6. _Ernst Ehrenberg_,

geboren 30. September 1909, verschwand 25. Juni 1923.

Der kleine Ernst Ehrenberg, 13 Jahre alt, war ein ganz armes Kind, Sohn

eines braven Schusters, der Haarmanns Nachbar war. An einem Junimorgen

wurde der Knabe zu einem Kunden geschickt mit ausgebesserten Schuhen,

lieferte sie ab, aber kam nicht zurück. Vier Tage später begannen die

Schulferien. Es sollte an diesem Tage die Jugendabteilung des

„Christlichen Vereins junger Männer“ eine Ferienfahrt machen. Auch Ernst

und seine zwei Brüder Hans und Walter durften mitwandern. Als Hans und

Walter und der vierte Bruder Kurt (der statt des fortgebliebenen Ernst

nun mitdurfte) in das Christliche Vereinshaus kommen, sitzt dort der

Bruder Ernst im Vorflur auf der Fensterbank, trägt einen leeren Rucksack

und erzählt: „Ich bin in Meinersen bei Tante Wiesinger gewesen. Habe für

Mutter eine Kiepe Holz gesammelt.“ Als die drei Brüder sagen: „Mutter

sucht dich. Sie wird gleich hierher kommen,“ da erwidert Ernst

ängstlich: „Ne, ich mache lieber fort.“ Der jüngste Bruder begleitet ihn

noch ein Stückchen zum Bahnhof und kehrt dann zur Mutter zurück. Die

Mutter, in Unruhe versetzt, eilt zum Bahnhof. Das Kind ist verschwunden.

Erst ein ganzes Jahr später kommt Licht in die Sache. Und zwar dank der

grünen Schulmütze des Kindes! Kleine Knaben spielen in der Nähe von

Haarmanns Haus. Einem der Kleinen schenkt der „feine Herr“ im

Vorübergehen eine grüne Schülermütze. „Will einer die Kappe? Ich habe

sie einem frechen Buben beim Fußballspiel fortgenommen.“ Der arme kleine

Willi Liebetreu, ein Kuhjunge, bekommt die Mütze. Alle im Viertel kennen

den „Herrn Kriminal“. Als seine vielen Mordtaten aufgedeckt sind, bringt

der elfjährige Knirps die grüne Mütze zur Polizei und nun findet man bei

Haarmann auch die von Vater Ehrenberg selbst genähten Hosenträger. Wie

war es gewesen? Der junge Ehrenberg hatte das Geld für die

fortgebrachten Stiefel damals verloren oder vernascht. Er wagte aus

Angst vor Strafe sich nicht nach Hause, sondern ging zur Tante nach

Meinersen. Schlich dann aber sehnsüchtig, als der Ferienausflug kam, zu

seinen drei Brüdern ins „Christliche Vereinshaus“. Aber lief wieder

angstvoll zum Bahnhof, als er hörte, daß die erzürnte Mutter ihn suche.

Er lief dort dem Nachbar Haarmann in die Arme. Der nahm ihn mit nach

Haus und tötete ihn.

Haarmann. Die Geschichte eines Werwolfs · 第 10 / 34 题