12. Auftritt

Agathe Tichonowna legt Karten, Arina Panteleimonowna, ihre Tante,

blickt ihr über die Achseln in die Karten.

Agathe Tichonowna. Tantchen, sieh, schon wieder ein Weg! Ein Karo-König

interessiert sich für mich. ... Tränen! ... Ein Liebesbrief ... links

der Treff-König zeigt große Teilnahme, aber hier liegt ein böses Weib

dazwischen.

Arina Panteleimonowna. Und was denkst du, der Treff-König: wer mag das

sein?

Agathe Tichonowna. Das kann ich doch nicht wissen.

Arina Panteleimonowna. Aber ich weiß es.

Agathe Tichonowna. Ja? ... Wer? ...

Arina Panteleimonowna. Nun, der nette Kaufmann vom Tuchmarkt, Alexei

Dmitriewitsch Starikow.

Agathe Tichonowna. Ach, der doch auf keinen Fall. Ich gehe jede Wette

ein, daß der es nicht ist.

Arina Panteleimonowna. Streite doch nicht, Agathe Tichonowna, sieh doch

die blonden Haare hier; einen andern Treff-König gibt es ja gar nicht.

Agathe Tichonowna. Aber nicht doch, Tantchen, Treff-König ist immer ein

Edelmann. Ein Kaufmann reicht noch lange nicht an den Treff-König heran.

Arina Panteleimonowna. Ach, Agathe Tichonowna, du würdest auch anders

reden, wenn dein seliger Vater, Tichon Panteleimonowitsch, noch am Leben

wäre. Der schlug manches liebe Mal mit der Faust auf den Tisch und

schrie: »Ich spucke auf jeden, der sich schämt, ein Kaufmann zu sein.

Ich gebe meine Tochter keinem Obersten,« sagte er. »Mögen das doch andre

Leute machen. Und mein Sohn, der soll mir auch nicht Beamter werden«,

sagte er. »Dient nicht der Kaufmann seinem Zaren genau so gut wie jeder

andere?« sagte er. Und dabei schlug er so mit der Faust auf den Tisch,

daß es krachte. Und das war 'ne Hand, sag' ich dir, so groß wie ein

Eimer. Ja, solch ein leidenschaftlicher Mensch war er. Wenn ich offen

sein soll, deiner seligen Mutter hat er das Leben auch gehörig

versalzen. Sonst hätt' sie wohl noch länger gelebt.

Agathe Tichonowna. Nun, soll ich etwa eben solch einen bösen Mann

kriegen? Nein, unter keinen Umständen nehme ich einen Kaufmann.

Arina Panteleimonowna. Aber Alexei Dmitriewitsch ist doch gar nicht

solch einer.

Agathe Tichonowna. Nein, ich will ihn nicht. Ich mag ihn nicht. Und dann

trägt er einen Vollbart. Beim Essen wird es ihm immer in den Bart

heruntertropfen. Nein, nein, ich will ihn nicht!

Arina Panteleimonowna. Aber wo soll man nur einen anständigen Adligen

hernehmen? Sie liegen doch nicht auf der Straße herum!

Agathe Tichonowna. Thekla Iwanowna wird schon einen auftreiben. Sie

versprach mir's, den Allerschönsten zu finden.

Arina Panteleimonowna. Ach, die schwindelt ja nur, Herzchen.

Sämmtliche Werke 5: Dramatische Werke · 第 94 / 240 题