Polizeidiener öffnen beide Türflügel. Herein tritt Chlestakóff,
gefolgt vom Polizeimeister; weiter zurück Hospitalverwalter,
Schulinspektor, Dóbtschinski und Bóbtschinski, mit einem Pflaster
auf der Nase. Polizeimeister weist die Polizeidiener auf ein am
Boden liegendes Stück Papier; sie rennen hin, um es aufzuheben
und stoßen dabei vor Eifer mit den Köpfen zusammen.
Chlestakóff. Vortreffliche Anstalten! Es gefällt mir besonders gut, daß
man in Ihrer Stadt die Durchreisenden in alle Sehenswürdigkeiten
einführt. In andern Städten hat man mir gar nichts gezeigt.
Polizeimeister. In andern Städten, so wage ich zu behaupten, haben
Behörden und Beamte mehr ihren eigenen Vorteil im Auge; hier aber, das
darf ich wohl sagen, waltet nur das eine Streben: durch Ordnung und
Fürsorge sich das Wohlwollen seiner Obrigkeit zu verdienen.
Chlestakóff. Das Frühstück war ausgezeichnet; ich habe mich ordentlich
überessen. Gibt es so was bei Ihnen alle Tage?
Polizeimeister. Lediglich zu Ehren eines hochwillkommenen Gastes.
Chlestakóff. Ich esse gern mal gut. Dafür lebt man ja doch schließlich,
um die Blüte des Daseins zu pflücken. Wie hieß doch noch der Fisch?
Hospitalverwalter (vortretend). Laberdan, Ew. Gnaden.
Chlestakóff. Sehr schmackhaft! Wo speisten wir doch? Im Lazarett, nicht
wahr?
Hospitalverwalter. Sehr wohl, Ew. Gnaden, im Hospital.
Chlestakóff. Ach ja, ich erinnere mich, da standen Betten. Die Kranken
sind wohl geheilt? Viele schienen da nicht zu sein.
Hospitalverwalter. Höchstens zehn Mann, mehr nicht; die übrigen sind
alle geheilt. Das ist eben die Wirkung der vorzüglichen Ordnung. Seitdem
ich die Verwaltung übernahm -- es wird Ihnen freilich kaum glaubhaft
erscheinen -- seitdem werden sie alle gesund wie die Fliegen. Kaum kommt
ein Kranker ins Lazarett, und schon ist er geheilt; und das weniger
durch Medikamente als durch unsere Redlichkeit und Pflichttreue.
Polizeimeister. Und wie aufreibend -- verzeihen Sie die Kühnheit -- wie
aufreibend die verantwortungsvolle Tätigkeit eines Stadtoberhauptes!
Sachen jeder Art häufen sich, um nur der öffentlichen Bauten, der
Reparaturen und der Straßenreinigung zu gedenken ... mit einem Wort, der
klügste Mann käme in Verlegenheit -- doch, Gott sei Dank, hier bei uns
geht alles wie am Schnürchen. Ein andrer Polizeimeister würde da
zweifellos an seinen eigenen Vorteil denken; aber wollen Sie es mir
glauben, daß ich jeden Abend vor dem Schlafengehen für mich bete: »Herr,
mein Gott, lenke meine Taten, damit die Obrigkeit meinen Eifer erkenne
und zufriedengestellt sei!« ... Selbstverständlich ist es ihr freier
Wille, ob sie mich belohnen will oder nicht, aber ich für mein Teil habe
wenigstens ein reines Gewissen. Ist die Stadt überall wohlbestellt, sind
die Straßen gesäubert, die Gefangenen gut gehalten und wenig Betrunkene
zu sehen ... was will ich dann mehr? Bei Gott, nach Auszeichnungen
strebe ich nicht. Gewiß haben sie viel Verlockendes, aber vor der Tugend
sind sie nichts wie eitel Nichtigkeit und Staub.
Hospitalverwalter (beiseite). Tagedieb der, wie er auspackt! Gott
schenke mir solche Gabe!
Chlestakóff. Sehr richtig. Offen gestanden, auch ich philosophiere
zuweilen gerne; manchmal nur so in Prosa, aber gelegentlich entschlüpft
mir auch mal ein Vers.
Bóbtschinski (zu Dóbtschinski). Wie tiefsinnig, wie tiefsinnig das
alles, Pjotr Iwánowitsch! Diese Bemerkungen ... man sieht's, der hat die
Bildung studiert.
Chlestakóff. Ach, sagen Sie doch bitte, gibt es hier bei Ihnen keine
sogenannten Gesellschaften oder Klubs, wo man zum Beispiel ein Spielchen
Karten machen könnte?
Polizeimeister (beiseite). Seht doch das Füchschen, will einem Steine
über den Zaun werfen! (Laut.) Gott behüte! Solche Gesellschaften kennt
man hier kaum vom Hörensagen. Ich habe überhaupt noch nie Karten
angefaßt, weiß nicht einmal, wie man Karten spielt. Ich kann sie auch
nicht mit ruhigem Blute betrachten, und wenn ich mal zufällig so einen
Karo-König oder dergleichen vor Augen kriege, dann überkommt mich solch
Ekel, daß ich geradezu ausspucken muß. Einmal hatte ich den Kindern zu
Gefallen ein Kartenhaus aufgebaut, und hinterher mußte ich die ganze
Nacht von dem Plunder träumen! Hol sie der Kuckuck! Wie kann man nur
seine kostbare Zeit daran verschwenden ...
Schulinspektor (beiseite). Gauner, und hast mir erst gestern hundert
Rubel abgeknöpft!
Polizeimeister. ... ich verwerte sie lieber zum Wohle des Vaterlandes.
Chlestakóff. Nun, so ganz sollten Sie das doch nicht ... es hängt eben
alles davon ab, von welcher Seite man ein Ding betrachtet. Ja, wenn man
z. B. gerade in dem Augenblick paßt, wo man hätte _va banque_ spielen
sollen ... na, dann allerdings! ... Nein, sagen Sie das nicht, zuweilen
hat so ein kleines Spielchen was sehr Verlockendes.