19. Von =Chemnitz= nach der =Pelzmühle= (9 km). =Oberrabenstein= (2 km).

Man fährt mit Dampf bis Stat. =Siegmar= oder wandert durch die

Industriedörfer =Kappel= und =Schönau= dahin ununterbrochen in

fast geschlossener Gasse. Die Pelzmühle am grossen Pelzteich

ist ein vielbesuchtes Rest. mit schönem Garten und soll ihren

seltsamen Namen schon den Kelten zu verdanken haben. Auf dem Teiche

Kähne zu Wasserpartien. =Oberrabenstein= hat eine alte finstere

Burgruine, welche früher Sitz der Kaiserlichen Voigte war, ehe

die Rabensteiner Herrschaft an das Chemnitzer Benedictinerkloster

verkauft wurde. Kalkbrüche mit vielen Feldspathkrystallen. In

=Niederrabenstein= hübsche goth. Kirche. Von Städtern vielbesuchter

Gasthof mit Tanzsaal (zu Fuss über Ruttlof nach Chemnitz zurück

7 km).

20. =Chemnitz-Limbach= (per Bahn 18 km, zu Fuss über Rabenstein 12 km).

=Wüstenbrand= (7 km). =Chemnitz= (15 km).

Mit Dampf fährt man an dem grossen Strumpfwirkerdorfe =Wittgensdorf=

vorüber. 3600 Einw. Zu Fuss geht man über =Ruttlof= und

=Rabenstein= durch den =Rabensteiner Wald=. (Rechts der Strasse ein

Denkstein, Näheres siehe Inschrift.) Ein schöner Waldweg führt von

Rabenstein direct nach Wüstenbrand (6 km).

=Limbach.= Zum Hirsch. 7000 Einw. Städtisch angelegtes Dorf.

Hier erbaute David Esche Anfang des 17. Jahrhunderts den ersten

Strumpfwirkerstuhl und ward so nicht nur Begründer des grossen

Strumpfhauses Esche, sondern führte die Strumpfwirkerei überhaupt in

der Gegend ein. In Limbach besteht eine Strumpfwirkerschule.

Auf der Strasse nach Wüstenbrand freie Blicke über Limbachs Umgebung.

In =Wüstenbrand= unfern der 482 m hoch gelegenen Kirche umfassender

Blick auf das Obererzgebirge mit dem Auersberg und Fichtelberg.

Näher her das Lugau-Oelsnitzer Kohlenschachtrevier. Am Bahnhof

mündet die Lugauer Kohlenbahn. Bei der Rückfahrt nach Chemnitz

passiren wir Stat. =Siegmar=, in deren Nähe die Eisenbahnbrücke

1866 von einer fliegenden preuss. Colonne gesprengt wurde. In einem

offenen Schuppen am Bahnhof Rudera von der Sprengung.

21. =Chemnitz-Auerswalde= (9 km). =Schweizerthal= (5½ km). =Burgstädt=

(4 km). =Chemnitz= (Bahn 15 km).

Man geht über Furth immer in der Nähe des in der Stadt arg getrübten

Chemnitzflusses nach Blankenau-Glösa. In Blankenau stand ehemals am

Fluss eine Burg, die =Blankenburg=, deren letzte Spuren leider vor

wenigen Jahren völlig beseitigt worden sind. (Von dem hochgelegenen

Kirchlein hübsche Thalblicke.) Die =Auerswalder Mühle= (Schenke)

ist ein Thalidyll von höchst anmuthigem Charakter. =Schweizerthal=

nennt sich die grosse Tetzner'sche Strickgarnfabrik. Schön gelegen.

_+Anmerkung.+ Passionirte Touristen suchen wohl in dem prächtigen

Chemnitzthal bis an die Mündung in die Mulde vorzudringen. Die

Thalbilder sind in hohem Grade anmuthend. In der Nähe der Mündung

liegen sehr grosse Rollblöcke im Fluss, die ihm wahrscheinlich den

Namen Camenice (Steinbach oder Steinfluss) verschafften. In vielen

dieser Gneisblöcke finden sich sogenannte Strudellöcher (Riesentöpfe),

durch die Kraft des Wassers mit Hilfe von Geröllen eingegraben._

=Burgstädt.= Deutsches Haus. 5296 Einw. Altes intr. Rathhaus mit Rest.

Weberei. Schuhmacherei. Leicht zu ersteigen und sehr dankbar ist der

nahe 340 m hohe =Taurastein=, eine Felsgruppe, die, ähnlich wie der

Rochlitzer Berg, eine weite Rundschau über das Granulitgebiet bis

hinauf nach der Augustusburg gewährt (zurück benutzt man die Bahn).

22. =Chemnitz-Lichtenwalde= (12 km). =Frankenberg= (5 km) und zurück

per Dampf (17 km).

Am Besten benutzt man die Bahn nur bis =Wiesa=, da der Weg von hier

durch den Wald an die Zschopau hinab und zum Schlosspark empor

ein sehr anmuthiger ist (Weglänge ab Wiesa 2½ km). Die Station

=Braunsdorf= liegt dicht unter dem Lichtenwalder Schloss.

Zu Fuss nach Lichtenwalde geht man über =Hilbersdorf= und

=Ebersdorf=. Auf Hilbersdorfer Flur grosse Porphyrsteinbrüche.

Versteinerte Coniferen. Höchst seltene Staarsteine. Die Ebersd.

Kirche war ehedem Wallfahrtskirche. Friedrich der Sanftmüthige

wallfahrtete nach dem vereitelten Prinzenraub hierher und liess die

Kleider des Prinzen und die Köhlerkutte des Köhlers Triller hier

aufhängen, die noch unter Glas zu sehen sind. Holzschnitzereien.

Altes Altargemälde. In dieser Kirche liegt auch Ritter Harras, der

kühne Springer, begraben. Ein grosses Hufeisen soll von seinem Ross

herrühren (Weglänge von Chemnitz nach Lichtenwalde 9 km).

=Lichtenwalde.= Schloss mit herrlichen Parkanlagen, ein Majorat der

gräfl. Familie Vitzthum von Eckstädt. Im Dörfchen Schlossschenke. An

der Strasse nach Chemnitz steht das Denkmal des vorigen Majoratsherrn,

der beim Ueberfall zu Etrepagny 1870 getödtet wurde. Im Park sehr

schöne Anlagen mit Statuen, Gruppen etc. Die berühmten Wasserkünste,

die von der Schlossmühle aus durch Druckwerk gespeist werden, locken

zu Festzeiten grosse Menschenmengen hierher. Schelmisch unter

Treppenstufen etc. verborgen, geben dieselben zuweilen zu grosser

Heiterkeit Veranlassung. Sonntags öfter Concerte. Im Privatgarten

der Herrschaft grosse Treibhäuser, Teppichbeete, Taxuswände etc.

Im Schloss, das für gewöhnlich nicht zugänglich ist, gute Gemälde

niederländischer Meister. In ein chines. ausgestattetes Zimmer hat

man vom Söller aus Einblicke. Schöner Spaziergang an der Schlossmühle

vorüber nach dem Harrasdenkmal, das am linken Ufer der Zschopau dem

Harrasfelsen gegenüber steht. Wenige Schritte vom Denkmal eine wenig

hohe aber sehr starke Eiche.

Nach Frankenberg gehen wir bei der Schlossmühle über den Mühlsteg und

vor dem Harrasfelsen unter der Bahn weg am Bahnwärterhäuschen empor

auf den =Hauenstein=, den =Harrasfelsen=. Zu Ehren der Sage oder

wohl mehr des Körner'schen Gedichtes »Harras, der kühne Springer«

steht ein eisernes Kreuz. Es soll hier nicht verschwiegen werden,

dass ein Sprung in die Zschopau von hier aus ganz unmöglich ist;

so schroff der Felsen auch erscheint, so ist doch das Wasser zu

fern. Reiter und Pferd würde nicht im Wasser, wohl aber am Felshang

zerschmettert sein. Ein Fusspfad gegen Osten führt an die Strasse

nach Frankenberg.

=Frankenberg.= Schwarzes Ross. Deutsches Haus. Stadt Dresden. Rest.

Rathskeller. Reichsseidelei. Bürgergarten. Hochwarte. In Cunnersdorf

(1½ km) Nerge's vielbesuchtes Gartenrest. 11,000 Einw. Sehr

gewerbthätige Stadt. Weberei in Halbwolle und Halbseide. Druckerei.

Cigarrenfabrikation. 1½ km entfernt an der Bahn nach Hainichen in der

Nähe des stattlichen Lützelthalviaductes liegen die höchst anmuthigen

städtischen Anlagen.

_+Anmerkung.+ Zurück nach Chemnitz benutzt man am Besten die Bahn.

Wer die Partie nach der Mittweidaer Schweiz ausdehnen will, geht auf

schönem Wiesenpfad am rechten Zschopauufer nach +Sachsenburg+. Das

hochgelegene Schloss ist jetzt Correctionsanstalt für jugendliche

Verbrecher (60 Insassen). Gothische Kapelle. Das Schloss, 1488 von

einem Herrn von Schönberg fertig gestellt, ist architektonisch nicht

ohne Bedeutung. Das nahe +Dorf Sachsenburg+ war früher Wallfahrtsort.

Von hier aus ersteigt man den 350 m hohen +Treppenhauer Berg+, der

früher eine Burg Gozne getragen haben soll. An freien Stellen Blicke

auf das Obererzgebirge mit dem Fichtel- und Keilberg. Am Fusse des

Schlosses liegt die beliebte +Fischerschenke+. Man geht nun die Strasse

im Thalzug fort nach +Krumbach+, fährt bei der Spinnerei über und

verfolgt einen romantischen Fusspfad erst am Fluss fort und bei einem

Bergwasserausfluss hinauf nach +Schönborn+. Grosses Bergwerk. Beim

Obersteiger Erfrischungen. (Inter. Erzstufen.) Von hier die Strasse

am Erzpochwerk und an der idyllisch gelegenen Flossschenke vorüber

nach Neudörfchen und Mittweida. (Von Frankenberg bis Mittweida 10 km.)

Mittweida s. S. 68._

23. =Chemnitz-Flöha= (12 km). =Erdmannsdorf= (6½ km). =Cunnersstein=

(2½ km). =Augustusburg= (2 km) und zurück nach =Erdmannsdorf= (2 km).

Am Besten mit Dampf bis Flöha oder Erdmannsdorf (Flöha s. S.

55). =Erdmannsdorf= ist eine beliebte Sommerfrische der

Chemnitzer. Bahnhofsrest. Gasthof an der Zschopaubrücke. Hübsche

Prommenadenwege am Fluss aufwärts. Schlösschen und Rittergut

des Ministers von Könneritz. Der =Vogelheerd= (1 km), 376 m

hoch gelegene Baumgruppe, gewährt hübsche Blicke hinauf ins

Centralerzgebirge. Schöne Waldwege (Wegweiser) führen nach dem

=Cunnersstein=, einer imposanten Felsbastei über dem Zschopauthal

mit beliebtem Bergrest. Die Fernsicht ist beschränkt, doch hat

man sehr fesselnde Thalblicke. Nach Augustusburg sind die Wege

gleichfalls markirt.

=Schellenberg.= Hirsch. Erbgericht. Schlossrest. auf dem Schloss. 1922

Einw. 503 m ü. M. Neuere Stadtkirche mit seltsamem Thurm. Altarbild von

Gonne, »Die Jünger in Emmaus«. Dicht über der Stadt ragt auf steilem

Porphyrfels die stolze Augustusburg empor, die weithin leuchtende Warte

des Erzgebirges. Aeltere Abbildungen zeigen die jetzt ziemlich kahlen

Aussenseiten mit hohem Dachstuhl und malerischen Erkern und Galerien.

1568--92 erbaut. Ehemals sah die Burg glänzende Hoffeste, jetzt sind

in einigen Gebäuden Gerichtsbehörden untergebracht. August der Starke

hielt Bären hier. Der Kopf des letzten Insassen des Bärenzwingers

schmückt das Thorhaus: er hatte sich befreit und stattete dem nahen

Städtchen einen sehr bedenklichen Besuch ab. In der Capelle befindet

sich eine Silbermann'sche Orgel und ein Altargemälde von Kranach d.

J., welches die zahlreiche Familie des Kurfürsten Vater August in der

bekannten Orgelpfeifengruppirung darstellt. Vom nordöstl. Thurme,

auf welchen der Castellan gegen ein kleines Trinkgeld die Fremden

gewöhnlich führt, hat man umfassende Blicke auf das Centralerzgebirge

und über das Granulitgebirge hinweg nach der norddeutschen Tiefebene,

aus der der Oschatzer Colmberg hervorragt. Im Schlossgarten uralte

Linde, die der Sage nach verkehrt eingepflanzt wurde, im hinteren

Schlosshof liegt der 190 m tiefe Schlossbrunnen, welcher nicht mehr

gezeigt wird, seit sich 1876 eine Dame hinabstürzte. (Hinabgegossenes

Wasser hörte man nach 21 Secunden fallen.)

_+Anmerkung.+ Nach Erdmannsdorf hinab lassen sich die Krümmungen der

Strasse durch Fusswege kürzen. Eine dankbare Variante ist folgender

Weg: Man geht von Schellenberg hinab nach Hohenfichte (3 km), wo sich

die grosse Hauschild'sche Strickgarnfabrik befindet. Von hier am

rechten Ufer der Flöha nach der sogenannten +Hetzdorfer Schweiz+, einer

Felsgruppe mit Aussicht auf den nahen Hetzdorfer Viaduct und auf das

Flöhathal. Dann geht man über +Falkenau+ nach dem Flöhaer Bahnhof. (Von

Hohenfichte ab bis Flöha 11 km.)_

_Ein stiller, einsamer, waldfrischer Thalzug ist der +Lössnitzgrund+.

Von Hohenfichte bis zur reizend gelegenen +Hammermühle+ (Schenke)

hinauf 4 km._

Grössere Touren ab Chemnitz.

24. =Chemnitz-Hohenstein= (19 km). =St. Egidien= (7 km). =Lichtenstein=

(4 km). =Stollberg= (13 km). =Chemnitz= (im Würschnitzthal über Schloss

Neukirchen 22 km).

Man fährt mit Dampf an den schon erwähnten Stationen Siegmar und

Wüstenbrand vorüber zunächst nach

=Hohenstein-Ernstthal=. Schwesterstädte. In Hohenstein Drei Schwanen.

Braunes Ross. Krauses Rest. zum Rathskeller. Haselhuhns Gartenrest.

6500 Einw. Das nahe Ernstthal zählt 4400 Einw. Die letztere Stadt

wurde 1680 von Hohensteiner Bürgern gegründet, welche der grassirenden

Pest entflohen. In Hohenstein erinnert ein Denkmal an den Naturforscher

und Philosophen G. H. Schubert (geb. 26. April 1780 zu Hohenstein).

Weberei von Bett- u. Möbeldecken. Beide Städte liegen am Fusse des

=Kapellenberges=, der die südlichste Erhebung des Granulitgebietes

darstellt. An der Strasse nach dem Gasthaus zum Wind liegt eine 470

m hohe Bergkuppe, welche freie Blicke nach dem Centralerzgebirge mit

dem Auersberg, dem Keil- und dem Fichtelberg gewährt (2 km). Die

von hier 1½ km entfernte =Langenberger Höhe=, 479 m hoch, liegt für

einen Rundblick noch günstiger, man hat hier auch Aussicht auf die

Muldenniederungen und die norddeutsche Ebene. Mineralogen finden in

dem Glimmerschiefer des Kapellenberges manche Ausbeute. Der Bergbau

auf Arsenkies ist noch nicht ganz eingestellt. An der Strasse nach

Waldenburg (2½ km) liegt das jetzt vereinsamte =Hohensteiner Bad= mit

Eisenquelle.

Die Weiterfahrt zeigt rechts einige Waldscenerien und links

Dorfschaften. Im langen Dorf St. Egidien zweigt sich die

Stollberger Linie ab. Zu Fuss geht man eine schöne Waldstrasse

(4 km).

=Lichtenstein.= Sonne. Helm. 5200 Einw. Das anstossende Städtchen

Callenberg zählt mit seinem Lehrerinnenseminar 3000 Einw. Die

Schwesterstädte liegen anmuthig zu Füssen eines stolzen fürstl.

Schönburg'schen Schlosses. In der Stadtkirche Lichtensteins ein

Altarbild von Vogel, dem Kunstwerth zugeschrieben wird. Herrliche

Spazierwege im Schlosspark und im Stadtwald. Ein beliebter Ausflug ist

die Schwarze Allee und die sog. Kanzel, die freie Ausblicke nach dem

Centralerzgebirge gewährt.

Man geht von Lichtenstein die Strasse oder durch das =Rödlitzthal=

nach =Oelsnitz=. Oelsnitz mit Lugau und Würschnitz bedecken die

Oberfläche eines Steinkohlengebirges von etwa 2000 Hectaren

Ausdehnung. Die Flötze haben eine Mächtigkeit bis zu 14 m. 15

Schächte fördern im Jahr 3 Mill. Ctr. der besten Pechkohle,

die meist nach Chemnitz verfrachtet werden. In Lugau im

Gottessegenschacht wurden am 1. Juli 1867 102 Bergleute lebendig

vergraben durch Schachteinsturz. Die Leichname sind später

aufgefunden und beigesetzt worden.

=Stollberg.= Weisses Ross. 6326 Einw. 420 m ü. M. Stollberg ist Sitz

des grössten Sächs. Strumpfexportgeschäftes. Woller, der Begründer,

war ein schlichter Strumpfwirkermeister. =Hoheneck=, ein imposantes

Schloss am Thalhang, beherbergt eine Weibercorrectionsanstalt. (Filiale

von Waldheim.)

Die Strasse nach Chemnitz gewährt zwar hinter Neukirchen vom

Eichhörnchen ab hübsche Landschaftsbilder, doch werden Touristen

vorziehen von Pfaffenhain ab im Würschnitzgrund nach =Schloss

Neukirchen= zu wandern. Man berührt später Harthau und Altchemnitz.

Das intr. Klaffenbach (s. Seite 61) mit seiner Bergschenke und

seinem Arnokreuz bleibt rechts.

25. =Chemnitz-Mittweida= (18 km). =Waldheim= (durch die Mittweidaer

Schweiz 17 km) per Bahn zurück nach =Chemnitz= (32 km).

Die Chemnitz-Riesaer Bahnlinie ist die zweitälteste Sachsens. Vor

Station Oberlichtenau ist rechts im Wald ein kleiner Thiergarten

(Rehe) abbezirkt.

=Mittweida.= Deutsches Haus. Sächs. Hof. Stadt Hamburg. Stadt

Chemnitz. Rest. zum Rathskeller. Zum Schillergarten unfern der städt.

Anlagen am Galgenberg und Schwanenteich. Kegels Rest. 9300 Einw.

Grosse Barchentwebereien. Woll- und Baumwollspinnerei. Färberei.

Thonwaarenfabriken. Maschinenbau. Kratzenfabrik. Im Technikum 400

Studirende.

=Sehenswürdigkeiten.= Die =Stadtkirche= mit goth. Chorbau aus

Rochlitzer Porphir. =Kriegerdenkmal= auf dem Gottesacker. Unweit davon

ein Grabdenkmal von Rauch, einer Verwandten gewidmet. Ein Genius

aus grauem Marmor mit gesenkter Fackel schwebt mit einer verhüllten

Frauengestalt empor. Unfern das Denkmal des Schuldirectors Schneider,

welches ihm dankbare Schüler errichteten. Mittweida ist der Geburtsort

des Theologen Tzschirner, Prof. und Superintendent in Leipzig, und des

Bildhauers Johannes Schilling, der das Niederwalddenkmal geschaffen.

=Spaziergänge.= Nach dem =Galgenberg= und in die städtischen Anlagen am

=Schwanenteich=, von dem allbeliebten Bürgermeister Voigt geschaffen.

Am Galgenberg grosse Cordieritblöcke, die man als eratische Blöcke

betrachtet. Zwei davon sind zugänglich gemacht. Nach den =städtischen

Anlagen= im =Scheibenbusch= geht man durch die Gottesaue oder über

die Bellevue. Die hier belegene =Rathskanzel= und der =Försterfelsen=

sind Felsbasteien über der Zschopau mit romantischen Thalblicken. Die

gegenüberliegende (künstl.) Ruine auf dem Carolafelsen nennt sich die

Zschopenburg. 2 km von Neudörfchen entfernt liegt die =Marienhütte=,

gleichfalls eine Bastei über der Zschopau mit sehr romantischen

Thalbildern.

Unsere Tour führt uns nun über die =Rössgener Höhe= (mit guter

Aussicht) hinab nach der =Via mala=, ein Promenadenweg am schroffen

Abhang der Zschopau. Wo sich das Thal erweitert, liegt =Ringethal=.

Gasthaus. Rococoschlösschen. Das kleine idyllisch gelegene

Kirchlein besitzt eine Silbermannsche Orgel. Eine herrliche uralte

Linde bedeckt einen guten Theil des Kirchhofs. Von der Lutherlinde,

unter der Luther gepredigt haben soll, ist nur noch ein Stumpf

vorhanden. Eine Inschrift erzählt von dem Brand des Baumes, der

Lutherpredigt und einem wunderbaren Astbruch, der sieben unter dem

Baum spielende Kinder unversehrt liess.

Wegweiser zeigen nach dem nahen =Raubschloss=, einer höchst geschickt

aufgemauerten künstl. Ruine. Eine wirkliche Burg Grunadow (oder

auch Rochlinti) soll hier gestanden haben und es findet sich

auch wirklich noch uraltes Gemäuer. Schöne Thalbilder von den

Fensterhöhlen aus.

Ein Fussweg führt hinab zu der nahen, westlich gelegenen =Lauenhainer

Mühle=. Man zieht eine Klingel, worauf Leute aus der Mühle die

Fähre zur Ueberfahrt herbeirudern. (Die reizend gelegene Mühle ist

auch Schenke.) Die Weiterwanderung im Thalzug abwärts führt uns

an dem =Pfaffenstein= vorüber, von welchem das aufgeregte Volk

nach der Lutherpredigt in Ringethal einen kath. Priester gestürzt

haben soll. Später passiren wir den sehr ansehnlichen =Tannenberger

Felsensturz=. Wo die Zschopau im scharfen Knie gegen Osten abbiegt

hinauf nach =Höfchen= und

=Kriebstein=. Die stolze, höchst malerische Burg liegt 45 m über

der Zschopau auf schroffer Felszinne. Im Schlosshof alterthümliches

Architecturbild. (Ein Gemälde von Prof. Hahn, den Kriebsteiner

Schlosshof darstellend, hängt in der Dresdner Galerie.) Im Innern

Gemälde auf die Geschichte der Burg bezüglich, darunter ein Bild, auf

welchem die Gemahlin des Ritters Staupitz diesen auf dem Rücken aus der

Burg trägt. (Ein Seitenstück zu den Weibern von Weinsberg.) Rüstkammer

mit Waffen aus der ersten Zeit nach Erfindung des Schiesspulvers. Alte

intr. Möbel, Riesenbetten. Die Kapelle ist in den Felsen gehauen. Vom

Speisesaal blickt man fast senkrecht in die Zschopau hinab. Vom nahen

Jägerhaus romantische Blicke auf das schluchtartige Zschopauthal.

=Schloss Ehrenberg=, Kriebstein gegenüber, doch höher gelegen, gewährt

höchst fesselnde Aussicht auf das trotzige Felsennest mit seinem echt

mittelalterlichen Charakter. Im Thalkessel liegt die Niethammer'sche

Papierfabrik.

Der Fussweg von Ehrenberg nach Kriebethal führt an einem alten

Gemäuer und an schönen Aussichtspunkten vorüber. In =Kriebethal=

erreichen wir die Strasse. Zwischen hier und Waldheim steht der

=Napoleonsstein=. (Napoleon suchte hier nach der Schlacht bei

Lützen einen Uebergang für seine Armee.)

=Waldheim.= Löwe. Schaubes Hotel. Stadt Bremen. Rest. zum Rathskeller.

Schützenhaus. Schweizerthal, beide mit Gärten. 7800 Einw. Weberei.

Cigarrenfabrikation. Harmonika- u. Möbelfabriken. Nach der Schlacht bei

Lützen (1813) zogen sich die Verbündeten über Waldheim zurück. Um die

Zschopaubrücke fanden Kämpfe statt. Das ausgedehnte Waldheimer Schloss

dient als Strafanstalt. (1500 Insassen.) Zur Besichtigung muss die

Erlaubniss der Direction nachgesucht werden. Die erste Insassin des

Waldheimer Zuchthauses war ein Mädchen Namens Apel, eines Zeugmachers

Tochter aus Lunzenau, bekannt unter dem Spitznamen Prinz Lieschen;

sie hatte sich für den jungen Kurprinzen ausgegeben und büsste ihren

Uebermuth von 1716 ab mit lebenslänglichem Gefängniss.

=Spaziergänge= und zwar sehr dankbare besitzt das schöngelegene

Waldheim mehrere. Der beliebteste ist nach dem =Siegesthurm= auf dem

=Wachberge= mit prächtiger Aussicht auf die romantische Umgebung. Zwölf

Säulen mit franz. Kanonenkugeln umgeben den stattlichen Thurm. Schöne

Anlagen in der Nähe, darunter die sog. =goldene Höhe=.

Bei der Rückfahrt nach Chemnitz bietet sich vom Zug aus ein

anmuthiges Städtebild dicht hinter dem Waldheimer Bahnhof. Bei

Station =Erlau= liegt der vielbesuchte Erlauer Gasthof.

26. =Chemnitz-Frankenberg= (17 km). =Hainichen= (19 km). =Rosswein=

(20 km). =Döbeln= (Haltestelle, 8 km). =Waldheim= (9½ km). =Mittweida=

(durch die Mittweidaer Schweiz, 17 km). =Chemnitz= (18 km).

Von Chemnitz über Lichtenwalde nach Frankenberg siehe Tour 22. Die

Eisenbahn überschreitet hinter Frankenberg den =Lützelthalviaduct=

und gewinnt die Hochebene von Hainichen.

=Hainichen.= Deutsches Haus. Löwe. Post. Rest. zum Rathskeller. Krugs

Gartenrest. Feldschlösschen. 8500 Einw. Grossartige Flanellindustrie,

die sich schon von Weitem durch bunte Tuchrahmen ankündigt. (Jährlich

250000 Flanellstücke.) In Hainichen wurde am 4. Juli 1715 Gellert

geboren. Dem bedeutendsten deutschen Fabeldichter ist auf dem Markt ein

Standbild von Rietschels Hand errichtet. Ausserdem ist seinem Andenken

eine Stiftung gewidmet, ein Rettungshaus für verwahrloste Kinder.

(Gellert entstammt dem Hainicher Pfarrhaus, wo er im Kreise seiner

zwölf Geschwister seine Jugend verlebte.)

Die Bahn geht von hier im anmuthigen =Striegisthal= entlang an

dem Fabrikdorf =Böhrigen= vorüber, wo die grosse Lehmann'sche

Flanellfabrik inmitten vieler Arbeiterhäuser liegt. Bei Striegis

gewinnt sie das Thal der Freiberger Mulde.

=Rosswein.= Rheinischer Hof. Pragers Hotel. Fischers Gasthaus. Rest.

zum Rathskeller. Baums Restaurant. Schützenhaus mit Garten. Pönitz'sche

Gartenwirthschaft. 7000 Einw. Lebhafte Fabrikstadt in anmuthiger Lage

an der Freiberger Mulde. Tuch- und Cigarrenfabrikation. In der Nähe

wird Walkerde abgebaut. Rosswein war einst ein Besitzthum des Klosters

Altzelle. Am Rathhaus ein Ross mit Weintraube, welche den Namen der

Stadt versinnlichen sollen, der indess slav. Ursprungs sein dürfte.

2 km entfernt liegt =Gersdorf=, wo noch lebhaft Silberbergbau betrieben

wird. Intr. ist der Adamsstollen, auf dem Erze in die nahen Pochwerke

verschifft werden. Am Weg dahin prächtige Aussicht auf Stadt und

Umgebung; überhaupt gewähren die umliegenden Höhen anmuthige Thalbilder.

Die Bahn wendet sich im Muldenthal zurück nach =Striegis= und am

Fluss abwärts bis vor Döbeln. Die Thalwanderung neben der Bahn

und dem Fluss ist abwechslungsreich. Bei =Mahlitzsch= liegt

die sogenannte =Kempe= am rechten Ufer der Mulde, eine uralte

Burgruine, wahrscheinlich sorbischen Ursprungs. Eine andere Strasse

führt über =Nausslitz=, sie steigt bis 230 m an und gestattet

öfter freie Rundblicke über die fruchtbare Döbelner Pflege. Mit

Dampf fährt man nur bis Haltestelle Döbeln. Der Bahnhof liegt 2 km

entfernt.

=Döbeln.= Gasthof: Die Sonne. 11800 Einw., sehr alte Stadt, die schon

981 urkundlich erwähnt wird. Getreidehandel. Tuch- und Lederfabriken.

Bedeutende Fassfabrik. Wagenbauerei. Die Cigarrenfabrikation liefert

jährlich etwa 40 Millionen Stück. In der Nähe der Stadt das Staupitzbad

ist das älteste Kiefernnadelbad im Lande. Auf dem Schlossberg stand

ehedem eine Burg der Dohnaer Burggrafen, die 1429 von den Hussiten

zerstört ward. An derselben Stelle erhebt sich jetzt die stattliche

neue Bürgerschule. 1762 lieferte Prinz Heinrich von Preussen den

Oestreichern ein siegreiches Gefecht in der Umgebung der Stadt.

_+Anmerkung.+ Von Döbeln lässt sich ein sehr dankbarer Abstecher nach

dem anmuthigen Leisnig machen (17 km). Man fährt mit Dampf an den

Ruinen des Klosters Buch vorüber. Näheres siehe unter Leisnig Seite 75._

Die Eisenbahn von Döbeln nach Waldheim gewinnt bei Station =Limmritz=

das tiefeingeschnittene Zschopauthal und an grossen Futtermauern

entlang folgt sie den romantischen Windungen des Flusses. Waldheim,

s. S. 70. Von Waldheim geht man zu Fuss nach =Kriebethal=, dann

hinauf nach Ehrenberg oder gleich nach Kriebstein, dann über

Höfchen hinab nach der Zschopau und zur Lauenhainer Mühle. Hier

überfahren, hinauf nach dem Raubschloss, dann nach Ringethal und

über die Viamala nach Mittweida. Von hier mit Dampf. Sämmtliche

Punkte finden sich in Tour 25 schon beschrieben.

27. =Chemnitz-Cossen= (22 km). =Wechselburg= (2½ km). =Rochlitz= (über

den Rochlitzer Berg, 7 km). =Colditz= (11 km). =Grimma= (16 km).

=Leisnig= (22 km). =Döbeln= (16 km). =Waldheim= (9½ km). =Mittweida=

(13½ km). =Chemnitz= (18 km).

Wir fahren an dem bereits beschriebenen =Burgstädt= vorüber oder

gehen im =Chemnitzthal= entlang nach Cossen. (Siehe Routennetz.) In

nächster Nähe der Station Cossen liegt der =Göhrener Viaduct=, zwar

nicht das grösste, wohl aber das imposanteste und architectonisch

schönste Brückenbauwerk, das in Sachsen zu finden. Der Mittelbogen

hat eine Spannweite von 26 m. Die Länge der Brücke beträgt 412, die

Höhe 68 m. Ein anmuthiger Thalweg führt uns am linken Muldenufer

nach =Alt-Zschillen=. Auf halbem Weg dahin, an der Einmündung der

Chemnitz schönes Thalbild.

=Wechselburg.= Sächs. Hof. Goldener Löwe. Marktflecken. 3000 Einw.

Gräfl. Schönburg'sches Schloss. Ehemals war hier ein Augustinerkloster

Zschillen, das wegen Ueppigkeit der Mönche aufgehoben und in eine

Comthurei des Deutschordens verwandelt wurde. Der Name Wechselburg soll

durch öfteren Tauschhandel entstanden sein. Die =Schlosskirche= ist der

berühmteste altromanische Bau Sachsens. (1174 erbaut, 1874 restaurirt.)

Kanzel mit sehr alten Reliefsculpturen in vortrefflichem Styl. Grabmal

des Kirchenstifters Grafen Dedo und seiner Gemahlin. Ueber dem Altar

ist eine Kreuzigungsgruppe bemerkenswerth, überhaupt ist die ganze

Kirche von hoher kunstgeschichtlicher Bedeutung. Im Schlosspark besuche

man die =Eulenkluft=. (Der jähe Fels trägt ein schwarzes Kreuz.) Eine

grosse Porphirplatte, bei Meerane gefunden, wird als ein heidnischer

Opferaltar bezeichnet, der dem Götzen Credo gewidmet war. (An der

Einsiedelei Ueberfahrt über die Mulde.)

Gampe's Erzgebirge mit Einschluss der böhmischen Bäder Teplitz, Karlsbad, Franzensbad und Marienbad, des Voigtlandes und des Granulitgebietes an den unteren Mulden. Ein Reisehandbuch · 第 30 / 47 题