Egestorf, war in
der Stadt in Stellung und wohnte bei seiner Tante Schaper in Leinhausen,
von wo er jeden Morgen mit der Eisenbahn zur Arbeitsstelle fuhr. Er kam
regelmäßig um 6 Uhr aus Hannover zurück und war noch nie eine Nacht
fortgeblieben. Eines Donnerstags aber im August kam er nicht von der
Arbeit heim. Der Vater in Egestorf, von der Tante sofort benachrichtigt,
fährt folgenden Morgens in die Stadt, um bei der Versicherungsfirma, bei
der der Sohn als Bürogehilfe arbeitet, sich zu erkundigen. Die Antwort
lautet: „Der ist schon mehrere Tage nicht zur Arbeit gekommen.“ Man
vermutet: „Er muß in schlechte Gesellschaft geraten sein.“ Oder: „Er hat
sich anwerben lassen ins Ausland.“ Die Polizei findet keine Spur.
Zuletzt war der Knabe gesehen worden mit einer jungen Freundin im Kino.
Erst ein Jahr später, als die bei Haarmann und in Haarmanns Kreis
beschlagnahmten Sachen auf dem Polizeipräsidium ausgestellt werden,
finden die Eltern darunter die grünen Stutzen mit brauner Kante, von der
Mutter gestrickt, den Selbstbinder und sogar den Schlüsselbund des
Vermißten, womit zu Hause aufgeschlossen werden: sein Koffer, sein
Schrank und sein verwaister Geigenkasten.