Podkoliessin (allein).
Podkoliessin. Es ist wahr! Was war ich denn bis auf den heutigen Tag?
... Hatte ich auch nur einen Begriff vom Leben? ... Ach, gar
keine Ahnung hatt' ich! Was war denn schließlich dies mein
Junggesellen-Dasein? ... Was galt ich? ... Was tat ich? Ich lebte ...
vegetierte so hin ... versah meinen Dienst ... ging ins Departement ...
aß und schlief ... mit einem Wort, ich war der hohlste, gewöhnlichste
Mensch von der Welt. Jetzt erst sehe ich ein, wie dumm doch die Menschen
sind, die nicht heiraten. Und wenn man so zusieht, wie viele so blind
dahintrotten. Wenn ich ein König wäre, wahrhaftig, ich erließe ein
Gesetz ... alle Menschen in meinem Reiche müßten sich verheiraten. Unter
meiner Herrschaft sollte es auch nicht einen Hagestolzen geben! Ja, wenn
ich so daran denke, noch ein paar Augenblicke, und ich werde verheiratet
sein. Wie lange noch, ... und ich werde alle Wonnen auskosten, wie sie
eigentlich doch nur im Märchen vorkommen. Eine Seligkeit, die sich nicht
ausdrücken läßt, und für die sich keine Worte finden lassen. (Pause.)
Übrigens mag man sagen, was man will, aber es wird einem beinahe
unheimlich zumute, wenn man sich das alles so genau vorstellt! ... Sich
für immer ... für das ganze Leben, sei dem, wie ihm wolle ... sich für
das ganze Leben zu binden. Denn: dann gibt's keine Reue mehr ... keine
Ausrede ... nichts, nichts mehr ... dann ist's vorbei ... dann ist alles
zu Ende! Ja, eigentlich könnte ich ja schon jetzt nicht mehr zurück.
Noch ein paar Augenblicke, ... und man steckt im Joch! Nicht mal
durchgehen könnte man mehr ... dort unten steht schon der Wagen, ... und
... alles ist schon vorbereitet! ...
Wie? Sollte es denn wahrhaftig kein Zurück mehr geben? Natürlich, jetzt
geht's nicht mehr! Dort in der Tür und überall stehen Menschen. Wie? ...
sie würden fragen: ... He, was ist los? ... Nein, nein, es geht nicht
mehr! Doch halt, da ist ja ein offenes Fenster! Wie, wenn ... wenn, wenn
ich da hinausspränge? ... Nein, unmöglich ... Das würde sich nicht
schicken ... Und dann ... ist es ja wohl auch zu hoch ... (Er geht ans
Fenster.) Na, gar so hoch ist's eigentlich nicht! Es sind ja nur die
Grundmauern, und die sind ja gar nicht so hoch. Aber nein, ich habe ja
nicht einmal meinen Hut bei mir! ... So, ohne Hut ... das würde sich
wirklich nicht passen! Hm, wie ... Sollte es wirklich nicht ohne Hut
gehen? ... Hm, wie, wenn man es vielleicht doch versuchte! ... Soll ich
es wagen? ... Wie? ... (Er steigt auf die Fensterbank und springt
hinunter mit den Worten:) Gott steh mir bei! (Man hört ihn draußen
ächzen und stöhnen.) Mein Gott, das ist aber verdammt hoch! ... He,
Kutscher! ...
Stimme eines Droschken-Kutschers. Soll ich vorfahren?
Podkoliessins Stimme. Nach dem Kanal, an der Semjonowschen Brücke.
Die Stimme des Kutschers. Einen Groschen, gnädiger Herr, das ist nicht
zu viel.
Podkoliessins Stimme. Na, schön ... Nur los!
(Man hört die Droschke fortrollen.)