4. Szene

Chlestakóff. Postmeister (tritt ein, in Gala und aufrechter

Haltung, die Hand am Degen).

Postmeister. Habe die Ehre, mich vorzustellen: Postmeister und Hofrat

Schpékin!

Chlestakóff. Ah, sehr willkommen! Ich liebe angenehme Gesellschaft.

Setzen Sie sich. Leben Sie beständig hier?

Postmeister. Zu dienen.

Chlestakóff. Mir gefällt Ihr Städtchen. Es ist freilich nicht sehr

bevölkert -- aber was tut das? Es ist ja doch keine Residenz, nicht

wahr? Es ist ja doch keine Residenz?

Postmeister. Vollkommen richtig.

Chlestakóff. Den _bon ton_ gibt's doch eben nur in der Residenz, die hat

auch keine Provinzgänse. Was ist Ihre Meinung, wie?

Postmeister. Durchaus die nämliche! (Beiseite.) Scheint gar nicht stolz

zu sein; erkundigt sich nach allem.

Chlestakóff. Sagen Sie mal aufrichtig: auch in einer kleinen Stadt läßt

es sich wohl ganz hübsch leben?

Postmeister. O gewiß.

Chlestakóff. Ich meine so, was braucht man weiter? Man braucht nur

geachtet und geliebt zu sein -- nicht wahr?

Postmeister. Sehr richtig bemerkt.

Chlestakóff. Ich bin wirklich recht erfreut, daß Sie so ganz meiner

Meinung sind. Ich gelte allerdings für einen Sonderling, aber das ist

nun mal meine Charakteranlage. (Sieht ihm in die Augen und spricht für

sich.) Ob ich diesen Postmeister wohl anpumpen kann? (Laut.) Was mir da

komisches passiert ist! Ich habe mich auf der Reise ganz verausgabt.

Könnten Sie mir vielleicht dreihundert Rubel leihen?

Postmeister. Aber sofort! Mit dem größten Vergnügen! Haben Sie die Güte.

Stehe bereitwilligst zu Diensten.

Chlestakóff. Sehr verbunden! Offen gestanden, es ist mir in den Tod

zuwider, mich auf der Reise einschränken zu sollen; wozu auch? Nicht

wahr?

Postmeister. Sehr richtig. (Erhebt sich, in aufrechter Haltung und die

Hand am Degen.) Ich wage nicht, Sie länger mit meiner Gegenwart zu

belästigen ... Hätten Sie einige Anweisungen hinsichtlich des

Postdienstes?

Sämmtliche Werke 5: Dramatische Werke · 第 45 / 240 题