35135 Einw. 267 m ü. M. Die »Schwanenstadt« liegt im Muldenthal,

dessen rechtsseitige Gehänge steil sind und dadurch der Landschaft

besondere Anmuth verleihen; Zwickau ist Kreishauptstadt und Sitz

eines Appellationsgerichts; ihre hohe wirthschaftliche Bedeutung

verdankt sie in der Hauptsache den vortrefflichen Kohlenflötzen,

welche sich in der Vorzeit hinter dem Durchbruch der Mulde durch das

Gebirge abgelagert haben. Das Gemeinwesen besitzt selbst Kohlenwerke

und ist dadurch ein sehr wohlhabendes geworden. Die Mächtigkeit der

Flötze steigt bis zu 24 m und auf sie stützt sich die grossartige

Industrie im ganzen westl. Sachsen. In Zwickau selbst sind neben dem

Bergbau zahllose Etablissements, darunter Ziegeleien, Koaxbrennereien,

Maschinenfabriken, Giessereien, Porzellan-, Papier- und Glasfabriken

entstanden, die der Kohlen halber hier Boden fassten. Man fördert

gegenwärtig circa 42 Millionen Centner im Jahr. Die Schachttiefen

reichen bis zu 760 m. 5000 Pferdekräfte im Dampf, 400 Beamte und 9000

Bergleute halten die Schächte im Betrieb. Gegen 60 Kohlenzüge verlassen

täglich den Zwickauer Bahnhof, dessen Gleisanlagen mehrere deutsche

Meilen lang sein würden, wenn sie nicht nebeneinander lägen.

+Geschichtliches.+ Zwickau ist eine sehr alte sorbische Ansiedlung.

(Zwickowa.) 1118 erhielt es die Gräfin Bertha von Groitzsch zu Lehen,

von dieser vererbte es auf ein Mitglied der Fürstenfamilie Wettin. 1290

ward die Stadt reichsunmittelbar. 1348 gelangte sie abermals in den

Besitz der meissnischen Markgrafen. Als der Schneeberger Bergbau in

Aufnahme kam, wurden die Erze von dort zumeist in Zwickau verhüttet,

auch betheiligten sich Zwickauer Bürger an den Silberbergwerken und

gelangten zu grossem Reichthum. 1520 bis 22 lebte Thomas Münzer hier

als Pfarrer, und Luther selbst musste herbei, um die durch den

»Schwarmgeist« erregte Menge zu beruhigen. Im 30jähr. Krieg sank die

Stadt von 10000 Einw. auf 4000 herab und sie blieb bis vor circa 60

Jahren unbedeutend, bis das Zeitalter der Dampfkessel hereinbrach und

den Werth der »Schwarzen Diamanten« und damit die Bedeutung Zwickau so

ausserordentlich steigerte.

=Sehenswürdigkeiten.= Die gothische =Marienkirche=, schon 1118

fertig gestellt, ist wiederholt abgebrannt, so dass verschiedene

Jahrhunderte sich daran versucht und sich zum Theil versündigt haben.

Von den 24 Altären aus der Zeit vor der Reformation ist nur einer

übrig, ein sehr schöner Flügelaltar mit Gemälden und Schnitzereien

aus der Wohlgemuth'schen Schule. In der Taufhalle ein Kranach. Inter.

Glasmalereien in dem Erbbegräbniss der Familie von Bose. In der

Sakristei kunstvoll geschnitztes heiliges Grab von Veit Stoss (1507).

Ferner originelle Doppeltreppe von Stein. Unter den älteren Grabmälern

verdient das des Bergherrn Martin Römer Beachtung. In der sogenannten

Götzenkammer neben der Orgel (eine Art Alterthumskabinet) mancherlei

Sehenswerthes.

Die goth. =Katharinenkirche= besitzt gleichfalls Kranach'sche Bilder.

Alterthümliche Bauten sind das =Rathhaus= und =Gewandhaus=, sowie das

Gymnasium mit sehenswerther Aula. (Grosse Bibliothek, 20000 Bände,

1857 entdeckte man eine Hans Sachs'sche Handschrift seiner Gedichte,

ferner liegt hier werthvolles Material für die Reformationsgeschichte

aufgestapelt, das der Hebung harrt.)

Die =Richterstiftung=, innere Dresdner Str. 2, besitzt eine reiche

Sammlung einheimischer Mineralien, darunter seltene Versteinerungen

aus den Zwickauer Kohlenflötzen. Sonntags geöffnet von 11--½1 Uhr. Im

=Kunstvereinsgebäude=, Marienkirchhof 2, kunstgewerbliche Sammlungen.

In den oberen Sälen Oelgemälde, Kupfer- und Stahlstiche. Eintritt 50

Pf. sofern man nicht durch Mitglieder eingeführt wird. Das hübsche

=Kriegerdenkmal= steht vor dem Gymnasium; am Markt 5 ein =Medaillonbild

Robert Schumanns=, des Componisten, der in diesem Hause geboren ward.

Das =Medaillonportrait Dr. Ungers= am Kreiskrankenstift entwarf Prof.

Johannes Schilling.

Das alte =Schloss Osterstein= ist als Landesgefängniss eingerichtet,

es beherbergt etwa 1500 Correctionäre und ist darum schwer zugänglich.

=Spaziergänge.= Die alten =Festungswälle= rings um die Stadt sind in

schöne Anlagen umgewandelt worden. Der schönste Spaziergang ist indess

derjenige nach dem =Schwanenteich= und =Schwanenschlösschen=. Der

Teich hält 17 Hectare Grundfläche, ist mit herrlichen Anlagen umgeben,

von vielen eleganten Gondeln und sogar von einem kleinen Dampfboot,

wie auch von einer grossen Zahl fremder und einheimischer Wasservögel

belebt. Vom hochgelegenen Schwanenschlösschen schöne Aussicht auf Stadt

und Umgebung.

Ferner sind zu nennen: Promenade am rechten Muldenufer bis zur

=Pölbitzer Brauerei= (3½ km). Nach dem =Windberg= an der Strasse nach

Werdau (349 m). Schöner Blick auf Stadt und Umgebung. Nach =Bellevue=

und =Pöhlau=. Nach der =Heringsbrauerei=, rechts an der Mulde gelegen

(nur 1½ km). Nach den =Bergkellern=, dann durch den =Amselgrund= nach

=Eckersbach=. Hier hübsche Anlagen und das Trillergut, das der wackere

Köhler Triller vom Landesherrn als Freigut für die Rettung des Prinzen

Albrecht erhielt. Zurück geht man über den 335 m hohen =Brückenberg=.

(Hin und zurück 5 km.)

=Ausflug nach der Marienhütte= (4 km). =Kainsdorf=, zu welchem

die Marienhütte gehört, zählt 2860 Einw. Die Hüttenwerke zählen

zu den grössten Deutschlands. 80 Beamte. 1700 Hüttenarbeiter. 400

Kohlenbergleute. Die Frachtenbewegung ersteigt die Riesenziffer von

250000000 Kilo. Man verladet und empfängt pro Woche etwa 1000 Waggons

und Lowrys. Besonders interessant ist die Schienenfabrikation und die

Bessemerstahlbereitung. Von der Marienhütte wandert man nach =Planitz=.

10000 Einw. Hier ist ein Kohlenflötz seit Jahrhunderten in Brand, d. h.

es schweelt im Erdinnern. Zuweilen steigen Dämpfe auf. Schnee bleibt

auch bei strenger Kälte auf der immergrünen Rasendecke nicht liegen. In

den Treibhäusern des Rittergutes benützt man diese natürliche tropische

Wärme zur Erzeugung einer herrlichen Flora. =Bockwa=, dicht an

Kainsdorf gelegen, dürfte wohl das reichste Dorf Deutschlands sein. Die

Bauern, durch die Kohlenschächte reich geworden, wohnen in prächtigen

Villen, Gas erleuchtet die Dorfgassen und die stattliche neue Kirche

würde einer grösseren Mittelstadt zur Ehre gereichen. Auch =Schedewitz=

und =Hohnsdorf= sind reiche Kohlendörfer.

Touren ab Zwickau.

46. =Zwickau-Waldenburg= (24 km). =Wolkenburg= (6 km). =Penig= (5 km).

=Rochsburg= (6½ km). =Cossen= (4½ km). =Rochlitz= (9½ km). =Colditz=

(11 km). =Grimma= (16 km). =Leisnig= (22 km). =Döbeln= (16 km).

=Waldheim= (9½ km). =Mittweida= (über Kriebstein und Ringethal 13½ km).

=Chemnitz= (18 km). =Zwickau= (49 km).

_+Anmerkung.+ Sämmtliche hier genannte Routen, die alles touristisch

Interessante an den unteren Mulden und an der unteren Zschopau

einschliessen, haben bereits Beschreibung in anderen Touren gefunden

und es sei deshalb auf das Routennetz verwiesen. Dasselbe gilt auch von

der nächstfolgenden Tour Nr. 47._

47. =Zwickau-Rochlitz= (55 km). =Geithain= (9 km). =Frohburg= (10½ km).

=Kohren= (über Gnandstein 8 km). =Penig= (13 km). =Zwickau= (35 km).

Näheres siehe Routennetz.

48. =Zwickau-Wiesenburg= (11 km). =Aue= (18 km). =Schwarzenberg=

(11 km). =Johanngeorgenstadt= (17 km). =Platten= (6½ km). =Bäringen=

(3½ km). =Lichtenstadt= (10 km). =Karlsbad= (12 km).

Wir fahren am Besten mit Dampf durch das Zwickauer Schachtrevier

und an der =Marienhütte= vorüber. Bei Station =Wiesenburg=

rechts Schloss und Ruine =Wiesenburg=. In den restaurirten und

neuerrichteten Gebäuden ist ein Bezirksarmenhaus untergebracht.

Das Muldenthal wird enger und romantischer. Bei =Stein=, Station

für Hartenstein, das interessante =Schloss Stein=. Die Mauern

sind ähnlich, wie bei dem Schloss zu Weesenstein mit dem Felsen

verwachsen, der bis zum dritten Stockwerk reicht. Der seltsame Bau

steht dicht am Wasser, was ihn besonders romantisch erscheinen

lässt.

_+Anmerkung.+ 2½ km von Stein entfernt muldenaufwärts liegt links

des Weges am Abhang die +Prinzenhöhle+; es ist das ein verlassener

Bergstolln, ehemals die Teufelskluft genannt. (20 m tief.) Die Ritter

Mosen und Schönfels, die Genossen des Kunz von Kauffungen, hielten

sich hier drei Tage lang mit dem Prinzen Ernst verborgen, traten dann

bekanntlich mit dem Amtmann von Hartenstein in Unterhandlung, welche

die Rückgabe des geraubten Prinzen zur Folge hatte. (11. Juli 1455.)_

Die Bahn folgt auch ab Stein den Krümmungen des Flusses. Rechts

auf einem Felsenvorsprung liegen die Trümmer der =Isenburg=. Bei

Station =Niederschlema= zweigt sich ein Tract nach Schneeberg

ab. An einem Thalkreuz, wo das Schwarzwasser sich in die Mulde

ergiesst, liegt

=Aue.= Erzgeb. Hof. Bahnhofseiche. Blauer Engel. Rathskeller. Rest.

zur Lederschürze. Schiesshaus. Brauerei mit Gartenrest. 3000 Einw.

Am Bahnhof 348 m ü. M. Feldbau. Klöppelei. Schnupftabaksdosenfabrik.

Fabrik hölzerner Pfeifenköpfe. Gessners Maschinenfabrik. Viele

Blecharbeiten werden hier gefertigt, auch besteht eine Fachschule

für Blecharbeiter und eine Fabrik, die für diese Branche speziell

Hilfsmaschinen baut. Das nahe Klösterle beherbergte einst einen

Mönchsorden, der schon im 12. Jahrhundert gegründet worden war. 1429

zerstörten die Hussiten das Kloster. Aue liegt im Centrum zweier

schöner Thalzüge und ist Eisenbahnkreuzpunkt, daher für Sommerfrische

und kleinere Ausflüge sehr geeignet.

Die Bahn verlässt hinter Aue das Muldenthal und strebt im

Schwarzwasserthal aufwärts. Links das grosse königl.

=Blaufarbenwerk Pfannenstiel=, später die Dörfer =Bernbach= (links)

und =Lauter= (rechts). Diese Dörfer mit =Beierfeld= nennt man kurz

die =Blechlöffeldörfer=. Das Schmieden der Blechlöffel ist eine

inter. Hausindustrie. Drei Mann stehen in der Regel am Feuer. Jeder

Löffel wird einzeln ausgeschmiedet. Das Verzinnen und Polieren

geschieht durch Frauen- und Kinderhände. In =Lauter= herrscht die

Korbflechterei vor, mit der sich etwa 400 Personen befassen. Man

fertigt Spahnkörbe und Ruthenkörbe, die letzteren gehen meist nach

Süddeutschland. Hinter Lauter wird das Thal freier und zeigt einen

sehr freundlichen Charakter.

=Schwarzenberg.= Rathskeller. Hotel de Saxe. Bauers Rest.

am Ottenstein. 3500 Einw. Am Schloss 475 m ü. M. Klöppelei.

Baumwollenspinnerei. Drahtzieherei. (Sehr inter. zu sehen; man zieht

Draht bis zu den feinsten Sorten.) Korksohlenfabrik. Handschuhnäherei.

Das alte Schloss, eine Slavengründung, mag dem 11. Jahrh. entstammen;

es war in böhmischem Besitz bis zum Jahre 1459, da es als Heirathsgut

einer böhmischen Königstochter (Sidonie) an Albrecht den Beherzten

fiel, der einst in der Nähe Schwarzenbergs, am Fürstenberg durch den

Köhler Rettung gefunden. »=Albertstift=«, nennt sich ein Rettungshaus

für jugendliche Verbrecher.

=Spaziergänge.= Die Umgebung Schwarzenbergs ist an Promenaden und

schönen Spaziergängen sehr reich und in neuerer Zeit hat sich der

Gebirgsverein nach dieser Richtung besonders verdient gemacht. Sehr

stark wird das reizend gelegene Bad =Ottenstein= mit Bauers Restaurant

besucht. (Jetzt vorzugsweise Sommerfrische.) In der Nähe Promenaden

durch Wald und Fels. (Auch Aussichtsthurm.) Die =Todtensteinpromenade=

gewährt nicht minder schöne Landschaftsbilder. Vom =Rockelmann= und

anderen umliegenden Höhen fesselnde Blicke auf Stadt und Umgebung.

_+Anmerkung.+ Der Gebirgsverein von Schwarzenberg, einer der regsamsten

des Gebirges, beabsichtigt die +Morgenleithe+, einen doppelrückigen

Höhenzug mit einem Aussichtsthurm zu versehen und hat als Provisorium

einen Leitermast aufgestellt. 808 m ü. M. Man geht auf der Eibenstocker

Strasse dahin. 5½ km. Der Aussichtspunkt liegt rechts der Strasse

(Wegweiser.) Der Punkt liegt inmitten grossartiger Forsten und gewährt

ein grosses Halbkreisbild, ähnlich und beinahe ebenso umfassend wie

das vom Auersberg. Links schliesst dieses Bild der Auersberg, rechts

schliessen es die Höhen bei Marienberg ab. Gegen Norden taucht am

Horizont noch der Rochlitzer Berg auf. Inmitten dieses Rahmens liegt

der ganze reichgeformte Nordabhang des Centralgebirges. Von den Bergen

des Kammes sind sichtbar: der Hassberg, der Spitzberg bei Orpus, der

Fichtelberg, der Spitzberg bei Gottesgabe und ferner die ausgedehnte

Waldregion gegen Johanngeorgenstadt hin. 1½ km gegen Norden von dem

Leitermast entfernt, erhebt sich ein Felsen, der wie eine Bastei über

dem Bockauer Thalgrund aufragt. Schöner Blick auf die reichbewegte

Landschaft mit dem Muldenthal, auf Zschorlau hinüber und auf das

Schneeberger Schachtrevier mit dem Filzteich. Links davon liegt der

Kuhberg bei Schönheide. (Von hier bis zur Station Bockau durch das

Dorf Bockau 4½ km.) In der Nähe des Bockauer Bahnhofs beginnt die

Flossgrabentour. Am Flossgraben entlang und dann nach Aue 7½ km.)

Näheres Routennetz._

Wir dringen nun zu Fuss im Schwarzwasserthal aufwärts, (eine Bahn

nach Johanngeorgenstadt ist bereits tracirt und wurde Frühjahr

1881 in Angriff genommen) und gelangen in die Schwarzenberger

Eisenregion. =Bermsgrün= bleibt rechts, =Crandorf= und =Grosspöhla=

links, =Erla= liegt am Wege.

_+Anmerkung.+ Der treffliche Eisenstein, der in dieser Gegend gefunden

wird, kommt hier in Hohöfen zur Verhüttung und das gewonnene Eisen

auch zum Theil an Ort und Stelle zur Verarbeitung. Man sehe zu,

Zeuge zu werden, wenn ein Hohofen zum Abstich gelangt. In feurigen

Rinnsalen schiessen die glühenden Ströme den Formen zu, in denen sie

zu sogenannten »Gänzen« erhärten. Die Hammerschmiede sind ein lustiges

Völkchen, sorglos, treuherzig, zu Schwänken geneigt. Die Bermsgrüner,

aus dem bairischen Fichtelgebirge eingewandert, haben noch heut ihre

eigenen Sitten nicht ganz aufgegeben und gelten als die muntersten.

(Merkwürdiger Dialekt.)_

Auf der Weiterwanderung passiren wir die =Antonshütte=, ehemaliges

königl. Hüttenwerk. Grossartige Wasserkraft durch Turbinenbetrieb.

Magnetenberg 755 m. Einer starken Krümmung des Schwarzwassers

folgend, streifen wir den unteren Theil von =Breitenbrunn=.

(Hohöfen.) Hinter Breitenbrunn beginnt der Granit. Die Strasse

steigt mehr und mehr und die Thalgehänge werden niedriger; wir

gelangen auf die Kammhöhe. Hier liegt am Fastenberg

=Johann-Georgenstadt=. Rathskeller. Hotel de Saxe. 4400 Einw. Am

Gerichtsamt 748 m ü. M. Der Bergbau ist mehr und mehr zum Erliegen

gekommen; jetzt treibt man Kunsttischlerei, Handschuhnäherei,

Bandzäckchenfabrikation. Johann-Georgenstadt ist die jüngste Stadt

des Erzgebirges, ihre Gründung verdankt dieselbe der jesuitischen

Unduldsamkeit, welche unter Kaiser Ferdinand III. in Oestreich

florirte; entgegen dem Vertrag wurden die letzten Protestanten aus

dem nahen Platten und aus Gottesgabe vertrieben. Kurfürst Johann

Georg erbarmte sich ihrer und gab ihnen Grund und Boden auf dem

Fastenberg und bald entstand die junge Bergstadt. Das Denkmal Johann

Georgs schmückt den hübschen Marktplatz. Am Schillerbrunnen auf dem

Markt rettete sich während des grossen Brandes eine Frau vom sicheren

Flammentode dadurch, dass sie sich durch ununterbrochene kalte Douchen

vor dem Anbrennen schützte; sie war rings von brennenden Holzgebäuden

eingeschlossen. Bei jenem Brand am 19. Juli 1867 wurde die Stadt

bis auf wenige Häuser verzehrt, doch ist sie weit schöner aus der

Asche wieder erstanden. Die =neugoth. Kirche= ist von Baumeister

Arnold. Im Thale unter der Stadt liegt =Wittichsthal=, eine Zoll- und

Durchgangsstätte für Karlsbadreisende.

=Kleine Ausflüge.= Nach den barocken Felspartien =Teufelskanzel=,

=Schneiderfels= und =Hefenklöse=, wie nach dem =Teufelsstein= im

Steinbachthale. Dieser Stein gleicht in der That einer grotesken

Höllenburg mit Felsenthürmen und Zinnen.

_+Anmerkung.+ Eine inter. Strasse führt von Johann-Georgenstadt an

grossen Torfmooren vorüber nach +Steinbach+. (850 m.) Hier liegt im

Forsthaus der Schlüssel zum Thurm des Auersbergs. Bis zum Gipfel 8 km._

_Nach der entgegengesetzten Richtung führt ein inter. Weg im

Schwarzwasserthal aufwärts. Anmuthige Partien an dem wilden Gewässer,

das hier über grosse Felsblöcke schäumt und braust, und ein echtes

Bergwasser von Gebirgsscenerien umgeben darstellt. Wir berühren die

Orte +Jungenhengst+ und +Zwittermühl+ und erreichen in +Seifen+ den

höchsten Kammzug des Erzgebirges, der bis zu 1050 m ansteigt. Die

Strasse läuft auf diesem frostigen Plateau mit dem Plattengraben

parallel. Die Rauhheit des Klimas findet erst im höchsten Norden

Europas ebenbürtige Rivalen. Ackerbau ist ganz unmöglich. Am

sogenannten Plattenberg finden sich sogar Bingen, in denen uralter

Schnee lagert. Auch soll die isländische Zwergbirke hier und da zu

finden sein. Nachdem der Gottesgaber Spitzberg (rechts) passirt ist,

gelangt man nach Gottesgabe, s. S. 106. Ganze Wegstrecke 16 km. (Der

Spitzberg, jetzt bewachsen, gewährte früher umfassende Blicke auf

Böhmen.)_

Der Tour treu wandern wir am Breitenbach aufwärts die Strasse

nach =Platten=. Unterwegs passiren wir die =Dreckschenke=, ein

vielbesuchtes Wirthshaus, das seinen populären Namen dem ehemals

schlechten Zustand der Strasse zu verdanken hat.

=Platten.= Zum Rathhaus. Weinschank. 2600 Einw. 887 m ü. M. Platten

hat in neuerer Zeit kein Brandunglück erlebt und giebt daher wie

Katharinenberg und Kupferberg noch das Bild eines früheren erzgeb.

Bergstädtchens. (So sahen sie alle aus.) Löffelschmiederei.

Handschuhnäherei. Platten war mit der Herrschaft Schwarzenberg

sächsisch geworden, doch fiel es bei späterer Grenzregulirung

an Böhmen zurück. Am südöstl. Eckhaus des Marktplatzes ist noch

ein kursächsisches Wappen zu sehen. Am Plattenberg liegen die

=Schneebingen=, verlassene Zinnbergwerke, in denen der Schnee nie zum

Schmelzen gelangt.

=Bäringen=, unser nächstes Ziel, ist ein armseliges Bergstädtchen mit

1200 Einw. Spitzenklöppelei. Weberei. Eigenartig ist hier die Zucht

und Dressur von Gimpeln; die Thiere werden nach einem Leierkasten

angelernt, wozu nichts erforderlich ist, als ein langes unverdrossenes

Ableiern +ein+ und +desselben+ Stückes. Besonders gelehrige Thiere

erlangen Preise bis zu 20 fl.; »reine Pfeifer« sind indess selten.

Von hier führt die Strasse am Bäringer Bach abwärts nach

=Lichtenstadt=, das bereits am Fusse des Erzgebirges liegt. Am

Gebirgshang inter. =Judenkirchhof= mit schöner Aussicht auf das

weite Egerthal. Von hier über das grosse Kirchdorf =Zettlitz=.

Guter billiger Gasthof. Die Zettlitzer Wallfahrtskirche ist der hl.

Anna geweiht. In der Nähe Tagebaue von Braunkohlen, die zum Theil

in Brand gerathen sind.

Carlsbad siehe Seite 99.

49. =Zwickau-Aue= (29 km). =Grünhain= (8½ km). =Elterlein= (5 km).

=Annaberg= (11 km). Weiter nach dem Kamme zu oder in die Olbernhauer

Gegend siehe Routennetz.

Von Aue (siehe Routennetz) wenden wir uns, am =Blaufarbenwerk=

vorüber, nach =Oberpfannenstiel=. Schöne Waldstrasse. In der Nähe

von =Oberbernsbach=, das wir nicht streifen, herrliche Aussicht auf

das Schwarzwasserthal und nach dem Obererzgebirge hinauf.

Grünhain und Elterlein Seite 111.

Ein direkter Weg führt von Elterlein nach =Herrmannsdorf= und über

Frohnau nach Annaberg, freilich stark über Berg und Thal hinweg.

(11 km.) (Bei Herrmannsdorf passiren wir die Zschopau.) Ueber

Schlettau 12½ km.

50. =Zwickau-Schwarzenberg= (40 km). =Rittersgrün= (8½ km).

=Gottesgabe= (13 km).

Bis Schwarzenberg siehe Routennetz. Von hier nach =Erla= und

=Crandorf= (Eisenindustrie) und nach =Globenstein=, das inmitten

eines Felsenthales mit ansehnlichen Felsgebilden liegt. Weiter

schreiten wir am =Sonnenberg= vorüber. Nun immer dem schäumenden

Pöhlbach folgend nach =Rittersgrün=. 3000 Einw. Gasthaus. Rest.

der Wittwe Hentschel. Von hier durch unabsehbare Gebirgswälder

entweder über =Ehrenzipfel= und die =Tellerhäuser=, oder auch über

Dorf =Goldene Höhe= nach den sogenannten =Försterhäusern= und nach

=Gottesgabe=.

=Tellerhäuser= nennt sich ein im Entstehen begriffenes Dorf. Pollers

Gasth. Am Schulhaus 921 m ü. M. Die 152 Einw. sind fast von der Welt

abgeschlossen; die Erziehung der Kinder war nach modernen Anforderungen

unmöglich, bis die Regierung zum Schulbau und Erhaltung des Lehrers

Subventionen bewilligte. Um die Ansiedlung volkreicher und dadurch

selbstständiger zu machen, wird an Ansiedler Waldland billig abgegeben.

Gottesgabe siehe Seite 106.

51. =Zwickau-Wildenfels= (10 km). =Hartenstein= (5 km). =Lössnitz=

(7½ km). =Zwönitz= (zu Fuss 6½ km). =Geyer= (8½ km). Weiter siehe

Routennetz.

_+Anmerkung.+ Die Tour, zum grössten Theil schon beschrieben ist als

Fusstour gedacht._

Die Strasse nach Wildenfels führt an der sogenannten »=Weltkugel=«

oder »=Dampfschiff=« vorüber. Der aussichtsreiche Punkt liegt 340 m

hoch. Nun auf dem Rücken des gewonnenen Höhenzuges, der bis 382 m

ansteigt weiter und dann hinab nach

=Wildenfels=. Drei Kronen. 2900 Einw. Schöngelegenes Städtchen mit

einem gräfl. Solms'schen Schloss, in dessen inter. Garten unter anderem

auch Feigenbau betrieben wird. In der Kirche Altargemälde »Christi

Versuchung« von Vogel, einem geborenen Wildenfelser. In der Nähe

befinden sich Marmorbrüche. (Bunter Marmor.) In der gräfl. Solms'schen

Bibliothek 8 Urnensteine, welche im nahen Dorfe Weisbach 1716

ausgegraben wurden. Die Urnen mit ihren Inschriften (schwer leserlich)

zählen zu den ältesten Schriftendenkmälern Deutschlands.

Nun auf anmuthiger Strasse nach =Hartenstein= (siehe Seite 114). Am

Wege nach =Lössnitz= lässt sich die =Prinzenhöhle= mit besuchen.

Man geht in diesem Fall hinab nach =Stein= und stromauf (2 km) bis

an den Wegweiser »zur Prinzenhöhle«, im Fall dieser fehlt, gebe der

Anfang eines Sumpfes, der von dem früheren Muldenbett herrührt, das

Signal zum Ersteigen des Abhanges, an dem die Prinzenhöhle liegt.

(Siehe diese Seite 120.) Von hier geht man nach =Alberode= und über

die »=Dürre Henne=« nach =Lössnitz=. Andernfalls benutzt man von

Hartenstein die etwas kürzere Strasse über =Raum= und =Grüna= dahin.

=Lössnitz= siehe Seite 114.

Von hier nach Zwönitz wird sich die curvenreiche Bahnfahrt nicht erst

verlohnen. Man schlägt den Weg über =Dittersbach= ein.

=Zwönitz= siehe Seite 114.

Nach =Geyer= führt eine einsame Waldstrasse, die bis 732 m ansteigt.

Unterwegs rechts eine =Edeltanne= mit =Erinnerungsstein= an König

Johann.

=Geyer= siehe Seite 110.

52. =Zwickau-Schwarzenberg= (40 km). =Sosa= (13 km). =Eibenstock=

(4½ km). =Schönheide= (5 km). =Kirchberg= (über Neuheide und den

Kuhberg 18 km). =Zwickau= (12 km).

_Von Zwickau bis Schwarzenberg siehe Routennetz._

Man geht von hier die Eibenstocker Strasse. (Die Morgenleithe s.

Seite 121.) Der =Ochsenkopf= bleibt links. Am =Jägerhaus= 779 m

u. M. Gasthof. Bald darauf bergab nach Sosa. Hübsch im Thalzug

gelegenes Dorf. Von hier führt ein direkter Fusspfad quer durch den

Bockaugrund, (wo ehemals die Zimmersacherhäuser standen) und dann

hinauf nach

=Eibenstock=. Rathhaus. Stadt Leipzig. Am Gerichtsamt 628 m ü. M.

6700 Einw. Sitz eines Hauptzollamts und einer Oberforstbehörde.

Eibenstock betreibt vorwiegend die Tambouririndustrie, d. h. Weiss-

und Buntstickerei auf Rahmen mit der Hand und mit Stickmaschinen.

Eingeführt wurde diese Industrie 1774 durch Frau Clara Angermann, der

Gattin eines Forstbeamten, die aus Byalistock gebürtig war; sie soll

die Kunst in einem Thorner Nonnenkloster erlernt haben. Sehr zahlreiche

weibliche Arbeitskräfte verdanken der Branche Brod und Verdienst. Eines

weitverbreiteten Ansehns im Erzgebirge erfreut sich der »Eibenstöcker«,

ein Liqueur. Die Stadt ist nach dem Brande (1862) fast völlig neu

aufgebaut worden und macht einen behäbigen, in manchen Strassen sogar

vornehmen Eindruck. Die grosse neue Kirche in modern-romanischem

Styl errichtet, besitzt eine Fensterrosette mit Glasmalerei:

»Christus lehrt im Kreise seiner Jünger.« Das Freskogemälde, hinter

dem Altar, die Auferstehung Jesu, ist von Simonson in Dresden. Ein

Serpentinsteindenkmal in der Taufhalle ist den 1870--71 in Frankreich

gebliebenen Stadtkindern gewidmet.

=Kleine Ausflüge.= Nach dem =Adlerfelsen= 3½ km. Liegt am Fussweg

nach Carlsfeld. Der Eibenstöcker Gebirgsverein errichtete hier eine

Aussichtshalle, von der man schöne Blicke auf Stadt und Umgebung

geniessen kann. Der =Bühelberg= liegt rechts der Strasse nach

Muldenhammer (656 m) 1½ km. Vom sogenannten =Flachfelsen= 2½ km, schöne

Thalbilder. (Kleines und grosses Bockauthal.)

=Besteigung des Auersbergs.= Eibenstock ist die Hauptstation für

Besteigung des höchsten Berges im westlichen Erzgebirge. Man lasse

sich den Schlüssel im Eibenstöcker Rentamt geben. Wer den Berg von

Wildenthal aus besteigt, hole sich den Schlüssel beim Waldwärter

Schneidenbach. Die beliebteste Art der Ersteigung ist: über das

=Nonnenhäuschen= durch das =Bockauthal= und auf den neuen =Bärenweg=

nach der grossen =Schneuse=, die den Berg der Länge nach in zwei

Hälften theilt und in deren Mitte der Thurm sich erhebt. Gewöhnlich

steigt man dann vom Thurm aus nach =Wildenthal= hinab. Die Tour lässt

sich natürlich auch umgekehrt machen. (1121 m Seehöhe. Thurm 16 m.)

=Aussicht.= Ueber den Höhen hin, die das Erzgebirge im Westen

abschliessen, sehen wir das Voigtland mit der Göltzschthalbrücke und

unzähligen Ortschaften, dahinter die Thüringer Vorberge, davor den

Kuhberg, den breitrückigen Schnarrtanner Berg. Im Norden verliert

sich das Auge in der weiten norddeutschen Ebene, nur die menschliche

Sehkraft zieht der Ausschau hier Grenzen. Die Leipziger Thürme, das

Altenburger Schloss und der Petersberg bei Halle geben für das Auge

schwache Anhaltspunkte. Näher heran sieht man die Waldenburger Höhen,

den Rochlitzer Berg mit seinem Thurm, den Kapellenberg, die Stadt

Hohenstein, rechts davon die Chemnitzer Rauchwolke hinter den Höhen

von Lössnitz. Von Osten schauen die bekanntesten Berge des Erzgebirges

herüber. Die beiden Riesengräber, der Pöhlberg und der Bärenstein,

erscheinen sehr nahe, die Stadt Annaberg ist am Abhang des ersteren

sichtbar, weiter hinaus zeigt sich die schwarze Tellkuppe bei Bärenburg

ohnweit Dippoldiswalde, näher der Scheibenberg, als dritter im Bunde

der drei Basaltberge, ferner der Ochsenkopf und nun vor Allem die

beiden Hünen, der Fichtelberg und der Keilberg, die von keinem Ort

gigantischer erscheinen, als von ihrem Kameraden, dem Auersberg aus.

Der Thurm auf dem Fichtelberg ist sichtbar und am Abhang lugen die

Tellerhäuser aus ihren Waldverstecken hervor. Gegen Süden hin deuten

dunklere Linien im Walde Thäler an und hervorragende Höhen sind nur

der Hirschberg, der Spitzberg bei Fribus und der grosse Rammelsberg.

Wir blicken sodann die grosse Schneusse hinab; ihr zur Linken buchtet

sich das grosse Bockauthal ein, ihr zur Rechten das kleine; vor uns

am Fuss des Berges treffen beide Thäler zusammen und die verdoppelte

Bockau strömt hinab ins Muldenthal. Links drüben liegt Eibenstock,

rechts das Dorf Sosa. Das Muldenthal ist abwärts weithin zu verfolgen,

so auch das Schwarzwasserthal, das grosse Dorf Breitenbrunn breitet

sich an seinem rechtsseitigen Abhang aus, ganz hinten, wo das Thal sich

zu verlieren scheint, lugen die obersten Häuser von Johanngeorgenstadt

neugierig hervor und gegen Süd und Südwest ist nichts zu schauen, als

abermillionen Baumwipfel.

Der Thurm, ein stattlicher Bau, imponirt schon durch seine Höhe und der

Styl ist trotzig und ernst, wie es der Berg und seine Kinder selbst

sind. Die Granitzinnen zu seinen Häuptern geben ihm etwas von einem

reckenhaften Krieger aus der Vorzeit.

=Wildenthal=, am Fuss des Auersberg, erfreut sich einer herrlichen

Thallage an der grossen Bockau. Gasthof am Auersberg. Neuerdings

beliebte Sommerfrische. 732 m ü. M. 600 Einw. Grossartige

Landschaftsscenerie. (Das Thalgehäng des Auersbergs hat von der Sohle

der Bockau 400 m Höhe.)

_+Anmerkung.+ Wildenthal liegt an der Eibenstock-Karlsbader Strasse.

Dieselbe überschreitet den Kamm hinter +Oberwildenthal+ bei 931 m

Seehöhe, doch gewährt sie keine umfassende Fernsicht nach Böhmen

hinab. Sie führt über +Hirschenstand+ im Thalzug hinab nach +Neudeck+.

(12 km.) Hier ein hübsches Schlösschen und der 468 m hohe +Kreuzberg+.

Sodann berührt sie +Voigtsgrün+, +Altrohlau+ (hier brennende

Kohlengruben, verlassene Tagebauten) und später +Zettlitz+. Siehe Seite

124. Von Neudeck bis Karlsbad 16 km._

_Eine andere Strasse führt von Wildenthal über +Weitersglashütte+

am +Kranichsee+ vorüber nach +Sauersack+, einem elenden, verlassenen

Gebirgsdorf, und nach +Friebus+ (12 km, 879 m Seehöhe) und nun

stark bergab nach +Schönlind+ und +Heinrichsgrün+ (11 km) und

nach +Falkenau+ an der Eger. Siehe Routennetz. (Man kann auch ab

Schönlind oder auch ab Heinrichsgrün Eisenbahnanschluss suchen an der

Linie Grasslitz-Falkenau.) Im Anfang streift diese Strasse nur öde

Hochgebirgsgegend und doch ist der Weg sehr interessant; wo sie bei

929 m Seehöhe den Kamm und die Grenze überschreitet, berührt sie auch

den +Kranichsee+, einen ausgedehnten Hochmoor. Der schlammige Grund,

der nur krüpplige Bäume trägt, ist bis 17 m tief. Sein Umfang mag 8

bis 9 km betragen und er stellt ein wirthschaftlich-hochwichtiges

Wasserreservoir dar. Drei rostbraune Bäche, die Wiltzsch, die Pyra und

die Rohlau entquellen dem Hochmoor und ihr bedeutender Wasserreichthum

ist ein ungewöhnlich constanter. Inter. Flora._

_Eine dritte Variante ist: +Wildenthal-Weitersglashütte-Forsthaus

Nancy+ 15 km. +Silberbach-Grasslitz+ 8 km. Man passirt gleichfalls

den ebenbeschriebenen Kranichsee, gewinnt dann bald ein liebliches

Thal und berührt das idyllische Forsthaus Nancy. Sodann geht man über

+Silberbach+ an der vielbesuchten +Reimermühle+ vorüber nach Grasslitz.

(Siehe Seite 137.)._

_Eine wichtige Partie für unsere heimische Touristik ist ferner

folgende: +Wildenthal-Karlsfeld+ 5 km und von hier im Wiltzschthal

abwärts nach Station +Wiltzschhaus+ 7½ km. Zwischen Wildenthal und

Karlsfeld, in der Gegend, wo sich die Strasse nach dem Kranichsee und

nach Böhmen hin abzweigt, liegt der Tract 876 m hoch._

=Karlsfeld.= Börners Gasthof. 1700 Einw. An der Oberförsterei 826 m ü.

M. Den einsam in einer ungeheuren Waldregion gelegenen Flecken gründete

der Bergherr Schnorr aus Schneeberg, der ein grosses Eisenwerk der

billigen Hölzer wegen errichtete. 1688 baute er die achteckige Kirche;

sie besitzt 5 Oelgemälde, die nicht ohne Kunstwerth sind, darunter die

Portraits von Luther und Melanchthon. Vor der Kirche ein Denkstein mit

dem Bildniss König Johanns.

Das Eisenwerk ist seit 1823 eingegangen und der Staat kaufte die dazu

gehörigen ausgedehnten Forsten an, wobei der Baumstamm auf 3 Pf. zu

stehen kam. 1830 half ein Verein von Menschenfreunden den der Armuth

verfallenen Einwohnern durch die Einführung der Uhrenfabrikation

auf. Man baut jetzt mit gutem Erfolg allerhand Uhren, kostbar und

gering, gross und klein, von der Damenuhr bis zur Thurmuhr. Auch

eine Actiengesellschaft hat sich hier etablirt und betreibt dieselbe

Industrie. Von technischem Interesse ist die Herstellung gewöhnlicher

Uhren-Gewichtketten durch Maschinen. Nach Carlsfeld nennt sich auch die

Familie Schnorr von Carolsfeld, welcher der grosse Bibelillustrator

angehört.

_+Anmerkung.+ Die Weiterwanderung im einsamen Wiltzschthal hinab hat

seine eigenartigen Reize. Ebenso einsam und reizvoll durch unabsehbaren

Wald ist der Pfad über einen 895 m hohen Bergrücken nach +Morgenröthe+,

das im schönen Thale der Pyra liegt. Höchst malerischer Punkt.

Bei dem Lattermann'schen Hammerwerk Morgenröthe befindet sich ein

Forsthaus, Forellenzucht und ein kleiner Wildpark. Im Pyrathal entlang

gehend, kommen wir nach +Rautenkranz+. Siehe Seite 135. Die Weglänge

Karlsfeld-Morgenröthe-Rautenkranz beträgt 9 km._

Der Tour treu gehen wir von Eibenstock nach =Schönheide=. Unterwegs

imposante Granitpartien an der Strasse und unten an der Mulde. Das

=Hammerwerk Schönheide= gehört einem Herrn von Querfurt. Durch das

Hammerwerk lässt sich die bedeutende Krümmung der Strasse nach

Schönheide abschneiden.

=Schönheide.= Bairischer Hof. Rest. zum Rathhaus. Gambrinus.

Centralhalle. 5500 Einw. 578 m ü. M. Tambourirstickerei. Weberei.

Sammetstickerei und Handschuhnäherei. Bedeutend ist die Schönheider

Pinsel-, Bürsten- und Kehrbesenfabrikation. Man kennt etwa 150 Sorten

Pinsel, 500 Sorten Bürsten und 50 Sorten Kehrbesen. Der Vertrieb

geschieht in der Hauptsache jetzt kaufmännisch, doch ziehen noch immer

viele Bürstenhändler, die als ein lustiges Völkchen des Erzgebirges

gelten, von Schönheide in die Welt hinaus und vertreiben ihre Waaren im

Hausirhandel.

Ueber dem Dörfchen =Neuheide= liegt der =Kuhberg=. 784 m ü. M. Freie

und isolirte Bergkuppe mit einem Aussichtsthurm vom Schönheider

Gebirgsverein errichtet, der nach dem hohen Protector des

Erzgebirgsvereins =Prinz-Georgsthurm= getauft wurde. Man übersieht von

hier so ziemlich das ganze Voigtland, dahinter taucht das fränkische

Gebirge auf, näher liegen die ungeheuren Waldungen des Kammes, ferner

übersehen wir das Centralgebirge mit Keil- und Fichtelberg und seinen

Basaltkegeln und die Abdachung des Gebirges bis gegen Zwickau hinab.

Auch die Unterstandshütte ist ein Werk des Schönheider Gebirgsvereins.

_+Anmerkung.+ Ein lohnender Ausflug ab Schönheide ist auch nach dem

+Laubberg+. 708 m ü. M. Vom Gasthof 5½ km. Auch +Schnarrtanne+, ein

weitzerstreutes Dorf, in der Nähe des Laubbergs, gewährt von den oberen

Häusern aus ein herrliches Panorama auf das Voigtland mit seinen

Städten, Dörfern, Flussthälern und Riesenbrücken. Vom Laubberg schöner

Weg nach Bad Reiboldsgrün 2 km. (Siehe Seite 135.)_

Haben wir den Kuhberg besucht, schreiten wir direct hinab nach

=Rothenkirchen=, =Bärenwalde= und =Hartmannsdorf=. Die Weglänge

bis Kirchberg beträgt 13½ km. Davon sind 9 km ununterbrochen mit

Häusern besetzt.

=Kirchberg.= Zum Rathhaus. Deutsches Haus. Zum Brühl. Restaurant

zur Post. 6600 Einw. 355 m ü. M. Anmuthig am Berghang gelegene

Industriestadt. Tuchfabriken. Lebhafter Verkehr. Auf den Höhen in der

Nähe gefällige Umschau auf Stadt und Umgebung.

Von hier am =Kippenberger Bach= abwärts nach Station =Wilkau= und

zurück nach Zwickau.

53. =Zwickau-Schneeberg= (per Bahn 32½ km, von Wiesenburg ab zu

Fuss 10 km). =Aue= (5 km). =Flossgrabentour-Blauenthal= (12 km).

=Eibenstock= (neue Strasse 4½, alte 3 km). =Schönheide= (5 km).

=Rautenkranz= (8 km). =Reiboldsgrün= (4½ km). =Auerbach= (5 km).

=Lengenfeld= (8 km). =Zwickau= (23 km).

Mit Bahn nach Schneeberg oder doch bis =Wiesenburg=. Von hier führt

die =Silberstrasse= nach Schneeberg. Von =Oberweissbach= lohnt sich

ein Abstecher nach den =Hirschenstein=. Man geht von Oberweissbach

durch den =Wiesenburger Wald=; eine schnurgerade Schneusse führt

auf den 605 m hohen Gipfel (3 km). Sehr schöne Aussicht auf die

Abdachung, wie auf das Centralgebirge des Erzgebirges.

Vom Gipfel des Berges nach =Lindenau= und über =Neustädtl= nach

=Schneeberg=.

_+Anmerkung.+ Eine andere Version ist Eisenbahnfahrt von Zwickau

nach +Stein+. Von hier nach den Ruinen der +Isenburg+ (2½ km) und

durch den +Poppenwald+ nach +Niederschlema+ 2 km. (Aussichtsreicher

Arminiatempel.) Von hier am grossen +Blaufarbenwerk+ vorüber nach

Oberschlema und Schneeberg._

=Schneeberg.= Sächs. Haus. Fürstenhaus. Stadt Leipzig. Sonne. Rest.

zur Himmelsleiter. Siegels Rest. Rathskeller. Grüne Laube. Petersens

Gartenrest. 7642 Einw. Am Rathhaus 466 m ü. M. Die Stadt verdankt

ihren Namen dem Schneeberg, auf dessen Rücken sie äusserst malerisch

ausgebreitet liegt. Spitzenhandel und Klöppelei. Weisswaarenfabrikation

und Stickerei. Für feinste Stickerei und für Klöppelei bestehen

Fachschulen. Fabrikation von Puppen und Tuchschuhen. Der =Bergbau=,

einst der reichste im Lande, begnügt sich, seit die reichen Silberadern

erschöpft sind, mit Kobalt und Wismuth, doch ist er noch immer nicht

unbedeutend. In der Georgenzeche speiste Albrecht der Beherzte am 23.

April 1477 auf einer Erzstufe, welche 80,000 Mark im Werth hatte; Reste

davon zeigt man noch heut im mineralogischen Museum zu Dresden.

Schneeberg ist Vorort des Vereins für Touristik im Erzgebirge, der seit

seinem kurzen Bestehen durch Erschliessung neuer Aussichtspunkte und

anderer touristisch-werthvoller Neuerungen alle Freunde des Erzgebirges

sich zu Dank verpflichtete. Derselbe zählt 21 Zweigvereine mit 1418

Mitgliedern. Vorsitzender Seminaroberlehrer Dr. Köhler.

Die =Schneeberger Kirche=, die umfänglichste Kirche Sachsens, wurde

von 1516 bis 1540 in spätgothischem Style erbaut. Den Hauptaltar

verschleppten 1633 kaiserliche Soldaten nach Prag, doch erlangte ihn

Kurfürst Johann Georg 1649 durch den westphälischen Frieden wieder

zurück.

In einer künstlerisch sterilen Zeit (1705) wurde dieser Altar, der

schon nach der Reformation manches Schmuckes beraubt worden war,

durch den »Kunstmaler« Böhm erneuert, nur das Mittelbild blieb damals

erhalten; eine historisch-treue Renovation ist projectirt, stösst aber

auf Hindernisse. Ausserdem alte Gemälde, Fresken, Schnitzwerke. Inter.

Begräbnisskapellen um den Altar. Der Taufstein ist aus Crottendorfer

Marmor gemeisselt. Auf dem Thurm 159 Ctr. schwere Glocke, die

Donnerglocke genannt; schöne Aussicht von hier auf Stadt und Umgebung.

Sehenswerth sind das =Kriegerdenkmal= auf dem Markt und ferner das

Simon'sche Haus, auf dessen Dach eine Bildsäule, ein Mann, der unter

jedem Arm ein Brod trägt. Während einer Theurung (1771--73) soll

das ansehnliche Gebäude um 2 Brode verkauft worden sein. In der

=Realschule= naturhistorisches Museum, Sonntags von 11 bis 12 Uhr

geöffnet. Von dem schlossähnlichen Seminar prächtige Aussicht auf die

weite, äusserst bewegte Umgebung Schneebergs.

=Neustädtl=, die angrenzende Schwesterstadt Schneebergs, zählt 3549

Einw. und betreibt Bergbau und dieselben Industrien wie Schneeberg.

=Kleine Ausflüge von Schneeberg.= Nach dem =Gleesberg= (mit

Aussichtsthurm). 570 m ü. M. Thurm 13 m. Man geht vom Markt den

Stangenberg hinab, wo Wegweiser die weitere Führung übernehmen. Sehr

schöne Rundschau, in welcher Sehma-, Schwarzwasser- und Muldenthal,

das ganze Centralerzgebirge, die Abdachung nach Zwickau hinab und die

Bergwerksregion mit dem Filzteich und die Waldgegenden nach Eibenstock

und Schönheide hinauf einbegriffen sind.

_+Anmerkung.+ 2 km von Thurm entfernt liegt im Süd-Süd-Ost der

»+Gemauerte Stein+«. Man kann von diesem Punkte aus direct hinab nach

Auerhammer oder an den Flossgraben gehen und die Flossgrabentour

beginnen. (S. S. 134.)_

Ferner lohnt sich ein Gang durch das =Schneeberger Schachtrevier= nach

dem =Filzteich=. Der Teich mit seinem klaren Bergwasser gleicht einem

anmuthigen Bergsee, wenn auch die Ufer nicht steil sind. 1785 brach

der Damm, die Wasser ergossen sich mit einem Male in die Thäler hinab

und richteten namentlich in Zschorlau viel Unheil an. Er dient zum

Bergwerksbetrieb. Einen hübschen Ueberblick über den Teich gewährt

schon die Halde am Schacht Siebenschlehen.

Wer nicht über den Gleesberg nach Aue geht, benutzt die

aussichtsreiche Strasse dahin. Von der =Brünnlasschenke= anmuthige

Rückblicke auf Schneeberg mit seinem stolzen Seminarbau. Hinter

dieser Schenke thut sich das Auer Thalbild auf.

=Aue= s. S. 120.

=Flossgrabentour.= An der Mulde aufwärts bei =Auerhammer= beginnt

die Granitregion, wenigstens liegt hier viel Granitgeröll. In

=Auerhammer= Geitners Argentanfabrik, in der man das glänzende

Metall nicht nur in den Schmelzöfen herstellt, sondern auch zu

Draht und zu Blechen verarbeitet. Den =Flossgraben=, der vor uns

hoch oben am Berge fliesst, erreichen wir auf einem der vielen

Wege, die aufwärts führen. (Am sichersten an der Lange'schen Villa

vorüber.) Sobald der Graben erreicht, haben wir an ihm einen

sicheren Führer durch das wildromantische Muldenthal, durch das

auch die Eisenbahn sich ihre Wege gebrochen. Rechts fliesst der

Graben und hohe Berghänge mit Felsgruppen erheben sich über uns,

links rauscht in der Tiefe die Mulde und dicht am Wege erheben

sich alte Baumcolosse und beschatten den schönen Pfad. Den grossen

Bogen des Thales, den die Eisenbahn durch einen Tunnel abschneidet,

können auch wir durch einen Pfad über die vorspringende Bergnase

abkürzen. Unser Pfad senkt sich dann scheinbar allmählig und

erreicht am Rechenhaus das Niveau der Mulde. Hier liegt der

=Bahnhof Bockau=.

=Bockau= (vom Bahnhof bis zur Kirche 3½ km). Zur Sonne, 2100 Einw.

Die Einwohner betreiben noch heute den Bau medicinischer Kräuter.

(Angelicawurzel, Baldrian, Rhabarber, Huflattig.) Von dem sogenannten

Schneeberger Schnupftabak (in Frankreich bekannt unter dem Namen:

Tabacco de Montblanc) gehen noch alljährlich 20000 Schachteln von

Bockau in die Welt hinaus; man fertigt ihn aus Veilchen, Niesswurz

und Wiesenkräutern. Die alten geheimnisskrämerischen Arzneihändler

aus Bockau mit ihren »Buckelapotheken« haben den modernen

medicinal-polizeilichen Bestimmungen weichen müssen. Jetzt werden viel

Glacehandschuhe hier gefertigt.

_+Anmerkung.+ 3½ km oberhalb Bockau liegt die +Morgenleithe+ (s. S.

121). Wer nach Schwarzenberg will, kann den schönen Aussichtspunkt ohne

sonderlichen Umweg mit aufsuchen._

Von Bockau ab Eisenbahnfahrt oder auch Fusstour am rechten Muldenufer

(Mulde zur Linken) über =Blauenthal=, wo man das Thal verlässt und

die alte Strasse hinauf nach Eibenstock wandert.

Eibenstock s. S. 126. Schönheide s. S. 130.

Von Schönheide ab empfiehlt sich Bahnbenutzung. Die Mulde wird

wasserärmer und das Thal ist weniger tiefeingeschnitten, daher

landschaftlich weniger ausgiebig.

=Rautenkranz.= Zum Pflug. 616 m ü. M. Echtes Walddorf. Die männliche

Bevölkerung findet zumeist ihr Brod durch die grossen Staatsforsten.

Die Mädchen und Frauen betreiben die gleichen Industrien, wie

Eibenstock.

_+Anmerkung.+ +Morgenröthe+ (s. S. 130) liegt nur 3 km von hier im

schönen Thale der Pyra. 3 km weiter hinauf gelangt man nach dem

einsamen +Sachsengrund+. (7 Häuser.) Von hier führen Waldwege auf den

breiten Rücken des 965 m hohen grossen +Rammelsberges+, dem höchsten

Berge des westlichen Erzgebirges, der gleichsam den Grenzstein

zwischen Erzgebirge und Voigtland darstellt; sein Gipfel trägt

selbst grosse Forsten und er überragt ein unabsehbares Waldgebiet,

das die Auerbacher, die Eibenstocker, die Sauersacker und Schönecker

Forsten einschliesst. Von Sachsengrund über den Gr. Rammelsberg nach

dem aussichtsreichen Aschberg in Böhmen 4 km. Nur mit Führer oder

Specialkarte. Aschberg s. Routennetz._

Der Tour treu gehen wir im anmuthigen =Zinsbachthale= aufwärts nach

Bad =Reiboldsgrün=.

=Bad Reiboldsgrün=, 678 m hoch, liegt inmitten grosser Forsten. Dr.

Driever, der selbst einst Heilung an Ort und Stelle gefunden, leitet

hier ein Bad für Lungenkranke nach denselben Principien, nach denen

die Bäder Davos und Göbersdorf geleitet werden. Die Reiboldsgrüner

Quelle ist ein starker Eisensäuerling (ausserdem Moor- und Stahlbäder).

Schöne Waldpromenaden, idyllisches Badeleben. Im Restaurant finden

auch Touristen Verpflegung. Eine herrliche Aussicht gewährt die

nahe =Goldene Höhe=, 734 m ü. M., mit Aussichtsthurm. Umfassende

Ueberschau über das reich angebaute thälerdurchzogene Voigtland mit

seinen Riesenviaducten und Aussicht auf die fränkischen Berge und

thüringischen Vorberge, die das Voigtland einfassen. In der Nähe

grossartige Forsten. (Der Thurm erhebt sich auf dem langen Höhenzug,

der das Erzgebirge vom Voigtlande scheidet und zwar an einer für

Touristik höchst bevorzugten Stelle.)

Nun hinab auf der Strasse nach Auerbach. Unterwegs hübsche Ausblicke

auf das Voigtland.

=Auerbach.= Hotel Becker. Braunes Ross. Zum Kronprinzen. Rest. zur

Centralhalle. Rathskeller. Kasino. 6300 Einw. Am Gerichtsamt 468 m

ü. M. Am Bahnhof 542 m ü. M. Weberei. Buntstickerei. Auerbach war

einst Centrale des voigtländischen Pech- und Russhandels. Pechhütten

befinden sich noch bei Schönheide, in Tannbergsthal und Schnarrtanne.

Die Pechsieder sind meist aus den Dörfern Beerheide und Brunn gebürtig.

Das Pechreissen geschieht im Frühjahr, wird aber nur an solchen Bäumen

ausgeführt, welche zum Abtrieb gelangen sollen und auch an diesen immer

seltener.

In Auerbach befindet sich auch ein Seminar; ferner ein Rittergut, an

welchem ein uralter Schlossthurm zu besichtigen ist; von seinen Zinnen

hübsche Blicke auf Stadt und Umgebung.

Nach Lengefeld auch Eisenbahn. Die Strasse führt über das grosse Dorf

=Rodewisch= und über =Niederauerbach=. In Rodewisch werden meist

Einsätze für Herrenhemden fabricirt.

=Lengenfeld.= Sächsischer Hof. Zum Löwen. Rest. zur Post. Hofmanns

Rest. Zur Quetsche. Schiesshaus. 5200 Einw. Am Bahnhof 496 m ü. M.

Tuchweberei. Die anmuthig an der Göltzsch gelegene Stadt ist nach dem

Brande 1865 fast neuerbaut worden. Gefällige Kirche.

Nach Zwickau zurück benutzt man von hier die directe Bahn.

54. =Zwickau-Rautenkranz= (57 km). =Jägersgrün= (2 km). =Tannbergsthal=

(2 km). =Sachsenberg= (7½ km). =Grasslitz= (6½ km). =Klingenthal=

(5 km). =Hoher Stein= (9 km). =Markneukirchen= (7 km). =Adorf= (5 km).

=Elster= (5 km).

Bis Rautenkranz s. Routennetz. Bei Stat. =Jägersgrün= verlassen wir

die Bahn. (Am Gasthof 634 m ü. M.) und gehen nach =Tannbergsthal=.

_+Anmerkung.+ Wer den +Topasfelsen+, vulgo +Schneckenstein+, besuchen

will, geht von Tannbergsthal, die grosse Fabrik links lassend, nach

dem Weiler +Boda+ und von hier mit Führer oder Specialkarte hinauf

nach dem Felsen, der sich ziemlich unvermittelt etwa in der Höhe

eines Tannenbaumes von einem Waldplateau abhebt. Seehöhe 874 m. Ein

schneckenförmiger Felspfad führt auf den Gipfel, von dem man eine

eigenartige Aussicht auf die grossen Grenzforsten geniesst, in denen

man die Einsenkung der jugendlichen Mulde weithin wahrnehmen kann.

Man findet in dem Gestein unzählige rostbraune Topaskrystalle, die

weingelben, reinen sind freilich nur selten. Am Fusse des Felsens ein

kleines Prebischthor mit Inschrift. (Bergleute drangen hier ohne

Erfolg in die Tiefe.) Mit Specialkarte oder Führer auf einer der

grossen Waldschneussen nach dem Tannenhaus und nach Schöneck (10 km)

oder auf einem Fusspfad hinab nach +Brunndöbra+. 5 km._

Der Tour treu lassen wir die Tannbergsthaler Fabrik rechts und

verfolgen die Strasse, die, an einem einsamen Flossteich vorüber,

bis 860 m ansteigt. Dann auf den Südabhang hinab nach =Steindöbra=.

(Inter. Holzhäuser echtes Gebirgsdorf von tyrolischem Anstrich.)

Am Gasthof zum Stern hinauf nach =Obersachsenberg=. Gasthaus.

Weitzerstreutes, armseliges aber herrlich gelegenes Dorf.

Weissstickerei. Man besuche eine der Hütten. Im Fenster hängt der

unvermeidliche »Grünitz« (Kreuzschnabel), die Frauen sticken an

den feinsten Arbeiten und singen und lachen dabei und ein grosser

Kindersegen belebt die blankgescheuerte Stubendiele. Grosse Armuth

und helles Vergnügen wohnen kaum wieder so eng beisammen wie hier.

Nun an den Grenzsteinen hinauf nach dem

=Aschberg=. 925 m ü. M. Triangulirungsstat. Herrliche Fernsicht

auf das böhmische Mittelgebirge, das Egerland, auf die Höhen des

Voigtlandes und auf die Waldregionen des Gebirgskammes. Aber auch die

nahen Thalbilder nach Sachsenberg, Brunndöbra, Zwota, Klingenthal und

Grasslitz hin sind sehr anmuthige.

_+Anmerkung.+ Mit Verzicht auf Grasslitz gehe man den +Staffelweg+

hinab an die Strasse +Jägersgrün-Klingenthal+ und durch einen reizenden

Thalgrund nach Klingenthal._

Nach Grasslitz führt der Weg von Obersachsenberg durch =Schwaderbach=

und durch ein ödes verlassenes Thal, in dem man früher auf

Kupfer bedeutenden Bergbau getrieben, dessen Hinterlassenschaft

die traurigsten Trümmerhaufen und Schutthalden bilden. Der

felderbedeckte Berg mit dem scharfgratigen Rücken zur Linken ist

der Hausberg.

=Grasslitz.= Kaiser von Oesterreich. Zum Herrenhaus. 490 m hoch an der

Zwota gelegen. 6500 Einw. Industriereiche Stadt mit grossen Spinnereien

und Webereien; auch betreibt man die Fabrikation musikalischer

Instrumente wie zu Klingenthal und Markneukirchen (Näheres S.

139). Die alte Pfarrkirche besitzt einen inter. Hochaltar und alte

Holzschnitzereien.

Die Stadt liegt dicht unter dem =Hausberg=, der mit seinem

schmalgratigen Rücken wie ein Hausdach geformt ist und davon seinen

Namen erhalten hat. Oben prächtige Ausblicke auf die reichgeformte

Umgebung. Spuren eines alten Schlosses. An das Regierungsjubiläum des

öster. Kaisers Franz Joseph (18. Aug. 1873) erinnert ein Denkmal

auf dem Berge. Den eisernen Pavillon, von dem man besonders schöne

Ausblicke geniessen kann, errichtete der berühmte Industrielle Joseph

Ritter von Dozauer, der zu Grasslitz geboren ward. Im Thalgrund

am Fusse des Hausberges 1 km von Grasslitz liegt die idyllische

=Reimermühle=, ein Sommerrestaurant.

Nach Klingenthal führt die Strasse im Zwotathal entlang. Die

Eisenbahn, die hier nur eine Lücke von wenigen Kilometern aufweist,

hat leider noch keinen Anschluss finden können, so dass die

Verbindung Klingenthals mit Mariakulm und Eger oder nach Karlsbad

hin durch die kurze Strecke schon seit Jahren unterbrochen

geblieben ist.

=Klingenthal.= Zum Hirsch. Altes Schloss. Rest. zur Post. Ueber der

Grenze auf böhmischer Seite liegt »Die Hacke«, ein vielbesuchtes

Rest. 3000 Einw. Am Schulhaus 576 m ü. M. Die Stadt, sehr anmuthig im

Zwotathal gelegen, ist ein Hauptort der Instrumentenfabrikation und

baut vorzugsweise Akordions, Concertinos, Mund- und Ziehharmonikas. Man

besuche eines der Lager der Firmen Herold oder Dörfel und Steinfelser.

Man sieht hier die Ausstattung ganz dem Geschmack der verschiedensten

Völkerrassen angepasst, für welche die Instrumente berechnet sind.

Man malt hier chinesisch und malaiisch, und wenn es sein muss, auch

tumpuktunisch. Die Herstellung wird durch strengste Arbeitsteilung

verbilligt und vereinfacht, man trifft z. B. alte Männer, die ihr Leben

lang nichts als Geigenwirbel gedreht haben. Man baut Geigen bis herab

zu 2 Mark das Stück und Dudelsäcke bis zu 18 Pfg. Die Industrie ist

durch böhmische Exulanten nach dem 30-jähr. Kriege hier eingeführt

worden. Weissstickerei wird in Klingenthal gleichfalls betrieben.

Nun durch einsame Waldgegend am 800 m hohen =Ursprungberg= vorüber

nach =Ursprung= und =Stein= und nach dem

=Hohen Stein=. 767 m ü. M. Im Sommer fliegendes Restaurant. Den Gipfel

bildet ein sehr harter, zerrissener, pittoresker Schieferfels. Man

übersieht das weite, reiche Egerland mit Eger und Franzensbad, das

böhmische Mittelgebirge, das hier mächtig, wie ein geschlossener

Jurawall, aufsteigt, und das Fichtelgebirge. Besonders anmuthig und

malerisch ist der Ausblick nach Erlbach und Markneukirchen hin.

Jetzt stark bergab nach =Erlbach=, wo man ebenfalls, wie in

Markneukirchen, Musikinstrumente fabricirt, und dann nach

=Markneukirchen.= Rathskeller. Krone. Post. Rest. zum Schützenhaus.

Paradies. Die Stadt liegt freundlich im muldenförmigen

Schwarzbachthale. 5400 Einw. 504 m ü. M. Die Industrie Markneukirchens

ist einzig und grossartig in ihrer Art, man fertigt alle nur

erdenkbaren Musikinstrumente und Darmsaiten. Die grössten Firmen

sind R. Schuster und Paulus & Schuster. Diese Industrie, die nur an

wenigen Orten der Erde ihre sang- und klangfröhlichen Werkstätten

aufgeschlagen, ist im hohen Grade sehenswerth, sie beruht auf strenger

Arbeitsteilung, wodurch Billigkeit und Accuratesse zugleich erzielt

wird.

Unter den Klängen der Markneukirchner Posaunen, Pauken, Trompeten,

Schellenbäume, Hörner und Trommeln schlugen unsere Armeen die grossen

Schlachten in Frankreich, verzweiflungsvoll warfen sich unter denselben

Tönen die gallischen Volksheere dem eisernen und ruhig vordringenden

Sieger entgegen, völkerverschlingend marschirten die russischen

Colonnen unter ihnen nach Innerasien und vor Constantinopel, sie

umrauschen das Sternenbanner der Union, und in allen Welttheilen lässt

der englische Musikus sein mächtiges, feierliches »God save the Queen«

aus Markneukirchner Instrumenten ertönen, gleichviel, ob der Frosthauch

von Canada die glänzenden Flächen trübt oder ob die indische Sonne sich

brennend in ihnen widerspiegelt.

Die Markneukirchener Violinen, Bassgeigen, Trompetinen, Violoncellos,

Banjos, Philomelen, Metronomen, Becken, Cinellen, Triangeln,

Glockenspiele, Lyras, Bratschen, Clarinetten, Oboeen, Fagotts, Flöten,

Piccolos, Flageolets und Concerthörner erfreuen die Concertliebhaber

aller Nationen oder fordern diese zu ihren Nationaltänzen auf. Die

indische Bajadere bewegt den geschmeidigen Körper nach dem weissgaren

Fell eines Kalbes, das in der Nähe Markneukirchens das Licht der Welt

erblickte, und nach den süssen Klängen der Guitarren, Zithern, Lauten,

Mandolinen und Harfen girrt das verliebte junge Volk aller Rassen.

Wie ein ungarischer Wald von Singvögeln, so ist Markneukirchen von

Musikern belebt. In allen Häusern und in allen Tonarten wird probirt

und musicirt.

Als Rohmaterial werden so ziemlich alle feinen Holzarten verbraucht,

welche die Erde zu erzeugen vermag. Die Pferdehaare zu den Fiedelbogen

liefern Russland und die Laplatastaaten, die Schafdärme zu den grossen

Massen von Saiten, die hier fabricirt werden, kommen aus Dänemark und

Südrussland, da man dort die meisten Lämmer schlachtet.

Nun im =Schwarzbachthal= abwärts nach Adorf und Elster, s.

Routennetz. Ein directer Weg führt über =Mühlhausen= mit Umgehung

von Adorf nach Bad Elster (8 km).

55. =Zwickau-Rautenkranz= (57 km). =Schöneck= (17 km). =Markneukirchen=

(per Bahn 13½, zu Fuss 9½ km).

Bis Rautenkranz s. Routennetz. Von hier verfolgt die Eisenbahn die

geringen Einsenkungen des Thales der jugendlichen Mulde, durchschneidet

die grossen =Kottenheider Forsten= und gewinnt über der Stadt Schöneck

den Höhenzug, der wie ein Steinwall über das Voigtland aufragt.

Hier liegt der höchste Bahntract in Sachsen (791 m ü. M.). Der

Bahnhof liegt 754 m ü. M. Von hier herrliche Aussicht auf das weite,

thälerdurchzogene Voigtland.

=Schöneck.= Rathskeller. Keils Gasthof. Restaurant Renner. Müllers

Garten. Meyers Rest. 3300 Einw. Fabrikation von Musikinstrumenten.

Weisswaarenstickerei. Feldbau. Waldarbeit.

»Das ist ein goor schie Eckel« soll der erste Ansiedler gerufen haben,

als er die Axt zu einer Blockhütte ansetzte, und in der That, er

hat recht gesprochen. »Schieeckel«, jetzt Schöneck, liegt frei und

schön über dem Land auf luftiger Höhe. Die beste Aussicht hat man vom

Friedrich-Auguststein, mitten in der Stadt gelegen (747 m ü. M.).

Triangulirungsstation. Das ganze Voigtland liegt uns so ziemlich zu

Füssen. Man sieht den Aschberg bei Obersachsenfeld, den Kapellenberg

bei Voitersreuth, den Ascherberg bei Asch, die Berge um Rehau und Hof

und die Thüringer Vorberge. Durch die Mitte der weiten Landschaft

zieht sich das Elsterthal, aus welchem die Thürme von Oelsnitz,

Schloss Voigtsberg und der obere Theil von Bad Elster hervorschauen.

Ein gefälliges Schauspiel gewähren die Züge mehrerer Eisenbahnlinien,

die das Voigtland durchziehen; oft verschwinden sie zwischen Bergen

und Wäldern, um dann an Orten wieder aufzutauchen, wo man sie am

allerwenigsten vermuthete.

Nach =Markneukirchen= windet sich die Bahn in grossen Curven über

die Stat. =Zwota=, wo sich die Linie nach =Klingenthal= abzweigt.

Fall 1 zu 40. Die 4½ km kürzere Fusstour berührt die Dörfer

=Eschenbach=, =Wohlbach= und =Breitenfeld=. Markneukirchen s. S.

139.

_+Anmerkung.+ Von Schöneck nach +Marieney+ 6 km. Hier wurde 1803 der

Dichter Julius Mosen geboren, dem durch ein Comité in Schöneck ein

Denkmal errichtet werden soll. Man geht dann über die Eisenleithe

direct nach Adorf (6 km) oder über das Dorf Würschnitz nach Oelsnitz

(10 km). In Würschnitz pflanzte ein Zimmergesell Ausgang des 17. Jahrh.

die ersten Kartoffeln in Deutschland an._

56. =Zwickau-Reichenbach= (22 km). =Mylau= (3 km). =Netzschkau= (2 km).

=Jokeda= (13 km). =Elsterberg= (7 km). =Greiz= (6½ km). =Zwickau=

(27 km).

Die Eisenbahnfahrt nach Reichenbach zeigt uns rechts Schloss

=Steinpleis= und links Schloss =Schönfels=. Hinter Steinpleis Blick

rechts auf =Werdau= (12000 Einw. Wollenwebereien, Tuchfabriken,

Vicognespinnerei).

=Reichenbach.= Zum Lamm. Engel. Deutscher Kaiser. Turnhalle mit

Concertgarten. Rathskeller. Bellevue. Kesslers Rest. 16500 Einw. Am

Bahnhof 401 m ü. M. Reichenbach zählt zu den gewerbthätigsten Städten

des industriellen Voigtlandes. Wollenspinnerei, Weberei von Merinos,

Thibets, Flanellen und mit Fransen umsäumten Wollentüchern. 1697 ward

hier Caroline Neuberin geboren, welche den Hanswurst von der deutschen

Bühne austrieb, der jetzt, wenn auch in modernisirter Auflage, wieder

eingezogen ist. Neuer schöner Centralbahnhof. In der =Peter-Paulkirche=

Silbermannsche Orgel. An der Realschule stattliches Kriegerdenkmal,

eine Victoria mit Siegeskranz und Friedenspalme. Der voigtländische

Verein für Naturkunde hat im alten Gerichtsgebäude ein sehenswerthes

=naturhistorisches Museum= aufgestellt.

Reichenbachs an sich schon hübsche Umgebung ist besonders

interessant durch die Göltzschthalbrücke, einem der grossartigsten

Eisenbahnviaducte auf dem Continent. Man geht dahin direct über Mylau

(3 km).

=Mylau= an der Göltzsch. Reichsadler. Zur Quelle. Löwe. Restaur. sind:

Rathskeller, Schützenhaus und Trinkhalle. 4900 Einw. 304 m ü. M. Mylau

betreibt die gleichen Industrien, wie seine Nachbarstadt Reichenbach.

Ein altes =kaiserliches Jagdschloss=, in dem Kaiser Karl IV. öfter

eingesprochen, dient jetzt gewerblichen Zwecken (Wolldruckerei). Der

hintere Hof führt noch heute den Namen »Der Kaiserhof«.

Die =Göltzschthalbrücke=, 1½ km unterhalb Mylaus bringt den

grossartigsten Eindruck hervor, wenn wir dicht an ihren Pfeilern

stehen; sie wurde vom Major Wilke entworfen und ist, wie schon

angedeutet, eines der kühnsten und grandiosesten Bauwerke unseres

Zeitalters. Höhe 77 m. Länge 574 m. Der mittlere Bogen hält 84 m

Spannweite. Baukosten 7 Millionen Mark. An Ziegeln fanden 20 Millionen

Stück Verwendung. Die Brücke würde heut, da man der Billigkeit wegen

die Curven liebt, nicht mehr erbaut werden, obwohl sie sich durch

Abkürzung des Tractes reichlich verzinsen soll. Erbaut von 1846 bis

1851.

_+Anmerkung.+ Wer direct nach Greiz will, wandere im schönen

+Göltzschthal+ entlang. Der Fluss bildet die Grenze zwischen Sachsen

und Reuss. Wir gehen am linken Ufer unter der Brücke durch bis vor die

Winkelmann'sche Fabrik, hier auf dem Steg zum rechten Ufer unfern der

Einmündung des Friesenbachs. Hier nicht rechts gehen, sondern über die

Höhe zur +Schwarzhammermühle+ und über die Brücke. Nunmehr bleiben wir

am linken Ufer bis an die Einmündung der Göltzsch in die Elster. Rechts

der Elster liegt der +Papiermühlenfelsen+ mit der »Schönen Aussicht«,

vom Greizer Verschönerungsverein zugänglich gemacht. Auf diesem Wege

von der Göltzschthalbrücke bis Greiz 8 km. Bei der Schwarzhammermühle

kann man auch rechts hinauf über +Irschwitz+ nach Greiz gehen. (Dann

nur 6 km bis Greiz.) Greiz s. S. 144._

Der Tour treu passiren wir mit der Bahn die Göltzschthalbrücke. Man

setzt sich der Thalblicke wegen am Besten auf die rechte Seite,

links liegt noch ein Gleis zwischen dem Brückengeländer und dem

Waggon.

=Netzschkau.= Pinks Gasthaus. Löwe. Bair. Hof. Rest. zur Bleibe.

Rathskeller. Singer. Schlosskeller. Bahnhofsrest. mit Garten.

3800 Einw. 348 m ü. M. Weberei von Kattun und Futtermusselin.

Schönburgisches Schloss mit neuangelegtem Park. Im Südwest der

Stadt, 3 km entfernt, liegt der 512 m hohe =Kühberg=, eine

Triangulirungsstation, von der man das Voigtland mit seinen

einrahmenden Höhenzügen überschauen kann. Man geht dann gleich über

=Reimersgrün= nach =Herlasgrün= an die Eisenbahn.

Die Bahn umgeht in weitem Bogen den =Kühberg= und berührt die Dörfer

=Limbach=, =Herlasgrün= (Kreuzpunkt) und =Ruppertsgrün=.

In =Joketa= verlassen wir die Bahn. (Gasthaus.) Die =Elsterthalbrücke=

bei Joketa ist zwar nur 280 m lang und 68 m hoch, doch erscheint

sie, durch eine sehr romantische Umgebung gehoben, fast imposanter

wie die Göltzschthalbrücke. Man kann nach dem mittleren Bogen in der

ersten Etage gehen; hier macht das Bauwerk einen überwältigenden

Eindruck, dazu kommt in der Tiefe der frische Bergstrom, die Elster,

und die prächtigen Thalgehänge. (Die Bahn unter der Brücke hindurch

verbindet Plauen mit Greiz.) Die Bauzeit der Brücke (1846--51) fällt

mit derjenigen der Göltzschthalbrücke zusammen. Die Namen der Erbauer,

Wilke und Kell, finden sich an den Pfeilern verewigt.

Wir gehen nun im =Elsterthal= abwärts. Prächtige Thalwanderung. Bei

=Liebau= =Ruine Liebau= auf der Höhe mit herrlichen Thalblicken.

(Schöner ist der Ausblick von dem =Rindenhäuschen=.) Links liegt

=Trieb=. Nun hinab zur =Rentzschmühle=. Hotel Steinigt. Hier

beginnt das sogenannte =Steinigt=, ein enges wildromantisches Thal,

das einst die Elster durch das harte Gestein gebrochen. (Auch

voigtländische Schweiz genannt, schönste Partie im Elsterthal.)

_+Anmerkung.+ Viele ziehen vor von Joketa über Bartmühle und Trieb nach

Rentzschmühle zu gehen. Ueberraschende Blicke auf den grossartigen

Viaduct._

=Elsterberg.= Rathhaus. Grüner Baum. Heckel's und Flachs' Rest. 3600

Einw. 282 m ü. M. Gerberei und Färberei. Die romanische Kirche wurde

1840 erbaut. Die Burgruine Elsterbergs gehört zu den umfänglichsten

des ruinenreichen Thüringer Landes, an dessen Grenzmarken Elsterberg

liegt. Die stolze Ruine auf einem Felsen über der Elster war mit

ihren doppelten Ringwällen ein fester Sitz der Herren von Lobdaburg.

(Zerstört durch Markgraf Friedrich von Meissen während des sogenannten

voigtländischen Krieges Mitte des 14. Jahrh.)

Nach Greiz benutzt man die Bahn, welche die launenhaften

Krümmungen der Elster mehrmals abschneidet. Vor Greiz rechts der

=Papiermühlenfelsen= mit schöner Aussicht. S. 144 u. 142.

=Greiz.= Hotel Hennig. Löwe. Thüringer Hof. Zum Kranich. Rest. zum

Fürstenkeller. Grimms Gartenrest. Trömels Rest. mit schönem Garten.

13000 Einw. Am oberen Bahnhof 287 in ü. M. Greiz, an der Elster im

romantischen Thalkessel gelegen, ist Residenz des Fürstentums Reuss

j. Linie. Das alte =Fürstenschloss= auf hohem tunneldurchbrochenen

Felsen nimmt sich höchst imposant aus, auch das =neue Schloss= ist

sehenswerth. Der =fürstliche Gartenpavillon= liegt inmitten reizender

Anlagen. Am Heinrichsplatz steht als =Kriegerdenkmal= eine Germania.

Greiz ist eine sehr rührige Fabrikstadt und betreibt hauptsächlich

Spinnerei, Wollen- und Baumwollenweberei, Druckerei und Färberei.

Die reizende Umgebung von Greiz mit ihren grossen fürstlichen Wäldern,

dem Thalzug der Elster und den schönen Waldbergen hat mancherlei

lohnende Punkte aufzuweisen. Genannt seien hier vor Allem der

=Hirschstein= mit seinem weithinleuchtenden weissen Kreuz und seinen

höchst malerischen Blicken auf das Elsterthal und auf die anmuthig

an dem Schlossfelsen gruppirte Stadt. Sodann besuche man den schon

genannten =Papiermühlenfelsen= über dem Einfluss der Göltzsch in die

Elster. Der »Guckkasten« giebt einen prächtigen Ausblick auf Stadt und

Umgebung, der andere Punkt auf diesem Felsen, die »Schöne Aussicht«

zeigt das romantische Göltzschthal.

Nach Zwickau zurück benutzen wir die Greiz-Brunner Eisenbahn (27 km).

Gampe's Erzgebirge mit Einschluss der böhmischen Bäder Teplitz, Karlsbad, Franzensbad und Marienbad, des Voigtlandes und des Granulitgebietes an den unteren Mulden. Ein Reisehandbuch · 第 33 / 47 题