20. Auftritt

Die Vorigen ohne die Frauen.

Eierkuchen. Da haben wir's! Jetzt laufen sie alle fort. Was soll das nun

wieder bedeuten? ...

Kotschkarjow. Wahrscheinlich ist irgend etwas passiert? ...

Schewakin. Vielleicht ist die Toilette in Unordnung geraten. Man muß

etwas nachhelfen ... Vielleicht das Mieder feststecken ... (Thekla kommt

zurück; alle stürzen mit Fragen auf sie zu.) Nun, nun, was ist los?

Kotschkarjow. Ist was passiert? ...

Thekla. Wie soll denn was passiert sein! Bei Gott! Nichts ist passiert.

Kotschkarjow. Warum ist sie denn dann fortgelaufen?

Thekla. Ihr habt sie in Verlegenheit gebracht. Darum ist sie

rausgelaufen. Sie war ja ganz verwirrt und wußte nicht mehr ein noch

aus. Sie bittet mich, daß Ihr sie entschuldigen sollt. Ihr möchtet doch

heute abend zu einem Glas Tee kommen. (Geht ab).

Eierkuchen. Eh, dieses Glas Tee! Deswegen kann mir die ganze Heiraterei

gestohlen werden. Nun geht wieder die Plackerei von vorne los ... »Heute

haben wir keine Zeit ... bitte kommen Sie morgen ... oder übermorgen ...

auf ein Glas Tee! Wir müssen es uns noch überlegen« ... Und dabei ist

die Heirat doch 'ne ganz lumpige Sache. Erfordert durchaus kein

Kopfzerbrechen. Hol's der Teufel! Ich steh im Dienst, ich hab' keine

Zeit.

Kotschkarjow (zu Podkoliessin). Hör mal du, das Mädel ist nicht übel,

was? ...

Podkoliessin. Durchaus nicht übel!

Schewakin. Nettes Mädchen das!

Kotschkarjow (beiseite). Teufel, dieser Esel ist wohl verliebt! Er

verpfuscht uns womöglich noch die ganze Geschichte. (Laut.) Die ist doch

nicht nett! Auch nicht im mindesten.

Eierkuchen. Die Nase ist zu groß.

Schewakin. O nein. Davon habe ich nichts bemerkt. Sie ist ein richtiges

Röschen!

Anutschkin. Auch ich möchte mich dieser Ansicht anschließen. Es ist doch

nichts Rechtes. Ich möchte sogar zweifeln, daß sie etwas von den Formen

der feinen Welt versteht. Es ist noch die Frage, ob sie das Französische

beherrscht.

Schewakin. Aha, dann gestatten Sie mir wohl die Frage, warum haben Sie

es nicht versucht, mit ihr Französisch zu sprechen. Vielleicht kann sie

es doch?

Anutschkin. Sie glauben, daß ich des Französischen mächtig bin. Ach

nein, ich hatte leider niemals das Glück, eine dahingehende Erziehung zu

genießen. Mein Vater war ein Schweinehund, sozusagen ... ein Lump. Er

hat gar nicht daran gedacht, mich Französisch lernen zu lassen. Damals

war ich ja noch ein Kind; es wäre also ganz leicht gewesen, es mir

beizubringen. Ich hätte nur tüchtig Prügel zu bekommen brauchen, dann

könnte ich heute Französisch.

Schewakin. Da Sie es nun aber nicht verstehen, was könnte es Ihnen

nützen, wenn diese ...

Anutschkin. O nein! Bei einer Frau ist das etwas ganz anderes. Sie muß

es unbedingt können; sonst ist eben ... dieses und das und ... (er macht

ein paar Gesten) alles eben nicht in Ordnung.

Eierkuchen (beiseite). Mag sich ein anderer darüber den Kopf zerbrechen.

Ich will unterdessen mal hinlaufen und mir das Haus und seine beiden

Seitenflügel von unten ansehen. Wenn da nur alles in Ordnung ist, dann

setze ich es heute abend noch durch. Diese Herren Freier sind mir gewiß

nicht gefährlich, das ist ja man 'ne recht schwächliche Sorte. Solche

Gesellen! Nein, die Frauenzimmer haben einen andern Geschmack.

Schewakin. Man sollte sich eine Pfeife anzünden! Haben wir vielleicht

denselben Weg? Darf ich fragen, wo wohnen Sie doch gleich?

Anutschkin. Bitte sehr, in Peßki, in der Petrowski-Gasse.

Schewakin. Hm, das wäre allerdings ein Umweg. Ich wohne auf

Wassiliewski-Ostrow, in der achtzehnten Linie. Übrigens kann ich Sie

doch begleiten.

Starikow. Nein, die Herrschaften sind mir doch etwas zu hochnäsig. Na,

Agathe Tichonowna, Sie werden noch einmal an mich denken. Ich empfehle

mich Ihnen, meine Herren. (Er verbeugt sich und geht ab.)

Sämmtliche Werke 5: Dramatische Werke · 第 105 / 240 题