10. =Freiberg-Nossen-Altzella.= Bahnausflug (25 km).

Die Bahn durchschneidet den Freiberger Spitalwald und gelangt später

in den grossen Zellaer Waldcomplex.

=Nossen= (slav. Nozzin). Stadt Dresden. Blauer Stern. Deutsches

Haus. 258 m. 3700 Einw. Anmuthig auf einer Höhe über der Mulde

gelegenes sauberes Städtchen. Das besonders vom Thal aus imposante

Schloss ist gegenwärtig Sitz der Gerichtsbehörden. Den ältesten

Theil, die sogenannte Dechantei, hat das Zwickauer Arbeitshaus in

Beschlag genommen als Zellengefängniss. Beim Neubau der Nossener

Stadtkirche 1563 erhielten die Bürger die landesherrliche Erlaubniss,

von den Ruinen des nahen Klosters Zella Mauertheile abtragen und

verwenden zu dürfen, daher die romanischen Seitenportale in dem sonst

nüchternen Bau. Im südl. Portal ist die sogenannte Rose von grösserem

kunsthistorischen Werth. Die darüber hängende Riesenrippe soll einer

lustigen Sage nach einem Fräulein von Neudeck zugehören.

=Altzella= (2 km von Nossen). Ausgedehnte, freilich schwer beraubte

Ruinenstätte des 1545 säcularisirten Cistercienserklosters Altenzella.

Ehedem markgräfl. Begräbnissstätte und mächtigstes Kloster des Meissn.

Markgrafenthums. Begraben liegen hier nach den Inschriften: Otto der

Reiche, Albrecht der Stolze, Dietrich der Bedrängte, Heinrich der

Erlauchte, Friedrich der Ernsthafte und Friedrich der Strenge und die

Gemahlinnen dieser Fürsten. Die Fürstengruft, 1787 restaurirt, erfreut

sich einer gewaltigen Akustik, die der Führer durch Gesänge weckt.

Auf einigen Grabsteinen finden sich die Bildnisse mehrerer Fürsten

in ziemlich kunstloser Weise dargestellt. Im Park liegen verstreut

viele Ueberreste des alten Klosters und seiner Begräbnisskapellen,

die von alten meissnischen Adelsgeschlechtern benutzt wurden. In der

Umfassungsmauer gegen Westen ein Thor in romanischem Styl. In den

Wirthschaftsgebäuden des jetzigen Kammergutes finden sich gleichfalls

noch viele Ueberreste des einst so mächtigen Klosters. Wie belebt die

Stätte war, das möge eine Notiz aus dem Anfange des 15. Jahrhunderts

illustriren, wonach im Jahre durchschnittlich 6000 Fremde zu Fuss und

5000 zu Pferd im Kloster einsprachen.

11. =Freiberg-Mulda= (15 km). =Bienenmühle= (12 km). =Georgensdorf=

(5½ km). =Fley= (7 km). =Langewiese= (5½ km). =Ossegg= (über Riesenburg

5 km). =Teplitz= (10 km).

Bis Bienenmühle ist Eisenbahnfahrt zu empfehlen, doch ist der Weg

im Muldenthal aufwärts oder über =Lichtenberg= keineswegs ohne

Anmuth. (Das gilt auch von der directen Strasse nach Frauenstein.

Bequemer erreicht man freilich die inter. Stadt mit ihrer Ruine

von Station =Mulda= aus. 10 km. Man geht am 615 m hohen Burgberg

vorüber und berührt kurz vor Frauenstein den Weissen Stein und das

Buttertöpfchen, intr. Quarzfelsen. Frauenstein s. S. 43.)

Hinter Mulda wird das Muldenthal einsamer und romantischer. Bei

=Bienenmühle= findet die Eisenbahn ihre vorläufige Endstation.

Gasthaus zu Bienenmühle gut und billig. Anmuthige Thallage des im

Entstehen begriffenen Ortes. Ein schöner Fussweg geht von hier

nach =Neuclaussnitz= und an der sogenannten =Säueck= vorüber

nach =Georgenthal= und =Georgensdorf=. Die Strasse, Klötzerweg

genannt, führt gleichfalls durch herrliche Waldungen. Auf der

Höhe beim Wegweiser nach Cämmerswalde einige Hundert Schritt

links gehen, wo sich ein Wegweiser nach Georgenthal findet.

Georgenthal-Georgensdorf und weiter siehe Routennetz.

12. =Freiberg-Bienenmühle= (15 km). =Cämmerswalde= (5 km).

=Purschenstein= (5 km). =Bad Einsiedel= (5 km). =Böhmisch Einsiedel=

(2 km). =Dorf Kreuzweg= (5½ km). =Oberleitersdorf= (6 km). =Ossegg=

(8 km). =Teplitz= (10 km).

Von Freiberg bis Bienenmühle s. Tour 11. Von hier gleichfalls

den Fussweg über Neuclaussnitz und die Säueck oder die Strasse

(Klötzerweg) nach Cämmerswalde und an der Flöha hinab nach

Purschenstein.

=Purschenstein.= Auf einem Felsen an der Flöha gelegenes Schloss, der

Familie von Schönberg gehörig, war ehemals ein böhmisches Krongut.

Ahnensaal mit Bildnissen Schönberg'scher Familienmitgliedern. Kostbare

Uhr, mehrfach prämiirt. Im Winterhaus tropische Nadelhölzer. Im Park

ein goth. Thorhaus und eine hölzerne Einsiedelei, unter welcher

sich die Familiengruft eingemauert befindet. Purschenstein mit

seinen finsteren Thürmen ist eines der imposantesten Schlösser des

Erzgebirges. Das nahe =Neuhausen= mit schöner, neuerbauter gothischer

Kirche gehört zu den sieben Spielwaarendörfern des Seiffener Bezirks

(siehe unter Seiffen). Erbgericht, gutes Landgasthaus.

In Windungen führt die Strasse aufwärts nach Bad Einsiedel. (Das Bad

steht etwas links der Strasse, die auf der Höhe schöne Ausblicke

auf den Olbernhauer Grund und die benachbarten Wälder gewährt.) Bei

einem Strassenknie geht ein angenehmer Fussweg durch den Wald an

das Bad.

=Bad Einsiedel.= Zur Herrschaft Purschenstein gehörig, vom Forstwirth

Ueberschaar bewirthet. 751 m hoch gelegen. Schwefelhaltiger Eisenquell.

Gegen 200 Badegäste. Beliebte Sommerfrische. Viel Passanten. Ausflüge

nach dem Schwartenberg (s. unter Seiffen) und dem 833 m hohen

=Ahornberg= (nach Böhmen beschränkt). Herrlich ist die Aussicht

bei =Göhren= (4 km von Bad Einsiedel entfernt) auf Böhmen hinab.

Touristen gehen dann von Göhren direct den =Rauschengrund= hinab nach

Oberleitersdorf.

In Dorf =Einsiedel= auf böhm. Seite das grosse Dietel'sche Gasthaus.

Die Strasse windet sich auf den Kamm hinauf und fällt dann rasch

ab nach =Dorf Kreuzweg=. Gasth. zur Waldburg. Herrliche Fernsicht

auf das eisenbahndurchzogene Eger- und Bielathal und auf das böhm.

Mittelgebirge. Die schönste Aussicht bietet die Waldblösse unfern

der Waldburg. Ein directer Weg führt durch den Hammergrund nach

Hammer. Johnsdorf ist Bahnstat. der Kommotau-Dux-Bodenbacher Bahn.

In Hammer herrlich gelegenes Rest. zur »=Deutschen Bruderhalle=«

mit ebenso schattigem als aussichtsreichem Garten. Hammer eignet

sich zur Sommerfrische.

=Oberleitersdorf.= Drei Linden. 5300 Einw. Industrielles Städtchen,

das Centrum der böhm. Spielwaarenindustrie. Vom Schiesshaus schöne

Ausblicke auf Thalbecken und Mittelgebirge.

Von hier mit Dampf oder die aussichtsreiche Strasse über =Ladung=

nach Ossegg und Teplitz. S. S. 40 und 21.

13. =Freiberg-Sayda= (mit Bahn bis Nassau 21, von hier über Claussnitz

10½ km, oder die Strasse über Brand und Grosshartsmannsdorf

28 km). =Purschenstein= (5 km). =Bad Einsiedel= und weiter nach

Oberleitensdorf, Ossegg, Teplitz. S. Routennetz.

Nach der ersten Variante geht man von Stat. Nassau nach Claussnitz

und über Friedebach nach Sayda. Wer auf Sayda verzichtet, geht

von Claussnitz direct über den 730 m hohen Meiseberg nach

Purschenstein (12 km). Im anderen Falle wandert man von Freiberg

durch das dichteste Schachtrevier nach =Brand= (6 km). Am Wege viel

bergmännisches Leben und links und rechts ertönen Bergglöckchen.

=Brand.= Zum Kronprinz. Goldner Stern. Rest. Rathskeller.

Bergstädtchen, 2818 Einw., die einzige Stadt Sachsens ohne

Kirche (ist nach Erbisdorf eingepfarrt). Von hier nach

=Grosshartmannsdorf= (8 km). Langes Dorf, an dessen Ende ein 60

hectaren grosser Bergteich liegt. 1880 entnahm man demselben

380 Ctr. Fische. Weiter führt uns der Weg an dem 711 m hohen

=Saydenberg= vorüber, ein Berg mit breitem, flachem Gipfel. Die

Ersteigung ist mühelos und verschafft einen umfassenden Blick

hinauf in das Centralerzgebirge und auf die Olbernhauer Gegend.

Bald berühren wir =Dörnthal=. 3½ km von der Strasse abseits liegt

der seeartige =Dörnthaler Bergteich=, von welchem aus der 28 km

lange Dörnthaler Kunstgraben beginnt, der dem Freiberger Bergbau

dient. Unfern des Teiches liegt die Mündung des ehemals berühmten

=Friedrich-Bennostollens=, der für Kähne schiffbar und so hoch

ist, dass ein Reiter passiren könnte. Früher wurde der noch heute

imposante Bau öfter illuminirt, wenn fürstl. Personen anwesend

waren.

=Sayda.= Löwe. Stern. Ross. Rest. zum Rathskeller. 1612 Einw. 677 m. ü.

M. Das freundliche Städtchen ist nach dem Brande 1842 fast neuerbaut.

Sayda war im frühesten Mittelalter eine wichtige Handelsetappe zwischen

Böhmen und dem Norden Deutschlands. Eine Judenstadt ist verschwunden,

auch von der alten Sorbenburg Saydowa ist kein Stein mehr zu sehen. In

der Kirche Grabmäler vom Bildhauer Nosseni, der Familie von Schönberg

zugehörig. Von der Thurmgallerie grosse Umschau über die Olbernhauer

Gegend und über das Centralerzgebirge bis zur Augustusburg.

Nach Purschenstein hinab geht man den angenehmeren Fussweg am Wald,

die Strasse zur Linken lassend. Purschenstein und weiter siehe

Routennetz.

Gampe's Erzgebirge mit Einschluss der böhmischen Bäder Teplitz, Karlsbad, Franzensbad und Marienbad, des Voigtlandes und des Granulitgebietes an den unteren Mulden. Ein Reisehandbuch · 第 27 / 47 题