9. Auftritt

Dieselben ohne Uteschitelny.

Icharew. Wahrhaftig, wie kann man wissen, manchmal scheint eine Sache

ganz unmöglich.

Schwochnew. Ich bin auch derselben Meinung. Wir haben's doch nicht mit

Göttern zu tun, sondern mit einem Menschen, und ein Mensch bleibt immer

ein Mensch. Heute sagt er nein, morgen nein, übermorgen nein, und am

vierten Tage, wenn man ihm nur ordentlich zusetzt, sagt er ja. Mancher

tut ja bloß so, als ob er so unzugänglich sei, aber wenn man genauer

zusieht, so merkt man, daß nur viel Lärm um nichts gemacht worden ist.

Krugel. Nun, dieser ist nicht derart.

Icharew. Ach, wenn's doch wäre! Es ist nicht zu glauben, wie jetzt der

Trieb zur Tätigkeit in mir erwacht ist. Sie müssen wissen, daß mein

letzter Gewinn von achtzigtausend beim Oberst Tschebotarjów bereits vom

vergangenen Monat herrührt. Seitdem habe ich einen ganzen Monat keine

Praxis mehr gehabt. Sie können sich kaum denken, was für eine Langeweile

ich in dieser ganzen Zeit ausgestanden habe, eine tödliche Langeweile!

Schwochnew. Ich begreife diese Lage ganz wohl. Es ist gerade wie bei

einem Feldherrn: was muß der empfinden, wenn es keinen Krieg gibt. Das,

mein Liebster, ist einfach eine fatale Zwischenpause. Ich weiß es aus

eigener Erfahrung, das ist kein Spaß.

Icharew. Du glaubst es nicht, es kommt manchmal so weit, daß, wenn

jemand bloß fünf Rubel in der Bank halten würde, ich bereit wäre, mich

hinzusetzen und zu spielen.

Schwochnew. Eine ganz natürliche Sache. So hat auch schon manchmal der

geschickteste Spieler verloren: aus Melancholie, wenn keine Arbeit da

ist, gerät er in der Hitze manchmal an einen von jenen, die man

Habenichtse und Stromer nennt, -- nun, und verliert alles um nichts und

wieder nichts.

Icharew. Ist der Glow reich?

Krugel. Oh, Geld hat er schon! Ich glaube, so gegen tausend Leibeigene.

Icharew. Ei, der Teufel! Vielleicht könnte man ihm was zu trinken geben,

Champagner, was?

Schwochnew. Er nimmt keinen Tropfen in den Mund.

Icharew. Was ist nun mit ihm zu machen? Wie kommt man an ihn heran? Aber

nein, ich denke doch, das Spiel ist eine verführerische Sache. Ich

glaube, wenn er sich nur hinsetzen wollte und zusehen, wie die andern

spielen, so würde er's doch nicht aushalten.

Schwochnew. Nun, wir wollen's jetzt versuchen. Wir wollen hier etwas

abseits mit Krugel ein ganz kleines Spielchen machen. Aber man muß ihm

nicht zu viel Aufmerksamkeit schenken, alte Leute sind mißtrauisch.

(Setzen sich abseits an den Spieltisch.)

Sämmtliche Werke 5: Dramatische Werke · 第 147 / 240 题