Chlestakóff. Kaufleute (mit Weinkörben und Zuckerhüten).
Chlestakóff. Was wollt ihr, lieben Leute?
Kaufleute. Klagen kommen wir vor Eure Barmherzigkeit.
Chlestakóff. Worum handelt es sich?
Kaufleute. Laß uns nicht verderben, allergnädigster Herr! Unschuldig
richtet er uns zugrunde!
Chlestakóff. Wer?
Einer der Kaufleute. Alles unser Polizeimeister! Herr, so einen
Polizeimeister hat's noch nie gegeben. Was der uns für Niedertracht
antut, das is nich auszudenken. Hat uns so ausgeplündert, daß man bloß
noch 'ne Schlinge um den Hals braucht. Wie geht er auch mit einem um!
Kriegt einen beim Bart zu packen und sagt: »Ach du Tatarenhund!« Bei
Gott, das tut er! Wenn wir ihm noch hätten was abgehen lassen; aber wir
tun ja alles, was wir nur können: was er verlangen kann zu Kleidern für
seine Frau und seine Tochter -- daran läßt man's ja nicht fehlen. Aber,
siehste, das is ihm alles noch nich genug! Kommt in den Laden rein, und
was ihm in die Hände fällt, alles nimmt er mit: sieht er 'n Stück Stoff:
»He, Freundchen, schöner Stoff; trag ihn mal zu mir rüber!« Nu und man
muß 'n ihm hintragen, und dabei sind's doch wenigstens fünfzig Ellen!
Chlestakóff. Nicht möglich? Ist das ein Spitzbube!
Kaufleute. Wirklich wahr! Auf so'n Polizeimeister kann sich keiner nich
besinnen. Man versteckt schon alles im Laden, wenn man ihn kaum kommen
sieht. Nich mal feine Sachen nur nimmt er, nein, er nimmt jeden Dreck:
Backpflaumen, die schon sieben Jahr in der Tonne liegen und die bei uns
kein Hausknecht fressen möchte -- aber er steckt sich so 'ne Handvoll
davon da rein. Auf St. Anton ist sein Namenstag, und man denkt nu, man
hat alles gegeben, was er nur brauchen kann: nein, noch mehr soll man
geben; er sagt, auf St. Onuphrius hätt' er auch noch 'n Namenstag. Was
soll man nu tun? Man muß auch den St. Onuphrius feiern.
Chlestakóff. Aber das ist ja ein richtiger Räuber!
Kaufleute. Ach Gott, ja. Aber versuch' einer sich zu sperren, gleich
schickt er einem 'n ganzes Regiment Einquartierung. Schlägt man Lärm,
dann läßt er einem die Türen verrammeln und sagt: »Foltern und geißeln
kann ich dich nicht, das erlaubt mir das Gesetz nicht, aber, Bürschchen,
du sollst mir Heringe fressen, bis dir ...!«
Chlestakóff. Dieser Halunke! Der gehört ja direkt nach Sibirien!
Kaufleute. Ach, wo deine Gnade ihn auch hinschickt, das ist uns alles
recht, nur weiter weg von uns. Lieber Vater, verachte nich unser Salz
und Brot: laß uns dir mit diesem Endchen Zucker und 'nem Körbchen Wein
unsere Ehrfurcht beweisen.
Chlestakóff. Nein, das laßt bleiben: ich nehme absolut keine Geschenke.
Aber wenn ihr mir zum Beispiel dreihundert Rubel leihen wolltet, das
wäre dann was anderes; das kann ich nehmen.
Kaufleute. Bitte, lieber Vater, bitte! (Sie holen Geld heraus.) Warum
nur dreihundert? Nimm doch lieber gleich fünfhundert, nur hilf uns!
Chlestakóff. Wohlverstanden: ein Darlehn -- dabei bleibt's; ich nehme es
an.
Kaufleute (reichen ihm auf einer silbernen Schale das Geld). Tu uns die
Gnade und behalt' auch gleich die Schale.
Chlestakóff. Nun, meinetwegen auch die Schale.
Kaufleute (sich verbeugend). Dann nimm doch auch schon auf einen Hieb
die Zuckerhüte und ...
Chlestakóff. O nein, Geschenke niemals ...
Ossip. Euer Hochwohlgeboren! Warum nehmen Sie's nich? Nehmen Sie's doch.
Auf der Reise kann man alles brauchen. Her mit dem Zucker und mit den
Körben! Alles her! Alles kann zu was taugen. Was is da? 'n Strick? Her
mit dem Strick! Auch 'n Strick is gut auf die Reise; bricht mal was am
Wagen oder sonst was -- man kann's dann doch binden.
Kaufleute. Tun Sie uns nu auch die Gnade, Euer Herrlichkeit! Wenn Sie
uns auf unsre Bitten nich helfen, dann wissen wir nich mehr wohin, dann
schon lieber gleich 'n Strick um den Hals.
Chlestakóff. Unbedingt! Unbedingt! Ich werde mich bemühen.
(Die Kaufleute entfernen sich; man hört die)
Stimme eines Weibes. Nein, du darfst mich nicht abweisen; auch dich
werde ich verklagen; stoß mich doch nicht so!
Chlestakóff. Wer ist dort? (Tritt ans Fenster.) Was willst du,
Mütterchen?
Stimme zweier Frauen. Um deine Barmherzigkeit flehen wir, Vater! Herr,
hör uns an!
Chlestakóff (ruft hinaus). Einlassen!