Weiter über Dorf Gebürge und Dörfel mit hübschen Ausblicken nach

=Marienberg=. Drei Schwanen. Gold. Krenz. Ross. Restaur. zum

Rathskeller, im Bahnhof und bei Oschütz. Am Bahnhof 603 m ü. M. 6200

Einw. Die sehr regelmässig erbaute, höchst freundliche Stadt wurde

1521 von Herzog Heinrich dem Frommen gegründet. Reiche Erzgänge waren

in der Gegend aufgefunden worden und noch heut ist der Bergbau nicht

ohne Bedeutung. Am Rathhaus hübsches Renaissanceportal. Auf dem schönen

lindenbepflanzten Marktplatz ist öfter das Wild zusammengetrieben

und vom Kurfürsten Johann Georg von den Fenstern des Rathhauses

aus abgeschossen worden. Spitzenklöppelei. Feldbesitz. Lebhafter

Grenzverkehr. In der Kirchenbibliothek, die leider eine Zeit lang

verwahrlost worden ist, befindet sich ein Manuscript von der Hand

Adam Riese's: »Rechnung auff der linien vnd Federn in zal, massen

und gewicht«. Am Weg nach dem Bahnhof Kriegerdenkmal. 1873 wurde zu

Marienberg eine Unteroffiziersschule errichtet, die stark frequentirt

ist.

Wir gehen oder fahren mit Dampf durch den Hüttengrund. Vor der Stadt

Zöblitz liegt die =Kniebreche=, ein vielbesuchtes Wirthshaus, das

als Sommerfrische benutzt wird.

35. =Chemnitz-Zschopau= (29 km). =Wolkenstein= (13 km). =Annaberg=

(12 km). =Buchholz= (Bahnhof, 3 km). =Weipert= (17 km). =Kupferberg=

(17 km). =Sonneberg= (12 km). =Krima= (5 km). =Domina-Schönlind=

(7 km). =Kommotau= (9 km). =Klösterle= (22 km). =Wotsch= (9 km).

=Schlackenwerth= (14 km). =Karlsbad= (12 km).

Bis Erdmannsdorf s. Näheres Routennetz. Bald wird rechts die grosse

=Witzschdorfer Nähfadenfabrik= und später links das grosse

Spielwaarendorf =Waldkirchen= sichtbar. Zu Fuss nach Zschopau geht

man die aussichtsreiche Strasse über den Altenhain (15 km).

=Zschopau.= Stadt Wien. Deutsches Haus. Liebmann's Rest. Lehmann's

Gartenwirthschaft. 8500 Einw. 356 m ü. M. Weberei. Spinnerei von

Bodemer. In der Kirche die Kanzel und die Altarverzierungen beschaffte

Fabrikant Bodemer auf eigene Kosten, auch die Stadtbibliothek ist von

demselben begründet und fundirt worden. Schön über dem Zschopauthal

gelegenes Seminar.

Der Name Czapowe entstammt dem Sorbischen und bedeutet Passort. Durch

Zschopau ging seit grauen Zeiten bis in die Mitte unseres Jahrhunderts

die grosse Verkehrsader Prag-Leipzig. Die Erweiterung des Thales war

für den Uebergang über dasselbe besonders günstig und so mag wohl sehr

früh schon eine Brücke und eine Ansiedelung dabei entstanden sein.

=Schloss Wildeck=, das imposant und trotzig die Stadt überragt, ist

wahrscheinlich zur Bewachung der einst wichtigen Zollstätte errichtet

worden. Der alte runde Thurm soll bereits von Heinrich dem Finkler

erbaut worden sein. August der Starke hielt hier den renitenten Bischof

von Posen gefangen. Gegenwärtig sind Gerichts- und Forstbehörden darin

untergebracht. Von der sehr hohen Zschopaubrücke aus führen Stufen

hinauf zum Markt. Unten liegt der volkreiche Stadttheil, die Zschopense.

_+Anmerkung.+ Die Umgebung Zschopaus ist zwar touristisch eine

recht dankbare, doch wer im Zschopauthale aufwärts dringt, kann auf

die minder schönen Punkte wohl Verzicht leisten. Hier seien nur

die vorzüglichsten genannt. Die +Bodemerkanzel+ liegt am linken

Zschopauufer, dem Bahnhof gegenüber. Höchst fesselndes Bild auf den

Thalkessel mit der Stadt und Burg Wildeck. Sehr lohnend ist auch ein

Spaziergang bis zum hochgelegenen +Schiesshaus+. Man sieht hier bis zum

Keilberg hinauf. Auch auf der Marienberger Strasse erreicht man mit

wenig Mühe eine Höhe, von der aus die Stadt mit Umgebung anmuthig vor

dem Beschauer liegt._

_Fussgänger nach Scharfenstein benutzen nicht die Strasse im Thalzug

fort, sondern steigen hinter dem Bahnhof links den steilen Berg hinauf,

hier läuft ein zweiter Weg mit dem Fluss parallel, von welchem aus

man schöne Thalblicke und Fernsichten hinauf ins Centralerzgebirge

geniessen kann. Der schönste Punkt nennt sich die +Scharfensteiner

Kanzel+. (Zschopau-Scharfenstein 6 km.)_

Unsere Fahrt im romantischen Zschopauthal fortsetzend, gelangen wir

nach =Scharfenstein=. 800 Einw. 7 Stockwerk hohe Spinnerei. Das

malerische Schloss Scharfenstein ist im Besitz eines Herrn von

Einsiedel, dessen Vorfahren schon im Anfang des 15. Jahrh. Herren

der Burg waren. 1632 eroberte sie Herzog Bernhard von Weimar.

Sehenswerth sind das Burgverliess, die alten Kellereien und ein

alter Wartthurm. Die Lage der Burg auf hohem Felsgrat erhöht ihren

landschaftlichen Reiz.

Auch die Weiterfahrt zeigt immer neue anmuthige Thalscenerien.

Fussgänger gehen ebenfalls im Thalzug aufwärts bis zum

=Flossrechen= mit =Flosshaus=, einem Lieblingsplatz der Badegäste

im Bad Wolkenstein, das man von hier aus leicht erfragen kann. Von

hier auch auf Fusswegen an der Ahner'schen Spinnerei vorüber direct

hinauf nach Wolkenstein.

=Wolkenstein.= Sächsischer Hof. Zur Sonne. Stadt Dresden. »Rest.: Bei

der Frau Kirchenvorsteherin Ulbrich«. Schiesshaus an der Strasse nach

Marienberg. Gräser's Conditorei. Bahnhof 400 m ü. M. Stadt 490 m ü.

M. 2300 Einw. Posamenten. Schuhmacherei. Klöppelei. Ackerbesitz. Der

Bergbau ist eingegangen. Inter. Kirche. (An der Eingangsthür zum Thurm

St. Georg mit dem Lindwurm. Altarbild: Christus und die Samariterin.)

Hübsches Kriegerdenkmal von einem Adler bekrönt. Schloss Wolkenstein,

jetzt Sitz von Gerichtsbehörden, war ehemals ein Lieblingssitz Heinrich

des Frommen, der in der Gegend nur der gute Heinz genannt wurde.

Er unterhielt hier einen Thiergarten und das einsame Lehngut, die

Heinzebank, 602 m hoch, an der Zschopau-Marienberger Strasse nennt

sich nach ihm, wie auch der nahe Heinzewald. Hier soll Heinrich sich

des weiten Rundblicks nach der Jagd im Heinzewald öfter erfreut haben.

Vom Gebirgsverein zugänglich gemachte Punkte bei Wolkenstein sind: Die

=Falkenhorstwand=, der =Heidelbachfelsen= und die =Brückenklippe=.

Vom Schloss hat man hübsche Thalblicke, am schroffen Berghang finden

sich verwegene Bergpfade. Noch schöner ist der Blick von der nahen

Villa =Maxenstein=, dem Buchhändler Spamer gehörig. Unter der Villa

Parkanlagen, die von 10 bis 3 Uhr dem Publikum offen gehalten werden.

=Warmbad Wolkenstein= liegt 2 km von der Stadt im Hüttengrunde. 458 m

ü. M. Der schön eingefasste Quell (30° C.) ist der wärmste Sachsens

und hat sich besonders bei rheumatischen Leiden bewährt. 125 möblirte

Zimmer von 2 bis 12 Mark per Woche. Bäder zu 75 und 50 Pf. Douchen

sind extra zu zahlen. Die Badefrequenz betrug 1880 600 Gäste. Concerte

ziehen während der Saison öfter die besseren Bewohner der Umgebung

herbei. Schöne Waldpromenaden. 4 km von der Stadt, vom Bad 2½ km

liegen die »=Neuen drei Brüder=«, ein verlassenes Bergwerk, über dem

Dorf =Gehringswalde=. Im Huthaus Schenke. Das Auge beherrscht von

hier aus so ziemlich alle höheren Berge des Centralerzgebirgs, als

Keil- und Fichtelberg, Hassberg, Auersberg und die drei Basaltkegel,

Scheibenberg, Bärenstein und Pöhlberg. Auf der Halde zuweilen Krystalle.

Hinter Wolkenstein passirt der Zug den Punkt des Zusammenflusses

der Pressnitz und der Zschopau, die von hier aufwärts bedeutend

wasserärmer erscheint. Weiter oben wird das Thal freier.

=Warmbad Wiesenbad.= 434 m ü. M. Die Quelle (21¾° C.) wird schon

seit dem 15. Jahrh. für Heilzwecke benutzt. Im Bad gegen 100

Zimmer. 1880 340 Badegäste. Die Quelle gleicht in ihrer chemischen

Zusammensetzung den Heilquellen von Pfeffers, Schlangenbad und Gastein.

Schöne Waldpromenaden, die zu anmuthigen Punkten führen. Grosse

Flachsspinnerei und Bleicherei unfern des Bades.

Hinter der Stat. =Wiesa=, einem anmuthig gelegenen Kirchdorf,

verlässt die Bahn das Zschopauthal und wendet sich dem Thalzug der

Sehma zu. Links wird mehrfach der =Pöhlberg= sichtbar.

=Annaberg.= Hôtel Museum. Wilder Mann. Goldne Gans (Gutes

Mittelgasthaus.) Kronprinz. Tröger's Gasthaus am Bahnhof. Rest. zum

Rathskeller. Bahl's Garten- und Tanzlokal vor dem Buchholzer Thor.

Badeanstalt von Wolf.

Annaberg, ziemlich abschüssig an den Gehängen des Pöhlberges gelegen,

ist die grösste und wichtigste Stadt des Centralerzgebirgs; die

Posamenten-Industrie ist sehr bedeutend und vorwiegend für den Export

berechnet. 13000 Einw. Am Markt 601 m, am Bahnhof 539 m ü. M.

=Geschichtliches.= Der Bergbau am Schreckenberg scheint ziemlich

früh schon begonnen zu haben, doch ward er erst Ende des 15. Jahrh.

sehr ergiebig; dies veranlasste Herzog Georg den Bärtigen an der

sogenannten wilden Ecke am 21. Sept. 1496 eine Stadt zu begründen, die

man Neustadt am Schreckenberg benannte. Indess 5 Jahre später tauschte

sie ihren Namen in St. Annaberg um und Kaiser Maxmilian bestätigte den

Namenwechsel. Die Glanzperiode des Annaberger Bergbaues fällt in das

16. Jahrh., die Schreckenberger Gruben waren damals die silberreichsten

Sachsens. Man prägte die Ausbeute in der Münzgasse in die sog.

Engelsgroschen um oder brachte sie auch ungemünzt zur Vertheilung.

Die Bergherren sollen sehr üppig gelebt und eine Bäuerin soll sogar

Bäder in Wein genommen haben. Die Sage schreibt dieser Ueppigkeit den

raschen Verfall des Bergbaues zu, die Gruben versagten im 17. Jahrh.

mehr und mehr, einzelne kamen zum Erliegen, 1604 suchte ein grosser

Brand die damals fast ganz hölzerne Stadt heim. Kloster, Rathhaus und

Schule brannte nieder und selbst die Kirche ward ihrer Thürme und ihres

Daches beraubt. Der 30-jähr. Krieg that sein Uebriges, die ehemals

reiche Bergstadt zu einer Stätte des Elends zu machen. Einen Nothanker

in dieser langen schlimmen Zeit bildete die Spitzenklöppelei. Barbara

Uttmann, einer Nürnberger Patricierfamilie entsprossen und an einen

reichen Annaberger Bergherrn Uttmann verheirathet, erfand, oder wie

man nach einer andern Lesart will, erlernte von einer Brabanterin das

Spitzenklöppeln und führte es bereits 1561 unter der Bergbevölkerung

ein. 1589 gesellte sich die Posamentirerei dazu, eingeführt durch Georg

Einenkel. Im Laufe der Zeit haben sich noch eine ganze Reihe anderer

Industrien, meist Luxusindustrien, hier heimisch gemacht, so dass aus

der Bergstadt die erste und grösste Fabrikstadt des Obererzgebirges

geworden ist. Adam Riese lebte in Annaberg als Bergschreiber, Chr.

Friedr. Weisse der Kinderfreund und Genosse Lessings wurde 1726 zu

Annaberg geboren; eine milde Stiftung ehrt sein Andenken.

=Sehenswürdigkeiten.= Hier ist voran die =Annenkirche= zu nennen;

sie ist zwar nicht die schönste, aber was Ausschmückung anlangt, die

interessanteste des Landes. Von 1499--1525 durch Erasmus Jacob von

Schweinfurt erbaut, gehört ihr Styl der Spätgothik an. Der Thurm wurde

nach dem Brande 1604 zum Theil erneuert. Am Hauptaltar Stammbaum

Christi, der aus der Brust Abrahams herauswächst. Am Bergaltar,

von Bergleuten gestiftet, interessiren gute Holzschnitzereien und

Oelgemälde auf Holz. Den neuen Altar, der 1834 erneuert wurde,

schmückt besonders ein Bild »Tod Mariäs« nach einem Schongauer'schen

Kupferstich. Der Münzaltar in der Chorkapelle des rechten Schiffs wurde

1552 von den Münzern gestiftet, als Hauptschmuck sind Schnitzwerke

zu nennen: Maria mit dem Jesuskind von Engeln umgeben. Die Gemälde

an den äusseren Flügeln, Bartholomäus, Georg, Katharina und Barbara

darstellend, erinnern an den jüngeren Holbein. Der Bäckeraltar

ist künstlerisch der unbedeutendste. An sonstigen Gemälden ragen

hervor Maria mit dem Christuskind auf der Mondsichel stehend, die

Ehebrecherin vor Christus von L. Kranach d. J. Der gleichen Hand soll

das ausdrucksvolle Bild in der Sakristei, die H. Katharina, entstammen,

zweifellos gehört es dieser Schule an. Auf dem Bild »die Verkündigung«

fallen die fein ausgeführten Figuren und die klare, kraftvolle

Landschaft auf. Der becherförmige Taufstein entstammt der Grünhainer

Klosterkirche. An der Kanzel beachtenswerthe Skulpturen. Die =Goldene

Pforte=, aus der Annaberger Franziskanerkirche hierher versetzt,

erinnert an Florentiner Meister. Ein spätgoth. Bogen umschliesst die

Figuren der H. Dreieinigkeit, über dem Gesims Adam und Eva, an den

Seiten Moses und Johannes der Täufer.

Die Hautreliefs an den Emporen mit Erkern geben prächtiges Zeugniss

von einer humoristisch-gesunden Lebensauffassung des Mittelalters.

Die ersten 20 Reliefs im Chor stellen die 10 Lebensalter beider

Geschlechter dar; jeder Figur ist ein Wappenschild beigegeben, auf

welchem, nicht sehr höflich aber mit gutem Humor die Embleme den

betreffenden Lebensaltern zugetheilt sind. Den männlichen sind

folgende beigegeben: 10 Jahr ein Kalb, 20 Jahr ein Bock, 30 Jahr ein

Stier, 40 Jahr ein Leu, 50 Jahr ein Fuchs, 60 Jahr ein Wolf, 70 Jahr

ein Hund, 80 Jahr ein Kater, 90 Jahr ein Esel, 100 Jahr Todtenkopf

eines Ochsen. Das weibliche Geschlecht ist wie folgt bedacht worden:

10 Jahr eine Wachtel, 20 Jahr eine Taube, 30 Jahr eine Elster, 40

Jahr ein Pfau, 50 Jahr eine Henne, 60 Jahr eine Gans, 70 Jahr ein

Geier, 80 Jahr eine Eule, 90 Jahr eine Fledermaus. Der 100jährigen

Greisin ist ein Vogeltodtenkopf mit stark entwickeltem Schnabel

beigegeben. Von den übrigen 80 Reliefs sind 30 der heiligen Geschichte

gewidmet. Der Meister dieser Skulpturen ist Theophilus Ehrenfried.

An der Sakristeithür reiche Skulpturen nach gothischen und antiken

Motiven. (Besonderes Vergnügen macht in der Regel den Beschauern ein

kegelschiebender Engel.) Kunstvolle Schlosserarbeit. In der Sakristei

zeigt man eine eisenbeschlagene Geldkiste, welche Tetzel während seiner

Annaberger Ablasspredigten benutzt haben soll.

Auf dem =Gottesacker= ist die merkwürdige säulengestützte Linde

sehenswerth, die nach einer Sage verkehrt eingepflanzt wurde. (Man

nimmt an, der Wind habe sie umgeworfen, wodurch sich die Aeste zu

Wurzeln und die Wurzeln zu Aesten umbildeten. Jedenfalls ist der Baum

seiner Form nach ein höchst seltsamer.) Das Grabmal der Barbara Uttmann

steht im vorderen Theile des Kirchhofs, es trägt folgende Inschrift:

Sie ward durch das im Jahre 1561 von ihr erfundene Spitzenklöppeln die

Wohlthäterin des Erzgebirgs. Auf der Rückseite steht:

Ein thätiger Geist, eine sinnige Hand,

Sie ziehen den Segen ins Vaterland.

=Spaziergänge.= Vor dem =Buchhölzer Thor= links den Zickzackweg

hinauf. Hübsche Anlagen. Oben schöne Aussicht auf das Obererzgebirge.

Dann an der =kath. Kirche= vorüber und hinab an das =Wolkensteiner

Thor=. Hier liegt das =Seminar=; in den Anlagen das =Kriegerdenkmal=.

Von der Strasse hübsche Aussicht nach dem Greifenstein zu. Sehr

empfehlenswerth ist die Ersteigung des nahen 832 m hohen =Pöhlbergs=.

Der Basaltkegel ist zwar verwachsen, doch hat man von den Schneussen,

die vom Triangulirungsstein auslaufen, schöne Thalbilder auf Annaberg,

Buchholz, Königswalde und Mildenau und Fernsichten auf die Berggruppen

des Centralgebirgs. Bequemer ist es, den Weg unten rings um den

Kegel zu gehen, er gewährt auch freie Aussicht und führt uns an

der Geiersdorfer Seite an den sogenannten Butterfässern (gewaltige

Basaltsäulen) vorüber.[1] Ueber der Sehma drüben erhebt sich der

=Schreckenberg=, der von einer künstlichen Ruine gekrönt ist, die an

Stelle des alten Hochgerichts aufgemauert worden. Ein Besuch lohnt

sich durch den prächtigen Anblick, den die Stadt Annaberg am Fuss des

Basaltkegels, dem Pöhlberg und geschaart um die grosse Annenkirche,

darbietet. Mit dem Ersteigen des Schreckenbergs lässt sich ein Besuch

von »=Markus Röhling=« verbinden. Es ist das ein vielbesuchtes Bergwerk

mit Gastwirthschaft.

=Buchholz.= Schwesterstadt Annabergs, 2 km entfernt. Deutsches Haus.

Waldschlösschen. Felsenkeller. Felsenschlösschen. Rest. im Bahnhof

oberhalb der Stadt. Am Rathhaus 558 m ü. M. 6600 Einw. Die Industrie

gleicht der Annaberger, auch die geschichtliche Entwicklung hat »St.

Katharinenberg im Buchholz«, wie sie ehemals hiess, mit Annaberg

gemein, und ist jenes mehr Sitz der Spitzenindustrie, dieses mehr

Sitz der Posamentirerei gewesen. Eigenartige Industrien sind die

Perlenweberei und die Fabrikation von Sargverzierungen, wie auch die

Korkschneiderei.

Die von Möckel fast neuerbaute =goth. Hauptkirche= enthält sehr gute

Gemälde aus der Wohlgemuth'schen Schule. Stylvolle Ausstattung,

deren Eindruck durch farbige Butzenscheiben erhöht wird. Die

=Begräbnisskapelle= besitzt gleichfalls Bilder aus der Schule

Wohlgemuths, denen bergmännische Motive zu Grunde gelegt sind.

=Spaziergänge.= An der =alten Strasse= nach =Schlettau= bieten sich

gute Aussichtspunkte ganz in der Nähe der Stadt. Die Strasse steigt

689 m an. Die städtischen Anlagen oberhalb der Stadt über dem Bahnhof

gewähren gleichfalls gute Ausblicke. Am Eingang zu den Anlagen

=Denktafel= an die 1870--71 in Frankreich gefallenen Söhne der Stadt.

Nach Weipert zu Fuss 10 km, per Bahn 20 km. Die Strasse, fast

immer aussichtsreich, führt am =Bärenstein= vorüber. (An der

Strasse unter dem Berg vielbesuchtes Gasthaus.) Die Bahn bleibt

zunächst im =Sehmathal=, überschreitet in =Cranzahl= auf sehr

hoher Gitterbrücke das Thal und windet sich in weitem Bogen um den

=Bärenstein= nach Weipert. (Sekundärbetrieb.)

=Weipert.= Grenzstation. Zollvisitation. Zahms Gasthaus. Stadt Leipzig.

Zum Rathhaus. Langers Rest. Schwabs Weinstube. Die Stadt liegt an den

Thalhängen der Pöhla hart an der Grenze. 6000 Einw. Gewehrfabrikation.

(Meist Jagdgewehre, à 70 bis 200 fl., auch Revolver, Pistolen und

Scheibenstutzen.) Posamenten.

=Bärenstein=, auf sächs. Seite, ist ein Marktflecken von 2000 Einw.

Billiger Gasthof. Der Bärenstein erhebt sich dicht über dem Ort, ist

896 m hoch und gewährt auf seinem Plateau umfassende Rundblicke auf das

ganze Centralerzgebirge mit zahlreichen Städten und Dörfern; er ist

unter den 3 gleichartiggeformten Basaltkegeln des Centralerzgebirgs

der höchste und der aussichtsreichste, auch seine Abhänge sind steiler

und, namentlich nach dem Sehmathal zu grotesker. Am Fusspfad hinauf

steht ein Denkstein an König Johann, der den Berg mehrmals besuchte.

_+Anmerkung.+ Im Pöhlthal aufwärts sowohl auf sächsischer, als auch

über das vielbesuchte +Schlössel+ auf böhmischer Seite gelangt man nach

Oberwiesenthal (11 km). Siehe Routennetz. Eine andere Variante ist von

Weipert die schöne Waldstrasse über Pleyl nach Pressnitz (9 km). Siehe

Routennetz._

Die Bahn ab Weipert (Buschtihrader) windet sich im Pöhlthal auf

und strebt bei =Schmiedeberg= (2800 Einw., Holzdrahtfabrik zu

Zündhölzchen) energisch der Kammhöhe zu. Pallisaden und Schneedämme

zu beiden Seiten zeigen an, dass wir auf einer echten und gerechten

Gebirgsbahn fahren. Auf dieser Höhe liegt ein Tract von 28 km, der

durch seine winterlichen Verwehungen berühmt geworden ist.

Bald zeigt sich links der =Spitzberg= bei Orpus und rechte der ganz

unvermittelt in die Landschaft hingesetzte =Kupferhügel=.

=Kupferberg.= Deutsches Haus. Post. Rathskeller. Bergners Gasthaus am

Kupferhügel. Nachtlager 80 Kr. Weinschank beim Bürgermeister. 1500

Einw. Klöppelei. Posamenten. Der Kupferbergbau ist ganz zum Erliegen

gekommen.

Der 926 m hohe =Kupferhügel= oder Hübl, der von einer Kapelle bekrönt

ist, zählt zu den besten Aussichtspunkten auf dem Kamm. Auf diesem

selbst erblicken wir den Hassberg, den Spitzberg bei Orpus, Fichtel-

und Keilberg, den Hauenstein u. a. Nach Böhmen hinein schweift das

Auge frei über die Saazer Ebene hinweg bis zum Weissen Berg bei Prag,

ferner sehen wir das Karlsbader und das Teplitzer Mittelgebirge bis zum

Millischauer. Auf dem Lysenkamm fällt besonders die Ruine Leskau ins

Auge, näher her liegt die Ruine Schönburg. Das schönste aber ist die

lachende Saazer Ebene mit dem weithin glitzernden Silberstreifen des

Egerflusses.

_+Anmerkung.+ Zwei Wege fuhren hinab nach +Klösterle+. Erstens

die Strasse. Links unter der Stadt seltsame +Conglomeratfelsen+

mit herrlicher Fernsicht und schönen Thalblicken. Auch ein

Plattensteinbruch ist sehenswerth. An der letzten grossen

Strassenkrümmung Fussweg links gehen. Derselbe, zwar steil, lohnt

doch durch höchst anmuthige Partien. Weglänge 8 km. Der andere Weg

ist 11 km lang, doch um Vieles schöner. Man berührt +Steingrün+,

+Kleinthal+ und +Pürstein+. (Zum Eisenhammer. Schlossruine.) Von

Pürstein an der aussichtsreichen Ruine Schönburg vorüber nach

Klösterle. Schluchtige Thalzüge, aussichtsreiche Höhen, Ruinen,

hölzerne Häuschen geben originelle Landschaftsbilder, die zuweilen auch

an Hochgebirgsthäler erinnern._

Unsere Weiterfahrt ab Kupferberg zeigt uns links in kahler Gegend

=Reischdorf=, wo einst das Grossfuhrwerk in hoher Blüthe stand.

Etwas ferner liegt das sang- und klangreiche =Pressnitz=, vom

finstern Hassberg überragt.

=Sonneberg.= Zum Fassel. 815 m ü. M. Klöppelei. Posamenten. Man pflegt

auch hier den Volksgesang, wie in Pressnitz. Die neue stattliche

Kirche ist noch tief im Böhmerland sichtbar und gilt dort als eine Art

Wahrzeichen des Erzgebirgs. Prächtige Aussicht hinab ins Egerland und

auf das Mittelgebirge. (Die nahe, hochintr. Ruine Hassenstein siehe

Register.)

Bei Station =Krima-Neudorf=, wo die Linie von Marienberg-Reitzenhain

her einmündet, beginnt in starken Curven die Senkung der Linie

nach Kommotau hinab. Links liegt der romantische =Kommotauer

Grund=. Hinter Station =Domina-Schönlind= herrliche Blicke auf

die Ebene und Erz- und Mittelgebirge. Mit jeder Curve verändert

und verschiebt sich die grossartige Scenerie zu neuen fesselnden

Bildern. (Gefäll 1 zu 50.)

=Kommotau.= Vom Bahnhof zur Stadt 2 km. Omnibus 20 Kr. Kommotau siehe

Seite 85.

Die Weiterfahrt interessirt besonders durch Blicke auf den Steilhang

des Erzgebirgs. Hoch oben fällt Station Domina-Schönlind besonders

auf. =Brunnersdorf= ist zugleich Station für Kaaden (siehe Seite

105). Von hier ab verengert sich das Egerthal und hochromantische

Thalbilder thuen sich auf.

=Klösterle.= Rathhaus am Markt. Am Weg zum Bahnhof »Zum Brauhaus«.

(Schöne Aussicht vom Garten auf Schloss und Stadt. Das Brauhaus ist

neuerdings zu einer Art tourist. Standquartier erhoben worden.) 2500

Einw. 269 m ü. M. Die Stadt mit ihrem gräfl. Thun'schen Schloss

erfreut sich einer hochromantischen Lage. Schlossgarten. Auf dem Markt

Mariensäule und Bassin mit schlechten Figuren, welche die Erdtheile

darstellen sollen.

=Kleine Ausflüge ab Klösterle.= Nach =Roschwitz= und =Ruine Leskau=.

Man geht Egerabwärts bis zur Fähre bei Kirchdorf =Roschwitz= (3 km)

und setzt hier über. (Der Fährmeister hält den Schlüssel zur Ruine

Felixburg in Verwahrung.) Ueberreste von alten Freskogemälden. Gute

Aussicht auf Klösterle, Ruine Leskau, Schönburg, den Lysenkamm, wie auf

den Steilhang des Erzgebirgs. Nun nach Dorf =Leskau=, 1½ km, durchs

Dorf Roschwitz aufwärts. Besuch der malerisch gelegenen Ruine.

Eine zweite dankbare Partie führt direct nach Kupferberg, 9 km, oder

über Pürstein und Kleinthal, 11 km. Siehe Näheres unter Kupferberg.

13 km ober Klösterle liegt Station =Warta=. (Zur Sonne.) 3½ km von

hier im herrlichen Thalkessel

=Schloss Hauenstein=. Man geht dahin über das sogenannte Paraplui.

Ein lohnender, freilich weiterer Weg führt über =Ruine Himmelstein=

auf hochragendem Basaltfels. Herrliche Umschau auf die groteske,

vulkanische Bergwelt mit ihren steilen Gipfeln und tiefen Thälern. Wir

sehen den Herrgottsstuhlberg, den Eichleithenberg, den Hengstberg und

den Koppenberg als die hervorragendsten. Das schluchtartige Egerthal

und das Höllthal mit dem Dorfe Höll fesseln nicht minder die Blicke.

Energischer wird die Terrainbewegung weit und breit nicht zu finden

sein. Von der Ruine sind nur noch Mauerreste übrig. Man geht von hier

hinab nach Dorf Höll, Gesmesgrün und nach Schloss Hauenstein. Das

Schloss gehört zur Herrschaft Pressnitz. Um die hochgelegene Kapelle

schöne Anlagen, die zum Eichelberg hinaufführen. Hier schöne Aussicht

auf das Egerland, das Fichtel- und Erzgebirge, sowie auf die Burgruinen

Engelhaus und Himmelstein, wie auf das nahe Egerthal. Rest. in

gefälligem Fachwerkbau.

Man kehrt nun direct zur Station Wickwitz oder an die Eger zurück.

Hier verlässt die Bahn den Fluss und strebt am Wickwitzbach

aufwärts nach

=Schlackenwerth.= Elephant. Altes Rathhaus. Stadt Karlsbad. 2200

Einw. 425 m ü. M. Das Schlackenwerther Schloss ist eine Besitzung

des Grossherzogs von Toskana. Im Park treffliche Restauration.

Zinnbergbau. (Schlackenwerther Bier.) Schöne Blicke auf das nahe, hier

sehr imposante Erzgebirge, dessen höchster Berg, der Keilberg, seine

bewaldeten Gipfel über den langen Kammzug erhebt.

Auf weiten Kurven erreichen wir das Egerthal wieder und damit die

Stadt Karlsbad. Links der Bahn vor Karlsbad liegt =Dallwitz= mit

Schloss und Porzellanfabrik und seinen uralten Linden, welche von

Theodor Körner besungen wurden. Um die stärkste zu umfassen, bedarf

es 7 Personen. Von Dallwitz zu Fuss nach Karlsbad geht man über

Thranitz, wo die Eger zu passieren ist.

=Karlsbad.= 4 km vom Bahnhof. Droschke 1 bis 2 fl. Omnibus 30 Kr. Am

Bahnhof Passantenhotel. (Bett 1 fl.) Für Touristen eignen sich noch:

Sächs. Hof, Bahnhofsrest. Zum Paradies. Drei Fasanen. Goldn. Schild.

Hotel Wagner. Rheinischer Hof. Stadt Schneeberg. Rest. zum Hopfenstock.

Blauer Stern. Rother Ochse.

+Cafés.+ Pupps Café an der alten Wiese. Salle de Saxe. Sanssouci.

Grosse Gartenwirthschaften sind der Posthof, Freundschaftssaal und

Schweizersaal.

+Concerte+, früh am Sprudel sowie in der Kurhalle, Nachmittags in den

Cafés und in den zahlreichen Sommergärten. Theatervorstellungen sowohl

im Stadttheater als in Suttners Sommertheater.

Karlsbad würde auch, wenn es kein Weltbad wäre, schon durch seine

einzig schöne Lage im engen, gekrümmten Thalzug der Tepl die

Aufmerksamkeit der Touristen verdienen. Die ständige Einwohnerschaft

mag sich auf 11000 belaufen.

+Geschichtliches.+ Der Begründer des Bades ist Kaiser Karl IV. Die Sage

erzählt, er habe einen Hirsch verfolgt, dabei sei eine seiner Rüden in

den heissen Sprudel gerathen und so sei die Quelle entdeckt worden.

Die Entdeckung ist jedoch in viel frühere Zeiten zu verlegen. Karlsbad

erfreute sich von Anfang an grossen Zuspruchs, seine alten Badelisten

weisen viele weltberühmte Männer auf, darunter Schiller und Göthe. Der

Letztere brauchte die Quellen 12 Jahre durch. 1819 wurden zu Karlsbad

unter Metternich die vielangefeindeten Karlsbader Beschlüsse gefasst.

In das Jahr 1858 fiel das 500 jähr. Jubiläum der Begründung. Seit

dieser Zeit sind grossartige Bauten und Anlagen entstanden, darunter

die monumentalen Mühlbrunnen- und Sprudelcolonaden. Gegen 20000

Badegäste und 50000 Passanten verkehren jährlich in Karlsbad, in dem

sich gegenwärtig 52 Badeärzte niedergelassen haben. Karlsbad ist das

frequentirteste Bad in Europa geworden.

=Der Sprudel.= Der mächtige, geyserartig aufstossende heisse Quell hat

seinen natürlichen Ausfluss im Teplbett, eine grosse Quaderfassung

zwingt ihn jedoch, neben der Tepl unter einer Halle zum Ausfluss;

mehrfach hat er schon seine Fesseln durchbrochen und noch ist es nicht

gelungen, ihn für die Dauer zu bändigen; er ist der Urquell aller

übrigen, minder heissen Karlsbader Quellen. Schon von Weitem verräth er

sich durch seine Dampfsäulen, die namentlich im Winter bei Frosttagen

häuserhoch aufsteigen. Schmucke Egerländerinnen in Nationaltracht

stehen dabei, halten lange Stäbe mit Bechern hinein und kredenzen das

heisse Wasser den zahlreich Harrenden. Das Wasser mit einer natürlichen

Wärme von 59° R., enthält schwefelsaure Salze und kohlensaures Natron,

sein Geschmack erinnert an dünne Hühnerbrühe. Gegenstände, die man

hineinhält, überziehen sich sehr bald mit einer harten Kalksinterkruste

und auf diese Eigenschaft hin hat sich eine nicht unbedeutende

Industrie entwickelt. Man bietet allerhand incrustierte Spielereien zum

Verkauf aus und fertigt auch Schmuckgegenstände aus dem in allen Farben

spielenden Sprudelstein.

Zur Gewinnung des Karlsbader Salzes benutzt man den Sprudel doppelt.

Einmal liefert er das Wasser, aus dem dasselbe abgedampft wird und dann

lässt man ihn durch seine Wärme den Abdampfungsprocess selbst besorgen,

indem er, unter den Abdampfungsgefässen hinweggeleitet, dieselben

heizen muss.

Die anderen Quellen kommen dem Sprudel mehr oder weniger nahe,

sie wirken weniger intensiv und darum werden einige davon von den

Aerzten mit Vorliebe empfohlen. Die Wärme stellt sich wie folgt:

Bernhardsbrunnen 53, Neubrunnen 49, Felsenkeller 48, Mühlbrunnen 46,

Marktbrunnen 36 und Schlossbrunnen 27° R. Während des Erdbebens zu

Lissabon 1755 wurden auch die Karlsbader Quellen und besonders der

Sprudel in Mitleidenschaft gezogen. Dieser blieb 3 Tage lang völlig

aus, um dann mit verstärkter Kraft wieder hervorzubrechen. Die Quellen

bewirken im Allgemeinen Regeneration der Säfte und erweisen sich bei

Leberleiden besonders von unabschätzbarer hygienischer Bedeutung.

=Das Badeleben.= Am Besten lässt sich das Treiben der Gäste des Morgens

an den Quellen (Sprudel und Mühlbrunnen) beobachten. Vertreter aller

Nationen, darunter Orientalen in Nationaltrachten, schreiten in

langen Reihen, den Becher am Riemen, den Quellen zu, trinken hier ihr

vorgeschriebenes Mass und promeniren dann neben oder in den schönen

säulengetragenen Colonaden, während Musikchöre heitere Weisen spielen.

½ Stunde nach der Trinkzeit beleben sich die Cafés und um Mittag die

Speisehäuser, in denen der Speisezettel unter ärztlicher Controlle

steht und auf die Kurdiät zugeschnitten wird; doch sei bemerkt, dass

dieselbe auch für verwöhnte Gaumen noch ganz erträglich ist. Um 4 Uhr

wiederholt sich das Schauspiel an den Quellen; im Uebrigen gehört der

Nachmittag den geselligen Freuden an. In den schönen Sommergärten

spielen wohlgeschulte Kapellen und locken die feine Welt dahin, oder

diese unternimmt Ausflüge in die hochromantische Umgebung.

=Sehenswürdigkeiten.= Ausser den Quellen und Colonaden besichtige

man die Kirchen. Russen, Anglikaner, Israeliten, Protestanten und

natürlich auch die kath. Einwohner und Badegäste haben eigene Kirchen.

Dem =Kaiser Karl IV.=, dem Begründer des Bades, sind zwei Denkmäler

gewidmet, eins steht im Stadtpark, das andere am Rathhaus. Auf der

Göthewiese das neue =Göthedenkmal= von Prof. Zumbusch. Eine Büste

=David Bechers= (1792 verstorben, sehr verdient um Karlsbad), ferner

der =Schwarzenberg-Obelisk=, die =König Otto-Säule= auf der König

Otto-Höhe und die Erinnerungstafeln an =Schiller= und =Göthe= an den

Häusern zum Weissen Schwan und Zum Mohren verdienen Beachtung. In der

=Kapelle= des =Militärbadehauses= finden sich gute Freskomalereien,

welche die Sage der Entdeckung des Sprudels darstellen. Im

=grossartigen Kurhaus= luxuriöse Lese- und Restaurationszimmer und ein

=geologisches= und =geognostisches Museum= von besonderem Interesse für

lokale Studien.

=Spaziergänge.= Das Promenadennetz in der herrlichen Umgebung ist ein

so dichtes und verschlungenes, dass für nur einigen Aufenthalt die

Beschaffung eines Franeck'schen Promenadenplans dringend zu empfehlen

ist. (10 Kr.) Die beliebtesten Punkte sind der =Hirschensprung= über

der Stadt, die =Josephshöhe= mit Thurm und herrlicher Aussicht auf

Karlsbad, Egerthal und Erzgebirge. Sodann ist der =Dreikreuzberg= zu

nennen mit Camera obscura. Nicht weit davon liegt die 667 m hohe =König

Ottos-Höhe= mit Säule, 1½ km weiter ganz auf dem Gipfel ist ein Punkt,

das =Ewige Leben= genannt, der eine grossartige Rundsicht auf Erz- und

Mittelgebirge und auf das Egerthal gewährt.

Diese sämmtlichen Punkte erfordern Steigung. Bequemer liegen die

Spaziergänge Teplaufwärts bis nach =Pirkenhammer= (3½ km). Hotel

Habsburg. Leipolds Garten. Omnibus bis Pirkhammer 50 Kr. Grosse

Porzellanfabrik; in derselben Ausstellungssaal. Der Portier übernimmt

die Führung. Von Pirkhammer aus ersteigt man die =Mecsery-Höhe= (616

m), von der man das Karlsbader- und Erzgebirge überschaut. Auf Ersterem

dominirt besonders die Ruine Engelhaus.

=Kleine Ausflüge.= Nach dem =Aberg= und =Aich= (5½ km). Man kann über

die Franz-Josephs-Höhe nach dem Aberg gehen. 609 m Seehöhe. Sommerrest.

(Kein Bier.) Die Aussicht vom Thurm ist frei und grossartig. Man

übersieht das Karlsbader Gebirge mit der Ruine Engelhaus, das Egerthal,

in dem besonders Maria-Kulm auffällt, und Erz- und Fichtelgebirge.

Nun hinab an die Eger zum =Hans Heilingfelsen=. Sommerrest. Die

Felsengruppen am linken Egerufer nennen sich Heilingfelsen der Sage

zu Ehren vom Hans Heiling, die durch Musik und Dichtung hinreichend

bekannt sein dürfte. Zurück nach Karlsbad über Aich und Donitz 8 km.

Nach =Ruine Engelhaus=, 8 km. Man geht dahin auf der vielgewundenen

Prager Strasse. Das Städtchen Engelhaus (zum Rathhaus) ist an sich

klein und ärmlich. Die imposante Ruine liegt über dem Städtchen auf

einem 612 m hohen Basaltfelsen; sie gehört dem Grafen Czerin, der auch

die Herrschaft Giesshübel besitzt. Die Sage erzählt, ein englischer

Edelmann habe die Tochter seines Königs verführt und sei mit dieser in

das wilde Gebirge geflohen und habe hier für seinen »Engel« die Burg

Engelhaus errichtet. 1448 erstürmten die Eger'schen Bürger die Veste,

in der sich Raubritter eingenistet hatten. Die jetzigen Ruinen sind im

30jähr. Krieg durch die Schweden entstanden. Mächtige Ringmauern und

verwitterte Thürme heben sich keck und höchst malerisch in die Lüfte.

Herrliche Fernsicht auf Erz- und Mittelgebirge und auf das Egerthal.

Man kann von hier über =Eichenhof= nach dem =Giesshübler Sauerbrunnen=

bei Rodisfort gehen. 7 km.

Nach dem =Giesshübler Sauerbrunnen=. Ueber =Drahowitz=, =Satteles= und

=Eichenhof=. 11 km. Herrliche Thalwanderung, die Eger in der Tiefe

zur Linken. Täglich mehrere Omnibusse ab Karlsbad. Der Giesshübler

Säuerling giebt mit Wein und Zucker vermischt, ein prickelndes und sehr

erfrischendes Getränk. Hotel zum Sauerbrunnen. (Bett 1 fl.) Vom Thurm

der =Weberhöhe= sehr schöne Thalbilder. Curhaus. Die Otto-Quelle nennt

sich nach dem König Otto von Griechenland, welcher öfter hier verweilte.

36. =Chemnitz-Kommotau= (125 km). =Seestadtl= (12 km). =Brüx= (9 km).

=Dux= (11 km). =Teplitz= (8 km).

Bis Kommotau siehe Tour 35. Wir überschreiten ab Kommotau die

kleine Terrainwelle, die die Biela von der Eger fernhält und zum

selbstständigen Lauf in die Elbe zwingt.

=Seestadtl.= Kleines Städtchen mit freiem Ueberblick auf Erz- und

Mittelgebirge; zu seinen Füssen breitet sich eine grosse Ebene, die

Seewiesen genannt, aus; die ganze Fläche war ehemals ein See.

Die Weiterfahrt zeigt uns rechts den =Rösselberg= und den =Brüxer

Schlossberg=.

=Brüx.= Ross. Hotel Burkhardt. Gutes Rest. im Bahnhof. Am Schlossberg

beim Felgenhauer. Brüx ist eines des reichsten Gemeinwesen, es liegt

am Knotenpunkt von 3 Bahnen und zählt gegen 8000 Einw., Land-,

Kohlenfelder- und Waldbesitz. Zahlreiche Kirchen überragen die Stadt,

welche drei Klöster beherbergt. Schöne Märkte, anmuthige Promenaden.

Inter. altes Rathhaus. 4 km von der Stadt auf städtischem Gebiet brach

1877 ein neuer, warmer (20° R.) Sprudel hervor, der den Emser Wässern

nahe kommen soll, ohne dass er bis jetzt hygienisch sehr ausgenutzt

worden wäre. Lohnende, aussichtreiche Ausflüge nach dem =Schloss-=

und =Rösselberg= und auf die vulkanischen Bergkegel gegen Bilin hin.

(Touristisch noch wenig beachtet.)

Auf der Weiterfahrt durchschneiden wir die grossen Kohlenfelder.

Rechts zeigt sich der seltsame =Borcen=, links =Kloster Ossegg=.

Weiteres siehe Routennetz.

37. =Chemnitz-Annaberg= (53 km). =Jöhstadt= (11 km). =Pressnitz=

(6½ km). =Sonnenberg= (8 km). =Ruine Hassenstein= (4 km). =Kaaden=

(7 km). =Klösterle= (7 km). =Schlackenwerth= (23 km). =Karlsbad=

(12 km).

Bis Annaberg siehe Tour 35. Mit der Wanderung von hier ab nach

Königswalde lässt sich ein Besuch des =Pöhlbergs= verbinden.

Nachdem wir das lange =Königswalde= passirt, steigt die Strasse

auf das Kammplateau hinauf. (Vor Jöhstadt am Schiesshaus liegt die

Strasse 807 m hoch.)

=Jöhstadt.= Stadt Leipzig. Stadt Prag. 2300 Einw. 789 m ü. M. Die Stadt

hiess eigentlich Josephsstadt, sie ist eine jener 4 Bergstädte, die

ihre Namen der heiligen Familie entlehnten. (Marienberg, Annaberg,

Joachimsthal und Josephsstadt; Anna und Joachim waren bekanntlich

Christi Grosseltern.) Spitzenklöppelei. Posamenten. Weisswaaren.

Fabrikation künstlicher Blumen. Jöhstadt ist Wohnsitz einer grossen

Zahl Hausirer. Zu Jöhstadt ward der Theolog und Dichter frommer Lieder,

=Johann Andreas Kramer= geboren, der 1788 als Kanzler der Universität

Kiel verstarb. Die Stadt, fast neu erbaut, macht einen freundlichen

Eindruck, liegt aber auf unwirthlicher Höhe.

Weiter führt der Weg über Dürrenberg und Hegerhaus nach Pressnitz am

finsteren basaltischen =Hassberg= vorüber. Der Kegel erhebt sich

990 m ü. M. und gewährt, seit er mehr abgeholzt ist, umfassende

Blicke auf das ganze Centralgebirge vom Keilberg herab bis zu der

norddeutschen Tiefebene. Das Kammplateau liegt auf eine weite

Strecke frei vor dem Beschauer, leider deckt es das nahe böhmische

Tiefland. Zeitaufwand 1½ bis 2 Std. Führer unnöthig.

=Pressnitz.= Zum Herrenhaus. Rössel. Thierfelders Rest. Am Markt das

grössere Gebäude heisst das Schlösschen und gehört zur Herrschaft

Pressnitz. Die Stadt ist Wohnsitz jener fahrenden Völkchen, welche

mit Geige, Harfe und Guitarre aller Herren Länder durchziehen und

die ihre Volksgesänge ertönen lassen im weiten Morgenlande wie

auch im fernen Westen, bis in die Minenregionen Nevadas hinaus. Am

häufigsten gehen sie nach Russland und in die Türkei. Die Pressnitzer

sind ein gar gewecktes Völkchen von vieler Weltkenntniss; sie

bilden Gruppen und ziehen unter einem Führer, der bei der Theilung

der ersungenen Kupferschätze gewöhnlich für zwei gilt, hinaus, sie

halten fest zusammen, sind verträglich und rivalisiren auch in ihren

Kunstleistungen nicht mit einander, was freilich ihrer Kunst nicht

sonderlich förderlich ist.

Das nahe Reischdorf, das wir nun passiren, zählt 2500 Einw., darunter

viele Handelsleute. Das ehemals bedeutende Grossfuhrwerk ist seit

Einführung der Eisenbahnen sehr zurückgegangen. Man erzählt

sich von den unternehmenden Reischdörfern im Gebirg viel lustige

Schwänke. Am Weg nach Sonneberg liegt der 908 m hohe Reischberg.

(Sonneberg s. oben.) Von hier gehen wir über =Dorf Platz= nach der

=Ruine Hassenstein=, die grossartigste Ruine im Erzgebirge; sie soll

auf einer alten heidnischen Opferstätte liegen. Hassenstein gehörte im

14. Jahrh. einem sächs. Edelmanne aus dem Geschlecht der Schönberge,

welcher durch eine Verschwörung gegen Wenzel IV., wie böhm. Chroniken

berichten, des Besitzes verlustig ging. Ein Nicolaus von Lobkowitz, der

mit Vertreibung Schönbergs beauftragt war, erhielt die Burg zu Lohn und

Lehn. Colossale Mauern und Thürme, grosse verfallene Burghöfe, alte

Architekturstücke in Fenstern und Thüren und eine reizende Lage machen

Hassenstein zu einer höchst inter. Ruinenstätte im Böhmerland.

Der Weiterweg führt uns durch das 4 km lange =Brunnersdorf=. (An der

Kirche Fischer's Gasth.) Bahnstat.

=Kaaden= an der Eger. Sonne. Grüner Baum. Zur Klosterbrauerei. 5000

Einw. Uralte Stadt von schönen Anlagen umgeben. Franziskaner- und

Ursulinerinnenkloster. Man besichtige das alte Rathhaus mit seinen

Lauben und das sehr alte Stadtthor. Reiche Ackerbaugegend, wohlhabende

Bevölkerung.

Ein schöner Fussweg führt der Eger entlang hinauf nach Klösterle.

Unterwegs liegt Roschwitz (Fähre. Ruine Leskau). Näheres siehe

unter Klösterle.

38. =Chemnitz-Annaberg= (53 km). =Oberwiesenthal= (20 km). =Gottesgab=

(4 km). =Joachimsthal= (6 km). =Schlackenwerth= (6 km). =Karlsbad=

(12 km).

Bis Annaberg und Cranzahl s. Tour 35. Von hier an der Sehma aufwärts

nach =Neudorf=. Gasth. unfern der Kirche. Bei der obersten Mühle

geht der sogenannte =Vierensteig= ab. (Die Forstabtheilung ist

Nr. 4.) Dunkle Waldungen nehmen uns auf. Starke Steigung. An der

höchsten Stelle der Strasse treten wir plötzlich ins Freie. Hier

links die =Rothe Vorwerk-Schenke=, rechts führt eine Waldschneusse

direct hinauf zum Thurm des Fichtelberges. Wer sich noch frisch

fühlt, benutze die einmal gewonnene Höhe, denn Wiesenthal liegt vom

Fichtelbergthurm entfernter.

=Oberwiesenthal.= 918 m ü. M. Deutscher Kaiser. Rathhaus. Stadt

Karlsbad. 2000 Einw. Unterwiesenthal 900 Einw. Böhmisch Wiesenthal 1000

Einw. Alle drei aneinander liegenden Orte besitzen Stadtgerechtigkeit.

Oberwiesenthal, das 1851, 62 und 77 von starken Bränden heimgesucht

wurde, ist fast neuerbaut. Stattliche Kirche. Posamenten.

Stecknadelfabrikation. Klöppelei feiner Spitzen. Oberwiesenthal ist die

höchste Stadt in Sachsen und im Reich. Näheres siehe des Verfassers

Aufsatz Gartenlaube 1879 Nr. 11.

Der =Fichtelberg=. Sachsens höchster Berg erhebt sich 1213 m ü. M. (mit

Thurm 1220 m), ist mithin 56 m höher wie der Brocken. Zu seinen Füssen

liegt Wiesenthal im Pöhlthal und auf der anderen Seite das einsame Dorf

Tellerhäuser. Der Thurm ist auch ohne Schlüssel besteigbar, da die

Treppe dankenswerther Weise aussen angebracht ist. Die Ausschau auf die

nördliche Abdachung des Gebirges ist fast unbeschränkt. Die Grenzen

bilden das Fichtelgebirge bei Waldsassen, die Thüringer Vorberge,

die Hohburger Schweiz bei Wurzen, im Nord-Osten liegen die Höhen des

östl. Erzgebirgs und im Osten und Südosten taucht das Mittelgebirge

mit dem Millischauer auf. Der Süden ist leider von dem mächtigen

Rivalen Keilberg gedeckt. Frei aber liegt so ziemlich der ganze Kamm

des Erzgebirgs mit seinen gewaltigen Bastionen. Der Doppelrücken des

Berges, ehedem ganz kahl, ist mit ungeheueren Mühen wieder beforstet

worden; freilich sind viele der kleinen Bäumchen schon über 20

Jahre alt. An den Gehängen des Berges entspringt die Zschopau, das

Schwarzwasser, die Sehma und die Pöhl. Gasthaus mit meteorologischer

Stat. wie auf dem Brocken wäre höchst wünschenswerth.

Wer nach Gottesgabe will, steigt am südlichen Gehäng nieder nach dem

=Neuen Haus= an der Strasse Oberwiesenthal-Gottesgab. Dasselbe

liegt 1092 m ü. M. und unfern der Grenze. Es nennt sich jetzt

Gasthaus am Fichtelberg und sein Besitzer wurde dem König Albert

gelegentlich einer Königsreise als »allerhöchster Unterthan«

vorgestellt.

=Gottesgab.= Zum grünen Baum. 1700 Einw. Spitzenklöppelei. Tüllnäherei.

Damenschuhstickerei auf Glanz- und Saffianleder. Gottesgabe entsendet

viele der bekannten böhm. Musikanten auf Messen und Jahrmärkte, es ist

die höchste Stadt Böhmens (erst seit 1547 böhmisch geworden) und liegt

in überaus rauher Lage, welche selbst Hafer- und Kartoffelbau häufig

unmöglich macht.

_+Anmerkung.+ Der höchste Berg des Erzgebirgs, der 1238 m hohe

+Keilberg+, ist gegenwärtig verwachsen. Von dem Thurme, der sich

einst hier erhoben, stehen nur noch die Grundmauern, der Holzbau ist

von böswilliger Hand in Asche gelegt worden. Eine Besteigung lohnt

sich mithin vorläufig +nicht+. Für den Fall, dass der grossartige

Aussichtspunkt wieder der Touristik zu Diensten gestellt wird, sei

folgende Tour in Vorschlag gebracht: Man geht vom Weissen Haus oder von

Gottesgabe aus auf die Sonnenwirbelhäuser, welche 1134 m hoch liegen

und die höchste Ansiedelung in Böhmen und im Erzgebirge sind. (Rothe

Nasenspitzen sind hier selbst im Hochsommer nichts Seltenes.) Von hier

zum Gipfel des Keilbergs 3½ km._

_Beide Berge, Fichtel- und Keilberg, ergänzten sich früher, als

noch der Thurm auf letzterem nicht abgebrannt war. Der Norden ist

zwar durch den Fichtelberg gedeckt, dafür liegt aber der Süden um

so freier. Das Egerthal auf viele Meilen, das Fichtelgebirge, das

Karlsbader und Duppauer Gebirge, der ferne Böhmerwald, das Teplitzer

Mittelgebirge, die Ebene von Saaz, der lange Kammrücken des Gebirges

selbst, die colossalen Waldregionen im Westen und das östl. Erzgebirge

waren sichtbar. In südöstlicher Richtung sah man die +Hauensteine+,

die als nächstes Ziel galten. Am Weg nach den Hauensteinen, die

noch heute eine herrliche Fernsicht gewähren, liegt an der Strasse

Gottesgabe-Kupferberg der sogen. +Reitförster+ mit einem +Mauthhaus+,

in welchem auch Schank betrieben wird. (Man nennt die Hauensteine auch

Wirbelsteine.) Die Felsengruppe ist unschwer zu finden; man besteige

die südöstl. Ecke, welche die gleichen Gegenden wie der Keilberg zeigt,

nur sind die Landschaftsbilder abgeschlossener, wenn auch bei Weitem

nicht so umfassende. Man geht von hier über Hitmesgrün nach Schloss

Hauenstein hinab (5 km). Mit Führer lässt sich von den Hauensteinen

eine inter. Tour über +Bocksgrün+ nach der Ruine Himmelstein

unternehmen. Man berührt dabei das sogenannte steinerne Meer. Groteske,

subalpine Naturbilder._

_Zum Schluss sei der Keilberg, der vornehmste Aussichtspunkt des

Erzgebirges, den sächsischen wie den böhmischen Gebirgsvereinen für das

Erzgebirge zur erneuerten Aufschliessung dringend empfohlen!_[2]

Von Gottesgabe nach Joachimsthal senkt sich die Strasse rasch. Die

Ebereschen, die Wahrzeichen rauher Höhen, werden schon hier und da

von Rosskastanien abgelöst.

=Joachimsthal.= Stadt Dresden. Wilder Mann. 6000 Einw. 721 m ü. M. Die

Stadt liegt trotz ihrer Höhe mild, da das Thal nach Süden offen ist.

Nicht unbedeutender Bergbau auf Uran- und Silbererze, deren jährlicher

Werth sich auf 80000 resp. 17000 fl. beläuft und die sämmtlich in

Freiberg zur Verhüttung gelangen. Grosse k. k. Cigarrenfabrik, welche

700 Personen beschäftigt und gegen 10000 Ctr. Tabake verarbeitet.

Klöppelei. Handschuhfabriken. Korkschneiderei.

Joachimsthal war einst ein Hort der Reformation. Mathesius lebte hier

als Pfarrer, Melanchthon besuchte zum Oefteren die Bergstadt, wobei die

Joachimsthaler Lateinschüler classische Komödien vor ihm aufführten.

Die Thaler, die sich trotz der Mark hartnäckig behaupten, verdanken

ihren Namen der Stadt; sie hiessen früher Jochimsthaler. In der Nähe

der Stadt liegt die Burg Freudenstein, wo einst die Grafen Schlick

»freudige Residenz« hielten. Am 31. März 1873 suchte ein furchtbarer

Brand die Stadt heim, der auch die alte sehr inter. Bergkirche in Asche

legte und werthvolle Gemälde von Kranach und Dürer mit verzehrte.

Die Kirchenbibliothek mit künstlerisch ausgeführten Incunabeln wurde

gerettet. Seit dieser Zeit ist die Stadt zum grössten Theile neu

erstanden. Der böhm. Dichter Ritter von Hansgirg lebte hier als

Bezirkshauptmann. (1877 verstorben.) Man besuche das idyllische Grab

dieses edlen Humanisten und trefflichen Poeten.

Die Strasse verlässt das Gebirge unterhalb Joachimsthal, ohne

umfassende Blicke auf Böhmen gewährt zu haben. Schlackenwerth und

weiter s. S. 98.

39. =Chemnitz-Burkhardsdorf= (über Harthau 13 km, per Bahn 19½ km).

=Thum= (8 km). =Greifenstein= (3½ km). =Geyer= (4 km). =Annaberg=

(8½ km).

Bis Burkhardsdorf siehe Routennetz. Ab =Burkersdorf= steigt die

Strasse energisch und erreicht am =Gelenauer Gasthof= 609 m

Seehöhe. =Gelenau=, das wir nur im oberen Theile berühren, zählt

6000 Einw. Spitzenklöppelei, Strumpfwirkerei. Am =Forsthaus= an der

Strasse schöne Fernsicht hinauf nach dem Obererzgebirge und auf den

nahen Greifenstein.

=Thum.= Rathskeller. Thierfelders Rest. Schiesshaus. 3700 Einw. Am

Pfarrhaus 512 m ü. M. Strumpfindustrie auf Strickmaschinen. Posamenten.

Feldbau. Neben Arsenkies im Glimmer findet man hier ein Mineral, den

Thumit, von dem ein zweiter Fundort bis jetzt nicht bekannt ist. In

der Nähe der Stadt fand am 25. Jan. 1648 ein lebhaftes Gefecht statt,

das letzte des 30-jähr. Krieges auf sächs. Erde. Ein Denkmal an der

Strasse nach Ehrenfriedersdorf erinnert daran. Im Volksmund heisst der

benachbarte Wiesenzug hinab nach Herold »das Elen«, eine Bezeichnung,

die man mit jenem Gefecht in Verbindung bringt, doch scheint es nicht

unmöglich, dass sie keltischen Ursprungs ist. Im sog. Hofbusch über dem

»Elen« Felsgruppen, die durch Wege zugänglich gemacht sind.

Der directe Weg auf den Greifenstein führt an einigen Bergzechen

vorüber, man kann auch die Strasse nach Geyer durch Jahnsbach

gehen. Im Wald zeigt links ein Wegweiser hinauf.

Der =Greifenstein= oder die Greifensteine erheben sich 731 m ü. M.,

es sind bizarr geformte Granitkegel, die ziemlich unvermittelt auf

einem Gneisrücken aufsitzen, sie nähern sich in ihrer Erscheinung

den Sandsteinbildungen der Sächs. Schweiz, Quader ruht senkrecht

auf Quader, einige hängen sogar über. Zwei sind ersteigbar und oben

durch Brücke verbunden. Triangulirungsstat. Am Fuss Gasthaus. Die

Aussicht ist auf dem Nordabhang des Erzgebirges die umfassendste.

Wir überschauen den Kamm mit dem Fichtel-, Keil- und Hassberg. Näher

liegen der Scheibenberg, der Pöhlberg und der Bärenstein. Im Norden

liegt der Hohensteiner Kapellenberg, die Wüstenbrander Höhen mit der

Kirche des Dorfes, der Rochlitzer Berg, der Kolmberg bei Oschatz und

der Hengstberg, auch die Thürme von Oschatz sind sichtbar. Ferner sehen

wir die Schlösser Frauenstein, Augustusburg und Sachsenburg, die Städte

Oederan, Thum, Schlettau, Annaberg, Scheibenberg, Hohenstein und eine

grosse Zahl Dörfer; von Sayda, Marienberg und dem nahen Geyer sind

wenigstens die Thürme sichtbar. An den Felsen wächst Leparia Jolinthus,

die Veilchenflechte, die durch Anfeuchten wohlriechend wird. In der

Nähe Steinbrüche, in denen der Granit zu Werkstücken verarbeitet wird.

Ein hübscher Waldweg führt hinab nach Geyer. Links liegt =Walthers

Höhe=, ein Rest. auf dem 698 m hohen =Schlegelberg=. Schöne

Aussicht auf das Obererzgebirge, doch nicht so umfassend wie vom

Greifenstein.

=Geyer.= Rathhaus. Weisses Ross. 4900 Einw. 494 m ü. M. Posamenten.

Strumpfindustrie. Hausirhandel. Der früher blühende Bergbau auf

Silber ist ganz zum Erliegen gekommen. (Der Zinnbergbau soll

wieder aufgenommen werden.) Am 11. Mai 1802 entstand dicht vor der

Stadt eine 40 m tiefe Binge, die grösste nach der Altenberger.

(Amethistkrystalle.) Die Geyersche Glocke sprang während des

Sturmläutens beim Prinzenraub, worauf sie Friedrich der Sanftmüthige

umgiessen und mit der Darstellung des Prinzenraubes schmücken liess.

Grosse Brände 1854, 1862 und 63 haben die Stadt fast ganz eingeäschert,

daher nur neue Gebäude sichtbar sind. Hübsches Rathhaus.

Wir gehen an der Binge vorüber hinab nach Siebenhöhen zu. (Die alte

Spinnerei mit ihren grossen Ecksäulen erbaute Eli Evans, ein

Engländer, der sich um Sachsens Baumwollenindustrie Verdienste

erworben.) Beim =Tanneberger Rittergut= links alte =Thurmruine= von

Wasser umgeben. Ueber den Berg am Sauwaldgut vorüber ist der Weg

nach Annaberg näher, bequemer geht man im Thale fort. Annaberg s.

S. 91.

40. =Chemnitz-Dittersdorf= (13½ km). =Herold= (9 km).

=Ehrenfriedersdorf= (4 km). =Annaberg= (9½ km).

Bis Dittersdorf siehe Routennetz. Von hier steigt die Strasse (am

=Dittersdorfer Schloss= vorüber) bis zur =Weisbacher Schenke=, um

sich dann ins =Wiltzschthal= hinabzusenken. Hier liegt Untergelenau

(Gasth. zur Katze). Im Herolder Thalzug weiter durch das

industrielle Herold (Kalkbrüche) am vielbesuchten =Waldschlösschen=

vorüber.

=Ehrenfriedersdorf.= Rathskeller. Deutscher Kaiser. Stadtgemeinde von

3900 Einw. Posamenten. Klöppelei. Früher starker Bergbau auf Zinn und

Silber, jetzt nur auf Zinn und Arsenkies. Grossartige Halden an dem

stark durchwühlten Sauberg zeugen von der Bedeutung des alten Bergbaues

(Krystalle). 1568 fand man in einem Schacht die wohlerhaltene Leiche

eines Bergmannes, der 1407 verschüttet worden war. Die Reformation war

inzwischen eingeführt worden und so beerdigte man den katholischen

Bergmann nach luth. Ritus. Das Andenken an diese lange Schicht wird

alljährlich Montag nach Ostern durch eine bergmännisch-kirchliche Feier

wach erhalten. Die Stadt ist nach dem Brande 1866 fast neu erbaut

worden.

Die Strasse steigt nun am Kegelberg hinauf (am Strassenkreuz 600 m

ü. M.). Wo sie sich nach =Schönfeld= hinab senkt, schöne Aussicht

auf das Zschopau- und das Sehmathal und auf Annaberg mit dem

Pöhlberg. In =Schönfeld= Gasthaus. Beim Herrenhaus des Rittergutes

Anlagen. Das weite grüne Thal ist ein liebliches Idyll. Nachdem der

Thalzug am Zusammenfluss der Sehma und der Zschopau passirt, hebt

sich die Strasse sehr stark. Von der 596 m hohen Stelle, wo wir die

Wolkenstein-Annaberger Strasse erreichen, liegt links 1 km entfernt

die =Riesenburg=, ein Gut, welches ehemals dem Rechenmeister Adam

Riese zugehörte.

41. =Chemnitz-Geyer= (35 km). =Elterlein= (7 km). =Grünhain= (4½ km).

=Schwarzenberg= (über den Fürstenberg 8 km).

Von Chemnitz nach Geyer siehe Tour 39. Eine hochgelegene Chaussee

führt von Geyer an dem 684 m hohen =Fuchsstein= und an dem

düsteren, mit rostbraunem Wasser gefüllten =Grosseteich= vorüber

nach

=Elterlein=. Sonne. Rathskeller. 610 m ü. M. 2400 Einw. Nägel- und

Blechlöffelfabr. Klöppelei. Gerberei. Hausirhandel. Im Nordwest (3 km)

liegt der 763 m hohe =Schatzenstein=, ein ziemlich isolirter Fels mit

umfassender Aussicht auf das ganze Centralgebirge.

Aehnliche Aussicht wie der Schatzenstein gewährt ein Ausläufer

des =Glasbergs= (nur 1 km von der Stadt) und auch schon der

Strassentract, der bis 689 m ansteigt und den wir nach Grünhain

benutzen.

=Grünhain.= Rathskeller. Löwe. Rest. zur Klostermühle. An der Kirche

631 m ü. M. 2000 Einw. Klöppelei. Schmiedereien für Fensterbeschläge

und Löffel. Blechspielzeug. Correctionsanstalt für Frauen. In der alten

Klosterstadt Grünhain hausten bis 1553 Cistercienser, ihr Kloster

war 1236 gestiftet. Ausser den Umfassungsmauern sind nur noch karge

Ueberreste davon vorhanden, so die unteren Geschosse des Fuchsthurmes.

Einiges Gemäuer im Klosterwäldchen erinnert an die ehemalige

Klosterkirche. Im Fuchsthurm soll Abt Liberius den Prinzenräuber nach

seiner Gefangennahme inhaftirt haben. Der befreite Prinz Albrecht

wohnte in der Schösserwohnung. Der Abbruch des Klosters geschah nach

der Zerstörung Grünhains 1632 durch General Holke, indem die Bürger die

inter. Ruinenstätte als Steinbruch benützten.

Nahe der Stadt im Südwest liegt der 727 m hohe +Spiegelwald+, einer

der besten Aussichtspunkte auf dem nördl. Abdachungsgebiete des

Gebirges. Die Section Schwarzenberg des Erzgeb. V. errichtete hier

ein Schaugerüst, das durch einen Thurm thunlichst bald ersetzt werden

soll. Die Aussicht umfasst den Kamm des Gebirges, mehrere tief

eingeschnittene Thalzüge, sämmtliche Höhen des Centralgebirges und

die Abdachung bis hinab zum Rochlitzer Berg. König Albert sprach hier

gelegentlich einer Königsreise 1880 die denkwürdigen Worte: Möge der

Wanderer sich recht oft von dieser Stätte aus der Werke der herrlichen

Gottesnatur erfreuen und möge er stets dabei auf ein glückliches und

zufriedenes Land schauen.

_+Anmerkung.+ Auch die Strassen über +Bernbach+ oder auch

über +Beierfeld+ gewähren höchst überraschende Thalbilder.

(Schwarzwasserthal.)_

Wir gehen nun den Vörtelsweg am =Loreleifelsen= vorüber nach dem

historisch berühmten

=Fürstenberg= (liegt von Waschleithe nach Haide rechts). Dieser Berg

wird als die Stelle bezeichnet, wo am 8. Juli 1455 der Köhler den

Prinzen Albrecht befreite und Kunz von Kauffungen gefangen nahm. Ein

=Granitobelisk= über dem Fürstenbrunnen von 9½ m Höhe verewigt die

Begebenheit. (1822 errichtet.) Am Fürstenberg wird Marmor gebrochen,

den man zu Kalk verwendet. Am südl. Abhang der =Graul=, der mit seinen

Halden und Kauen ein echtes Bergbild darbietet. Im Thal beim Dörfchen

Haide liegen die spärlichen Ruinen der =Oswaldskirche= (Dudelskirche).

Die Sage erzählt, ein Bergherr, Casper Klinger, habe sie zur Entsühnung

eines Brudermordes erbauen wollen, der Böse sei jedoch dagegen gewesen

und habe stets zur Nachtzeit das Aufgemauerte wieder abgebrochen.

Ein schöner Weg durch Wälder bringt uns nach Wildenau und

Schwarzenberg. (4 km.) Siehe Routennetz.

42. =Chemnitz-Annaberg-Buchholz= (58 km). =Schlettau= (alte Strasse,

3½ km). =Scheibenberg= (4 km). =Raschau= (6½ km). =Schwarzenberg=

(4 km).

Bis Buchholz siehe Tour 35. Die neue Strasse nach Schlettau weniger

aussichtsreich ist 1½ km länger, wie die alte.

=Schlettau.= Rathhaus. Goldner Bock. Rest. zum Schützenhaus. Das

freundliche Städtchen, eine alte slavische Ansiedlung, liegt 563 m

hoch im breiten Thalkessel der hier noch jugendlichen Zschopau. 2500

Einw. Feldbesitz. Posamenten. Flachsbereitungsanstalt. Das Schlettauer

Schloss ist ein wenig imposanter Bau.

Nun stark bergauf nach Scheibenberg.

=Scheibenberg.= Rathskeller. Zum Reichsadler. Rest. Schiesshaus. 2400

Einw. 673 m ü. M. Das regelmässige gebaute Städtchen liegt am Fusse

eines Basaltkegels, =Scheibenberger Hübl= genannt und wurde 1522 in

Folge reicher Silber- und Kobalterz-Funde gegründet. Der Bergbau wird

indess nur noch schwach betrieben. Posamenten. Klöppelei. Cigarren-

und Schwefelholzfabrikation. Der 805 m hohe =Scheibenberg=, der

leicht zu ersteigen ist, öffnet das ganze Centralgebirge den Blicken.

Imposant erscheinen besonders von hier aus der Fichtelberg, die grossen

Crottendorfer, Johanngeorgenstädter und Schwarzenberger Waldregionen.

(Am Berg Basaltbrüche.)

_+Anmerkung.+ Eine inter. Tour (mit Spezialkarte) ist über

+Crottendorf+ die alte +Joachimsthaler Strasse+ nach dem +Fichtelberg+

(17 km). In Crottendorf Marmorbrüche, welche Bildhauer Nosseni unter

Christian I. zuerst benutzte. Weiter hinauf echte und gerechte

Gebirgswälder, die sich links und rechts unabsehbar ausbreiten. (Man

kann vom Gipfel des Scheibenberges direct auf Crottendorf zugehen.)_

Von Scheibenberg ab senkt sich die Strasse nach dem starkbesiedelten

=Raschauer Grund=, der in Folge seiner geschützten Tieflage das

mildeste Klima des Obererzgebirges aufzuweisen hat. Wir berühren

=Ober-= und =Niederscheibe=, =Markersbach=, =Mittweida= und =Raschau=.

Hier mündet das Pöhlathal von Rittersgrün her. 2300 Einw. Bad Raschau.

Raabe's Gasth. (Schwarzenberg, siehe Routennetz.)

43. =Chemnitz-Thalheim= (27 km). =Zwönitz= (9 km). =Aue= (14 km).

(Bahnroute.)

Bis =Burkhardsdorf= siehe Routennetz. Auch hinter Burkhardsdorf

bleiben wir im Thal der Zwönitz, berühren =Meinersdorf=, das grosse

hübschgelegene =Thalheim= und =Dorfchemnitz=.

_+Anmerkung.+ Von Station Dorfchemnitz lässt sich bequem eine Tour

durch den Geyer'schen Wald nach dem +Greifenstein+ unternehmen (8 km).

Man geht mit Spezialkarte am +Rothen Ochsen+ (war abgebrannt) und dem

+Freiwaldgut+ vorüber. Greifenstein siehe Seite 109._

Von Station Dorfchemnitz starke Steigung (1 zu 50) auf die Höhenzüge

bei =Zwönitz=. (Bahnhof von der Stadt 1 km.)

=Zwönitz.= Viehwegs Gasth. Blauer Engel. Ross. Rest. zum

Feldschlösschen. Schiesshaus. (Am Schulhaus 527 m ü. M.) 2800 Einw.

Schuhmacherstadt. Klöppelei. Klempnerei. Weberei. Pressspahnfabrik.

Sehenswerthes Kriegerdenkmal.

In weiten Curven windet sich die Bahn, von der aus man schöne

Aussicht auf die Höhen bei Schwarzenberg und Schneeberg, und auf

das Lössnitzthal geniesst, hinab nach Lössnitz. Diese Strecke nennt

man den Sächsischen Semmering. Fall 1 zu 40.

=Lössnitz.= Deutsches Haus. Rathhaus. Anker. Schiff. 5800 Einw. 421

m ü. M. Die Stadt gehört zu den ältesten slavischen Ansiedlungen im

Erzgebirge und steht unter der Herrschaft Hartenstein. Tuch-, Seiden-

und Baumwollenweberei. Klöppelei und Stickerei. Grosse Stadtkirche,

goth. Hospitalkirche, die aus den Erträgnissen des städtischen

»=Gotteswaldes=« erbaut wurden. Kriegerdenkmal. In der Nähe grosse

Dachschieferbrüche, die einer Actiengesellschaft gehören. (150

Steinbrecher.) Vom hochgelegenen Schiesshaus prächtige Aussicht auf das

Obererzgebirge.

_+Anmerkung.+ Die Lössnitzer Section des Erzgeb. Vereins empfiehlt ab

Lössnitz dankbare kleine Ausflüge. (Tafeln in den Gasthöfen und im

Bahnhof.) Die +Prinzenhöhle+ liegt 5 km von hier, man geht dahin über

Alberode. Siehe Seite 120._

Der Bahnkörper, wirklich inter. angelegt, überwindet den starken Fall

(1 zu 40) in weiten Curven, geht an den Schieferbrüchen vorüber,

und gewinnt durch einen anmuthigen Grund das Muldenthal. Aue siehe

Routennetz.

44. =Chemnitz-Stollberg= (19 km). =Thierfeld= (8 km). =Hartenstein=

(2 km). =Stein= (1½ km).

Man geht die aussichtsreiche Strasse über das =Eichhörnchen= oder

durch =Harthau= an =Schloss Neukirchen= vorüber. Siehe Routennetz.

Stollberg siehe Seite 67. Ab Stollberg über Höhen nach =Neuwiese=,

=Neuwittendorf= und =Thierfeld=. Auf dem Gottesacker dieses

Dorfes besuche man das inter. Denkmal eines Reiteroffiziers, der

unglaublich viel erlebt hat. (Näheres besagen die Inschriften. Das

auffällige Denkmal steht in einer Ecke an der Gottesackermauer.)

=Hartenstein.= Weisses Ross. Zum Rathskeller. Schiesshaus. 2700

Einw. 339 m ü. M. Weberei. Strumpfindustrie. Ackerbesitz. Im fürstl.

Schönburg'schen Schloss, das ein ziemlich einfacher Bau ist, inter.

Ahnensaal mit Bildnissen. Hartenstein ist Hauptort der gleichnamigen

Herrschaft, die sich in früheren Jahrhunderten bis Böhmen erstreckte;

sie gehörte den Burggrafen von Meissen und kam durch Heirath an das

Haus Schönburg. Am 17. Oct. 1609 wurde im Pfarrhaus =Paul Flemming=,

der Dichter und Weltreisende geboren. (Gest. 1693 in Hamburg.) Sein

Geburtshaus schmückt eine Denktafel.

Nun im Thalzug hinab ins Muldenthal nach Stein. Weiter siehe

Routennetz.

45. =Chemnitz-Hohenstein= (19 km). =Glauchau= (15 km). =Zwickau=

(16 km).

Diese Bahnroute fand bis St. Egidien bereits Beschreibung. S.

Routennetz.

=Glauchau.= Deutsches Haus. Stadt Hamburg. Stadt Dresden. Rest.

Jänichen. Felsenkeller. Actienbrauerei. Kretzschmar. 21363 Einw. Am

Bahnhof 246 m ü. M. Die Stadt zeigte 1880 abermals eine geringe Abnahme

ihrer Bevölkerung, was man der Annection des Elsasses zuschiebt, weil

dadurch ähnliche Industrien in Deutschland einbezirkt worden sind.

Der Hauptort der Schönburg'schen Recessherrschaften liegt auf einer

Anhöhe über der Mulde, auf der auch zwei Schönburg'sche Schlösser,

Vorder- und Hinterglauchau thronen. Hübsche städt. Anlagen. In

der Kirche Silbermann'sche Orgel. Georg Agricola wurde 1494 hier

geboren. Die Gewerbthätigkeit Glauchau's und Meerane's, der nahen,

fast gleichgrossen Schwesterstadt, erstreckt sich hauptsächlich auf

die Textilbranchen. Man webt Kleider- und Mäntelstoffe. Färberei.

Druckerei. Bleicherei. Eigenartig ist die Korbflechterei, welche sich

auf die grossen Weidenplantagen, die »Zennen«, in der Muldenniederung

stützt. (Kinderwagen, Rohrmöbel, Tragkörbe.) In der Kirche zu =Jerisau=

(2 km) hängt ein Portrait Kaiser Karls V., welches der Kaiser selbst in

Anlass einer Uebernachtung im Pfarrhaus 1547 dem Pfarrer schenkte.

Die Bahn gewinnt bei Glauchau das weite, anmuthige Muldenthal, lässt

jedoch den Fluss weit links und geht an Mosel vorüber.

=Zwickau.= Zur Post. Grüne Tanne. Deutscher Kaiser. Goldner Löwe. Hotel

Wagner. Weintraube (billig). Rest.: Zur Quetsche. Zur Bleibe. Schwan.

Bierhalle. Centralhalle.

+Sommerwirthschaften.+ Schwanenschlösschen über dem Schwanenteich mit

aussichtsreicher Terrasse. Concertgarten Gambrinus. Zum Badegarten.

Bergkeller an der Mulde. Bergschlösschen auf dem Brückenberg mit

trefflicher Aussicht.

+Cafés.+ Café Germania (sehr grossstädtisch). Café Carola. Adam.

Buschbeck. Stephan. Metzner's Weinstube. =Stadttheater= im Gewandhaus.

=Victoriatheater= im deutschen Kaiser.

+Omnibus+ vom Bahnhof 20 Pf., nach Kainsdorf 20 Pf.

Gampe's Erzgebirge mit Einschluss der böhmischen Bäder Teplitz, Karlsbad, Franzensbad und Marienbad, des Voigtlandes und des Granulitgebietes an den unteren Mulden. Ein Reisehandbuch · 第 32 / 47 题