9. Szene

Chlestakóff. Ossip (mit Schreibzeug und Papier).

Chlestakóff. Na, du Esel, siehst du wohl, wie sie mich hier verwöhnen

und hofieren! (Beginnt zu schreiben.)

Ossip. Ja, Gott sei gelobt! Aber wissen Sie was, Iwán Alexándrowitsch?

Chlestakóff. Na?

Ossip. Reisen Sie ab! Wahrhaftig, 's is Zeit!

Chlestakóff (schreibt). Verrücktheit! Weshalb denn?

Ossip. Na so. Was gehen uns alle die Leute an! Zwei Tage haben wir uns

hier ausgetobt, na und nu is genug! Was brauch man sich länger mit ihnen

abgeben. Spucken Sie drauf! Die Luft is auch nich ganz rein: 's kann wer

anders ankommen -- wahrhaftig, Iwán Alexándrowitsch! Und Pferde gibt's

hier so tüchtige -- laufen können die ...!

Chlestakóff (schreibt). Nein, ich möchte noch bleiben. Meinetwegen denn

morgen.

Ossip. Eh, morgen! Fahren wir doch heute, Iwán Alexándrowitsch! Und wenn

man Ihnen hier auch viel Ehre antut, Sie wissen's ja alleine: besser is

auf und davon ... Man nimmt Sie hier ja doch nur für einen andern, und

unser alter Herr wird sich ärgern, wenn Sie solange fackeln. Fein

könnten wir wahrhaftig abkutschieren! Und stramme Pferde würden sie

geben!

Chlestakóff (schreibt). Na gut. Aber erst besorge mir diesen Brief, und

dann kannst du meinetwegen gleich einen Postwagen bestellen. Aber sieh

zu, daß wir tüchtige Pferde bekommen. Sag dem Postillon: ich lasse ein

paar silberne springen, wenn er mich flott wie einen Staatskurier fährt

und hübsch dazu bläst! ... (Schreibt weiter.) Ich sehe schon im voraus,

wie sich Trapítschkin totlachen wird ...

Ossip. Herr, ich schick den Brief lieber mit dem Hausknecht fort und

pack unterdessen geschwind ein, damit keine Zeit verloren geht.

Chlestakóff. Gut. Bring ein Licht.

Ossip (geht hinaus und spricht hinter der Szene). He, Kamerad! Sollst 'n

Brief auf die Post tragen und sag dem Postmeister, er soll ihn franko

befördern, und er soll dem Herrn gleich die beste Tróika schicken, mit

Kurierpferden; und sag, der Herr zahlt dafür nich, sag: 'ne Fuhre auf

Staatskosten. Aber flott muß alles gehn, sonst schimpfen seine Gnaden

der Herr. Wart, der Brief is noch nich fertig.

Chlestakóff (schreibt weiter). Möchte nur wissen, wo er jetzt wohnt, ob

auf der Poststraße oder der Krautstraße; er liebt auch von einem

Quartier ins andre zu ziehn und die Miete schuldig zu bleiben. Na, ich

schreibe aufs Geratewohl: Poststraße. (Faltet den Brief und adressiert.)

Ossip (bringt ein Licht).

Chlestakóff (siegelt).

(Währenddessen hört man die Stimme Djerschimórdas: »Fort, du

Lausbart, hörst doch, daß keiner rein darf!«)

Chlestakóff (gibt Ossip den Brief). Da, bring ihn fort.

(Stimmen der Kaufleute: »Laß uns doch rein! Du mußt uns

reinlassen, wir kommen um Geschäfte!«)

Stimme Djerschimórdas. Raus! Raus! Er empfängt nich, er schläft!

(Der Lärm nimmt zu.)

Chlestakóff. Was ist da los, Ossip? Sieh mal nach, was der Lärm

bedeutet.

Ossip (sieht aus dem Fenster). Da sind Kaufleute, die rein wollen, aber

der Polizist läßt sie nich. Sie winken mit Papieren. Wahrscheinlich

wollen sie zu Ihnen.

Chlestakóff (tritt ans Fenster). Was wollt ihr, guten Leute?

Stimmen der Kaufleute. Wir kommen zu deiner Barmherzigkeit! Hab Mitleid,

Herr, und nimm unsere Bittschriften an!

Chlestakóff. Man soll sie hereinlassen! Sie mögen kommen. Ossip, sag

ihnen, sie mögen kommen.

Ossip (geht hinaus).

Chlestakóff (nimmt durchs Fenster Bittschriften entgegen, faltet eine

auseinander und liest). »Seiner hochwohlgeborenen Erlauchtheit dem Herrn

Finanziell vom Kaufmann Awdúljin ...« der Teufel soll wissen, was das

ist; und solchen Titel gibt's erst recht nicht!

Sämmtliche Werke 5: Dramatische Werke · 第 51 / 240 题