=Rochlitzer Berges=. 340 m. Thurm 26 m. Der stattliche Thurm aus rothem
Porphir ward 1860 als ein Denkmal an König Friedrich August errichtet.
Bergrestaurant. Fernrohr. Orientirungsscheibe.
Man überblickt den Kamm des Erzgebirgs und seine Abdachung vom
Auersberg bis zum Kahlenberg bei Altenberg. Im Norden liegt die
Norddeutsche Tiefebene mit ihren isolirten Höhen bei Wurzen und
Oschatz, nur durch die Sehkraft beschränkt, vor dem Beschauer.
Hervortretende Punkte nach dieser Richtung sind Altenburg, Leipzig,
die Hohburger Schweiz, der Petersberg bei Halle und der Colmberg
bei Oschatz. Bei sehr hellen Tagen erscheint selbst der Brocken
als blauer Streif am Horizont. Die nahe Landschaft wird belebt
durch sehr zahlreiche Ortschaften (voran Rochlitz) und durch das
tiefeingeschnittene waldige Muldenthal. Das Granulitgebiet liegt so
ziemlich unbeschränkt im Gesichtskreis.
Der Berg besteht aus porphirischen Aschen und ist ein Vulkankegel.
Das gleichsam gebackene Gestein giebt ein treffliches Baumaterial und
wird in grossen Steinbrüchen abgebaut, die bis zu 40 m tief sind. Man
fertigt auch kleinere Gegenstände aus Rochlitzer Steinmark von gefl.
Farbenwirkung an.
Ein schöner Promenadenweg führt mit einigem Umweg hinab nach
Rochlitz. Die Strasse ist kürzer.
=Rochlitz.= Sächs. Hof. Zum Löwen. Rest. zum Rathskeller. Gartenrest.
Schweizerhaus. 6000 Einw. Weberei. Schuhwaarenfabrikation. Sauberes
und anmuthig gelegenes Städtchen mit einem doppelthürmigen Königl.
Schloss. Von den Thürmen heisst einer im Volksmund die Jupen, weil er
als Staatsgefängniss diente und »als Rock« die Insassen vor »Frost
und Wölfen« schützte. Der Hussitenführer Peter von Sternberg sass 3
Jahre hier gefangen. In der Peterskirche Silbermann'sche Orgel. Die
goth. Kunigundenkirche besitzt ältere Schnitzwerke. Rochlitz war früher
Residenz der Grafen von Rochlitz, denen Rochlitz, Kriebstein und
Gehringswalde zugehörte. An das Sächsische Kurhaus kam die Rochlitzer
Herrschaft durch Heirath. Am 3. März 1547 nahm hier im schmalkaldischen
Kriege Johann Friedrich der Grossmüthige den Markgrafen Albrecht von
Brandenburg während eines Faschingtanzes gefangen.
_+Anmerkung.+ Wer hier die Muldenthaltour abbrechen will, geht über
+Biesern+, +Seelitz+, +Kolkau+ und +Zetteritz+ nach +Erlau+ an die
Chemnitz-Riesaer Bahn (11 km). Bei Seelitz hübsche Aussicht auf das
Muldenthal und den Rochlitzer Berg. Bei +Rittergut Kolkau+ liegt das
anmuthige +Kolkauer Thal+._
Der Tour treu benutzen wir die Bahn nach =Colditz= oder gehen mit
der Mulde parallel. Schöne Thalbilder. Beim =Dorfe Lastau=, das
im frühesten Mittelalter bedeutender war wie heut, liegt der
=Burgberg=, der eine Sorbenburg Titipuci getragen haben soll. In
der Lastauer Mühle Rest.
=Colditz.= Zum Kreuz. Weisses Haus. Rathskeller. 4300 Einw.
Steingutfabriken. Getreidemärkte. Hübsches Landstädtchen mit
wohlhabender Umgebung. Das stolze Schloss über der Stadt ist
gegenwärtig Versorgungsanstalt für unheilbare Geisteskranke.
Zutrittserlaubniss beim Pförtner. Architectonisch sehr inter. Portal.
Im ehemaligen Thiergarten im Norden der Stadt, der mit Mauern umgeben,
herrliche Promenadenwege. Man geht bis zum Dorf Zschadras, in dem eine
Zweiganstalt des Colditzer Irrenhauses untergebracht ist. Hübsche
Aussicht auf die Muldenthäler. (Im Freiberger Muldenthal ist Leisnig
sichtbar.)
Nach =Grimma=, oder doch bis =Grossbothen= empfiehlt sich
Fusswanderung. Man geht durch den =Thiergarten= nach Zschadras,
dann nach =Collmen= und auf den =Heideberg=. Malerische Thalblicke
auf beide Mulden und ihren Zusammenfluss. Nun hinab nach
=Kleinsermuth= und =Grosssermuth= auf das andere Muldenufer. Wer zu
Fuss geht, berührt =Nimbschen=. (Siehe unten.)
=Grimma.= Kronprinz. Gold. Löwe. Rathskeller. 8100 Einw. Reizende Lage
an dem hier sehr ansehnlichen Muldenfluss. Königl. Schloss. Das Sächs.
Regentenhaus hielt hier öfter Hof- und Landtage ab. Albrecht der
Beherzte wurde zu Grimma geboren, Friedrich der Weise, der Schirmherr
Luthers, erhielt hier seine Erziehung. Melanchthon legte öfter eine
grosse Vorliebe für die Stadt an den Tag. Die Fürstenschule ward von
Kurfürst Moritz begründet; sie steht noch heut in hoher Blüthe. Ein
Seminar nennt sich Dinterianum. (Der grosse Schulmann Dinter war
Schüler der Fürstenschule.) Seume lebte längere Zeit in Grimma und
trat von hier aus seinen berühmten Spaziergang nach dem Syrakus an.
Die gothische Frauenkirche war ursprünglich ein byzantinischer Bau.
Glasmalereien von hohem Alter. Ebenso sehenswerth ist das Rathhaus.
=Spaziergänge.= Nach der reizend an der Mulde gelegenen =Gattersburg=,
einem vielbesuchten Bergrest. Gegen Colditz hin, 2 km entfernt, liegen
die Ruinen des =Klosters Nimbschen=, aus welchem 1523 die Gemahlin
Luthers, die Katharina von Bora, entwich. Sie entfloh mit 8 geistlichen
Schwestern auf dem Wagen eines Torgauer Bürgers hinter Heringstonnen
verborgen. Man zeigt noch den Lutherbrunnen, eine Lutherlinde am
Muldenufer u. a. m.
Der =Schomerberg= über der Mulde gewährt hübsche Blicke auf die
Stadt. In derselben Richtung 3 km entfernt liegt =Döben=, ein Schloss
über der Mulde. (Sorbisch Dewin.) Schöne Aussicht auf den gewundenen
Muldenfluss. Nach Unterjochung der Slaven sass hier ein kaiserlicher
Voigt. Albrecht der Stolze hielt zu Döben seinen Vater Otto den Reichen
eine Zeit lang gefangen, weil er sich Dietrich dem Bedrängten gegenüber
im Erbe benachtheiligt glaubte. Im Rittersaal fällt besonders ein
Riesenofen auf. In der =Döbener Kirche= inter. Familiengruppe, die
ein Hans von Schönfeld eines sonderbaren Ereignisses halber errichten
liess. Seine Gemahlin verfiel in einen Scheintod und sollte beerdigt
werden, erwachte aber zu rechter Zeit und beschenkte ihren Gemahl noch
mit neun Kindern.
Die Fahrt nach =Leisnig= führt uns zurück nach =Grossbothen=. 1½ km
unterhalb des Zusammenflusses überschreitet die Bahn die vereinigte
Mulde und geht dann im Thal der Freiberger Mulde entlang.
=Leisnig.= Hotel zum Rathskeller. Belvedere, reizend gelegen. Der Name
soll von Lisenitz (die schöne Aue) kommen und in der That liegt die
Stadt überaus anmuthig. 7000 Einw. Das Schloss über der Stadt nennt
sich Mildenstein und diesen Namen hat sich auch das 1866 begründete
Bad beigelegt. Im Schloss fallen zwei Wartthürme mit 9 Ellen starkem
Mauerwerk auf. Wohlerhaltene Kapelle. Leisnig erhielt bereits im
10. Jahrh. Stadtrechte und betreibt heute Tuchmacherei, Gerberei
und Schuhmacherei. Getreidemärkte. Bad Mildenstein ist beliebte
Sommerfrische und wird namentlich von Leipzig her stark besucht.
Heilanstalt. Irisch-römische und Kiefernnadelbäder. Schlosspark und
Mirusgarten.
=Spaziergänge.= Am linken Muldenufer aufwärts finden sich die
herrlichsten Promenadenwege bis nach =Paudritzsch= hin (3 km).
Malerische Durchblicke. Hübsche Fernsichten. Die besuchtesten Punkte
sind =Maylust=, =Manteuffels Ruhe=, =Töpfers Ruhe=, =Pflanzgarten=,
=Hölle=, =Nesselgrund= und =Eichberg=. In derselben Richtung von der
Stadt (5 km) liegen die Ruinen von =Klosterbuch= am rechten Muldenufer.
1190 wurde die Cistercienserabtei begründet. Wohlerhaltene Kapelle, in
der man noch Gottesdienst abhält.
_+Anmerkung.+ Beim Dorfe +Wendishain+ auf dem +Staupen+ und bei
+Minkwitz+ auf dem +Burgstall+ finden sich altslavische Rundwälle. Man
geht dahin auf der Waldheimer Strasse bis nach Minkwitz, dann links ab
nach Lauschka und Wendishain (6 km)._
Ab Leisnig berührt die Bahn bei =Schweta= (Schloss und Park) die
Gegend, wo die klare, wasserreiche Zschopau mit der trüben,
wasserärmeren Freiberger Mulde zusammenströmt. Döbeln und weiter
siehe Routennetz.
28. =Chemnitz-Cossen= (22 km). =Lunzenau= (3 km). =Rochsburg= (1½ km).
=Penig= (6 km). =Wolkenburg= (5 km). =Waldenburg= (7 km). =Hohenstein=
(12 km). =Chemnitz= (19 km).
Zu Fuss im Chemnitzthal entlang. (Näheres siehe Tour 21.) Mit Dampf
über Burgstädt (siehe Seite 63). Die Göhrener Brücke siehe Seite 72.
_+Anmerkung.+ Wer auf die Göhrener Brücke und Lunzenau verzichtet,
fährt nur bis Burgstädt und geht von hier direct nach Rochsburg (3 km)._
=Lunzenau.= Sonne. Deutsches Haus. 3500 Einw. Wollenweberei.
Schuhmacherei. Schöne Muldenbrücke. Sophie Apitzsch, vulgo Prinz
Lieschen, war eine Lunzenauer Zeugmacherstochter.
Der Weg nach Rochsburg führt an der reizend gelegenen Villa
Friedheim, einem Chemnitzer Kaufmann Namens Eben gehörig, vorüber.
=Rochsburg.= Rest. Göckeritz. Fischers Gasthof. Das mehrfach gethürmte
stolze Schloss liegt auf isolirtem Bergkegel über der Mulde, es gehört
seit 1548 dem Hause Schönburg. Drei Schlosshöfe, zu einem ist das
Thor in den Felsen gehauen. 100 m tiefer Brunnen. Der Thurm, der das
Burgverliess enthielt, hat 3½ m starke Mauern. Der Zutritt ins Innere
ist nur bedingungsweise gestattet. Im Schlossgarten sehr alter Epheu.
Fesselnde Blicke hinab auf die Mulde. In der Kirche des Dörfchens
Rochsburg beachtenswerthe Skulpturen. =Pfarrlaube= und =Röhrensteige=
sind inter. Aussichtspunkte. Die =Amtmannskluft= und das =Brauseloch=
liegen am Thalhang des Hufeisens, das die Mulde um den Schlossfelsen
bildet.
Das herrlichste Stück Muldenthal liegt zwischen Rochsburg und Penig.
Die Felswände erheben sich bis zu 100 m Höhe, tiefschluchtige
Seitenthäler thuen sich auf und Felsschroffen wechseln mit
Waldgehängen. Der Fluss bleibt zur Rechten. Bei der grossen
Spinnerei =Amerika= Gastwirthschaft, die zur Arbeitercolonie gehört.
=Penig.= Stadt Leipzig. Hirsch. Deutsches Haus. Rest. zum Rathskeller.
Zum Schützenhaus. 5800 Einw. Grossartige Papierfabrik. Zwei
Schönberg'sche Schlösser. Die alte intr. Stadtkirche besitzt einen
Lukas Kranach, welcher Luthern als Junker Jörge auf der Wartburg
darstellt. Anstossende Begräbnisskapelle der gräfl. Schönburg'schen
Familie. Das älteste Grabmonument entstammt dem Jahr 1411.
Bemerkenswerther Altar und Taufstein.
Der Peniger Bahnhof und der Hühnerberg bieten für Spaziergänger hübsche
Ziele dar. Der =Zeisig= (2 km) ist eine Schenke an der Strasse nach
Leipzig, von wo aus man prächtige Aussicht auf Stadt und Umgebung
geniessen kann.
Ein empfehlenswerther Fussweg führt von Penig über =Thierbach= und
=Zinnberg= nach =Wolkenburg=. Gräfl. Einsiedel'sches Schloss mit
trefflicher Gärtnerei, in der besonders auch Ananaszucht betrieben
wird. Im Park Büste des Ministers Detlef von Einsiedel, der den Park
umgeschaffen. Schöne Aussichtspunkte. Die Wolkenburger Kirche mit ihrem
zierlichen Thurm wurde 1794 gleichfalls von demselben errichtet; sie
hat geschmackvolle Reliefs von Eisenguss und ein eisernes Taufbecken.
Das Altargemälde »Jesus der Kinderfreund« malte Oeser, der väterliche
Freund Goethe's. Das Schloss ist zum Theil in den Felsen gehauen; es
besitzt eine werthvolle Bibliothek und einige gute Gemälde. Im nahen
Dorf Kauffungen, dessen Burg zerstört ist, war der Familiensitz des
Ritters Kunz von Kauffungen, der den romantischen Putsch im Schlosse zu
Altenburg ausführte. Das Familiengut Kunz's gehört jetzt zu Wolkenburg.
Auch unser fernerer Pfad bleibt dem schönen Muldenthal treu und führt
über =Herrnsdorf= und =Niederwinkel= nach
=Waldenburg=. Gold. Löwe. Bär. Zur Ente. Rest. Rathskeller. In
Altstadt-Waldenburg: Zum Hirsch. 3000 Einw. Ofenfabrikation und
Töpferei, die von einer grossen Töpferinnung betrieben wird. Das
fürstl. Schönburg'sche Schloss ist neuerbaut, nachdem es 1848 von der
aufgeregten Bevölkerung eingeäschert worden war. Die goth. Stadtkirche
ist nach dem Brand 1580 erneuert worden. Im Innern ein 7 m hohes
Denkmal Hugo von Schönburgs, der 1596 hier beigesetzt wurde.
Der grosse fürstl. =Park Greenfield=, im Volke einfach =Grünefeld=
genannt, liegt auf einem Berg oberhalb Altstadt-Waldenburg. Malerische
Baumgruppen und Blumenrabatten. Mausoleum des Fürsten Otto von
Waldenburg.
Per Bahn fährt man über Glauchau nach Hohenstein und Chemnitz. (Wer
zu Fuss nach Hohenstein geht, kann auch seinen Weg durch den Park
Greenfield nehmen.) Von der =Mühle= in =Oberwinkel= hinauf nach
=Dorf Callenberg=. Hier Kirche in Rundbogenstyl. Bei dem einsam
und hoch gelegenen =Gasthaus zur Katze= links nach =Forsthaus
Waldschlösschen= und =Bad Hohenstein= die aussichtsreiche Strasse
hinab nach Hohenstein. Siehe Seite 66.
29. =Chemnitz-Cossen= (22 km). =Wechselburg= (2½ km). =Rochlitz= (über
den Berg 7 km). =Geithain= (9 km). =Frohburg= (10½ km). =Gnandstein=
(5 km). =Kohren-Sahlis= (3 km). =Penig= (13 km). =Rochsburg= (6 km).
=Burgstädt= (5 km). =Chemnitz= (15 km).
Vorstehende Tour hat bereits bis Rochlitz Beschreibung gefunden.
Von hier mit Bahn direct nach =Frohburg= oder zu Fuss über
das freundliche alte Landstädtchen =Geithain=. 4000 Einw.
Reitergarnison.
=Frohburg.= Zum Hirschen. (Omnibus am Bahnhof.) 3000 Einw. Im weiten,
anmuthigen Wyhrathal gelegen. Weberei. Töpferei. Das =Frohburger
Schloss= mit der bedeutenden Frohburger Herrschaft ist im Besitz des
Ministers Freiherrn von Falkenstein, dem Biographen des Königs Johann.
Am 3. Mai 1813 beherbergte dasselbe den Kaiser Alexander von Russland,
am 16. October desselben Jahres den König Murat von Neapel.
Wir gehen, den =Streitwald= zur Linken, am alten Schloss =Wolftitz=
vorüber. In der Nähe liegt das =Jägerhaus= mit Concertsaal und
Parkanlagen.
=Gnandstein.= Das stolze Schloss am Wyhrabach gehört einem Herrn von
Einsiedel; es macht auf seinem Porphirfelsen wirklich einen imposanten
Eindruck. Die Thore, sowie ein Theil des Parterre sind in Felsen
gehauen. Die Schlosskapelle enthält 3 Flügelaltäre, Glasmalereien und
mehrere Cranach. Im Familiensaal die Ahnen der Familie v. Einsiedel.
Im Schlossarchiv Briefe von Luther, welcher als persönlicher Freund
des damaligen Burgherrn Heinr. Hildebrandt von Einsiedel öfter als
Gast zu Gnandstein anwesend war. Kurz vor der Mühlberger Schlacht
nächtigte hier Kaiser Karl V. Die =Gnandsteiner Dorfkirche= enthält
Luthers Bildniss von Cranach. Die Kanzel ist noch dieselbe, auf welcher
Luther mehrfach predigte. Von der gleichen Künstlerhand (Cranach) rührt
auch das Familienbild her, welches Heinrich II. von Einsiedel mit
neun Söhnen und fünf Töchtern in der bekannten Orgelpfeifengruppirung
darstellt. Die Steinbilder um den Altar sind die Ahnen der Familie von
Einsiedel.
=Kohren.= Gasthaus zum Rathskeller. Moosdorfs Gasthaus. 1100 Einw.
Wohlhabendes Landstädtchen, schön auf felsiger Anhöhe gelegen. Die
Pfarre zu Kohren soll die einträglichste des Landes sein. Hier lebte
der Dichter Julius Mosen mehrere Jahre als Actuar bei den Sahliser
Gerichten. Die alte =Burg Kohren= kommt schon 974 urkundlich vor; sie
wurde in diesem Jahre auf kaiserlichen Befehl vom Erzstuhl Magdeburg an
das Bisthum Merseburg abgetreten. Im 14. Jahrh. gehörte sie den Voigten
von Plauen. Man nimmt an, dass Kunz von Kauffungen von hier aus den
Prinzenraub unternahm. Die Burg gehörte seinem Schwager Hildebrandt von
Meckau und sie lag allerdings seinem Vorhaben bequem. Jetzt sind von
der einst sehr umfangreichen Burg nur noch 2 ungeheure Thürme übrig,
zwischen denen sich friedliche Wohnstätten eingenistet haben, die
sich unter Laubschmuck inmitten der uralten Ruinen höchst malerisch
ausnehmen. Im nahen =Sahlis= Rittergut mit Schloss und Park.
Mit 1 km Umweg gelangen wir nach =Rüdigsdorf=. Rittergut mit
Schlosspark. Gärtnerei, Gewächshäuser mit schönen Eckpavillons.
Im östlichen Pavillon Freskogemälde von Schwind. Das Rittergut
gehört zu Sahlis. In der kleinen goth. =Dorfkirche= ein sehr gutes
Altargemälde. Glasmalerei. Gellert hat sich mehrfach hier aufgehalten,
ein Poetengang, ein Quell und mehrere Ruheplätze nennen sich nach
ihm. Durch den =Schlosspark= gelangen wir nach =Vorwerk Linda= mit
Gasthaus, malerisch am Teich gelegen. Sammelplatz der vornehmen Welt
der Umgegend. Oefter Concerte. Wasserpartien auf dem schönen Teiche.
Auf der Strasse nach Penig passiren wir quer das 8 km lange Dorf
=Langenleuba= (3 Gemeinden, die westl. gehört zum Herzogthum
Altenburg). 3 km von Langenleuba an einem Strassenkreuz liegt der
=Zeisig=, ein Gasthof mit guter Aussicht auf Penig. (Penig s. S.
77.) Von Rochsburg nach Burgstädt passirt man zunächst die Mulde.
In der Nähe von Rochsburg das =Brauseloch= und die =Amtmannskluft=.
Ein Weg führt durch Wald und Busch, =Hollsdorf= rechts und
=Burkersdorf= links lassend, direct nach Burgstädt. Rochsburg siehe
Seite 77.
30. =Chemnitz-Pockau= (38 km). =Olbernhau= (10 km). =Sayda= (11 km).
=Georgensdorf= (9 km). =Fley= (7 km). =Langewiese= (5½ km). =Ossegg=
(über die Riesenburg 5 km). =Teplitz= (10 km).
Die Flöhathallinie zweigt in Flöha von der Hauptlinie
Chemnitz-Dresden ab und folgt nunmehr der Flöha über =Hohenfichte=,
wo sich die grosse Hauschild'sche Strickgarnfabrik befindet.
=Grünhainichen= (rechts der Bahn nicht sichtbar). Stattliches
Kirchdorf. 2000 Einw. Spielwaarenindustrie. Man fertigt besonders
Puppenstuben, Kindertheater, Kaufmannsladen, Küchen etc. Eine
Fachgewerbeschule und eine damit verbundene Musterausstellung
sorgen für Ausbildung der Spielwaarenarbeiter. Die Besichtigung
irgend einer der am Ort befindlichen grossen Niederlagen ist zu
empfehlen. Nach einer schönen Thalfahrt mit Buchengruppen taucht
rechts =Rauenstein= auf, ein malerisches, schindelbedachtes
Ritterschlösschen. Hinter dem Schlösschen liegt auf der Höhe
=Lengefeld=. Post. Erbgericht. Sächs. Hof. 3700 Einw. 473 m ü. M.
Strumpfwirkerei. Spielwaarenfabrikation. Ueber 300 Webermeister.
Grosse Wurstfabrik von Hoflieferant Weber. 3 km entfernt an der
Strasse nach Wolkenstein erhebt sich der 680 m hohe =Adlerstein=.
Triangulirungsstation. Guter Aussichtspunkt. In der Nähe an der
Strasse nach Pockau grosse königl. =Kalkwerke=, dankbare Fundgrube für
Mineralogen. Wirthshaus. 200 Arbeiter. Intr. ist die Kalksteinförderung
aus der Tiefe. Man füllt oben die Hunde mit Wasser, welche die
steinbeladenen heraufziehen. Das Wasser läuft unten durch einen
Stollen ab. 1 km südöstlich des Adlersteins liegt der 683 m hohe
=Schletterbauers Knochen=, auch =Lauterbacher Knochen= genannt,
welcher viel umfassendere Aussicht auf das Centralgebirge gewährt,
wie der halbverwachsene Adlerstein. Ein schöner Touristenpfad, vom
Gebirgsverein angelegt, führt ab Lengefeld über =Rauenstein= und den
=Heidenstein= nach =Pockau=.
=Pockau= ist Kreuzpunkt der Bahnen nach Olbernhau und Reitzenhain.
Uralte slavische Ansiedelung am Zusammenfluss der Flöha und der
Pockau. Die Olbernhauer Linie gewinnt durch schluchtige Thalpartien
hindurch sehr bald das breite anmuthige Olbernhauer Thal.
=Olbernhau.= Gerichtsschenke. Hotel Klix. Reichel. Schneiders
Gartenrest. 4700 Einw. Marktflecken. Strumpfstuhlbauerei.
Spielwaarenfabriken, besonders viele Kinderflinten werden hier
gefertigt. Zündholzfabriken. In der Umgebung herrliche Buchenwaldungen.
Nach der =Königstanne= im Kriegwald 5 km. Man geht durch die =Vorstadt
Rungenstock= die Waldstrasse hinauf, bis rechts ein Wegweiser den
Reitweg anzeigt, an dem der grösste Tannenbaum in Sachsen steht. Ein
Reiter kann sich dahinter verstecken.
Nach dem =Bruchberg= und dem =Sophienstein= 5 km. Man geht über den
=Weiler Pföbe= dahin. Vom Bruchberg schöne Blicke auf Olbernhau und
das Thal. Vom Sophienstein prächtiges Thalbild auf Brandau, den
Schweinitzgrund und Katharinenberg.
Auf einer Strassenwindung mit schönen Blicken auf Olbernhau gelangen
wir nach dem Pfaffrodaer Wald und nach =Pfaffroda=. Ziemlich
grosses Schloss, der Familie von Schönberg gehörig. Rüstkammer
mit kunstvollen Damenflinten. Im Ahnensaale Bildnisse der Familie
von Schönberg. Schöne Familiengruft aus Tharandter Sandstein, von
Prof. Heuchler entworfen. Schlossschenke. (Dörnthal mit dem grossen
Friedrich-Bennostolln und dem Bergteich, S. 54.) An der Strasse
nach Sayda links der grosse =Dittmannsdorfer Bergteich=. (Sayda s.
S. 54.) Von hier geht man an dem 730 m hohen =Meisenberg= vorüber
nach =Cämmerswalde= und =Georgenthal-Georgensdorf=. (Von hier
weiter s. Routennetz.)
_+Anmerkung.+ Wer auf Sayda verzichtet, geht von Olbernhau im
Flöhathal aufwärts nach +Neuhausen-Purschenstein+ (S. 53). Dann nach
+Rauschenbach+ und an +Neuwernsdorf+ vorüber. Dieses Dörfchen wurde von
böhmischen Exulanten gegründet, die ihre Liebe zur Musik mit herüber
brachten. (Stabstrompeter Wagner ist ein geborner Neuwernsdorfer.)
Ganze Weglänge 19 km._
31. =Chemnitz-Olbernhau= (48 km). =Grünthal= (3 km). =Seiffen= (8½ km).
=Bad Einsiedel= (3 km). =Böhmisch-Einsiedel= (2 km). =Dorf Kreuzweg=
(5½ km). =Oberleitensdorf= (6 km). =Ossegg= (8 km). =Teplitz= (10 km).
Bis Olbernhau s. Routennetz. Man geht im gut angebauten Flöhathal
an die Grenze nach =Grünthal=. Auf sächsischer Seite grosses
Messingwerk von Lange, welches ehemals Saigerhütte für Kupfer und
Münzstätte für Kupfermünzen gewesen. Peter der Grosse besuchte die
Hütten auf einer Reise nach Carlsbad, wobei er sich auf einen der
grossen Zainhämmer setzte und sich auf und niederschwingen liess.
=Bad Grünthal= mit Schwefelquell liegt gleichfalls auf sächs.
Seite. =Griesel's Gasthaus= über der Grenze ist stark besucht. Nun
entweder über =Dorf Brandau=, das auf vulkanischem Grund liegt,
oder an der =Schweinitz= entlang und am =Seiffenbach= links hinauf
nach
=Seiffen=. Erbgericht. 1700 Einw. Seiffen ist die Centrale der
Spielwaarendörfer Heidelbach, Heidelberg, Neuhausen, Niederseiffenbach
und Deutschneudorf. Wer Interesse für die merkwürdige Industrie hegt,
der wird in Seiffen die umfassendsten Studien treiben können.
Man findet eine Fachschule und ein damit verbundenes Musterlager.
Zuerst besuche man ein Drehwerk, hier drehen die Meister die
sogenannten Ringe, welche die Form von Karnisrosetten haben, doch
belehrt ein ausgespaltenes Stück sofort, dass es Dutzende von Pferden,
Schafen, Elephanten, Affen oder von anderen vierbeinigen Geschöpfen
sind. Das Ausschnitzen und Malen geschieht zu Haus und es ist wirklich
eine Lust, die emsige Gewerbthätigkeit dieser Leutchen zu beobachten.
Es hilft Alles mit, bis zu vierjährigen Kindern herab, pappen,
schnitzeln, leimen und malen. Ungeheure Armeen sind von hier aus in die
Welt gegangen und haben den kriegerischen Muth der Jugend angefacht.
Die Arbeitstheilung ist eine sehr streng durchgeführte, man trifft
Greise, die ihr Lebtag nur Franzosen und andere, die nur Preussen
gefertigt haben. Die Mannigfaltigkeit ist grossartig; die Lagerkataloge
nennen 2000 verschiedene Gegenstände. Der ganze Spielwaarenbezirk
fertigt etwa für 1½ Million Thaler Spielwaaren im Jahre.
In der Nähe des Dorfes, wo früher starker Bergbau getrieben wurde und
wo sich auch ein herrschaftlich Purschenstein'sches Bergamt befand,
giebt es eine ziemlich tiefe =Binge=, die =Geyerin= genannt. Vom
=Schwartenberg=, 2 km nordöstlich vom Dorfe, hat man eine prächtige
Rundschau über die Gegend. Oben verlassenes Bergwerk mit Huthaus. (778
m ü. M.) Wer den Schwartenberg ersteigt, geht von hier direct nach Bad
Einsiedel.
Bad Einsiedel und weiter siehe Routennetz.
32. =Chemnitz-Olbernhau-Grünthal= (51 km). =Deutsch-Neudorf= (8 km).
=Nickelsdorf= (5 km). =Obergeorgenthal= (4 km). =Eisenberg= (4 km).
=Rothenhaus= (7 km). =Görkau= (1 km). =Kommotau= (6 km).
Bis Olbernhau und Grünthal s. Routennetz. Von hier geht man im
Schweinitzgrund entlang nach =Deutschneudorf=. Ueber die Höhe kann
man auch =Katharinenberg= berühren. Altes hölzernes Bergstädtchen,
ein erhaltenes Modell aller übrigen Erzgebirgsstädtchen. So
sahen sie aus, ehe sie vom Feuer heimgesucht wurden. 2000 Einw.
Kaiser von Oestreich. Kronprinz Rudolph. Weinschank bei Wolf.
Spielwaarenindustrie.
_+Anmerkung.+ Sowohl von Deutschneudorf und böhm. Gebirgsneudorf, als
auch von dem angrenzenden Nickelsdorf aus besteigt man mit Führer
den +Bernsteinberg+, 938 m hoch mit Aussichtsthurm (3 km.) Führung 2
Mark. Der Bernsteinberg gehört zweifellos zu den schönsten Punkten
auf dem Kamm. Wir sehen hinab nach Sachsen bis in die Tiefebene über
Augustusburg und Frauenstein hinweg. Auf dem Kamm selbst dominiren
Hass-, Keil- und Fichtelberg und im Böhmerland liegen Eger- und
Bielathal, wie das Teplitzer und das Karlsbader Mittelgebirge frei vor
dem Beschauer. Ganz im Südwest taucht als blauer Streif der Böhmerwald
auf. Das einsame Forsthaus +Rothengrube+, das jüngst neu erbaut wurde,
gewährt einfachen Imbiss; es liegt nah unter dem Gipfel. Der Weg führt
vom Forsthaus im schluchtartigen Thal hinab nach Eisenberg (4 km)._
Der Tour treu gehen wir durch =Deutschneudorf= (Harzer's Gasth.,
Grüner Baum) nach =Gebirgsneudorf= hinauf. Auf dem hier sehr
scharfgratigen Kamm liegt links der Strasse der =Wachhübel=, den
man mit leichter Mühe ersteigen kann und der einen herrlichen Blick
auf das Mittelgebirge und den Teplitzer Thalkessel gewährt. Von
hier aus geht man entweder direct durch den =Flachsgrund= hinab
nach Eisenberg, oder die Strasse bis nach Gasthaus Marienthal.
Hier rechts beim Hegerhaus in den Thiergarten und durch herrlichen
Buchen- und Eichenwald bei schöner Aussicht auf das weite Land nach
Eisenberg. Im =Flachsgrund=, beim Flachsgrundförster Erfrischungen.
(Fürstenzimmer. Geweihsammlung. Möbel aus Hirschgeweihen.)
=Eisenberg.= Unterm Schloss grüner Baum. Das hochromantisch gelegene
Schloss gehört einem Fürsten Lobkowitz und ist neuerdings restaurirt
worden. Schön ausgestattete Gemächer. Jagdzimmer. Der Tourist wird sich
indess mit der allerdings herrlichen Aussicht auf das Mittelgebirge,
Biela- und Egerthal begnügen müssen, da das Schloss nur ganz
ausnahmsweise zugänglich ist. Im Park Treibhäuser, Goldfischteiche etc.
Nach Rothenhaus geht man an dem imposanten =Seeberg= vorüber, der
einst ein Schloss getragen. Die Natur ist hier subalpin, auch was
die kolossalen Schwemmkegel anlangt, die wir überschreiten müssen.
Wir berühren dahin die Orte =Hohenofen= und =Türmaul=.
=Rothenhaus.= Nicht ganz so imposant, doch ähnlich gelegen, wie
Eisenberg. Das Erzgebirge hat hier keinen so schroffen Steilhang,
dieser ist vielmehr durch Vorberge gedeckter. Fürstl. Thun'sche
Besitzung. Fürst Thun treibt auf Rothenhaus Rennpferdezucht. Herrliche
Aussicht auf Biela- und Egerthal und das Mittelgebirge. Im Schlossthor
Skulpturen, wo unter anderem Holzdiebe dargestellt sind. Das Innere
ist nicht zugänglich, auch der sehr schöne Park ist neuerdings nur
zeitweilig dem Publikum geöffnet.
=Görkau.= Am Fuss des Görkauer Schlossbergs gelegen. Beim Schorsch.
Weisses Ross. Zum Hirschen. Rest. zur Hütte. Goldn. Kreuz. Rothenhäuser
Keller. =Am Büschl=, Rest. auf der Anhöhe nach Dorf Weingarten zu. 4500
Einw. Die sieben Baumwollenspinnereien sind von Sachsen begründet, die
auch eine protestantische Kirche erbauten. 4 Dampfmühlen. Die Gemeinde
Görkau zählt zu den wenigen glücklichen Gemeinwesen, die keine Steuern
einzufordern brauchen. Waldbesitz. Unter der Stadt ein Riesenkeller mit
über 100 Abtheilungen.
=Kleine Ausflüge.= Ueber Pirken, Schergau und Platten nach =Kallich=.
Bei Platten liegt =Quinau= mit intr. Wallfahrtskirche. Bei Bernau
erhebt sich der 850 m hohe =Geisberg=, an welchem die Biela entspringt.
Im prächtigen =Töltzschthal= =Ruine Neustein=. Das Thal, nicht mit dem
Töltzschthal unter Kallich zu verwechseln, gehört zu den schönsten
Thalzügen des Erzgebirgs. Am besuchtesten ist das 2 km entfernte =Dorf
Weingarten= mit Rest. von A. Proksch. Herrliche Aussicht auf das weite
Land.
=Kommotau.= Hotel Reiter. Scherber. Kronprinz Rudolph. Adler. Rest. zum
Schiesshaus. 1 km entfernt am Alaunsee die vielbesuchte =Alaunhütte=
mit Bad und hübschem Garten. 11500 Einw. Die alte Stadt liegt am
reissenden Kommotaubach am Fuss des Erzgebirgs, wo dasselbe weniger
steil abfällt. Getreidestapelplatz. Kohlenbergbau. Metallindustrie.
Am Markt intr. Laubengänge. In der spät goth. =Dechanteikirche= ein
sehr altes Bild, welches die Verheerung der Stadt durch die Hussiten
(16. Mai 1421) darstellt. K. K. technische Lehranstalt. Gymnasium.
In der =goth. Katharinenkirche= haben sich jetzt städtische Behörden
niedergelassen.
_+Anmerkung.+ Für die Rückkehr nach Sachsen empfiehlt sich die
Fusswanderung durch den romantischen +Kommotauer Grund+ und später
hinauf nach Krima. 11 km. Weiter siehe Routennetz._
33. =Chemnitz-Olbernhau= (48 km). =Rothenthal= (4 km).
=Gabrielenhütten= (3 km). =Kallich= (6 km). =Göttersdorf= (8 km).
=Rothenhaus= (4 km). =Görkau= (1 km). =Kommotau= (6 km).
Bis Olbernhau siehe Routennetz. Von hier über den Weiler, die
=Pföbe= nach =Rothenthal=. Winklers Gasthof. Sommerfrische.
Spielwaarendreherei.
Ein schöner Weg führt von der Pföbe über den Berg (mit Umgehung
Rothenthals) nach dem =Sophienstein= und dann an einer
=Riesentanne= vorüber, die zwar krank ist, aber an Umfang der
Kriegwalder Königstanne nichts nachgiebt. In der Nähe liegen der
=Pilz= und der =Stösserfelsen=. Beides sind Felsbasteien über
dem =Natzschungsthal= oder auch Tölztschthal genannt. Die Blicke
hinab in das einsame Felsenthal sind sehr fesselnd und erinnern
an Thüringen. Unter dem Felsen im Thalgrund liegt das =Töltzscher
Wirthshaus=, das man von Rothenthal auf bequemer Strasse erreicht.
(Gutes Bier.)
Man kann nun im romantischen Töltzschthal fortgehen bis Kallich, doch
führt von Gabrielenhütten ab auch eine nähere Strasse über den
Berg dahin. In =Kallich= Nagelschmiederei und grosse Eisenwerke,
die von einer böhm. Actiengesellschaft betrieben werden. Das
Hochgebirgsdorf zählt 1100 Einw. Von hier beginnt eine lange
Waldwanderung auf die Wasserscheide hinauf. Die Strasse steigt auf
über 900 m Meereshöhe. Dann hinab nach Göttersdorf. Auf diesem
Weg hat man sehr schöne Blicke auf das Böhmerland, die wir nach
der langen Wanderung auf dem ziemlich reizlosen Kammplateau um so
wärmer begrüssen. Rothenhaus, Görkau, Kommotau siehe Routennetz.
34. =Chemnitz-Pockau= (38 km). =Bahnhof Zöblitz= (6 km). =Stadt
Zöblitz= (1½ km) =Katzenstein= (5 km). =Marienberg= (6 km).
=Kniebreche= (5 km). =Chemnitz= (44 km).
Von Chemnitz bis Pockau s. Routennetz. Der Thalzug der Pockau ist
auch für Fusswanderung zu empfehlen. Wir berühren die Ruine
=Lauterstein=, die auf isolirtem Gneisfelsen gar malerisch sich
erhebt; sie wurde am 14. März 1629 von den Schweden eingeäschert.
Bei einem früheren Brand verlor ein 90jähr. Greis, der sich an
Tüchern herablassen wollte, sein Leben. Auf einem Felsen gegenüber
lag die Burg Oberlauterstein, die schon von den Hussiten zerstört
worden ist. (Unfern der Ruine kleines Wirthshaus.)
Am Weg vom Bahnhof Zöblitz nach der Stadt links eine Art Bastei mit
hübschem Blick auf den Thalkessel.
=Zöblitz.= Hirsch. Stadt Wien. 2300 Einw. 857 m ü. M. Zöblitz ist
Sitz einer Actiengesellschaft für Zöblitzer Serpentinsteinindustrie;
sie betreibt den Abbau der berühmten Zöblitzer Serpentinsteinbrüche
und die Bearbeitung des inter. Gesteins. Der Stein wird gesägt
wie Holz und gehobelt, gedreht und polirt wie Eisen. In den
Bildhauerwerkstätten arbeiten wirkliche Künstler. Ehemals existirte
hier eine Steindrechslerzunft, die 40 Innungsmeister zählte, doch
fanden die veralteten Formen ihrer Erzeugnisse keinen Anklang mehr und
die Brüche kamen zum Erliegen. Erst die Actiengesellschaft, zu deren
Zustandekommen Stadtrath Reitz in Chemnitz besonders beigetragen,
hat eine neue und umfassendere Ausbeutung der Schätze ermöglicht.
Sehenswerthes Lager. Der Abbau geschieht in Tagebrüchen und auch
unterirdisch, eine Anfahrt in den Tunnel ist für Mineralogen besonders
interessant. In der Kirche Silbermann'sche Orgel und sehenswerthe
ältere Serpentinsteinornamente; auch auf dem Kirchhof finden sich alte
originelle Serpentinsteindenkmäler.
Die Serpentinsteinbrüche liegen an unserem Weg nach =Ansprung= (der
Bergrücken von Serpentin heisst die Haardt), wir können sie mithin
im Vorübergehen besichtigen; es finden sich darin auch Asbest und
Granaten. Von hier nach dem Dörfchen =Hüttstadt= und hinab in den
tiefen Pockaugrund. Einige Häuser nennen sich =Hintergrund=, dabei
=Gasthof zum Katzenstein=. Wir schreiten die neue Strasse aufwärts
und wenn wir die Ringmauer (rechts) passirt, stehen wir unter dem
steilen
=Katzenstein=. Der Thalkessel zeigt die wildeste Gegend des Erzgebirgs.
Zwischen der Ringmauer und dem Katzensteinfelsen zeigt ein Wegweiser
empor auf die wilde Felsbastei, die man, da sie geländerlos ist,
nur mit Schauer betritt. (644 m ü. M.) Gegenüber liegt der finstere
=Kriegwald=, dessen vorderste Bergnase der =Rabenberg= heisst, auf dem
sich einst ein altes Raubnest erhoben. In der Tiefe schäumt die Pockau
und zur Linken schliesst die Ringmauer das Bild ab. Auf dem Plateau
der Felsbastei grosser Steintisch, auf dem öfter fürstl. Jagdpicknicks
abgehalten wurden. Die nahen Felsklüfte dienten als Kellereien.
_+Anmerkung.+ Ab Katzenstein lassen sich mehrere Touren machen. Die
dankbarste ist die +Grüne-Grabentour+. Man geht rechts am Berghang
hinauf zum Grünen Graben, einem Canal, der durch die felsige Wildniss
am Berghang des Pockaugrundes gebahnt worden ist. Man geht an seinem
Ufer entlang bis vor Kühnhaide, dann durch dieses weitzerstreute
Gebirgsdorf nach +Reitzenhain+. (10 km.) +Reitzenhain+ 761 m hoch,
echtes Gebirgsklima. Wird neuerdings als klimatischer Kurort benutzt.
Höchste Eisenbahnstation Sachsens. Auf böhmischer Seite Gasthof
zum Malzhaus. Man geht von hier entweder die alte Heerstrasse an
einem alten inter. Jagddenkmal vorüber nach Marienberg oder benutzt
die Bahn (zu Fuss 12, per Bahn 16 km). Auch ist der Weg nach
+Satzung+ nicht ohne Reiz. (5 km). Satzung (844 m ü. M.) ist eines
der höchstgelegensten Dörfer Sachsens. Die Bewohner ziehen meist
als Handelsleute in die Welt hinaus. Von hier durch Gebirgswald
nach +Steinbach+ (3 km), +Arnsfeld+ (4 km), +Mauersberg+ (4 km),
+Streckenwalde+ (3 km), +Wolkenstein+ (4 km). Von Reitzenhain nach
Kommotau Bahn an dem hochgelegenen Sebastiansberg vorüber 28 km, zu
Fuss nur 21 km. Näheres s. Routennetz._
_Eine andere Tour ist +Katzenstein-Töltzschthal-Olbernhau+. Mehrere
Waldstrassen führen vom Pockaugrund aus hinauf durch den Kriegwald
in das einsame Dorf +Rübenau+. Bald gewinnen wir das Töltzschthal.
Prächtige Thalwanderung über Gabrielenhütten (14 km) nach Olbernhau.
Näheres s. Routennetz._
Der Tour treu gehen wir vom Katzenstein nach =Pobershau=. Sobald
wir aus dem Wald treten, schöne Blicke auf die nahen Thäler.
Der sichtbare Marienberger Thurm zeigt die Richtung unserer
Tour an. =Pobershau= treibt Bergbau auf Zinn und Silber. Bei
Schachtelgünther's erhält man aus einem verlassenen Bergstolln,
der einen trefflichen Keller abgiebt, ein sehr frisches Glas Bier.
Spielwaarenindustrie.