16. Szene

Die Vorigen und Ossip.

Ossip. Der Wagen ist bereit.

Chlestakóff. Schön, Ossip, gleich.

Polizeimeister. Sie geruhen abzureisen?

Chlestakóff. Ja, ich reise.

Polizeimeister. Und wann -- das heißt -- ... Sie geruhten doch selber

vorhin auf eine Hochzeit anzuspielen?

Chlestakóff. Ach, das ist nur momentan. Ich reise bloß für einen Tag zu

meinem Onkel -- reicher alter Mann -- morgen bin ich wieder zurück.

Polizeimeister. Wir wagen nicht Sie zurückzuhalten -- in Hoffnung auf

ein glückbringendes Wiedersehen.

Chlestakóff. Aber was denn! Ich bin ja gleich wieder da. Leb wohl, meine

Liebe ... Nein, ich kann es nicht ausdrücken, leb wohl, mein Herzchen!

(Küßt ihr die Hand.)

Polizeimeister. Benötigen Sie vielleicht etwas für die Reise? Sie

schienen etwas knapp an Geldmitteln?

Chlestakóff. O nein, wie so? (Denkt etwas nach.) Na, übrigens ja, bitte.

Polizeimeister. Wieviel wünschen Sie?

Chlestakóff. Sie gaben mir damals zweihundert, das heißt nicht

zweihundert, sondern vierhundert, ich will aus Ihrem Versehen keinen

Vorteil ziehen -- dann also bitte jetzt noch einmal vierhundert, damit

es rund achthundert sind.

Polizeimeister. Sofort. (Holt die Scheine aus der Brieftasche.) Noch

dazu, wie bestellt, ganz neue Scheine.

Chlestakóff. Sieh da! (Nimmt und betrachtet die Scheine.) Das ist schön.

Heißt es nicht »neues Geld, neues Glück«?

Polizeimeister. Sehr richtig!

Chlestakóff. Leben Sie wohl, Antón Antónowitsch, ich bin Ihnen sehr

dankbar für Ihre Gastfreundschaft. Ich habe noch nirgendwo eine so gute

Aufnahme gefunden. Leben Sie wohl, Anna Andréjewna, mein süßer Schatz,

Márja Antónowna!

(Hinter der Szene):

Stimme des Chlestakóff. Leb wohl, Engel meiner Seele, Márja Antónowna!

Stimme des Polizeimeisters. Wie? Sie wollen mit dem einfachen Postwagen

reisen?

Stimme des Chlestakóff. Ja, ich bin's schon so gewohnt. In den federnden

Wagen bekomme ich nur Kopfschmerzen.

Stimme des Postillons. Prrr! ...

Stimme des Polizeimeisters. Man sollte ihn wenigstens mit etwas

überdecken und wenn's auch nur ein Teppich wäre. Soll ich nicht nach

einem Teppich schicken?

Stimme des Chlestakóff. Nein, wozu. Das ist unnötig. Aber vielleicht

doch -- gut, lassen Sie einen holen.

Stimme des Polizeimeisters. He, Awdótja, lauf in die Kammer und hol den

besten Teppich, den mit dem blauen Fond, den persischen, schnell!

Stimme des Postillons. Prrr!

Stimme des Polizeimeisters. Wann dürfen wir Sie zurück erwarten?

Stimme des Chlestakóff. Morgen oder übermorgen.

Stimme des Ossip. Is das der Teppich? Gib ihn hierher. So hinlegen. So,

und dort noch 'n bissel Heu, so.

Stimme des Postillons. Prrr!

Stimme des Ossip. Noch auf der Seite! Hierher! Noch! Genug! So wird's

fein gehn. (Schlägt mit der Hand auf den Teppich.) So, Euer Wohlgeboren,

nu setzen Sie sich!

Stimme des Chlestakóff. Adieu, Antón Antónowitsch!

Stimme des Polizeimeisters. Leben Sie wohl, Euer Exzellenz!

Weibliche Stimmen. Adieu, Iwán Alexándrowitsch!

Stimme des Chlestakóff. Adieu, Mama!

Stimme des Postillons. Los, ihr Hengste!

(Die Postglocke ertönt, der Vorhang fällt.)

(Ende des vierten Aufzuges.)

Sämmtliche Werke 5: Dramatische Werke · 第 59 / 240 题