II. S. 250.]

Wir hielten und warteten auf die Heimkehr einiger uns freundlich

gesinnter Wagogo-Reisender, die sich uns angeschlossen und die wir

gebeten hatten, unserm Bombay bei den Unterhandlungen über den Tribut

beizustehen; plötzlich kamen diese Wagogo in athemloser Eile zu uns

zurück und riefen: „Warum haltet Ihr hier? Wollt Ihr sterben? Diese

Heiden wollen den Tribut gar nicht nehmen, sondern rühmen sich, dass

sie Euer ganzes Tuch verzehren wollen.“

Die Wanyamwezi-Ueberläufer, welche in Wagogo-Familien hinein

geheirathet haben, haben uns in diesem Lande stets zur Plage gereicht.

Als der Häuptling von Khonze heraufkam, liess ich meine Leute

ihre Flinten laden und that dies auch mit meiner eigenen in sehr

demonstrativer Weise in seiner Gegenwart. Darauf ging ich auf ihn

zu und fragte ihn, ob er gekommen sei, um uns unser Tuch mit Gewalt

abzunehmen, oder ob er ruhig das annehmen wolle, was ich ihm anböte.

Als der Mnyamwezi, der diese Feindseligkeiten angeregt hatte, im

Begriff war zu reden, ergriff ich ihn an der Gurgel und drohte, ihm

seine Nase noch platter zu schlagen, wenn er es versuchen sollte, in

meiner Gegenwart zu sprechen, und ihn zuerst zu erschiessen, wenn

wir zum Kampfe gezwungen würden. Hierauf wurde der Schurke in den

Hintergrund gestossen. Der Häuptling, der sich über dieses Verfahren

sehr amüsirte, lachte laut über die diesem Schmarotzer angethane

Kränkung und in kurzer Zeit hatten er und ich die Tributfrage zu

gegenseitiger Befriedigung erledigt und wir trennten uns als gute

Freunde. Am Abend erreichte die Expedition Sanza.

Am 31. kamen wir zu Kamyenyi, dem grossen Mtemi -- Magomba’s -- dessen

Sohn und Erbe Mtundu M’gondeh ist. Als wir gerade an dem Tembé des

grossen Sultans vorüberzogen, war sein Msagira oder erster Rath, ein

angenehmer Mann mit grauem Haar, damit beschäftigt, eine Dornhecke um

ein Fleckchen jungen Korns zu ziehen. Er begrüsste die Karavane mit

einem sonoren „Yambo“, stellte sich an die Spitze derselben und führte

sie an unsern Lagerplatz. Als er mir vorgestellt wurde, war er sehr

herzlich in seiner Manier. Ich liess ihm ein Kiti (Sessel) anbieten

und er unterhielt sich mit mir in leutseliger Weise. Er erinnerte sich

meiner Vorgänger Burton, Speke und Grant sehr wohl und sagte, ich

sei viel jünger als sie. Auch bot er mir Eselsmilch an, da er sich

erinnerte, dass einer der Weissen (Burton?) solche zu trinken pflegte.

Die Art, wie ich sie trank, schien ihm sehr amüsant zu sein.

[Illustration: UNAMAPOKERA.]

[Illustration: EIN DROHENDER KAMPF.

Wie ich Livingstone fand; Zweiter Band · 第 67 / 88 题