Die Vorigen und Podkoliessin mit einem Spiegel in der Hand, in
dem er sich aufmerksam betrachtet.
Kotschkarjow (kommt herangeschlichen und erschreckt ihn). Puff!
Podkoliessin (schreit auf und läßt den Spiegel fallen, der zerbricht).
Du? Du bist wohl verrückt geworden? .. Was für einen Sinn hat das nur?
.. Wozu diese Dummheiten? .. Wahrhaftig, ich bin so erschrocken, daß ich
gar nicht weiß, wo ich bin.
Kotschkarjow. Ach, reg dich nicht auf ... es war doch nur ein Spaß!
Podkoliessin. Ein schöner Spaß! Ich kann mich bis jetzt nicht vom
Schreck erholen. Und der Spiegel ist zerbrochen. Das war doch kein
billiges Stück. Den hab' ich in einem englischen Laden gekauft.
Kotschkarjow. Nun, nun, sei friedlich! Ich werde dir einen andern
Spiegel kaufen.
Podkoliessin. Ja, ja, ich weiß schon. Ich kenne diese andern Spiegel
schon. In denen sieht man um zehn Jahre älter aus. Die ganze Fratze wird
einem schief darin.
Kotschkarjow. Ich hätte viel mehr Grund, mich über _dich_ zu ärgern. Ich
bin doch dein Freund, und du verheimlichst mir alles. Du willst dich
verheiraten!
Podkoliessin. Ach, Unsinn. Wer denkt denn daran.
Kotschkarjow. Bitte, hier steht der Beweis. (Zeigt auf Thekla.) Man weiß
schon, was das für ein Vogel ist. Nun, nun, das schadet ja nichts. Das
ist doch kein Verbrechen! Ein ganz christliches Werk, sogar ein
patriotisches Werk! Doch, laß mich nur machen! Ich nehme alles auf mich.
(Zu Thekla.) Also, nun los, erzähle. Wie, wo, was. Ist es 'ne Adlige,
eine aus dem Beamten- oder Kaufmannsstande und, vor allem, -- wie heißt
sie?
Thekla. Agathe Tichonowna heißt sie.
Kotschkarjow. Aha, Agathe Tichonowna Brandachlistowa!
Thekla. Nein, Kuperdjagina.
Kotschkarjow. Na ja, und wohnt in der Schestilawotschnaja.
Thekla. Nicht doch, in der Nähe von Peßki wohnt sie. In der
Müllnijgasse.
Kotschkarjow. Natürlich, in der Müllnijgasse, gleich hinter dem
Kramladen. In dem hölzernen Haus.
Thekla. Nein, nicht hinter dem Kramladen; hinter der Schenke.
Kotschkarjow. Wieso hinter der Schenke? ... Das versteh ich nicht.
Thekla. Wenn du in die Gasse einbiegst, so kommst du gleich an einem
Häuschen vorbei. Gleich hinter dem Häuschen mußt du nach links
einbiegen. Dann siehst du das hölzerne Haus vor dir, in dem die Näherin
wohnt, ... die, die früher mit dem Obersekretär des Senats
zusammengelebt hat. An der Näherin also mußt du vorübergehen: du läßt
sie hinter dir. Aber sofort danach, das steinerne Haus, das gehört
_ihr_. Das heißt, da wohnt sie: Agathe Tichonowna, die Braut.
Kotschkarjow. Gut, gut. Ich werde schon Alles besorgen. Jetzt kannst du
abziehen. Wir brauchen dich nicht mehr.
Thekla. Was, du willst doch nicht, .... du kriegst doch keine Heirat
zustande!
Kotschkarjow. Selbstverständlich! Ich besorge das ganz allein. Du
brauchst dich um nichts mehr zu kümmern.
Thekla. Pfui, schäme dich. Das ist doch kein Beruf für Männer. Lassen
Sie die Hand davon, Väterchen! Ich bitte Sie!
Kotschkarjow. Geh, geh nur. Was verstehst denn du davon? Schuster, bleib
bei deinen Leisten. Los, Abfahrt!
Thekla. Was? Du willst den Leuten das Brot wegnehmen? Wart, du alter
Sünder. Mischt sich in diese Angelegenheit. Wenn ich das gewußt hätte!
Kein Wort wäre über meine Lippen gekommen! (Läuft wütend hinaus.)