Chlestakóff. Postmeister (tritt ein, in Gala und aufrechter
Haltung, die Hand am Degen).
Postmeister. Habe die Ehre, mich vorzustellen: Postmeister und Hofrat
Schpékin!
Chlestakóff. Ah, sehr willkommen! Ich liebe angenehme Gesellschaft.
Setzen Sie sich. Leben Sie beständig hier?
Postmeister. Zu dienen.
Chlestakóff. Mir gefällt Ihr Städtchen. Es ist freilich nicht sehr
bevölkert -- aber was tut das? Es ist ja doch keine Residenz, nicht
wahr? Es ist ja doch keine Residenz?
Postmeister. Vollkommen richtig.
Chlestakóff. Den _bon ton_ gibt's doch eben nur in der Residenz, die hat
auch keine Provinzgänse. Was ist Ihre Meinung, wie?
Postmeister. Durchaus die nämliche! (Beiseite.) Scheint gar nicht stolz
zu sein; erkundigt sich nach allem.
Chlestakóff. Sagen Sie mal aufrichtig: auch in einer kleinen Stadt läßt
es sich wohl ganz hübsch leben?
Postmeister. O gewiß.
Chlestakóff. Ich meine so, was braucht man weiter? Man braucht nur
geachtet und geliebt zu sein -- nicht wahr?
Postmeister. Sehr richtig bemerkt.
Chlestakóff. Ich bin wirklich recht erfreut, daß Sie so ganz meiner
Meinung sind. Ich gelte allerdings für einen Sonderling, aber das ist
nun mal meine Charakteranlage. (Sieht ihm in die Augen und spricht für
sich.) Ob ich diesen Postmeister wohl anpumpen kann? (Laut.) Was mir da
komisches passiert ist! Ich habe mich auf der Reise ganz verausgabt.
Könnten Sie mir vielleicht dreihundert Rubel leihen?
Postmeister. Aber sofort! Mit dem größten Vergnügen! Haben Sie die Güte.
Stehe bereitwilligst zu Diensten.
Chlestakóff. Sehr verbunden! Offen gestanden, es ist mir in den Tod
zuwider, mich auf der Reise einschränken zu sollen; wozu auch? Nicht
wahr?
Postmeister. Sehr richtig. (Erhebt sich, in aufrechter Haltung und die
Hand am Degen.) Ich wage nicht, Sie länger mit meiner Gegenwart zu
belästigen ... Hätten Sie einige Anweisungen hinsichtlich des
Postdienstes?