Chlestakóff. Ossip (mit Schreibzeug und Papier).
Chlestakóff. Na, du Esel, siehst du wohl, wie sie mich hier verwöhnen
und hofieren! (Beginnt zu schreiben.)
Ossip. Ja, Gott sei gelobt! Aber wissen Sie was, Iwán Alexándrowitsch?
Chlestakóff. Na?
Ossip. Reisen Sie ab! Wahrhaftig, 's is Zeit!
Chlestakóff (schreibt). Verrücktheit! Weshalb denn?
Ossip. Na so. Was gehen uns alle die Leute an! Zwei Tage haben wir uns
hier ausgetobt, na und nu is genug! Was brauch man sich länger mit ihnen
abgeben. Spucken Sie drauf! Die Luft is auch nich ganz rein: 's kann wer
anders ankommen -- wahrhaftig, Iwán Alexándrowitsch! Und Pferde gibt's
hier so tüchtige -- laufen können die ...!
Chlestakóff (schreibt). Nein, ich möchte noch bleiben. Meinetwegen denn
morgen.
Ossip. Eh, morgen! Fahren wir doch heute, Iwán Alexándrowitsch! Und wenn
man Ihnen hier auch viel Ehre antut, Sie wissen's ja alleine: besser is
auf und davon ... Man nimmt Sie hier ja doch nur für einen andern, und
unser alter Herr wird sich ärgern, wenn Sie solange fackeln. Fein
könnten wir wahrhaftig abkutschieren! Und stramme Pferde würden sie
geben!
Chlestakóff (schreibt). Na gut. Aber erst besorge mir diesen Brief, und
dann kannst du meinetwegen gleich einen Postwagen bestellen. Aber sieh
zu, daß wir tüchtige Pferde bekommen. Sag dem Postillon: ich lasse ein
paar silberne springen, wenn er mich flott wie einen Staatskurier fährt
und hübsch dazu bläst! ... (Schreibt weiter.) Ich sehe schon im voraus,
wie sich Trapítschkin totlachen wird ...
Ossip. Herr, ich schick den Brief lieber mit dem Hausknecht fort und
pack unterdessen geschwind ein, damit keine Zeit verloren geht.
Chlestakóff. Gut. Bring ein Licht.
Ossip (geht hinaus und spricht hinter der Szene). He, Kamerad! Sollst 'n
Brief auf die Post tragen und sag dem Postmeister, er soll ihn franko
befördern, und er soll dem Herrn gleich die beste Tróika schicken, mit
Kurierpferden; und sag, der Herr zahlt dafür nich, sag: 'ne Fuhre auf
Staatskosten. Aber flott muß alles gehn, sonst schimpfen seine Gnaden
der Herr. Wart, der Brief is noch nich fertig.
Chlestakóff (schreibt weiter). Möchte nur wissen, wo er jetzt wohnt, ob
auf der Poststraße oder der Krautstraße; er liebt auch von einem
Quartier ins andre zu ziehn und die Miete schuldig zu bleiben. Na, ich
schreibe aufs Geratewohl: Poststraße. (Faltet den Brief und adressiert.)
Ossip (bringt ein Licht).
Chlestakóff (siegelt).
(Währenddessen hört man die Stimme Djerschimórdas: »Fort, du
Lausbart, hörst doch, daß keiner rein darf!«)
Chlestakóff (gibt Ossip den Brief). Da, bring ihn fort.
(Stimmen der Kaufleute: »Laß uns doch rein! Du mußt uns
reinlassen, wir kommen um Geschäfte!«)
Stimme Djerschimórdas. Raus! Raus! Er empfängt nich, er schläft!
(Der Lärm nimmt zu.)
Chlestakóff. Was ist da los, Ossip? Sieh mal nach, was der Lärm
bedeutet.
Ossip (sieht aus dem Fenster). Da sind Kaufleute, die rein wollen, aber
der Polizist läßt sie nich. Sie winken mit Papieren. Wahrscheinlich
wollen sie zu Ihnen.
Chlestakóff (tritt ans Fenster). Was wollt ihr, guten Leute?
Stimmen der Kaufleute. Wir kommen zu deiner Barmherzigkeit! Hab Mitleid,
Herr, und nimm unsere Bittschriften an!
Chlestakóff. Man soll sie hereinlassen! Sie mögen kommen. Ossip, sag
ihnen, sie mögen kommen.
Ossip (geht hinaus).
Chlestakóff (nimmt durchs Fenster Bittschriften entgegen, faltet eine
auseinander und liest). »Seiner hochwohlgeborenen Erlauchtheit dem Herrn
Finanziell vom Kaufmann Awdúljin ...« der Teufel soll wissen, was das
ist; und solchen Titel gibt's erst recht nicht!