22. Auftritt

Dieselben und Uteschitelny.

Uteschitelny (tritt ein, verzweifelt). Zum Teufel, früher als in vier

Tagen kann er es keinesfalls machen, ich möchte mir den Kopf an der Wand

zerschellen.

Icharew. Warum hast du denn nur solche Eile, kannst du denn nicht noch

vier Tage warten?

Schwochnew. Das ist es ja, Liebster, das ist für uns viel zu wichtig.

Uteschitelny. Warten? Weißt du denn, daß man uns stündlich in

Nischni-Nowgorod erwartet? Wir haben es dir noch nicht erzählt. Schon

vor vier Tagen haben wir die Meldung bekommen, wir müßten eiligst dahin

und sollten unter allen Umständen etwas Geld mitbringen. Ein Kaufmann

hat da für sechshunderttausend Rubel Eisen mitgebracht. Dienstag ist die

endgültige Abmachung, und das Geld wird ihm bar ausgezahlt; und gestern

ist ein anderer mit Flachs für eine halbe Million angekommen.

Icharew. Nun, was ist denn dabei?

Uteschitelny. Wieso, was ist denn dabei? Die Alten sind doch zu Hause

geblieben, und haben an ihrer Stelle ihre Söhne hingeschickt.

Icharew. Ob aber die Söhne auch ganz bestimmt spielen werden?

Uteschitelny. Aber wo lebst du bloß? Etwa in China? Weißt du denn nicht,

wie diese Kaufmannssöhnchen sind? Der Kaufmann erzieht ja seinen Sohn

derart, daß er entweder gar nichts weiß, oder nur das weiß, was ein

Adliger und nicht was ein Kaufmann zu wissen braucht. Natürlich ist auch

das Söhnchen danach: spaziert am Arm mit Offizieren, und bummelt herum.

Das ist für uns die einträglichste Kundschaft, mein Liebster. Diese

Schafsköpfe wissen nicht, daß sie für jeden Rubel, den sie uns

abschwindeln, tausend bezahlen. Jawohl, das ist unser Glück, daß der

Kaufmann nur daran denkt, seine Töchter mit einem General zu verheiraten

und dem Sohne Rang und Titel zu verschaffen.

Icharew. Und sind das auch sichere Sachen?

Uteschitelny. Ob es sichere Sachen sind! Man würde uns doch nicht

benachrichtigt haben. Es ist fast alles in unsern Händen, jede Minute

ist jetzt teuer.

Icharew. Ach, zum Teufel, was sitzen wir denn hier. Meine Herren, wir

haben ja abgemacht, gemeinschaftlich zu arbeiten.

Uteschitelny. Gewiß, das ist auch unser Vorteil. Hör mal, was mir

eingefallen ist. Du brauchst ja vorläufig nicht zu eilen. Du hast jetzt

achtzigtausend in barem Geld. Gib uns das Geld und nimm Glows Wechsel

von uns, du bekommst sicher hundertfünfzigtausend, also das Doppelte,

und uns würdest du noch gar einen Dienst erweisen. Denn wir brauchen

jetzt das Geld so sehr, das wir mit Freuden das Dreifache für jede

Kopeke zu zahlen bereit sind.

Icharew. Sehr gern, warum nicht: um Ihnen zu beweisen, daß die

Freundschaft ... (Geht an die Kassette und nimmt einen Haufen

Geldscheine hervor.) Hier habt ihr achtzigtausend.

Uteschitelny. Und hier hast du die Wechsel. Jetzt eile ich gleich zu

Glow, ich will ihn herbeiholen und alle Formalitäten erledigen. Krugel,

bring das Geld auf mein Zimmer. Hier hast du den Schlüssel zu meiner

Kassette. (Krugel ab.) Ach, wenn wir es einrichten könnten, daß wir

heute abend abreisen können! (Ab.)

Icharew. Natürlich, natürlich, hier ist keine Minute zu verlieren.

Schwochnew. Und dir rate ich auch, hier nicht noch lange sitzen zu

bleiben. Sowie du das Geld bekommen hast, komme sofort zu uns. Mit den

zweihunderttausend -- weißt du, was man damit machen kann? Man kann

einfach den ganzen Jahrmarkt in die Luft sprengen ... Ach, ich habe ganz

vergessen, dem Krugel etwas Wichtiges zu sagen. Warte nur, ich komme

gleich zurück. (Schnell ab.)

Sämmtliche Werke 5: Dramatische Werke · 第 173 / 240 题